Welches Bild liefert Kaléko hinsichtlich der Lage der Angestellten in der Weimarer Republik und wie äußert sie dadurch Gesellschaftskritik? Zu Beginn wird die Lage der Angestellten in der Weimarer Republik auf Grundlage von Siegfried Kracauers Werk „Die Angestellten“ thematisiert. Er gilt als erster Schriftsteller, der durch Realbeobachtungen die Arbeitswelt seiner Zeit widerspiegelte. Sodann wird auf die „Gebrauchslyrik“ eingegangen, derer Kaléko sich bediente und die Titelbedeutung des lyrischen Stenogrammhefts (LySt) thematisiert, denn sie gilt als literarisches Programm der Autorin. Nachdem die Analysekriterien vorgestellt wurden, folgt die Analyse der Gedichte: „Mannequins“ und „Randbemerkungen eines Liftboys“. Dabei dient die Dissertation von Wellershof als Grundlage, weil diese als bislang Einzige typische Charakteristika von Kalékos Lyrik formal und inhaltlich detailliert herausarbeitete. Die Arbeit endet mit einer Gesamtinterpretation sowie einem Fazit. In dieser Arbeit wird eine Neuauflage des LySt von 1956 verwendet, darin befindet sich ein weiteres Werk Kalékos, das „Kleine Lesebuch für Große“ (1934).
Inhaltsverzeichnis
1. Eine Gesellschaft im Umbruch
2. Die Lage der Angestellten in der Weimarer Republik
3. Gebrauchslyrik
4. Mascha Kaléko: „Das lyrische Stenogrammheft“
4.1 Analysekriterien
4.2 Interpretation ausgewählter Gedichte – Sozialportraits kleiner Leute
4.2.1 Mannequins
4.2.2 Randbemerkungen eines Liftboys
5. Gesamtinterpretation und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bild der Angestellten in der Weimarer Republik, wie es Mascha Kaléko in ihrem Werk „Das lyrische Stenogrammheft“ zeichnet, und analysiert, auf welche Weise die Autorin durch ihre Gedichte Gesellschaftskritik übt.
- Soziale Lage und Arbeitsbedingungen der Angestellten in der Weimarer Republik
- Die literarische Strömung der „Gebrauchslyrik“ als Ausdrucksform
- Analyse und Interpretation der Gedichte „Mannequins“ und „Randbemerkungen eines Liftboys“
- Einsatz formaler und sprachlicher Stilmittel zur Darstellung von Entfremdung
- Das Kaufhaus als Metapher für gesellschaftliche Klassenunterschiede
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Mannequins
„Mannequins“ befindet sich im LySt im ersten Kapitel des Werks: „Von Montag früh bis Wochenend“. Es handelt von weiblichen Angestellten eines Modeladens. Sie geben Einblicke in die Umstände, unter denen sie arbeiten und in denen sie leben.
Das Gedicht besteht aus drei Strophen, die in sich geschlossen sind. Mit je zehn Versen sind sie recht lang und weisen eine feste Form auf. Ihnen voraus ist ein unlyrisches Inserat in Form einer Zeitungsanzeige, das aus einer Überschrift mit zwei Zeilen besteht und sich vom Gedicht äußerlich abhebt. Die Silbenzählung ist unregelmäßig, der Versbau teilweise katalektisch.
Durch die abwechselnd langen und kurzen Verse wird eine Art Überraschungsmoment erzeugt, gleichzeitig zeigt dies erste Formbrüche auf. Denn das Versmaß wird in den langen Versen durch einen vierhebigen Jambus bestimmt, in den kurzen sind sie zweihebig. Ihre Ordnung ist nicht immer einheitlich, da in den langen Versen Sprünge zu härteren Daktylen erfolgen. Zäsuren entstehen durch Doppelpunktkonstruktionen, Gedankenstrichen, sowie der Verwendung des Dreipunkts innerhalb der Verse. Dies führt laut Wellershof zur starken Eigengewichtung einzelner Versteile, wobei der Verscharakter droht, zu verschwinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine Gesellschaft im Umbruch: Das Kapitel beleuchtet die sozioökonomischen Rahmenbedingungen der Weimarer Republik und führt in das Werk von Mascha Kaléko ein.
2. Die Lage der Angestellten in der Weimarer Republik: Es wird die gesellschaftliche Rolle und die schwierige Lebenssituation der Angestelltenschicht auf Basis zeitgenössischer Realbeobachtungen dargelegt.
3. Gebrauchslyrik: Dieses Kapitel definiert die Gebrauchslyrik als literarische Antwort auf die Moderne und erläutert deren sozialkritische Dimension.
4. Mascha Kaléko: „Das lyrische Stenogrammheft“: Die Autorin und ihr literarisches Programm werden vorgestellt, gefolgt von einer detaillierten Analyse zweier ausgewählter Gedichte inklusive ihrer formalen und inhaltlichen Merkmale.
5. Gesamtinterpretation und Fazit: Die Ergebnisse der Analysen werden zusammengeführt, um die indirekte Gesellschaftskritik Kalékos abschließend einzuordnen.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Mascha Kaléko, Gebrauchslyrik, Angestellte, Sozialportraits, Neue Sachlichkeit, Klassengesellschaft, Arbeitswelt, Fremdheit, Entfremdung, Ironie, Literaturanalyse, Mannequins, Liftboy, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Mascha Kaléko in ihrem Werk „Das lyrische Stenogrammheft“ die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Angestellten in der Weimarer Republik thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die soziale Schichtung der Weimarer Gesellschaft, die Arbeitsrealität in Großstädten und die literarische Auseinandersetzung mit dem Angestelltenstatus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welches Bild Kaléko von der Lage der Angestellten vermittelt und wie sie durch formale und sprachliche Mittel explizite Gesellschaftskritik äußert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt durch eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Gedichte unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen, insbesondere der Erkenntnisse von Siegfried Kracauer und Irene Astrid Wellershof.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über die Angestelltenkultur und Gebrauchslyrik sowie die konkrete, detaillierte Interpretation der Gedichte „Mannequins“ und „Randbemerkungen eines Liftboys“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Weimarer Republik, Gebrauchslyrik, Klassengesellschaft, Entfremdung, Sozialportraits und Gesellschaftskritik.
Welche Rolle spielt das Warenhaus in der Analyse?
Das Warenhaus fungiert in beiden analysierten Gedichten als zentrale Metapher für die Klassengesellschaft, wobei die Stockwerke die sozialen Hierarchien und die mangelnden Aufstiegschancen der Angestellten symbolisieren.
Wie setzt Kaléko Ironie ein?
Die Ironie dient Kaléko als Mittel der Illusionszerstörung und der Selbstbehauptung; sie entlarvt die Diskrepanz zwischen dem Schein einer glänzenden Arbeitswelt und der harten, prekären Realität der Angestellten.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Die Angestellten der Weimarer Republik in Mascha Kalékos "lyrischem Stenogrammheft", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151473