Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet: Inwiefern kam es zu einer symbolischen Umdeutung der „Banderia Prutenorum“ zwischen der Schlacht von Tannenberg im Jahre 1410 bis zur Niederschrift des Jan Długosz im Jahre 1448? Um diese Frage zu beantworten, habe ich mich mit der Quelle „Banderia Prutenorum“ des Jan Długosz selbst, sowohl in der durch Sven Ekdahl editierten Form, als auch die Edition von Friedrich August Vossberg, beschäftigt. Des Weiteren nutzte ich weitere Fachliteratur, besonders zur allgemeinen Geschichte des Deutschordensstaates und zum Polen des späten Mittelalters, aber auch zu der Bedeutung von Fahnen und Bannern.
Eine der bedeutendsten Schlachten zwischen Polen und „Deutschen“, sowie eine der letzten großen Schlachten des Mittelalters. So und so ähnlich wird die „Schlacht von Tannenberg“ heutzutage betitelt. Ihre Ausmaße waren tatsächlich beträchtlich. Zwar liegen uns keine genauen Zahlen vor, jedoch gehen die Schätzungen bis zu einer Zahl von 70.000 Beteiligten (und zum Teil noch mehr) , obwohl diese Zahl wohl wesentlich zu hoch ist, wenn man die Zahl der eigentlichen Kämpfer betrachten will, welche wohl zwischen zirka 20.000 und 30.000 lag. Dieses Gefecht war der Grundstein des Niedergangs des Deutschen Ordens und dem wurde, vor allem auf der polnischen Seite, dementsprechend gedacht.
Diese Arbeit soll sich aber weniger mit der Schlacht als solcher beschäftigen, sondern legt ihren Fokus auf die Überbleibsel des Kampfgeschehens. Nach der Schlacht wurden die vom Deutschen Orden ins Feld geführten Banner durch die siegreichen Polen genommen und nach Krakau verfrachtet. Dort wurden sie in der Kathedrale auf dem Wawel ausgestellt und sollten so für alle Besucher der Stadt den Sieg über den Deutschen Orden symbolisieren. Der polnische Geschichtsschreiber Jan Długosz schrieb im Jahre 1448, also 38 Jahre nach der verhängnisvollen Begegnung bei Tannenberg die „Banderia Prutenorum“ als ein Sammelwerk über die verschiedenen Banner, die zu der Zeit in Krakau vorhanden waren. Sie gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Schlacht bei Tannenberg.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Feldzeichen
3. Banderia Prutenorum
4. Das Schlachtgedenken
5. Umdeutung oder nicht?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung und die historische Umdeutung der im Werk „Banderia Prutenorum“ des Chronisten Jan Długosz dokumentierten Banner des Deutschen Ordens. Dabei wird analysiert, wie sich der Wahrnehmungs- und Erinnerungskontext der erbeuteten Fahnen von der Zeit der Schlacht von Tannenberg im Jahr 1410 bis zur Entstehung des Manuskripts im Jahr 1448 gewandelt hat.
- Mittelalterliche Feldzeichen und ihre kommunikativen sowie symbolischen Funktionen.
- Die Entstehung und der Aufbau der „Banderia Prutenorum“ als Pracht- und Arbeitsmanuskript.
- Quellenkritische Analyse der „Banderia Prutenorum“ hinsichtlich historischer Ungenauigkeiten.
- Das mittelalterliche Schlachtengedenken und der Umgang mit Beutestücken als Teil der Memoria.
- Symbolische Umdeutungsprozesse der Banner im Kontext politischer und gesellschaftlicher Diskurse.
Auszug aus dem Buch
3. Banderia Prutenorum
Bevor es nun zu diesem geschichtsträchtigen Werk geht, möchte ich noch einen kurzen Abstecher zum Autor machen. Er wurde wohl um das Jahr 1415 geboren in Nowa Brzeźnica geboren und studierte von 1428 bis 1431 in Krakau. Ab 1431 stand er in Diensten des Krakauer Bischofs Zbigniew Oleśnicki, wurde durch seinen Fleiß sogar dessen Sekretär bis zu dessen Tode im Jahre 1455. Durch seine Anstellung beim Bischof stand er in einem Spannungsverhältnis mit dem polnischen König Władysław Jagiełło, welcher ihn aber ab 1464 selbst in seine Dienste aufnahm. So betraute er ihn erst mit wichtigen diplomatischen Aufgaben, wie der Aushandlung des Zweiten Thorner Friedens 1466, überließ ihm aber nach 1467 auch noch die Erziehung seiner Söhne. Kurz vor Długoszs Tode 1480 wurde er zum Erzbischof von Lemberg (Lwów) erwählt, konnte dieses Amt jedoch nie antreten. Seine wichtigsten Werke, so z.B. seine Geschichte Polens, entstanden zwischen 1455 und seinem Tode 1480 und sind gekennzeichnet durch die Widersprüchlichkeit der mittelalterlichen Geisteswelt und der neuen humanistischen Ausrichtung italienischer Gelehrter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der Schlacht von Tannenberg ein und legt den Fokus auf die als Trophäen nach Krakau verbrachten Banner sowie das Werk „Banderia Prutenorum“ als Quelle.
2. Feldzeichen: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge und Funktionen von Feldzeichen in der mittelalterlichen Kriegsführung, von der taktischen Kommunikation bis zur symbolischen Repräsentation von Macht.
3. Banderia Prutenorum: Hier wird das Werk des Jan Długosz sowie sein Autor vorgestellt und eine kritische Auseinandersetzung mit der Entstehung und den inhaltlichen Problemen der Handschrift geführt.
4. Das Schlachtgedenken: Das Kapitel beleuchtet, wie Schlachten im Mittelalter als Teil der Memoria und spirituellen Fürsorge in das kulturelle Gedächtnis integriert wurden.
5. Umdeutung oder nicht?: Der abschließende Teil beantwortet die Forschungsfrage, indem er die fortwährende Neuinterpretation und den Bedeutungswandel der Banner über die Jahrhunderte hinweg analysiert.
Schlüsselwörter
Banderia Prutenorum, Jan Długosz, Schlacht von Tannenberg, Deutscher Orden, Polen, Feldzeichen, Banner, Schlachtengedenken, Memoria, Symbolik, Umdeutung, Mittelalter, Kriegsführung, Krakau, Wawelkathedrale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Beutebanner des Deutschen Ordens, die nach der Schlacht von Tannenberg in Krakau ausgestellt und durch Jan Długosz im Werk „Banderia Prutenorum“ katalogisiert wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Geschichte der mittelalterlichen Feldzeichen, die Analyse von Długoszs Manuskript, das mittelalterliche Verständnis von Schlachtengedenken und die Prozesse der symbolischen Umdeutung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern eine symbolische Umdeutung der Banner von ihrer ursprünglichen militärischen Funktion hin zu einem Instrument des Gedenkens und der politischen Repräsentation stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt primär die Hermeneutik, um die historischen Quellentexte zu erschließen und deren Bedeutungskontexte zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zu Feldzeichen, eine detaillierte Quellenkritik der „Banderia Prutenorum“ und eine Untersuchung des Schlachtengedenkens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Banderia Prutenorum“, „Schlacht von Tannenberg“, „Symbolik“, „Umdeutung“ und „Memoria“ beschreiben.
Wie unterscheidet sich die „Banderia Prutenorum“ als Prachthandschrift von ihrer späteren Funktion?
Ursprünglich als ästhetisches Prachtobjekt geplant, wandelte sich das Werk durch spätere handschriftliche Ergänzungen (Anmerkungen) in eine Arbeitshandschrift für Długoszs Geschichtswerk, wodurch ihr repräsentativer Wert sank.
Welche Probleme bei der Identifikation der Banner nennt die Arbeit?
Probleme ergeben sich aus Fehlern in der Überlieferung, Herausreißungen von Seiten, unkritischen Quellenübernahmen Długoszs von Ordensrittern und einer teils widersprüchlichen Zuordnung der Banner zu spezifischen Schlachten.
Welche Rolle spielt die Wawelkathedrale in diesem Kontext?
Sie diente als Ort der Zurschaustellung der erbeuteten Banner, um den Sieg über den Deutschen Orden zu symbolisieren und damit das kollektive Bewusstsein der polnischen Seite zu stärken.
- Quote paper
- Tom Weber (Author), 2020, Die „Banderia Prutenorum“ des Jan Długosz. Inwiefern kam es nach der Schlacht von Tannenberg im Jahre 1410 zwischen dem Deutschen Orden und Polen zu einer symbolischen Umdeutung der Banner?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151769