Neoklassik versus heterodoxe Ökonomie

Unterschiede des neoklassischen Paradigmas zu nicht-orthodoxen Ansätzen


Hausarbeit, 2021

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Begriffserklärung
2.1 Paradigma
2.2 Neoklassische Ökonomie
2.3 Heterodoxe Ökonomie

3. Kritische Betrachtung der Neoklassik und mögliche Alternativen
3.1 Das Neoklassische Menschenbild: Homo Oeconomicus
3.2 Die zentrale Annahme des methodologischen Individualismus

4 Fazit und Ausblick

I. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Einführung

Eine wissenschaftliche Perspektive pflege sich „nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist“1 Zu diesem Schluss ist Max Karl Ernst Ludwig Planck, Begründer der Quantenphysik, gekommen, als er sich über vorherrschende Paradigmen, sowie Paradigmenwechsel Gedanken machte. In der Mathematik und Physik gibt es gültige mathematische Beweise, wodurch die Gedankengänge unanfechtbar sind. Aus dem Neid der wissenschaftlichen Exaktheit der Mathematik erfanden auch die Ökonomen in den neunziger Jahren für die Ökonomik neue wissenschaftliche Modelle zu erfinden. Hierbei hat sich das bis heute vorherrschendes Paradigma der neoklassische (Main­Stream) Ökonomie durchgesetzt. Aus der Neoklassik stammen die Gesetze der Wirtschaftslehre, die an den Bildungseinrichtungen weltweit gelehrt werden. Diese Gesetze der Wirtschaftslehre sind die natürliche Arbeitsgrundlage für die Neoklassik. Das Fundament der Neoklassik baut dabei auf die gegebene Determinante des rationalen und selbstsüchtigen Verhaltens des Individuums, der nach Nutzenmaximierung strebt, auf. Dieser homo oeconomicus, wie das hyperrationale Individuum in der Neoklassik bezeichnet wird, prägt seither die ökonomische Denkweise. Seitdem die Neoklassik existiert, haben sich auch entsprechende Gegenpositionen, sowie alternative Konzepte entwickelt. Diese Entwicklungen neuer Paradigmen haben hauptsächlich stattgefunden, weil uns Ereignisse wie die globale Finanzkrise erinnert haben, dass fehlerbehaftete ökonomische Theorien in der Realität nicht immer funktionieren. Die Kritiker setzen genau an dieser Fehlerhaftigkeit an, wobei die Ökonomen aber von ihrer Theorie nicht abweichen. Und diese Einerseits-andererseits-Argumentationen führen zu entsprechenden Ereignissen.2 Auch John Stuart Mill, der Schöpfer und Vordenker des Modells homo oeconomicus, erkannte bereits die Schwierigkeiten, die mit diesen Annahmen des Paradigmas einhergehen.3

Aus dem Wunschdenken der Ökonomen, dass die Main-Stream Ökonomie eine exakte Wissenschaft wie die Mathematik ist, ist eine Debatte entstanden, die einen dichten Nebel an Behauptungen und Gegenbehauptungen erzeugt hat. Die Ökonomen und Kritiker sind dabei selbst in einseitigem Denken befangen und plädieren darauf, dass ihr ökonomischer theoretischer Ansatz der Richtige ist. Die Ansätze der Kritiker, an der Neoklassik, sind dabei unterschiedlich. Jedoch stellt sich nun die Frage: Welcher Ansatz ist der Richtige und gibt es überhaupt einen richtigen Ansatz?

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Das Ziel der Arbeit ist die Beschreibung des vorherrschenden Paradigmas der neoklassischen Ökonomie und die Ausarbeitung der Ansätze der Main-Stream Ökonomie. Dabei wird auf Konzepte wie der vollständigen Rationalität und des methodologischen Individualismus eingegangen, sowie der Frage nachgegangen, ob sich der Mensch in der Realität rational verhält. Abschließend werden weitere alternative Konzepte zur Neoklassik behandelt.

Das Assignment baut auf vier Kapiteln auf. Das erste Kapitel gibt eine Einführung in das Thema und erläutert dessen Problemstellung und Zielsetzung. Im zweiten Kapitel werden die begrifflichen Grundlagen für das dritte Kapitel geschaffen. Hier werden unter anderem die Begriffe Paradigma, Neoklassische Ökonomie und heterodoxe Ökonomie vorgestellt. Im dritten Kapitel werden die Konzepte der Neoklassik kritisch betrachtet und in dieser Betrachtung mögliche Alternativen vorgestellt. Abschließend wird im vierten Kapitel ein Fazit gezogen und ein Ausblick auf die weitere Entwicklung der Forschungsgegenstände gegeben.

2 Begriffserklärung

2.1 Paradigma

Der Begriff Paradigma kann mit grundsätzlicher Denkweise gleichgesetzt werden. Dieser Begriff entstammt aus dem Griechischen und hat dort die Bedeutung Muster, Modell oder Beispiel. Über die Jahrhunderte hat sich der Begriff entwickelt und wurde von verschiedenen Disziplinen ähnlich interpretiert. Der ökonomische Paradigmenbegriff wurde entscheidend durch den Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn geprägt. Nach Thomas Kuhn sind Paradigmen wissenschaftliche Methoden oder Denkweisen, die von Forschern zu einem bestimmten Zeitpunkt als Grundlage ihrer Forschung anerkennt werden. Auf dieser Grundlage bauen neue Erkenntnisse und neues Wissen auf. Ein Paradigma kann nach Kuhn von einem neuen Paradigma abgelöst werden, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, die der bisherigen Grundlage widerspricht. Dies kann zu einer Änderung der Denkmuster führen und wird Paradigmenwechsel genannt. Es entstehen neue Fragestellungen und Begrifflichkeiten. Dieser Wechsel findet jedoch nicht gleich nach der Entdeckung der neuen Erkenntnisse statt, sondern durchläuft einen längeren Prozess bis dieses neue Paradigma allgemein Anerkennung findet.4

2.2 Neoklassische Ökonomie

Die Neoklassische Ökonomie oder auch Mainstream Ökonomie genannt, ist die heute herrschende Lehre. Der Begriff Neoklassik wurde um 1900 von Veblen verwendet. Dieser versuchte damit die Ökonomie zweier Bereiche zu bezeichnen. Zum früheren Zeitpunkt gab es jedoch Vordenker, die das Fundament des Paradigmas mit ihren Ansätzen und Modellen geschaffen haben. Die Vorklassik reicht sogar bis zum Jahr 1600 zurück. Der Begriff Neoklassik kann wegen seiner Entstehung auch als Marginalismus bezeichnet werden, denn die Neoklassik ist durch den Paradigmenwechsel der marginalistische Revolution entstanden.5 Den wohl größten Beitrag zur modernen Ökonomie leistete der Ökonom Adam Smith, der mit seinen Gedankengängen im Werk „Der Wohlstand der Nationen“ mehrere Generationen prägte. Man spricht dabei auch von der klassischen Ökonomie. In seinem Werk beschrieb er Prinzipien wie Arbeitsverteilung, das Wesen des Kapitals und der Wirtschaftssysteme mit dem Einfluss der Systemumwelt. Im weiteren Verlauf der Zeit stützen sich die Ökonomen auf diesen Denkgrundlagen und entwickelten diese zur Neoklassik. Die Neoklassik, sowie wir diese heute kennen, wurde von den Pionieren William Stanley Jevons, Carl Menger, Léon Walras, Alfred Marshall und Vilfredo Pareto entwickelt. Die Ansätze, die dabei entwickelt wurden, waren unter anderem die Nutzenmaximierung bzw. die Lösung des klassischen Wertparadoxons, Wert- und Preistheorie, gesamtwirtschaftliche Gleichgewichtszustände, Angebots- und Nachfragediagramm des Marktdiagramms, sowie der Allokationstheorie.6 Dies sind unter anderem die wichtigsten Merkmale der Neoklassischen Ökonomie.

Der harte Kern der Neoklassik, der bei jedem neoklassischen ökonomischen Modell vorausgesetzt wird, besteht aus mehreren Elementen. Erstens ist die Annahme der Rationalität, diese ist als Optimierung unter Nebenbedingungen definiert. Dem Individuum wird also ein rationales Verhalten unterstellt. Dieses wird dabei auch als Homo Oeconomicus bezeichnet. Der Begriff Homo Oeconomicus beschreibt den Menschen als Optimierer unter Nebenbedingungen oder im allgemeinsten Fall als Nutzenmaximierer. Zweitens, dass alle Güter gegeneinander getauscht werden können und jedes Gut einen gewissen Preis besitzt. Dies wird in der Fachsprache auch als Bruttosubstituierbarkeitsaxiom bezeichnet. Drittens kann die zeitliche Entwicklung des betrachteten Systems, bei Bestimmung des aktuellen Zustands, vorhergesagt werden. Die Zukunft kann also präzise vorhergesagt werden und es kann nutzenmaximierend gehandelt werden. Dies wird auch als Ergodizitätsaxiom bezeichnet. Viertens ist die Annahme der vollkommenen Information des Individuums mit diesen er nach dem Optimum handeln kann. Fünftes Element sind vollkommene Märkte, sowie die Annahme des Gleichgewichtes in diesen. Das Gleichgewicht gilt auch auf Individueller Ebene. Diese fünf Axiome bilden den harten Kern der Neoklassik und werden implizit vorausgesetzt.7

Zu diesem harten Kern der Neoklassik gehört auch die Annahme eines Prinzips, dessen Anwendung erwartet wird. Dies ist das Prinzip des methodologischen Individualismus. Dieser wird unter anderem auch als strukturtheoretischer Individualismus bezeichnet. Der Grundgedanke des methodologischen Individualismus ist, dass soziale gesellschaftliche Prozesse aus dem Handeln des Individuums abgeleitet werden können. Die Individuen stehen dabei miteinander in Wechselwirkung und stoßen dabei eigengesetzliche Prozesse an.8 Nach Karl Popper sei der methodologische Individualismus „die wichtige Lehre, dass alle sozialen Phänomene... immer als Resultat der Entscheidungen, Handlungen, Einstellungen usf. menschlicher Individuen verstanden werden sollten und dass wir nie mit einer Erklärung auf Grund sogenannter ,Kollektive‘ (Staaten, Nationen, Rassen usf.) zufrieden sein dürfen.“9

2.3 Heterodoxe Ökonomie

Aus den Debatten, Kritiken und der immer öfter aufkommenden Frage, ob die vorherrschende neoklassische Ökonomie Teil der Lösung oder nicht sogar ein Teil des Problems ist, hat sich die heterodoxe Ökonomie gebildet. In den meisten Literaturen wird die heterodoxe Ökonomie auch als plurale Ökonomik bezeichnet. Andere Bezeichnungen sind auch nicht-autistische Ökonomie oder nicht-orthodoxe Ökonomie. Im Gegensatz zur neoklassischen Ökonomie, die ein bestimmtes ökonomisches Denken beschreibt und die im Kapitel 2.2 genannten Prinzipien voraussetzt, besteht die plurale Ökonomie aus einer Summe an alternativen Ansätzen und einer Vielfalt an Forschungsparadigmen für Problemlösungen bei der die Neoklassik versagt. Manche dieser heterodoxen Ansätze und Strömungen sind Gegenpositionen zur Neoklassik, jedoch versuchen die meisten der Alternativen die Main-Stream Ökonomie zu verbessern und einen affirmativen Ansatz zu bieten. Zu diesen Ansätzen zählen unter anderem die Sozialökonomik, feministische, ökologische und marxistische Ökonomik, Komplexitätsökonomik, Postkeynesianismus, österreichische Schule, Regulationstheorie, Institutionsökonomik, evolutorische Ökonomie, sowie auch verschiedene wirtschaftsethische Konzepte und Spezialgebiete.10

Die heterodoxe Ökonomie will die Prinzipien der Neoklassik, wie die Betrachtung des Menschen als selbstsüchtigen und hyperrationalen Homo Oeconomicus hinter sich lassen. Stattdessen soll die soziale, gesellschaftliche und ethische Komponente, die den Menschen definiert, mit in das Menschenbild einfließen. Der Mensch befindet sich in der pluralen Ökonomik in einem ständigen Veränderungsprozess, da das Gesellschaftssystem, dass vom Menschen geschaffen wird, ständig auf diesen einwirkt und ihn in seinen Handlungen beeinflusst. Externe Effekte, Institutionen, Sozialkapital usw. sind ständige Bestandteile im Grundmodell einer alternativen Ökonomie. Die Wirtschaftslehre muss aber auch, nach den Vertretern der heterodoxen Ökonomie, wieder Raum für Fächer wie Wirtschaftsgeschichte, Geschichte des ökonomischen Denkens, Wirtschaftsethik und Wissenschaftstheorie schaffen, um durch Reflexion einen kreativen Fortschritt in der Ökonomie zu ermöglichen.11

Zusammenfassend stellt sich in der heterodoxen Ökonomie heraus, dass die meisten Alternativen zur Neoklassik auf dessen Grundgedanken aufbauen, auch wenn diese als Gegenposition propagiert werden. Grund für die Propagierung könnte sein, dass man von den Ökonomen der Neoklassik wahrgenommen werden will, um das starre Festhalten an der einen wahren Ökonomik zu lösen. Andere Organisationen positionieren sich jedoch nicht komplett gegen die Neoklassik. Die Studenten der Cambridge University schreiben beispielsweise in der Petition „Open up economics“: „We are not arguing against the mainstream approach per se, but against the fact its dominance is taken for granted in the profession. We are not arguing against mainstream methods, but believe in a pluralism of methods and approaches justified by debate.“12 Dies zeigt das man keine Rebellion starten, sondern gemeinsam die Forschungsmethoden in der Ökonomie in eine zeitgetreue Richtung entwickeln will.

Nachfolgend wird die Neoklassik mit dessen harten Kern kritisch betrachtet und zu diesem eine mögliche Alternative vorgestellt.

[...]


1 Planck 1970/1948

2 Aldred 2020, S. 21-23

3 Wächer, 2020, S. 212

4 Kuhn, 2012.

5 Söllner, 2015, S. 41-42.

6 Pietsch, 2019, S. 39 ff.

7 Söllner, 2021, S. 97 ff.

8 Esser, 1984, S. 456 ff.

9 Popper, 1977, S. 124.

10 Thielscher, 2020, S. 190.

11 Dürmeier, 2005, S.65-76.

12 The Cambridge, 2001.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Neoklassik versus heterodoxe Ökonomie
Untertitel
Unterschiede des neoklassischen Paradigmas zu nicht-orthodoxen Ansätzen
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Veranstaltung
Allgemeine Systemtheorie
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1151998
ISBN (eBook)
9783346540034
ISBN (Buch)
9783346540041
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neoklassik, heterodoxe Ökonomie
Arbeit zitieren
Florian Haider (Autor:in), 2021, Neoklassik versus heterodoxe Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151998

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