Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Emotionsregulation im Kindesalter auseinander. Betrachtet man Emotionen unter dem Aspekt der Evolutionsgeschichte, so wird deren zentrale Signifikanz für das menschliche Überleben deutlich. Sie ermöglichen eine Dynamik des Verhaltens sowie intentionales und aufmerksames Handeln, welches dabei stark in seiner Ausprägung und Intensität variieren kann und vom jeweiligen Kontext beeinflusst wird. Beispielsweise können sie in Gefahrensituationen zum Schutz des Menschen dienen, da ein ängstliches Verhalten oftmals mit einer Vermeidungsreaktion einhergeht.
Das menschliche Individuum ist seinen Emotionen dabei nicht passiv ausgesetzt, sondern ist in der Lage, diese in unterschiedlichem Maße zu modifizieren und zu steuern. Diese Prozesse gehen mit der Emotionsregulation einher, die ein beständiges Persönlichkeitskonstrukt darstellt und eine angemessene Steuerung emotionaler Reaktionen des Individuums auf unmittelbare Situationen wie auch Interaktionen ermöglicht.
Insbesondere im frühen Säuglings- und Kindesalter stellt die Generierung einer funktionalen Emotionsregulation einen wichtigen Bestandteil im weiteren Lebensverlauf für die Entwicklung, die gesellschaftliche Teilhabe und die psychische Gesundheit des Heranwachsenden dar.
Um dieses sensible frühkindliche Entwicklungsstadium und mögliche begünstigende Einflussfaktoren durch nahe Bezugspersonen intensiver zu analysieren, wird in dieser Arbeit folgender Frage nachgegangen: Wie können Eltern ihren Kindern in der Emotionsregulation Unterstützungsmaßnahmen bieten?
Die Grundlage der wissenschaftlichen Analyse bilden dabei insbesondere das von Kullik und Petermann publizierte Werk „Emotionsregulation im Kindesalter“ sowie die Darlegungen von Petermann und Wiedebusch in „Emotionale Kompetenz bei Kindern“.
Nachfolgend wird zunächst der Begriff der Emotionsregulation näher skizziert und erläutert. Die in diesem Zusammenhang vorgestellte Definition dient als Grundlage und Ausgangspunkt der Arbeit und wird anschließend durch die Entwicklung der externalen zur internalen Emotionsregulation ergänzt. Darauf aufbauend schließt sich der Themenschwerpunkt der Arbeit an, indem spezifische Komponenten der elterlichen Einflussmöglichkeiten dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsverständnis Emotionsregulation
2.1 Externale Prozesse der Emotionsregulation
2.2 Internale Prozesse der Emotionsregulation
3. Familiäre Einflüsse
3.1 Familienklima
3.2 Emotionale Erziehungskompetenz
3.3 Eltern-Kind-Bindung
3.4 Sensitiver Umgang mit Emotionen
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die entscheidende Rolle elterlicher Unterstützungsmaßnahmen für die Entwicklung der Emotionsregulation bei Kindern. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bezugspersonen durch direkte Interaktionen und das Schaffen eines stabilen Bindungskontextes die kindliche Fähigkeit zur Steuerung emotionaler Zustände fördern oder hemmen können.
- Grundlagen der externalen und internalen Emotionsregulation im frühen Kindesalter
- Die Bedeutung des Familienklimas für die emotionale Entwicklung
- Einfluss der Eltern-Kind-Bindung auf die Entstehung von Regulationsstrategien
- Methoden der elterlichen Feinfühligkeit und deren präventive Wirkung
- Zusammenhang zwischen elterlichem Erziehungsverhalten und der psychischen Gesundheit des Kindes
Auszug aus dem Buch
2.1 Externale Prozesse der Emotionsregulation
Die externalen Prozesse, auch interpsychische Emotionsregulation genannt, beschreiben die Einbeziehung der Bezugspersonen in die Auseinandersetzung mit zu bewältigenden und als unangenehm erlebten Zuständen wie auch Situationen. Insbesondere in den ersten Lebensmonaten kommt hierbei den Eltern die primäre Funktion zu, dem Säugling im Umgang mit seinen eigenen Emotionen zu begleiten und entsprechende Unterstützung zu bieten (vgl. Kullik & Petermann, 2012). Bedingt durch die interpsychische Regulationsfunktion werden die Bezugspersonen durch die Emotionen des Kindes zu Tätigkeiten veranlasst, damit diese die vom Säugling angestrebten Bewältigungshandlungen für ihn ausführen (vgl. Holodynski, 1999).
Dabei können die Eltern auf unterschiedliche Techniken zurückgreifen, um die Bedürfnisse ihres Säuglings zu befriedigen. So können unter anderem Ablenkungsstrategien dazu dienen, dem Kind zu vermitteln, seine eigene Aufmerksamkeit dahingehend zu kontrollieren, dass parallel emotionale Erregungszustände modifiziert werden können. Weitere Instrumente stellen haptische oder kinästhetische Strategien der Beruhigung dar (vgl. Kullik & Petermann, 2012), wie das Wiegen in den Schlaf oder das Hochheben und Liebkosen des Kindes.
Eine weitere Komponente der externalen Regulation bildet die verbale Regulationsstrategie (vgl. ebd.), wie das beruhigende Zureden oder Singen eines Schlafliedes wie auch die Motivation und Anregung zu spielerischen Aktivitäten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Emotionsregulation für das menschliche Überleben und die psychische Gesundheit ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der elterlichen Unterstützung.
2. Begriffsverständnis Emotionsregulation: Dieses Kapitel definiert Emotionsregulation als dynamischen Prozess und unterscheidet zwischen externalen (durch Bezugspersonen) und internalen (selbstregulierten) Mechanismen.
3. Familiäre Einflüsse: Hier werden die verschiedenen familiären Rahmenbedingungen, wie Familienklima, Bindungsqualität und Erziehungskompetenz, analysiert und ihr Einfluss auf die kindliche Emotionsregulation dargelegt.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Erkenntnisse über die direkte und indirekte Einflussnahme der Eltern auf die Entwicklung kindlicher Regulationsstrategien und betont die Relevanz einer sicheren Bindung.
Schlüsselwörter
Emotionsregulation, Kindesalter, Eltern-Kind-Bindung, Erziehungskompetenz, interpsychische Regulation, intrapsychische Regulation, Familienklima, Feinfühligkeit, Sozialisation, Regulationsstrategien, Resilienz, Säuglingsalter, emotionale Entwicklung, Bindungstheorie, Kleinkindalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Einflussmöglichkeiten von Eltern auf die Entwicklung der Emotionsregulation ihrer Kinder, insbesondere während der frühen Entwicklungsphasen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Unterscheidung zwischen externaler und internaler Regulation, die Rolle der Bindungsqualität sowie die Auswirkungen elterlicher Feinfühligkeit auf das kindliche Erleben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, darzulegen, wie Eltern durch gezielte Unterstützung und ein unterstützendes Erziehungsumfeld zur Ausbildung funktionaler Emotionsregulationsstrategien bei Kindern beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutisch-interpretative Methode der Texterschließung auf Basis fachwissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition der Emotionsregulation sowie eine detaillierte Analyse familiärer Einflüsse, inklusive Familienklima, Erziehungskompetenz und Bindungstheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Emotionsregulation, Bindungssicherheit, Feinfühligkeit und interpsychische Ko-Regulation.
Welche Bedeutung kommt der "still-face-Interaktion" zu?
Die still-face-Interaktion verdeutlicht stressauslösende Momente für den Säugling, wenn Bezugspersonen auf die kindliche Interaktionsanfrage nicht mehr responsiv reagieren, was die Bedeutung der elterlichen Rückmeldung unterstreicht.
Wie unterscheidet sich die adaptive von der maladaptiven Emotionsregulation?
Adaptive Regulation zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, eigene Emotionen wahrzunehmen und zu akzeptieren, während maladaptive Regulation auf eine mangelnde Modifikation oder die Vermeidung von Emotionen hindeutet.
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- Stefanie Kaya (Author), 2020, Elterliche Unterstützungsmaßnahmen der Emotionsregulation im Kindesalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151887