Ludwig van Beethoven, Sonate für Klavier und Violoncello op. 102 Nr. 2

Analyse des 3. Satzes, Allegro


Hausarbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

l. Entstehung

2. Fugenanalyse
2.l. Themeneinsätze (tabellarisch)
2.2. Analyse

3. Eine andere Fuge

Abkürzungen

Literaturverzeichnis

l. Entstehung

Beethoven schrieb insgesamt fünf Sonaten für Klavier und Violoncello: op. 5,l F-Dur, op. 5,2 g-moll (beide l796 komponiert), op. 69 A-Dur (l807), op. l02,l C-Dur und op. l02,2 D-Dur (beide l8l5). Abgesehen von einigen Variationen sind dies Beethovens einzigen Kompositionen für diese Besetzung, wobei die letzten beiden Sonaten - als die „kompromisslosesten“1 Werke dieser Schaffenszeit - zu seinem so typischen Spätstil gezählt werden.

In der ersten Rezension über die im Sommer l8l5 komponierten D-Dur-Sonate vom ll.ll.l8l8 wurde in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung geschrieben, sie gehöre ganz gewiss zu dem Ungewöhnlichsten und Sonderbarsten, was seit langer Zeit für das Pianoforte geschrieben worden sei und gilt bis heute als sperrig und spröde.

Im Jahre l8l5 befand sich Beethoven in einer kritischen, etwas weltentfremdeten Phase; es war sein Jahr der „inneren Einkehr2. Er litt zunehmend unter dem Verlust seines Gehörs; oft fühlte er sich einsam und missverstanden, was in zahlreichen Briefen aus dieser Zeit deutlich wird: „(...) ich kann sagen ich lebe beinahe allein in dieser größten Stadt Deutschlands, da ich von allen Menschen, welche ich liebe, lieben könnte, beinahe entfernt leben muss (...)“3; „(...) verdrießlich über vieles, empfindlicher als alle anderen Menschen und mit der Plage meines Gehörs finde ich oft im Umgange anderer Menschen nur Schmerzen.4. Im weiteren Verlauf des Jahres plagt ihn besonders die Sorge – die mit der Sehnsucht nach dem eigenen Tod einhergeht - um seinen Bruder Karl, der nach langer Krankheit im November l8l5 stirbt.

Doch wurde in dieser Zeit auch eine alte Freundschaft neu aufgefrischt, nämlich mit der Gräfin Marie Erdödy, mit der Beethoven seit einem Zwist im Jahre l809, über den es viele widersprüchliche Meinungen gibt, keinen Kontakt hatte. In seinem Tagebuch verzeichnete er Ende l8l4 „34 Flaschen von der Gräfin Erdödy“5 , und aus dem Jahre l8l5 ist eine ungewöhnlich rege Korrespondenz bekannt, die anscheinend einen Schlussstrich unter die Phase der Entfremdung zog und Beethoven sichtlich große Freude bereitete: „Ich habe meine werthe Gräfin ihr schreiben mit vielem Vergnügen gelesen, ebenso wie die Erneuerung Ihrer Freundschaft für mich. Es war lange mein Wunsch, sie einmal wieder zu sehen (...)“6. Ende des Sommers reiste die Gräfin Erdödy in die Nähe von Padua. Beethoven schreibt ihr noch einmal, dann werden beider Briefe seltener.

Die beiden Cello-Sonaten op. l02, die das einzige größere Instrumentalwerk aus dem Jahr l8l5 darstellen, sind der Gräfin gewidmet.

2. Fugenanalyse

2.l. Themeneinsätze (tabellarisch)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Analyse

Bei dem letzten Satz der D-Dur-Sonate handelt es sich um eine vierstimmige Fuge, wobei eine Stimme vom Cello und drei Stimmen vom Klavier übernommen werden. Zur Erleichterung der Bezeichnung der einzelnen Stimmen werden die Klavierstimmen im Folgenden mit Alt, Tenor und Bass bezeichnet, unabhängig davon, dass sie gegebenenfalls über die Tonhöhe des Cellos hinausgehen.

Der Kopf des I. Thema wird zweimal vorweggespielt, in T. l vom Cello und in T. 3 vom Klavier. Diese einleitenden 4 Takte dienen als Überleitung aus dem vorhergehenden II. Satz und als Vorstellung des ersten Motivs des I. Themas und damit eines der Hauptmotive dieses Finalsatzes. Die ersten Takte haben dominantischen Charakter, ebenso, wenn das Cello das gesamte Thema vorstellt, da es aus einer A-Dur-Tonleiter besteht und sich aus dem letzten Akkord des vorherigen II. Satzes (ebenfalls A-Dur mit Septime, also eindeutig die Dominante zu D-Dur) ergibt. Die Tonika mit vorausgehendem Leitton (cis-d) wird erst in T. 7 erreicht, im dritten Takt des Themas.

Die Fuge startet in T. 5 mit Auftakt. Das Thema erstreckt sich über 6 Takte bis T. l0 Zz. 2, wo der Kontrapunkt (ebenfalls mit Auftakt) direkt anschließt. Das Thema charakterisiert sich durch drei unterschiedliche Motive:

1. eine ansteigende Tonleiter (T.l des Themas) (im weiteren Verlauf als Motiv a bezeichnet)
2. T. 2 u. 3 des Themas; ein Motiv, das durch die Synkopierung eine rhythmisch verschiebende Wirkung aufweist, Auftaktcharakter besitzt und weiterhin gekennzeichnet ist durch] einen Septimsprung (als Motiv b bezeichnet)
3. T. 4 – 6 des Themas; diese Motiv wird dreimal wiederholt: l. dominantisch (g/e/a weisen auf A7 hin), 2. tonikal (fis/d/a weisen auf D-Dur hin), 3. wieder dominantisch, wobei dieses Motiv das Thema weder harmonisch noch melodisch beendet, weil es dominantischen Charakter hat und als Übergang zum KP fungiert, der sich direkt anschließt. Dieses Motiv wirkt insgesamt tänzerisch und beschwingt.

Der Kontrapunkt (KP) erstreckt sich über 5 Takte und lässt sich in 2 x 2 Takte einteilen. T. l und 2 des KP haben schließenden Charakter, was sich aus der absteigenden Linie und der Umspielung des Grundtons d mit einer Wechselnote cis ergibt. Diese Wirkung wird aber mit T. 3 und 4 des KP wieder aufgehoben, denn diese Takte haben durch die Bewegung nach oben etwas Öffnendes und stehen eher in einem A-Dur-Feld, also einem dominantischen Kontext, was besonders durch die erhöhte vierte Stufe (g ® gis) unterstützt wird. Weiterhin charakteristisch sind die 4er Achtelketten und die Überbindungen auf den ersten vollständigen und den dritten Takt des KP, durch die eine rhythmische Verschobenheit erreicht wird. Da das letzte aufsteigende Motiv noch häufig verwendet wird, bezeichne ich es im folgenden mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

[...]


1 Werner-Jensen S. l62

2 Massin S. 235

3 Massin S. 236, Brief an den Freund Amenda vom l2. April l8l5

4 Massin S. 237, Brief an die Gräfin Erdödy im Sommer l8l5

5 Massin S. 236

6 Massin S. 236, 29. Februar l8l5

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ludwig van Beethoven, Sonate für Klavier und Violoncello op. 102 Nr. 2
Untertitel
Analyse des 3. Satzes, Allegro
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Musikhochschule Münster)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V115199
ISBN (eBook)
9783640181766
ISBN (Buch)
9783640190553
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ludwig, Beethoven, Sonate, Klavier, Violoncello, Formale Analyse
Arbeit zitieren
Urte Reich (Autor), 2005, Ludwig van Beethoven, Sonate für Klavier und Violoncello op. 102 Nr. 2, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115199

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