Gesundheitliche bzw. nichtmedizinische Prävention soll neben den bereits vorhandenen und etablierten Säulen Kuration, Rehabilitation und Pflege als eigenständige vierte Säule im Gesundheitswesen aufgebaut und etabliert werden. Soweit der Stand in den politischen Lagern und den Lagern aller beteiligter Akteure inklusive der Wissenschaft. Dieser aktuelle Stand der Dinge drückt aber auch den Ist-Zustand von vor knapp 10 Jahren aus. In der Debatte um ein Präventionsgesetz gilt es viele Stolpersteine zu umgehen – bislang zumeist mit dem Ausgang, dass der Weg zu bundeseinheitlichen Regelungen letztendlich doch wieder versperrt bleibt, da die Interessen der vorgenannten Akteure doch zu weit auseinanderklaffen und ein Spagat unmöglich erscheint.
Vorliegende Arbeit beschäftigt sich nach dem Zusammentragen des Status Quo mit Hilfe der Vergangenheit und den Rahmenbedingungen für Prävention in Deutschland (Kapitel 2), mit besonderem Schwerpunkt dem Präventionsgesetz und den Entwürfen, die in der Diskussion stehen und standen (Kapitel 3). Das Ziel dieser Arbeit ist es, eine Darstellung der Präventionsdebatte zu skizzieren. In Kapitel 4 wird der Versuch unternommen, im Stile eines Benchmarkingvergleiches
aus internationalen Gesundheitssystemen, Vorgehensweisen zu landeseinheitlichen
Präventionsregelungen zu identifizieren, um deren Übertragbarkeit zu prüfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausgangslage: Gesundheitliche Prävention in Deutschland
2.1 Zur Begriffsklärung
2.2 Entwicklung und Organisation der Prävention in Deutschland
2.3 Finanzierung der Prävention
2.4 Prävention durch Krankenkassen
3 Das Präventionsgesetz – Ein gescheitertes Unterfangen?
3.1 Die Historie – Ein kurzer Aufriss der Präventionsdebatte
3.2 Die Entwürfe und Kernpunkte
3.3 Kritik und Diskussion
4 Prävention und Gesundheitsförderung im internationalen Vergleich
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Status Quo der gesundheitlichen Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland, analysiert die politischen Debatten um ein mögliches Präventionsgesetz sowie deren bisheriges Scheitern und prüft internationale Strategien als Vergleichsmaßstab für die deutsche Diskussion.
- Grundlagen und Definitionen der gesundheitlichen Prävention.
- Entwicklung und Organisation der Prävention im deutschen Gesundheitssystem.
- Detaillierte Analyse der Präventionsgesetz-Entwürfe 2005 und 2007.
- Kritische Diskussion der Akteursinteressen und Finanzierungsmodelle.
- Internationaler Vergleich zur Ableitung von Empfehlungen für Deutschland.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Entwürfe und Kernpunkte
Im Wesentlichen existieren zwei veröffentlichte Entwürfe eines Gesetzes zur Stärkung der gesundheitlichen Prävention. Der erste Entwurf aus dem Jahre 2005 (BMGS 2005b; Bundestags-Drucksache 15/4833; siehe oben) und der sich aktuell in der neuerlichen Debatte befindliche Entwurf 2007 (BMG 2007). Bei beiden Gesetzesentwürfen handelt es sich um Artikelgesetze, die sich im Großen und Ganzen von inhaltlicher Seite her relativ ähnlich sind. Daher sollen die Entwürfe in diesem Kapitel parallel vorgestellt und an Hand von Zielsetzung, Instrumenten, Maßnahmen, Aufbringung und Verwendung der Mittel sowie zu Fragen der Qualitätssicherung differenziert werden.
Der grundsätzliche Zweck des Gesetzes zielt auf die Aufrechterhaltung und Stärkung von Gesundheit, Lebensqualität, Eigenverantwortung und Beschäftigungsfähigkeit durch Ressourcenstärkung. Die Gesundheit der Bevölkerung soll durch gesundheitliche Prävention und Gesundheitsförderung erhalten und verbessert werden. Sozial bedingte und geschlechtsbezogene Ungleichheit von Gesundheitschancen sollen durch die Implementierung des Gesetzes abgebaut werden. Die Ausrichtung hat ebenfalls einen Fokus auf die mit dem demografischen Wandel verbundenen Probleme der Zunahme chronischer Erkrankungen (vgl. Prümel-Philippsen/Robertz-Grossmann 2005, 36).
Eine begriffliche Vereinheitlichung der unterschiedlichen Definitionen von gesundheitlicher Prävention in den Sozialgesetzbüchern sollen durch das Gesetz vorgenommen werden, d. h. die Definition von „gesundheitliche Prävention“ sowie von „Primär-, Sekundär-, Tertiärprävention und Gesundheitsförderung“. Dies trägt zum gemeinsamen Verständnis gesundheitlicher Prävention bei allen Akteuren bei und umreißt auch gleichzeitig die Maßnahmen in den vier angegebenen Interventionsbereichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung etabliert die Notwendigkeit von Prävention als vierte Säule im Gesundheitswesen und skizziert das Ziel der Arbeit, die Debatte um ein Präventionsgesetz sowie internationale Strategien zu beleuchten.
2 Ausgangslage: Gesundheitliche Prävention in Deutschland: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe der Prävention und Gesundheitsförderung und analysiert die historische Entwicklung sowie die Finanzierungsstrukturen und die Rolle der Krankenkassen.
3 Das Präventionsgesetz – Ein gescheitertes Unterfangen?: Hier werden die zeitliche Abfolge der Debatte, die inhaltlichen Kernpunkte der Gesetzesentwürfe von 2005 und 2007 sowie die vielfältigen Kritikpunkte und Interessenkonflikte der verschiedenen Akteure detailliert dargestellt.
4 Prävention und Gesundheitsförderung im internationalen Vergleich: Das Kapitel vergleicht die Strategien in Österreich und der Schweiz mit der deutschen Situation, um Übertragungsmöglichkeiten für ein deutsches Präventionsgesetz zu evaluieren.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Dringlichkeit einer gesetzlichen Regelung und schlägt Lösungen für die Finanzierung und Organisation unter Berücksichtigung föderaler Strukturen vor.
Schlüsselwörter
Gesundheitliche Prävention, Gesundheitsförderung, Präventionsgesetz, Gesundheitswesen, Primärprävention, Krankenkassen, Finanzierung, Sozialversicherungen, Setting-Ansatz, internationale Strategien, Gesundheitspolitik, Qualitätssicherung, Public Health, Versorgungsstruktur, Sozialgesetzbuch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Status Quo und der politischen Debatte um ein bundesweites Präventionsgesetz in Deutschland sowie mit internationalen Vergleichsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Finanzierung präventiver Maßnahmen, die Rolle der Akteure im Gesundheitswesen, der Setting-Ansatz sowie der Vergleich mit den Systemen in Österreich und der Schweiz.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, den Verlauf der Präventionsdebatte in Deutschland nachzuzeichnen, die Gründe für das wiederholte Scheitern legislativer Anläufe zu identifizieren und Empfehlungen für eine erfolgreiche Implementierung zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, wertet Gesetzesentwürfe und Gutachten aus und nutzt einen internationalen Benchmarking-Vergleich, um Übertragbarkeit auf das deutsche System zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme der deutschen Prävention, eine tiefgehende Analyse der Präventionsgesetz-Entwürfe von 2005 und 2007 samt Kritik sowie einen internationalen Vergleich.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Präventionsgesetz, Primärprävention, Gesundheitsförderung, GKV, Sozialgesetzbuch und internationale Vergleichsstrategien charakterisiert.
Warum sind die Krankenkassen ein zentraler Kritikpunkt in der Präventionsdebatte?
Die Krankenkassen kritisieren eine finanzielle Überbelastung durch die Gesetzesentwürfe und fürchten einen Kompetenzverlust, während sie gleichzeitig die Hauptlast der Präventionsfinanzierung tragen.
Welche Rolle spielen die Bundesländer in der Debatte?
Die Bundesländer, exemplarisch durch Bayern, kritisieren die zentralistische Ausrichtung der Gesetzesentwürfe und verweisen auf die Verletzung ihrer föderalen Kompetenzen in der allgemeinen Gesundheitsprävention.
Was kann Deutschland laut Autor vom Schweizer Modell lernen?
Der Autor sieht im Schweizer Finanzierungsmodell, bei dem jeder Einwohner einen kleinen, sozialverträglichen Beitrag leistet, ein Vorbild für einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz unabhängig von Kassenleistungen.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Pflegewirt Philipp Preßmann (Autor:in), 2008, Gesundheitliche Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115153