Digitalisierung als Herausforderung für die Kinder- und Jugendarbeit


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Medienkompetenz

3. Medienerziehung – medienpädagogische Kompetenz

4. Mediennutzung im Kontext Behinderung

5. Schlussbemerkungen

6. Literatur

1. Einführung

Unterschiedlichste Begriffe, wie etwa „Mediatisierung“ oder „Digitalisierung“, versuchen die aktuellen Entwicklungen neuster digitaler Technologien abzubilden. Zu erkennen sind diese Veränderung in Bereichen von Geräten, Infrastruktur, Anwendungen, der Kommunikationsstruktur, der Arbeitswelt und etlichen weiteren Bereichen (vgl. Hammerschmidt et. al., S.9-10). Die stetige Digitalisierung zeichnet sich demnach in unserer gesamten Gesellschaft ab. Alle Lebensbereiche sind davon betroffen und unterliegen dadurch dem ständigen Wandel, sowie der Weiterentwicklung (vgl. Hammerschmidt et. al. 2018, S.9).

Besondere Veränderungen ergeben sich dadurch auch für die Adressaten der Sozialen Arbeit und die entsprechenden Handlungsfelder. Neue Erwartungen stellen sich an Fachkräfte, neue Herausforderungen birgt die Vermittlung zeitgenössischer Kompetenzen (vgl. Bundeskuratorium 2016).

Hinsichtlich des pädagogischen Auftrages von Heimeinrichtungen erschließt sich, dass das Aufwachsen der Betreuten auch im Hinblick auf die digitalisierte Gesellschaft passieren muss (vgl. Bundeskuratorium 2016).

Das Thema Inklusion birgt große Erwartungshaltungen, aber auch Befürchtungen (vgl. Bosse 2014, S.148). Zentral stellt sich die Frage in den Vordergrund, welche Chancen und Risiken neue Medien für die Entwicklung und Alltagsgestaltung von Menschen mit Beeinträchtigung mitbringen. Speziell im Bereich der stationären Unterbringung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, stellt der Einbezug von neuen Medien vielfältige Herausforderungen dar.

Vor dem Hintergrund der Neuerungen im Bundesteilhabegesetzt, erhielt die Thematik neuen Aufschwung und Beachtung in Fachkreisen. Ziele bilden sich unter anderem auf mehr Eingliederung in die Gesellschaft, wie etwa durch die Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, ab. Außerdem soll eine individuellere Selbstbestimmung erfolgen (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2016).

Im Bezug zur Digitalisierung ergeben sich anbei einige Fragen und Problemfelder in Anbetracht der aktuellen Lage in der Heimerziehung. Entsprechend benötigt es zu Beginn eine Klärung elementarer Begriffe und deren Bedeutung für den pädagogischen Alltag im stationären Bereich der Heimerziehung im Kontext Behinderung in all seiner Vielfalt.

2. Medienkompetenz

Um Kindern und Jugendlichen das Handeln in Medien als Kompetenz zu vermitteln, bedarf es der Klärung, worin Medienkompetenz explizit besteht. Laut dem Medienpädagogen Dieter Baacke umfasst die Kompetenz vier Dimensionen (vgl. Brüggenmann 2018, S.8).

a) Medienkritik:

Medienkritik meint, dass die Fähigkeit ausgebildet ist, Probleme in Prozessen der Gesellschaft in angebrachter Weise erkennen zu können. Aufgrund des eigenen Hintergrundwissens sollten Inhalte reflektiert und kritisch betrachtet werden. Weiterhin sollte auch eine ethische Reflexion der Inhalte stattfinden (vgl. Brüggenmann 2018, S.8).

b) Medienkunde:

Diese Dimension verweist auf grundlegenden Wissensbestände. Weiterhin umfasst Medienkunde den korrekten Umgang mit den technischen Gegebenheiten (vgl. Brüggenmann 2018, S.8).

c) Mediennutzung:

Mediennutzung beinhaltet die konkrete Nutzung der vorhandenen Programme innerhalb des Mediums. Zusätzlich beschreibt sie auch die Fähigkeit, Medien interaktiv zu verwenden (vgl. Brüggenmann 2018, S.8).

d) Mediengestaltung:

Die Dimension der Mediengestaltung besteht aus zwei Teilbereichen. Zum einen wird ein innovatives Element umschrieben. Zum anderen ist ein kreativer Bestandteil gemeint, der seinen Schwerpunkt in der Ästhetik des Gestalteten innehat (vgl. Brüggenmann 2018, S.9).

Der Medienkompetenzbegriff nach Baacke beschreibt Fähigkeiten zur Mediennutzung, welche durch die Fachkräfte bei den Individuen gefördert werden sollten. Daraus resultiert, dass jene Kompetenz eine Voraussetzung der ErzieherInnen darstellt, um medienpädagogisch zu Arbeiten (vgl. Brüggenmann 2018, S.9).

Diese Schlüsselkompetenz befähigt den Personenkreis zum reflektierten und verantwortungsbewussten Umgang im digitalen Zeitalter. Besondere Relevanz hält diese Kompetenz inne, da der Einfluss von Medien in das Alltagsgeschehen zunehmend größer wird und sich auf die Entwicklung der Individuen abbildet.

Jene Kompetenz nimmt einen entscheidenden Anteil im Leben der Kinder und Jugendlichen ein. Im Medienzeitalter befähigt die adäquate Mediennutzung zur sozialen Interaktion und der Nutzung der dazu benötigten Techniken. Weiterhin wird eine Beherrschung der Informationsflut und deren Filterung erlangt, ohne welche eine Überforderungssituation hervorgehen würde (vgl. Diel & Hasselhorn 2019, S.48-49).

2.1 Medienkompetenz aus entwicklungspsychologischer Sicht

Zur individuellen Entwicklung der Medienkompetenz von Kindern bedarf es einiger innerer und äußerer Maßgaben aus entwicklungspsychologischer Sicht.

Innere Voraussetzungen sind unter anderem kognitive, sprachliche und moralische Entwicklungen. Äußere Voraussetzungen zeichnen sich weiterhin durch etwa den Einfluss des Sozialraums und der Institutionen ab (vgl. Sutter 1999, S.73). Um zu den komplexen Inhalten der Medien Zugang zu finden setzt sich bei Kindern daher eine soziale Kognition voraus, welche es ihnen ermöglicht diesen Zugang in situative und soziale Kontakte zu setzten (vgl. Sutter 1999, S.74).

Fortfolgenden entwickelte Sutter anhand von Entwicklungs- und Sozialisationstheorien ein grobes, richtungsgebendes Stufenmodell zur sozialen Kognition, bzw. der sozialen Perspektivenkoordination, und der moralischen Entwicklung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Stufenmodell nach Sutter 1999.

Daraus lässt sich ablesen, dass Kinder sich zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichen Themen befassen. Die soziale Konstruktionstheorie nach Piaget beschreibt, dass die Ausbildung des moralischen Urteils in verschiedenen Stufen ebenso verschiedene Interaktionsformen reflektiert, in welchen die Kinder ihre „soziale Praxis führen“ (Sutter 1999, S.78). Dabei werden gegensätzliche Moralerfahrungen in der Beziehung zu ihren Eltern reflektiert, wenn darin Zwang und einseitige Achtung dominieren (vgl. Sutter 1999, S.78). Von zunehmender Bedeutung stellt Piaget die Beziehungen zu Gleichaltrigen heraus, in welchen Kooperation und gegenseitige Achtung überwiegen. Jene führen zu der Entwicklung eines autonomen Moralbewusstseins (vgl. Sutter 1999, S.78).

Nach Vygotsky und Brunner lässt sich der Einfluss von sozialer Interaktion auf die Ausbildung der Medienkompetenz ableiten. Der Umgang mit Gleichaltrigen, sowie Mithilfe der Eltern ermöglichen eine individuelle Entwicklung der Medienkompetenz (vgl. Sutter 1999, S.78).

Vor diesem Hintergrund lässt sich feststellen, dass bislang bekannte günstige Voraussetzungen für kognitive und soziale Entwicklung, sich auch auf den Erwerb der Medienkompetenz übertragen lassen (vgl. Sutter 1999, S.78). Begründet liegt diese Annahme darin, dass die oben genannten Kompetenzen in der sozialen Kognition, sowie in der Moral, grundlegend zur Medienkompetenz sind. Aus diesen Erkenntnissen heraus ergibt sie die Sonderstellung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen im Kontext Behinderung.

3. Medienerziehung – medienpädagogische Kompetenz

Durch die konkrete Ausformulierung des Begriffs der Medienkompetenz ergibt sich die Herausforderung an Fachkräfte, sowie Institutionen sich medienpädagogisch aufzustellen.

Nach Tulodziecki, Herzig und Grafe (2010) unterteilt sich medienpädagogische Kompetenz wiederum in drei Teilbereiche. Diese umfassen die Medienerziehung, Mediendidaktik und organisationsbezogene Medienintegration (vgl. Brüggenmann 2018, S.9).

a) Medienerziehung:

Dieser Bereich umfasst vornehmlich das spezielle Lernen über Medien. Dabei sollte eine Handlungsorientierung vorliegen, welche unter anderem das Verständnis für mediale Kommunikation fördert. Vordergründig steht dabei ein reflexiver und kritischer Umgang mit Inhalten, wie z.B. mit Werbeanzeigen (vgl. Brüggenmann 2018, S.9).

b) Mediendidaktik:

Der Begriff der Mediendidaktik ist eng verbunden mit den Inhalten der Medienerziehung. Dabei werden Medien als Werkzeug verstanden und als ein solches etabliert. In mediale Handlungsfelder werden Lehren und Lernen integriert (vgl. Brüggenmann 2018, S.9).

c) Organisationsbezogene Medienintegration:

Die Integration von Medien in den Rahmen der Einrichtung, bezieht sich auf den jeweiligen Kontext. Diese Einbindung ergibt sich als Anforderung an die beteiligten Akteure einer Organisation in einem übergeordneten Rahmen, um Medienbildung als Bestandteil des Bildungsauftrages zu einzubinden (vgl. Brüggenmann 2018, S.9-10).

Daraus ergibt sich eine Vielfalt an Faktoren, welche eine Bildung im Bereich der Medien ermöglichen müssen. Zum einen bedarf es der entsprechend sensibilisierten, aber auch fähigen Fachkräfte. Auf der anderen Seite müssen strukturelle Rahmenbedingungen und Möglichkeiten von Seiten der Organisation geschaffen werden. Dazu zählen unter anderem die Ausstattung oder das Fortbildungsangebot (vgl. Brüggenmann 2018, S.12).

Daraus resultiert ebenso ein Auftrag an die Politik und Gesellschaft. Es bedarf eines konkreten Betreuungsschlüssels, um jene Faktoren im Alltag einbringen zu können. Die dauerhafte Unterbesetzung in Einrichtung stellt dabei oft ein unüberwindbares Hindernis dar. Trotz allem sollte jede Einrichtung die finanziellen und materiellen Möglichkeiten zur Übertragung dieses Bildungsbereichs in deren Institution bereitstellen.

3.1 Praxisvergleich: 15. Kinder- und Jugendbericht

Im 15. Kinder- und Jugendbericht wurde unter anderem das Thema von Mediennutzung in der Kinder- und Jugendhilfe thematisiert. Festgestellt wurde dabei, dass besonders Medien als Sanktionsmittel verwendet werden (vgl. Deutscher Bundestag 2017, S. 324). Viele Betroffene empfinden dies als Gewalterfahrung. Dies lässt sich wohl darauf zurückführen, dass soziale Interaktion und Kommunikation heutzutage zu großen Teilen über digitale Medien passiert und in zahlreiche Lebensbereiche einfließt (vgl. Deutscher Bundestag 2017, S.324).

Fortfolgend wird es von Fachkräften als eine Dilemma-Situation empfunden. Es sei ihr Anliegen den zu Betreuenden Zugang zu neuen Medien zu gestatten, sehen den damit einhergehenden Kontrollverlust und den Gewinn an Autonomie jedoch sehr kritisch (vgl. Deutscher Bundestag 2017, S.324). Aus dieser Aussage lässt sich ableiten, dass digitale Mediennutzung eine Thematik ist, in welcher Fachkräfte Unsicherheiten aufweisen und Handlungsbedarf besteht.

Weiterhin wird im Bericht dargestellt, dass die sehr wenigen existierenden Ergebnisse über die Mediennutzung im Bereich der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung darauf hinweisen, dass dort eine „digitale Exklusion“ (15. Deutscher Bundestag 2017, S.324) stattfinde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung als Herausforderung für die Kinder- und Jugendarbeit
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V1151838
ISBN (eBook)
9783346538536
ISBN (Buch)
9783346538543
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienpädagogik, Mediennutzung, Kinder- und Jugendhilfe, Medienkompetenz, Behinderung, Beeinträchtigung, Inklusion, Medienerziehung
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Digitalisierung als Herausforderung für die Kinder- und Jugendarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151838

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