Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in Kontakt- und Begegnungsstätten für abhängige Menschen


Bachelorarbeit, 2021

89 Seiten, Note: 1,3

Heidi Schindler (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Begriffsbestimmung

2. Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch
2.1 Theoriebezüge der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
2.2 Lebenswelt als Handlungsfeld für Sozialarbeiter*innen
2.3 Dimensionen des Alltags
2.4 Struktur- und Handlungsmaxime der Lebensweltorientierten Sozialer Arbeit
2.4.1 Prävention auf zwei Ebenen
2.4.1.1 Erkennungsmerkmale - Allgemeinen Prävention
2.4.2 Alltagsnähe
2.4.2.1 Erkennungsmerkmale - Alltagsnähe
2.4.3 Dezentralisierung
2.4.3.1 Erkennungsmerkmale - Dezentralisierung
2.4.4 Integration
2.4.4.1 Erkennungsmerkmale - Integration
2.4.5 Partizipation
2.4.5.1 Erkennungsmerkmale - Partizipation

3. „Abhängigkeit“ Im Kontext von Medizin und Lebensweltorientierung
3.1 Medizinische Wahrnehmung auf „Abhängigkeit“
3.1.1 Bio-psycho-soziale Wahrnehmung auf „Abhängigkeit“ als Krankheit
3.1.2 Der salutogenetische Wahrnehmung von „Abhängigkeit“
3.1.3 Diagnose „Abhängigkeit“ als psychiatrische Erkrankung
3.1.4 Symptome von „Abhängigkeit“
3.1.5 Konsum psychoaktiver Substanzen als Medikament
3.1.6 Trauma und „Abhängigkeit“
3.2 Lebensweltorientierte Wahrnehmung zum Konsum von Substanzen
3.2.1 Konsumverhalten in der Lebenswelt der Adressat*innen
3.2.2 Normativ - kritische Wahrnehmung auf Konsum von Substanzen
3.2.3 Akzeptierende Haltung zu Konsumverhalten

4. Soziale Arbeit im „Suchthilfesystem“
4.1 Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit in der Suchthilfe
4.2 Beratung und Behandlung an Suchtberatungsstellen
4.3 Niederschwellige Angebote für zieloffene Unterstützung
4.4 Lebensweltorientierten Soziale Arbeit im „Suchthilfesystem“
4.4.1 Zieloffene Hilfen für konsumierende Adressat*innen als Merkmal einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
4.5 Der Normative Rahmen des „Suchthilfesystems“

5. Sozialstaatliche Leistungen für seelisch Behinderte Adressat*innen
5.1 Gesetzliche Grundlage der Richtlinie
5.2 Unterstützungsangebote des Bezirks Oberbayern
5.3 Kontakt- und Begegnungsstätten für „suchtkranke Menschen“

6. Qualitätsmanagement und Sozialstaatlicher Leistungen
6.1 Qualität“ und „Qualitätssicherung
6.2 Die Richtlinie des Bezirks Oberbayern

7. Auswertung der Richtlinie nach Handlung- und Strukturmaxime der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
7.1 Allgemeine Prävention
7.1.1 Gesamtbewertung - Allgemeine Prävention
7.2 Alltagsnähe
7.2.1 Gesamtbewertung - Alltagsnähe
7.3. Dezentralisierung
7.3.1 Gesamtbewertung - Dezentralisierung
7.4 Integration
7.4.1 Gesamtbewertung - Integration
7.5 Partizipation
7.5.1 Gesamtbewertung Partizipation

8. Auswertung der Richtlinie mit Zieloffene Hilfen für konsumierende Adressat*innen einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit Fehler! Textmarke nicht definiert
8.1 Gesamtbewertung - zieloffene Hilfen für konsumierende Adressat*innen

9. Gesamtergebnis zu Struktur-, Handlungsmaxime und Zieloffene Hilfen einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit

10. Folgerungen in Bezug Konzeptentwicklung und kritischer Reflektion
10.1 Folgerung in Bezug Konzeptentwicklung
10.2 Kritische Reflektion

11. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anlage: Richtlinie des Bezirks Oberbayern

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Adressat*innen der Suchthilfe ( vgl. Laging, 2020, S.116)

Abbildung 2: Arbeitsfelder der Suchthilfe (vgl. Laging, 2020, S. 117)

Abbildung 3: Angebote nach SGB IX im Bezirk Oberbayern (vgl. Mederer, 2021)

Abbildung 4: Förderung Settings des Bezirks Oberbayern (vgl. Mederer, 2021)

1. Einleitung

Im Mittelpunkt dieser Bachelorthesis steht die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach der Theorie von Hans Thiersch. Die Motivation sich mit einer Theorie der Sozialen Arbeit auseinander zu setzen, entstand während des täglichen Handelns und Wirken im Praxis­feld. Im Praxisfeld mit konsumierenden Adressat*innen psychoaktiver1 Substanzen. Im Bereich der Unterstützungsangebote für konsumierende Adressat*innen, sprich dem „Suchthilfesystem“, sind unterschiedliche Professionen vertreten, dominiert wird das Praxisfeld von der Medizin, Psychiatrie und Psychologie. Innerhalb dieser Konstellation ist das Bedürfnis gewachsen mit einer Theorie der Profession der Sozialen Arbeit, das Handeln und Wirken, fachlich begründen zu können.

In die engere Wahl kamen Lothar Böhnisch und Hans Thiersch als Vertreter der neuen sozialpädagogischen Traditionslinien, Silvia Staub-Bernasconi als Vertreterin einer So­zialarbeitswissenschaftstheorien und der Bedürfnisorientierung (vgl. Lambers, 2016, S. 289-291). Die Wahl viel bedingt durch die verfügbare Literatur zum Thema „Konsum­verhalten“ auf Hans Thiersch und seiner Theorie zur Lebensweltorientierung. Das Setting einer Kontakt- und Begegnungsstätte für konsumierende Adressat*innen psychoaktiver Substanzen und die Richtlinie des Bezirks Oberbayern zur Förderung dieses Angebotes sind die Bezugspunkte.

Diese Arbeit soll folgende Frage beantworten:

Kann mit der aktuellen Richtlinie des Bezirks Oberbayern für Kontakt- und Begeg­nungsstätten für konsumierende Adressat*innen psychoaktiver Substanzen, eine le­bensweltorientierten Sozialen Arbeit umgesetzt werden?

Der Aufbau der Kapitel folgt dem wissenschaftlichen verstehen. Dazu wird vorab die Theorie der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch erörtert. Die Theorie der Sozialen Arbeit und die Aufträge die Thiersch an die Profession der Sozialen Arbeit stellt. Die theoriegeleiteten Zugänge sind mit einem weiteren Kapitel verankert. Die Zugänge, die Dimensionen und die Struktur- und Handlungsmaxime folgen. Aus dem Handlungsmaximen werden die Erkennungsmerkmale erarbeitet, dieses dienen im weiteren Verlauf der Arbeit zur Bewertung der Richtlinie. Thiersch benennt die Hand­lungs- und Strukturmaxime als Merkmal Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 188-190).

Das dritte Kapitel vollzieht sich im Kontext von „Abhängigkeit“ in Bezug auf Medizin und Lebensweltorientierung. Es geht um Krankheits- Gesundheits- Sozialpädagogische Modelle, Diagnoseverfahren im Kontext von Konsum, Missbrauch und Abhängigkeit. Diese werden mit dem Ziel dargestellt eine lebensweltorientierte Haltung zu Konsum und Subtanzmissbrauch zu erarbeiten, um dies als Merkmal zur Bewertung der Richtlinie zu verwenden.

Im vierten Kapitel geht es um das Suchthilfesystem. Das Suchthilfesystem steht für das Praxisfeld der Sozialen Arbeit mit konsumierenden Adressat*innen. In diesem Praxisfeld betont Soziale Arbeit die soziale Funktion zwischen Gesundheit und Krankheit in spezi­fischer Weise (vgl. Homfeldt, 2012, S. 489-450) und stellt somit die fachliche Expertise dar. Dieser Bereich wird analysiert, um einen Einblick zu bekommen, wo eine Kontakt- und Begegnungsstätte verortet werden kann, in Bezug einer akzeptierenden oder Absti­nenz orientierten Arbeit. Dies ist gelungen, die Zieloffene Zielpyramide wird zusammen mit der Akzeptierenden Haltung zu Konsum von psychoaktiven Substanzen zum Merk­mal für eine zieloffene Arbeit mit betroffenen Adressat*innen. Bedingt, durch die nor­mative Rahmung der „Suchthilfe“, kann der Wechsel in das fünfte Kapitel gestaltet wer­den. Der Zusammenhang von Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit mit konsumierenden Adressat*innen ist somit abgeschlossen.

Die folgenden Kapitel beziehen sich auf die Richtlinie. Im fünften Kapitel geht es um Sozialstaatliche Leistungen mit dem Ziel die sozialrechtlichen Grundlagen zur Förderung von Kontakt- und Begegnungsstätten zu erörtern. Die Angebote des Bezirk Oberbayern für Behinderte oder von Behinderung bedrohte Adressaten werden vorgestellt, in diesem Rahmen wird auch Bezug auf die Richtlinie genommen. Es folgt in Kapitel sechs, ein kurzer Einblick in das Qualitätsmanagement, dies ist der Richtlinie geschuldet.

Im siebten Kapitel geht es an die Auswertung der Richtlinie nach Struktur- und Hand­lungsmaxime. Dazu werden die definierten Erkennungsmerkmale der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit, mit Textinhalten aus der Richtlinie des Bezirks Oberbayern verglichen, in dem sie gegenübergestellt und analysiert werden. Es wird wie folgt vorgegangen: Alle fünf Struktur und Handlungsmaxime bzw. die Erkennungsmerk­male werden für sich mit Inhalten aus der Richtline gegenübergestellt, verglichen und analysiert. Das Kriterium ist, dass mindestens ein Erkennungsmerkmal nachweisbar sein muss, damit das Handlungs- oder Strukturmaxim als „vorhanden“ bewertet werden kann. Wenn keine passenden Textinhalte vorhanden sind, wird dies ebenfalls erfasst und be­wertet. Es müssen alle Struktur- und Handlungsmaxime nachweisbar sein, damit die Richtlinie als Grundlage zur Umsetzung einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit mit abhängigen Adressat*innen entspricht. Im achten Kapitel wird das gleiche Verfahren mit dem Merkmalen der Zieloffene Hilfen vollzogen. Es folgt die Darstellung der Ergebnisse und die Folgerungen. Die Zusammenfassung beendet die Arbeit.

1.1. Begriffsbestimmung

In der vorliegenden Arbeit wird, die Begriffe „Konsum“, „Missbrauch“ und „Abhängig­keit“ von psychoaktiven Substanzen verwendet. Dies geschieht aus dem Hintergrund, dass in der Praxis sehr oft das Wort „Sucht“ verwendet wird. In der vorliegenden Arbeit wird „Sucht“ ausschließlich im Rahmen einer feststehenden Bezeichnung verwendet. Der Begriff „Sucht“ ist äußerst negativ besetzt und treibt die Marginalisierung und Stig­matisierung von betroffenen Adressat*innen voran. Dies hat zur Folge, dass ein unvor­eingenommener Kontakt und Umgang mit betroffenen Adressat*innen eher verhindert wird.

Vor dem Hintergrund dieser Argumente hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die das diagnostische Manual der International Classification (ICD) herausgibt, im Jahre 1963 den Begriff „Sucht“ durch den Begriff „Abhängigkeit“, bzw. durch das „Abhängig­keitssyndrom“ ersetzt (vgl. Laging, 2020, S. 14). Ein weiterer Aspekt ist, dass aus der Ferne niemand feststellen kann ob Adressat*innen abhängig oder missbräuchlich psycho­aktive Substanzen nutzen. Im dritten Punkt geht es darum, das Leser*innen sensibilisiert werden um einen differenzierten Umgang mit den Wörtern „Sucht“, „Missbrauch“ und „Abhängigkeit“ von Substanzen zu finden, mit dem Ziel einen offene Haltung zu konsu­mierenden Adressat*innen zu finden. In der Auseinandersetzung wie konsumierende Menschen als Leistungsempfänger von Sozialer Arbeit benannt werden sollen, fiel die Wahl auf Adressat2 in. Dies lässt sich damit begründen das konsumierende Menschen keine Klient*innen, keine Rehabilitand*innen und auch sonst keinem Setting zugeschrie­ben werden können. Aus diesem Blickwinkel gesehen wirkt der Begriff Adressat*in am neutralsten. Aus praktischen Gründen wird die Berufsbezeichnung Sozialarbeiter*innen verwendet. In der vorliegenden Arbeit steht die Bezeichnung zu gleichen Teilen für die pädagogischen und für die fürsorglichen Anteile der Sozialen Arbeit.

2. Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Hans Thiersch benennt Konturen der Sozialen Arbeit. Die Konturen entwickelten und entwickeln sich weiter hin, innerhalb von Fach­diskussionen, Konzepten, Modellen und im Kontext von Arbeitsfeldern. Lebensweltori­entierung bietet eine Rahmung des Blicks auf die Adressaten*innen, auf Institutionen, auf die Gesellschaft und eine Rahmung als Profession Soziale Arbeit als Wissenschaftskon­zept (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 175). Lebensweltorientiertes Ar­beiten zeigt sich auch in Prinzipien des Handlens, in dem Soziale Arbeit sich „einmischt“, „aushandelt“ (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 186,188) und reflektiert (vgl. Thiersch H. , 2020, S. 163).

Als Theorie der Lebensweltorientierung formuliert Thiersch Aufträge an die Profession der Sozialen Arbeit. Die Aufgaben erschließen sich in drei Bereiche. Diese sind:

- Lebenswelt der Adressat*innen

Erstes Anliegen einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit ist die Frage nach den Ad- ressat*innen, deren Lebenswelt und deren Lebensverhältnisse. Thiersch sagt, dass Sozi- alarbeiter*innen die Adressat*innen, mit ihren Lebenserfahrungen und in ihren Lebens­welten sehen und erleben soll um den Alltag kennen zulernen. Dies entspricht ihren nor­malen Alltag. Der normale Alltag ist die Grundlage um Stärken, Ressourcen aber auch Probleme und Schwierigkeiten zu erkennen (vgl. Schilling & Klus, 2015, S. 144).

- Institutionen Sozialer Arbeit

Als institutionalisierte und professionalisierte Arbeit agiert Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in institutionellen geregelten Zuständigkeiten. In professionellen Programmen und methodisch transparenten Organisations- und Interventionskonzepten. Sie ist bestimmt durch die kritisch reflexive Vermittlung von wissenschaftlicher Fundierung und von Auf­gaben, die sich in der Praxis stellen. Damit befindet sie sich aber immer in Gefahr, sich in ihrer Selbstbezogenheit zu verfestigen und den Bezug zur Lebenswelt ihrer Adres- sat*innen zu schwächen oder ganz zu verlieren.

Ein Lebensweltorientierte Organisation arbeitet zwischen diesen zwei Polen normativ­kritisch und bestimmen so das Konzept. Die Organisation und die Mitarbeiter*innen ge­hen in die Lebenswelt von Adressat*innen mit dem Ziel das Unterstützungsangebote, in das Setting, in die Lebenswelt der Adressat*innen integriert werden kann. Organisationen kompensieren diesen Ansatz, in Bezug auf Organisationsstruktur, mit darauf ausgerich­teten Konzepten, Qualitätsstandards, Methoden und Verfahren. Lebensweltorientierte Arbeit agiert und reagiert im Kontext auf die Erfahrungen in Zeit, Raum, sozialen Bezü­gen, auf Pragmatik und der Lebensbewältigung. Die Erfahrungen werden beeinflusst durch die gesellschaftlichen Konstellationen, in der Spannung von Ressourcen, Stärken und Problemen. Die alltäglichen Zugänge sind das Profil Lebensweltorientierter Soziale Arbeit. Das Label, das Markenzeichen, das Qualitätsmerkmal, das Erkennungsmerkmal. Dieses Profil macht den Unterschied zu anderen ebenfalls theoretisch verorteten und als Konzept ausgewiesenen Ansätze, wie etwa den psychoanalytischen, systemischen oder dienstleistungsorientierten Konzepten (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 186).

- Gesellschaftliche Funktion

Die Soziale Arbeit ist im Moment nicht im ökonomisch - politischen Zentrum der Staatstätigkeit, sondern in den Lebensbereichen lokalisiert. Sie bearbeitet soziale Kon­flikte mit ihren psychosozialen Auswirkungen aus dieser Perspektive und die Lebenswelt der Adressat3 innen. In dieser Position ist sie den sozialstaatlichen Mechanismen ausge­setzt. Ohne direkte Zugriffsmöglichkeiten einer materillen Existenzsicherung ihrer Ad- ressat*innen ist sie vornehmlich ein offizieller Repräsentant des gesellschaftlichen Nor­mengefüges in der Lebenswelt der Adressat*innen involviert (vgl. Schilling & Klus, 2015, S. 145).

Im Hintergrund dessen, muss das Konzept Lebensweltorientierung im Zusammenhang der Allgemeinen Funktion der Sozialen Arbeit weiter verortet und offensiv vertreten wer­den. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit ist ein Moment der modernen Sozialpolitik. Diese Sozialpolitik entwickelte sich, bedingt durch die Brüche des modernen Industrie­kapitalismus und den damit einhergehenden Verwerfungen in den Lebensmustern, als ein Aspekt in dem kühnen neuzeitlichen Projekt, Gerechtigkeit als Soziale Gerechtigkeit zu realisieren (vgl. Böhnisch, Schröer, & Thiersch, 2005, S. 225-226).

Nachdem formale soziale Gerechtigkeit in Bezug auf die Stellung der Adressat*innen im Rechtswesen und die Partizipation an der Politik schon früher realisiert worden waren (vgl. Marschall, 1992), beansprucht der Sozialstaat, als wesenswidrige Konzession des Kapitalismus im Kapitalismus (vgl. Heimann, 1980), Soziale Gerechtigkeit als Gerech­tigkeit in den realen, materiellen und auch immateriellen Ressourcen zu realisieren, bzw. zu installieren (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 181).

Das Konzept Lebensweltorientierung hat das Ziel und den Auftrag als Theorie Sozialer Arbeit die sozialpolitischen und sozialstaatlichen Aufgaben der Unterstützung in den Le­bensverhältnissen umzusetzen und gleichzeitig, die Gestaltung Sozialgerechter Lebens­verhältnisse im Sinn von Partizipation vom Staat einzufordern (vgl. Nohl H. , 1949), (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 180-181).

Im Prinzip „Einmischung“ macht Lebensweltorientierte Soziale Arbeit ihre Expertise in der öffentlichen und politischen Auseinandersetzung, nicht zuletzt in der regionalen, kommunalen und institutionellen Ebene, geltend. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit tritt ein für gerechte und gute Lebensverhältnisse der Adressat*innen, wie auch für einen angemessenen Gestaltungsraum für die Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit, damit diese ihren gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden kann (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 188).

- Handlungsstrategie nach dem Prinzip „Aushandeln“

Aushandlung ist die Methode, in dem das Profil von Lebensräumen und Bewältigungst- radegien bestimmt werden muss. Das Konzept der Lebenswelt mit diesem Zugang, ist sensibel vor allem für die Muster, für die neuen Chancen, aber auch für die Belastungen und Überforderung in den Gestaltungsaufgaben von Erfahrungsräumen und Lebensent­würfen. Diese Vermittlung von Widersprüchen, Offenheit und notwendiger Verlässlich­keit und Perspektivität muss in der Sozialen Arbeit erfüllt werden (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 186).

- Reflexive Soziale Arbeit

Im Konzept Lebensweltorientierung kann professionelles Handeln nur als reflexive So­ziale Arbeit realisiert werden. Soziale Arbeit brauch die Kompetenz, sich zu ihrer Arbeit distanzieren und um argumentativ geklärt verhalten zu können. Lebensweltorientierte Re­flexivität ist kritisch und selbstkritisch. Sie stellt kritischen Fragen vor allem auch Folgen und Auswirkungen des professionellen Handelns.

Diese fachliche Reflexivität zeigt sich in allen benannten Aufträgen der Sozialen Arbeit. Diese Reflexivität wird institutionalisiert in selbst- und fremdreflexiven Evaluationen, in Teamberatung, Meditation, und Supervision. Diese Formen ergänzen die Kultur der kol­legialen Beratung, in einer lernenden Organisation in denen die Sozialarbeiter*innen ihre Fälle, ihre Arbeitsvollzüge und ihre Planungen gemeinsam reflektieren (vgl. Thiersch H. , 2020, S. 163).

Die theoretischen Grundlage des Konzeptes Lebensweltorientier Soziale Arbeit bezieht sich auf Wissenschaftstheorien unterschiedlicher Disziplinen und setzt diese gewinnbrin­gend ein (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 182) um das Wissenschaftskonzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit zu vervollständigen (vgl. Schilling & Klus, 2015, S. 146).

2.1 Theoriebezüge der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit

Wissenschaftstheorien bilden das Rückgrat für wissenschaftliche Konzepte und zeigen die Richtung des Handelns auf. Das Konzept der Lebensweltorientierung bedient sich mehrere Theorien aus Bezugswissenschaften.

- Hermeneutisch - pädagogischen Traditionslinie der Erziehungswissenschaften Lebensweltorientierte Soziale Arbeit steht zunächst in der hermeneutisch - pädagogi­schen Traditionslinie der Erziehungswissenschaften. Geprägt wurde die benannte Be­zugswissenschaft, insbesondere von Wilhelm Dilthey (1954), Herman Nohl (1949) / (1988) und Erich Weniger (1952) und durch Heinrich Roth (vgl.Roth, 1957-1967, S. 113­126) und Klaus Mollenhauer (1977c) zur sozialwissenschaftlichen und kritischen Päda­gogik weiter entwickelt. Für die pädagogische Theorie und Praxis ist die Frage nach dem Alltag in der jeweiligen interpretierten individuellen Welt der Adressat4 innen der Aus­gangspunkt. Für die hermeneutisch- pragmatische Pädagogik steht, das Erleben und Han­deln der Adressat*innen in ihrem Lebensraum im Mittelpunkt, daraus resultiert ein Ver­ständnis für die Situation, den Lebensraum und für die Adressat*innen als Mensch. Nach Dilthey gesprochen entwickeln Sozialarbeiter*innen eine Methode des „höheren Verste­hens“. Praxis- und Theoriewissen werden miteinander verbunden, die eben benannte Me­thode nimmt Sozialarbeiter*innen den Handlungsdruck in Beziehungen und in anderen Situationen. Ziel ist es eine kritische Distanz zu der aufklärenden Alltagspraxis herzustel­len und zu wahren, ohne die Perspektive des Alltags und das Handeln im Alltag abzuwer­ten. Im Zentrum der hermeneutische- pragmatische Tradition steht also die vorgefundene und interpretierbare, aber veränderbare Lebenswelt und Lebenswirklichkeit in ihrer his­torischen, kulturellen und sozialen Dimension (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 182).

(1971) / (1974), Peter L. Berger und Thomas Luckmann (1977) und Erving Goffman (1977) vertreten werden. Unter den Gesichtspunkten Lebenswirklichkeit und Handlungs­muster wird Alltäglichkeit konstruiert.

Alltag ist die Lebenswirklichkeit für Adressat*innen und bestimmt die Lebenswelt. Die alltägliche Lebenswelt wird strukturiert durch erlebte Zeit, erlebten Raum und erlebten sozialen Bezügen. Innerhalb dieser Bezüge wird nach pragmatischer Relevants entschie­den. Was praktikabel wirkt, wird durchgeführt, was unpraktisch erscheint fällt unter den Tisch. Interpretationen und Handlungen werden zu Alltagswissen und Routinen. Die Re­konstruktion des Alltags, sieht Adressat*innen Sozialer Arbeit nicht primär als Repräsen­tanten gesellschaftlicher Strukturen, sondern sieht diese in ihren alltäglichen Verhältnis­sen. Adressat*innen werden durch ihren Alltag geprägt. Adressat*innen sollen befähigt sein, auch aktiv mitbestimmen und mitgestalten zu können. In dieser Perspektive geraten sowohl Unstimmigkeiten, Brüche und belastende Strukturen im Alltag als auch Hand­lungsoptionen in den Blick (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 183).

Die beschriebene Theorie weist auf „Handeln“ und „Tun“ als Merkmal innerhalb von Strukturen zu Raum, Zeit und Beziehungen im Lebensraum hin. Handlung wird durch Wahrnehmung und deren Interpretation bestimmt und endet in Rutine und Pragmatismus.

- Kritische Alltagtheorie

Kritische Alltagtheorie lebt von Dialektik. Die Zweiseitigkeit von Gegebenen und von Aufgaben, von Realität und Möglichkeit als dritter Aspekt, als kritische Variante der All­tagstheorie, rückt in den Vordergrund. Alltag ist gekennzeichnet von entlastenden Funk­tionen der Routine, der Sicherheit und Produktivität im Handeln einerseits erst ermögli­chen, andererseits Enge, Unbeweglichkeit und Borniertheit erzeugen und menschliches Leben in seiner Entwicklung und Chancen einschränken und behindern. Die Analysen des kritischen Alltagskonzeptes beschreiben dieses Spannungsfeld in dem Doppelsinn der “Pseudokonkretheit“ als „Dämmerlicht von Wahrheit und Täuschung“ von „Wesen“ und „Praxis“ (Kosik, K., 1967, S. 9), von „Doxa“ und „Praxis“ (vgl. Bourdieu, 1993)5. Dabei liegt die Intension der kritischen Alltagstheorie in dieser Doppeldeutigkeit, unentdeckte und verborgene Möglichkeiten aufzuzeigen. Pseudokonkretheit aufzulösen und praktikabel zu Handeln und so das Widerstandspotenzial und die Möglichkeiten einer glücklichen Lebensbewältigung in den Gegensätzen und Widersprüchen des Alltags her­vorzubringen. Im Namen sozialer Gerechtigkeit und Humanität löst Lebensweltorien­tierte Soziale Arbeit die Doppelstellung von Respekt vor den Handlungsroutinen und Be­wältigungsstrategien der Adressat*innen und der zumindest teilweisen Destruktion dieses Alltags nicht auf, sondern sucht mit Hilfe einer mäeutischen Beziehungsgestaltung nach freieren und weiterführenden Optionen für einen gelingenden Alltag (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 183).

Lebenswelt ist eng mit der kritischen Alltagtheorie verbunden, in ihren Selbstverständ­lichkeiten und Doppeldeutigkeiten bestimmt durch gesellschaftliche Strukturen. Zu deren Rekonstruktion bezieht sie sich vor allem auch auf Analysen heutiger sozialer Verhält­nisse und Lebenswelten, z. B. Formen des Familienlebens, der Jugend oder Alters, von Arbeit und Arbeitslosigkeit, von Armut und Exklusion (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 183).

Der Gewinn der zugrunde liegenden Theorien besteht darin, dass sich daraus Haltung, Beziehungsgestaltung, Kommunikation und Kompetenz für Sozialarbeiter*innen der le­bensweltorientierten Sozialen Arbeit abgeleitet werden können. Theoriegrundlagen sind somit das Rückgrat von Konzepten, welche dann mit Angeboten, Methoden und Metho­den zur Beziehungsgestaltung gefüllt werden.

Für Lebensweltorientierte Soziale Arbeit sind theoriegeleitete Grundlagen, Merkmale wie Adressat*inne in ihrem Alltag und in ihrer Lebenswelt, wahrgenommen, gedeutet, und verstanden werden. Die Wahrnehmung einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit bezieht sich auf die Lebenswelt der Adressat*innen. Wie sich Sozialarbeiter*innen einer Lebensweltorientierten Soziale Arbeit erschließt zeigt der folgende Abschnitt.

2.2 Lebenswelt als Handlungsfeld für Sozialarbeiter*innen

Die Lebenswelt und der Alltag von Adressat*innen als Zugangspunkt, Ausgangspunkt, Plattform für Soziale Arbeit. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit als Konzept legt fest unter welchen theoriegeleiteten zentralen Merkmalen Adressat*innen in ihrer Lebenswelt und in ihrem Alltag gesehen werden. In der Rekonstruktion von Lebenswelt und Alltag als Grundlage einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit lassen sich Merkmale in Zu­gänge ableiten. Ziel ist es die Lebenswelt und Alltag greifbar und erfahrbar zu machen.

- Phänomenologischer Zugang

Lebenswelt ist ein beschreibendes, phänomenologisch - ethnomethodologisch orientier­tes Konzept. Ethnomethodologie ist eine praktische Forschungsrichtung in der Soziolo­gie. Sie beschäftigt sich mit alltäglichen Interaktionen und untersucht soziale Tatsachen als Resultat von Interaktionsprozessen. Der Schwerpunkt liegt auf den Methoden, mit denen die alltäglichen Interaktionen bewerkstelligt werden. Der*die Adressaten wird nicht abstrakt als Individuum verstanden, sondern in der Erfahrung einer Wirklichkeit, in der er sich vorfindet. Die materiellen und immateriellen Stärken in der erfahrenen, bzw. präsenten Wirklichkeit werden differenziert: In erfahrenem Raum, erfahrene Zeit und in erfahrenen Beziehungen (vgl. Schütz, 1974)6. Räume können offen oder geschlossen sein. Zeit kann sich strukturiert, chaotisch, perspektivlos oder attraktiv zeigen. Beziehungen werden als belastend oder unterstützend, randständig oder selbstverständlich, fordernd oder hilfreich empfunden. Adressat*innen werden gesehen in der pragmatischen Anstren­gung. Die Anstrengungen sind genauso vielfältig wie die in der Lebenswelt ineinander verbunden und abhängigen Aufgaben. Routine und Rationalisierung entlasten, verbergen hinter der Selbstverständlichkeit des Handelns aber auch, unhinterfragtes, selbstverständ­liches oder was verhandlungsfähig und -bedürftig ist. In dieser Lebenswelt wirkt der*die Adressaten zugleich bestimmt und fähig, sich anpassend, Prioritäten setzend, verändernd und differenzierend in Bezug auf Raum, Zeit und Beziehung. Lebenswelt in diesem Zu­gang nimmt die Anstrengungen der Adressat*innen als pragmatische Großzügigkeit und Geschicklichkeit des Sich-Arrangierens im Überleben wahr. Dies geschieht jenseits von Stringenz, Prinzipien oder in sich konsistenten Begründungen. Es werden die Anstren­gungen, sich in diesen Verhältnissen zu behaupten, die Anstrengungen der Selbstdarstel­lung und Selbstinszenierung, wahrgenommen. Ebenso die Anstrengungen der Kompen­sation, Überanpassung oder alles „dafür tun“ um nicht stigmatisiert zu werden (vgl. Goffman, 1967). Formen des defizitären, unzulänglichen und abweichenden Verhaltens erscheinen in diesen Kontext immer auch als Ergebnis einer Anstrengung, mit den gege­benen Verhältnissen zurecht zu kommen. Dieses dysfunktionale7 Verhalten wird zunächst respektiert, auch wenn die Ergebnisse für den/die Adressaten und seine Umgebung un­glücklich wirken (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 184).

- Gliederung in Lebensräume

Lebenswelt als erfahrene Wirklichkeit betrachtet Lebenswelt differenziert. Lebensräume werden nach Funktionen und Inhalten unterschieden, die Familie, die Arbeit, der Sport­verein und andere. In dem Adressat*innen im Lebenslauf verschiedene dieser Lebensfel­der beschritten haben, bewegen sie sich im Neben- und Nacheinander in unterschiedli­chen lebensweltlichen Erfahrungen und Profielen. Diese finden sich im Lebenslauf, sie steigern und ergänzen sich, können sich aber auch gegenseitig blockieren und in Verlet­zungen oder Traumatisierungen verhärten. Das Konzept der Lebenswelt engagiert sich in der Rekonstruktion der lebensweltlichen Verhältnisse in den unterschiedlichen Lebens­feldern. Sozialarbeiter*innen handeln sensibel in Bezug auf die Probleme der Anpassung und Vermittlung zwischen den Lebensfeldern. Sozialarbeiter*innen erkennen und arbei­ten mit den im Lebenslauf erworbenen Lebensweltlichen Ressourcen und Stärken zur Lebensbewältigung von Adressat*innen (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 184-185).

- Normativ - kritische Aspekte

Die Rekonstruktion von Lebenswelt ist das Konzept Lebenswelt normativ - kritisch.

Die Ressourcen, Stärken, Deutungen und Handlungsmuster der Adressat*innen werden als in sich widersprüchlich erfahren. Sie entlasten, sie bieten soziale Sicherheit und Iden­tität, sie schaffen Voraussetzungen für Fantasie und Kreativität. Zugleich werden sie als einengend, ausgrenzend und blockierend erfahren. Der Widerspruch zeigt sich in Protest, Trauer und Hilflosigkeit. Lebenswelt als normatives Konzept verstanden, sieht die Ad- ressat*innen im Widerspruch der selbstverständlichen Entlastungen. Der bornierten Prag­matik, welche die gegebenen Zustände und das Elend in ihren Macht- und Unterdrü­ckungsstrategien tabuisiert. Das führt dazu, dass Adressat*innen sich eigenständig der Möglichkeiten und Hoffnungen von gelingenden Verhältnissen entziehen. Das Konzept besteht aus diesem Doppelsinn von Pseudokonkreten und Konkretem (vgl. Kosik, 1967).8 Das heißt auf der Dialektik des Gelingenden und Verfehlten in der Lebenswelt und der immer wieder notwendigen „Destruktion“ des Gegebenen im Namen der freieren An­sprüche. Adressat9 innen fällt es schwer das Gegebene zu akzeptieren, Adressat*innen reagieren in ihrer Hilflosigkeit mit Rückzug, Protest und /oder Widerstand. (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 185).

- Schnittstellen von Strukturen und Handlungsmuster

Das Konzept Lebenswelt ist ein historisch und sozial konkretes Konzept. Erfahrene Wirk­lichkeit ist immer bestimmt durch gesellschaftliche Strukturen und Ressourcen. Lebens­welt als Ort des Arrangements in der Erfahrung, ist die Schnittstelle von Objektiven und Subjektiven, von Strukturen und Handlungsmustern. Die Lebenswelt kann bildlich wie eine Bühne gesehen werden, auf der Adressat*innen in einem Schauspiel in Rollen und Bühnenbildern, nach den bühnenspezifischen Regeln miteinander agieren, die Lebens­welt ist gleichsam ein Ort eines Stehgreifspieles in gegebenen Mustern. Dieses Doppel­spiel von Hinter- und Vordergrund ist ausschlaggebend für die Rekonstruktiven von Le­benswelt. (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 185).

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit im Handlungsfeld der Lebenswelt der Adressat*in- nen beansprucht für sich einen weiteren Bezugsrahmen um unterstützend im Alltag han­deln zu können. Der Bezugsrahmen der Dimensionen bringt zum Ausdruck wie die Aus­gangslage im Hier und Jetzt im Alltag ist, bzw. was und wo und unter welchen Aspekt zu Tun ist.

2.3 Dimensionen des Alltags

Die Dimensionen beziehen sich in Zeit, Raum, soziale Beziehungen, alltägliche Bewälti­gungsaufgaben und als Hilfe zur Selbsthilfe.

- Dimension „erfahrener Raum“

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit agiert im erfahrenen Raum. Sie sieht die Adres- sat*innen eingebettet in ihren je erfahrenen Raum, so wie er sich unterschiedlich darstellt. Der Lebensraum von konsumierenden Adressat*innen psychoaktiver Substanzen oder anderen Gruppen von Adressat*innen. Soziale Arbeit versucht beengte Verhältnisse ent­gegenzusteuern und schafft neue Räume. Die Arbeit an der sozialen Infrastruktur des So­zialraumes wird neben der Arbeit mit Adressat*innen und den jeweiligen Bezügen, zu einem eigenständigen Aufgabenbereich (vgl. Koch, Lenz, & (Hrsg.), 1999)/ (vgl. Thiersch & Tiersch, 2001, S. 135-160).

- .Dimension „Soziale Beziehungen“

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit agiert in den Ressourcen und Spannungen der sozi­alen, menschlichen Bezüge. Soziale Arbeit sieht Adressat*innen im Kontext der Familie, oder anderen persönlichen sozialen Bezügen (vgl. Köngeter, 2009)10. Beziehungsarbeit ist Gegenstand der Lebensweltorientierung und zeigt sich in der Form von Meditation, De­eskalation, Reflektion, Zielvereinbarungen, motivieren und zuhören. Auf der Ebene der Arbeitsbeziehung als Sozialarbeiter*innen zu Adressat*innen und in weiteren Rollen der Sozialarbeiter*innen in der Lebenswelt der Adressat*innen.

- Dimension „ Alltägliche Bewältigungsaufgaben“

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit agiert in Bezug auf Zeit, Raum und sozialen Bezie­hungen vor den Alltäglichen, eher unauffälligen Bewältigungsaufgaben. Hilfe im Alltag bedeutet für Adressat*innen und Sozialarbeiter*innen, z. B. Überschaubarkeit und Ord­nung in verwahrlosten Wohnungen gemeinsam zu schaffen. In Wohngemeinschaften oder Wohngruppen geht es, ebenso wie im sozialpsychiatrischen Dienst (vgl. Obert, 1999). Ziel ist es Transparenz und Klarheit in der Alltagsbewältigung, wie z. B. beim Aufstehen, Essen und in der Freizeit, zu schaffen. Es geht um die pädagogische Struktu­rierung elementarer Regeln im Umgang mit Raum, Zeit mit anderen und mit sich selbst (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 187).

- Dimension „Hilfe zur Selbsthilfe“

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit richtet ihre Unterstützung in Bezug auf Zeit, Raum Soziale Bezüge und pragmatisches Handeln mit Adressat*innen so aus, dass diese sich dennoch als Mensch ihrer Verhältnisse erkennen. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit zielt auf Hilfe zur Selbsthilfe, Empowerment und Identitätsarbeit. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit sieht Adressat*innen in ihren Stärken, die aus der Zumutung von Bewäl­tigungsaufgaben resultiert. Ebenso in ihren Widerwillen gegen Zwänge und Zumutungen der Gesellschaft Adressat*innen sehen darin keine Bedeutung und Vorteile für die eigene Lebensgestaltung. Adressat*innen sollen sich mit Politik, ehrenamtlichen oder bürger- schaftliche Aufgaben auseinandersetzen. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit sieht Ad- ressat*innen ebenso in den neu entwickelten Formen von Sozialität. Identitätsarbeit als Kompetenz von Lebensbewältigung, zielt auf alle Belastungen und Überforderungen, der heutigen Situation. Ziel ist es, in den Widersprüchen und Offenheit der heutigen Verhält­nisse zu einer Sicherheit im Lebenskonzept zu finden. Sicherheit die sich durchsetzt ge­gen Ressentiment, Verzweiflung oder Ausbrüchen in Gewalt und abhängigen Verhalten (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 187-188).

2.4 Struktur- und Handlungsmaxime der Lebensweltorientierten Sozialer Arbeit

Die Dimensionen der Lebensweltorientierten Soziale Arbeit konkretisieren sich in Struk­tur- und Handlungsmaxime, in allgemeinen und der speziellen Prinzipien der Prävention, der Alltagsnähe, der Dezentralisierung und Regionalisierung, der Integration und Partizi­pation (vgl. Thiersch H. , 1992). Aus den folgenden Textinhalten werden Erkennungs­merkmale herausgearbeitet. Die Erkennungsmerkmale der Struktur- und Handlungsma­xime bilden die ersten Merkmale zur Bewertung der Richtlinie.

2.4.1 Prävention auf zwei Ebenen

Thiersch unterteilt Prävention in allgemeine Prävention, diese zielt auf die Stabilisierung und Inszenierung belastbarer und unterstützender Infrastrukturen und auf die Bildung und Stabilisierung allgemeiner Kompetenzen zur Lebensbewältigung. Diese Prävention zielt auf gerechte Lebensverhältnisse und die Möglichkeit auf ein gutes Leben.

Prävention als spezielle Prävention, sucht nicht erst zu helfen, wenn Schwierigkeiten sich verhärten, sondern im Zeichen von Achtsamkeit rechtzeitig und vorausschauend bereits dann zu agieren, wenn Überforderungen zu erwarten sind. Also in Situationen besonderer Belastung und in sich abzeichnenden Krisen. So konstitutiv aber Prävention für alle So­ziale Arbeit und auch Pädagogik ist, so prekär ist sie. Ihre Intension muss abgesichert sein gegen die in ihr angelegten Verführungen. Verhältnisse nur vom worst - case aus zu se­hen, sie nur als Bündel von Risikosymptomen wahrzunehmen und im Zeichen möglicher drohender Gefahren eng zu kanalisieren. Abgesichert werden muss sie aber gegen den Ausbau immer neuer Kontrollsysteme und den damit einhergehenden Einschränkungen von Freiheiten des Handelns, von Freiheitsräumen und -rechten, wie sie in unseren in ihrer Entgrenzung verunsicherten Gesellschaft im Zeichen von Sicherheitsbestrebungen zunehmend gefordert und rasch realisiert werden (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 188-189).

2.4.1.1 Erkennungsmerkmale - Allgemeinen Prävention

- Einrichtungen sind fest im Hilfesystem verankert.
- Einrichtungen bieten dauerhaft Angebote zur Förderung von Kompetenzen zur Lebensbewältigung.
- Angebote führen zu gerechten Lebensverhältnissen.
- Ein gutes Leben ist möglich (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 188-189).

Erkennungsmerkmale - Nachhaltigen Prävention

Nach den Inhalten des Textes kann die spezielle Prävention als „Nachhaltige Prävention“ bezeichnet werden. Eine „Nachhaltige Prävention“ zeichnet sich durch folgende Merk­male aus:

- eine „nachhaltige Prävention“ schaut voraus mit dem Ziel Sicherheit für Adres- sat*innen in allen Lebensbereichen zu geben. Die Bereiche sind somatische und psy­chische Gesundheit, Wohnraum, finanzielle Absicherung, Bildung usw.

Die nachhaltige Prävention wird nicht auf die Richtlinie bezogen, da sich die Widerein­gliederungsmaßnahme auf das SGB XII stützt. Das SGB XII praktiziert keine nachhaltige Prävention, es geht um Förderung (vgl. Nomos, 2019, S.2222).

2.4.2 Alltagsnähe

Alltagsnähe meint zunächst, die Präsenz von Hilfen im Lebensraum der Adressat*innen, die Erreichbarkeit und Niederschwelligkeit von Angeboten. Alltagsnähe auch im Sinne von einer ganzheitlichen Orientierung in den Hilfen, die in den ineinander verwobenen Lebenserfahrungen und -deutungen in der Lebenswelt gerecht wird. Offene Zugänge, wie sie in der allgemeinen Beratung oder in Konzepten der Alltagsbegleitung praktiziert wer­den, müssen gegenüber speziellen Hilfsangeboten gestärkt werden. Dies darf aber nicht missverstanden werden in Bezug auf bestimmte Fachdienste, wie in Bezug auf z. B. Er­ziehungshilfen oder Behinderteneinrichtungen (Grundriss Soziale Arbeit, 2012, S. 189).

2.4.2.1 Erkennungsmerkmale - Alltagsnähe

- Einrichtungen sind im Lebensraum von Adressat*innen.
- Keine physischen, psychischen und finanziellen Hindernisse.
- Einrichtungen halten Angebote vor, die den Bedarf des Alltags abdecken.
- Einrichtungen sichern Überleben.

2.4.3 Dezentralisierung

Dezentralisierung, Regionalisierung und Vernetzung betonen die Alltagsnahe Präsens von Hilfen. Da die Hilfen in diesem Prinzip abhängig sind von unterschiedlichen verfüg­baren kommunalen Ressourcen und der Politik, muss das Prinzip Regionalisierung im Anspruch sozialer Gerechtigkeit vermittelt sein mit der Sicherheit allgemeiner Leistungs­standards und einer entsprechenden Gewährleistung zu Angeboten vor Ort (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 189).

2.4.3.1 Erkennungsmerkmale - Dezentralisierung

- Einrichtungen sind im Lebensraum von Adressat*innen.
- Keine physischen, psychischen und finanziellen Hindernisse.
- Einrichtungen halten Angebote vor, die den Bedarf des Alltags abdecken.
- Einrichtungen sichern Überleben.
- Einrichtungen entsprechen der Teilhabe nach SGB XII.
- Einrichtungen werden finanziert.

2.4.4 Integration

Integration zielt auf eine Lebenswelt ohne Ausgrenzung, Unterdrückung und Gleichgül­tigkeit, wie sie sich in unserer arbeitsteilig organisierten Gesellschaft zunehmend ausbil­det. Integration wäre falsch verstanden, wenn sie als Standard in herkömmliche Konzepte implementiert wird, dies wird in der Praxis weitgehend so gelebt. Integration ist vor allem eine Herausforderung zur Selbstverständlichkeit einer vielfältigen Gesellschaft. Integra­tion meint die Anerkennung von Unterschiedlichkeit auf der Basis elementarer Gleich­heit, als Respekt und Offenheit für Unterschiedlichkeiten, die gegenseitige Kenntnis sol­cher Unterschiedlichkeiten und für Räume des Miteinanders. Diese müssen aber verbun­den werden mit der Sicherung von Ressourcen und Rechten, die elementar Gleichheit erst ermöglichen (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 189).

2.4.4.1 Erkennungsmerkmale - Integration

- Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
- Teilhabe im Sinne von Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Leben.

2.4.5 Partizipation

Partizipation zielt auf die Vielfältigkeit von Beteiligung- und Mitbestimmungsmöglich­keiten, wie sie konstitutiv für die Praxis heutiger Sozialer Arbeit sind und sich z. B.in den Instrumenten, des unter allen Beteiligten auszuhandelnden Hilfeplanes und der kommu­nalen Sozialplanung repräsentieren. Beteiligung und Mitbestimmung lassen sich nur dann einlösen, wenn Gleichheit in der Praxis gegeben ist. Diese ist bedingt, durch die gegebe­nen Unterschiedlichkeiten zwischen Adressat*innen und Sozialarbeiter*innen sehr schwer. Es bedarf einer permanenten Reflexion der Sozialarbeiter*innen. Es müssen Ressourcen und Austauschmöglichkeiten organisiert werden. Mitbestimmung ist ein kon­stitutives Moment Sozialer Arbeit. Es müssen Anlaufstellen für Einspruchs- und Be­schwerderechten vorhanden sein. Dies entspricht dem Status der Bürger*innen innerhalb einer Demokratie (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 189-190).

2.4.5.1 Erkennungsmerkmale - Partizipation

- Beteiligung und Mitbestimmung.
- Arbeitsbeziehung auf Augenhöhe.
- Beschwerden müssen eingebracht werden können.

Die Struktur- und Handlungsmaxime lassen sich auf unterschiedliche Praxisfelder an­wenden und können bei Bedarf angepasst werden. In dieser Arbeit dienen sie zur Analyse der Richtlinie des Bezirks Oberbayern zur Förderung von Kontakt- und Begegnungsstät­ten für „suchtkranke Menschen“.

Im folgenden Kapitel werden die Bezugswissenschaften von Sozialer Arbeit im Kontext von „Abhängigkeit“ bearbeitet und unter den Aspekten einer Lebensweltorientierten So­zialen Arbeit mit konsumierenden Adressat*innen zusammengefasst.

3. „Abhängigkeit“ Im Kontext von Medizin und Lebensweltorientierung

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit konsumierenden Adressat*innen psychoaktiver Substanzen, ist in der Praxis von Bezugswissenschaften abhängig. In unserer Gesellschaft bestimmen das Gesundheitssystem und die Ärzteschaft wer krank und wer gesund ist. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit hat ihre eigene Sichtweise auf Konsum, Missbrauch und Abhängigkeit.

Um betroffene Adressat*innen effektiv unterstützen zu können, steht Lebensweltorien­tierte Soziale Arbeit im Spannungsfeld, der gegeben Bedingungen des Versorgungsys­tems und der Lebensweltorientierten Theorie der Sozialen Arbeit mit Blick auf Konsum, Missbrauch und Abhängigkeit von Substanzen. Um, in diesem Spannungsfeld agieren zu können, muss lebensweltorientierte Soziale Arbeit aus beiden Grundlagen Konsequenzen für ihr Handel ziehen. Daraus resultiert ein Lebensweltorientierte Haltung auf Konsum­verhalten im Kontext von Medizin und Lebensweltorientierung. Die Erkennungsmerk­male dieser Haltung zu konsumierenden Adressat*innen dient ebenfalls der Analyse der Richtlinie des Bezirks Oberbayern zur Förderung von Kontakt- und Begegnungsstätten für „suchtkranke Menschen“.

3.1 Medizinische Wahrnehmung auf „Abhängigkeit“

Um die Ausgangslage des Hilfesystems der Sozialen Arbeit dar zustellen beschäftigt sich der folgende Abschnitt mit den Grundlagen der Medizin. Es geht um die Begriffe Kon­sum, Missbrauch Abhängigkeit, Entstehungsmodelle bis hin zu Klassifikationsverfahren.

Dies ist die Grundlage, um medizinische Begriffe zu differenzieren und Diagnosen zu verstehen. Diagnosen sind die Eintrittskarte in das Hilfesystem.

3.1.1 Vom Phänomen der „Abhängigkeit“ zur Bio- medizinischen Wahrnehmung

Dem übermäßigen Konsum von psychoaktiven Substanzen einen Krankheitswert zuzu­schreiben, ist ein Phänomen der Moderne. Auch wenn es in vormodernen Zeiten übermä­ßigen und schädlichen Substanzkonsum gegeben hat. Die Erfindung der „Abhängigkeit “ beruht auf einen gesellschaftlichen Zusammenhang. Die Anforderungen auf Rationalität und Selbstkontrolle sind in Bezug auf die Gesellschaft und der Bürger*innen gestiegen. Mit diesem Hintergrund wurde Trunkenheit erstmal als ein Mangel an Selbstdisziplin und als Verlust der Selbstkontrolle definiert. Benjamin Rush (* 1745 / + 1813) war der erste, der übermäßigen Alkoholkonsum einen Krankheitswert zugewiesen hat. Seine Krank­heitskonzept als Abhängigkeit beschreib zentrale Merkmale vorweg, welche 175 Jahre später von Elvin Morton Jellinek (* 1890 / +1963) allgemein gültig waren. Rush ging davon aus, dass der Liebe zum Alkohol zunächst eine willentliche Entscheidung voraus­geht, die über ein gewohnheitsmäßiges Trinken im notwendigen Trinken endet.

Diesen Prozess mit dem beschriebenen Ergebnis bezeichnet Rush als Krankheit des Wil­lens. Die Krankheit des Willens bezeichnete Rush als „Sucht“. Aus dem Verlangen und Verhalten nach Alkohol wird von Rush der ökonomische Ruin und der soziale Abstieg der betroffenen Adressat*innen abgeleitet (vgl. Groenemeyer & Laging, 2012).

Das Phänomen der „Abhängigkeit“ entwickelt sich ebenso in Bezug auf weiteren psycho­aktiven Substanzen. Es kann sich dabei um Opiate und Opioide, Cannabis, Kokain, Am­phetamin und Halluzinogene, bzw. auch um deren Kombination handeln. Ebenfalls ge­hören dazu die so genannten Legal Highs (vgl. Erbas, 2019, S. 8). Legal Highs werden als angeblich legale Ersatzstoffe zu herkömmlichen illegalen Substanzen angeboten (z.B. Ecstasy-Grundstoff MDMA, Amphetamin, Kokain). Sie werden als „getarnte Pro­dukte“ angeboten, z.B. als Badesalze, Raumlufterfrischer, Düngerpillen oder Kräutermi­schungen. Die Produkte enthalten in der Regel psychoaktive oder ähnlich wirkende che­mische Wirkstoffe, die auf den Verpackungen nicht ausgewiesen sind (vgl. mindzone, 2018).

[...]


1 Legale und illegale Substanzen

2 Sozialpädagogisches Handeln Lebensweltorientierung verbindet die Analyse von gegenwärtigen spezifischen Lebens­verhältnissen mit pädagogischer Konsequenz. Der Lebensweltorientierte Blick wendet sich dem Arbeitsfeld zu. Der Lebensweltorientierte Blick konzentriert sich auf Ressour­cen und Stärken, ohne die Probleme zu übersehen. Probleme und Möglichkeiten werden gegenübergestellt. Dies basiert auf Vertrauen. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit ach­tet auf Niederschwelligkeit und den Zugangsmöglichkeiten von Angeboten. Lebenswelt­orientierte Soziale Arbeit handelt gemeinsam mit Adressat*innen, Kostenträgern und der Sozialpolitik. Die Handlungsmöglichkeiten, unter Einbezug der professionellen Haltung und des Wissens, gehen von Akzeptanz der vorgefunden Lebensentwürfe bis hin zum „Sich - einmischen“ in Lebensentwürfe, Lebensräume und Gesellschaftliche Bedingun­gen. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit zeigt sich so gesehen, als ein Konzept, das auf Lebensverhältnisse mit institutionellen und methodischen Konsequenzen antwortet (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 175).

3 Handlungstradegien nach dem Prinzip „Einmischen“

4 Phänomenologische - interaktionistische Tradition Lebensweltorientierung ist durch das phänomenologische - interaktionistische Para­digma geprägt. In der phänomenologischen und interaktionistischen Analysen von Alltag und Lebenswelt steht in der Tradition der Chicago - School, wie sie von Alfred Schütz

5 Kein Hinweis auf Seitenbelege in der verwendeten Literatur.

6. Kein Hinweis auf Seitenbelege in der verwendeten Literatur.

7 Ein Verhalten das sich langfristig als schädlich erweist (vgl. Bohus & Wolf-Arehult, 2013, S. 48).

8. Kein Hinweis auf Seitenbelege in der verwendeten Literatur.

9 Dimension „erfahrene Zeit“ Lebensweltorientierte soziale Arbeit agiert in der Dimension der erfahrenen Zeit, in der die Bezüge zwischen den Lebensfasen im Lebenslauf ebenso brüchig sind wie die Per­spektive der Zukunft. Bezüge in Übergängen und Abschieden werden in Situationen ge­sellschaftlichen Wandels zunehmend schwieriger. Die Gegenwart gewinnt angesichts der Offenheit von Vergangenheit und Zukunft ein eigenständiges Gewicht. Für die Zukunft braucht es Kompetenzen und vor allem Mut. Soziale Arbeit bezieht sich auf Bewälti­gungsaufgaben der Gegenwart (vgl. Thiersch, Grundwald, & Köngeter, 2012, S. 187).

10 Kein Hinweis auf Seitenbelege in der verwendeten Literatur.

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in Kontakt- und Begegnungsstätten für abhängige Menschen
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Abt. München
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
89
Katalognummer
V1151796
ISBN (eBook)
9783346538833
ISBN (Buch)
9783346538840
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lebensweltorientierte, soziale, arbeit, kontakt-, begegnungsstätten, menschen
Arbeit zitieren
Heidi Schindler (Autor:in), 2021, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in Kontakt- und Begegnungsstätten für abhängige Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151796

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