Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine Projektskizze für das Forschungsvorhaben im Praxissemester an einem Gymnasium. Ziel der Forschung ist es, herauszufinden, wie Schülerinnen und Schüler den Musikunterricht wahrnehmen, wenn ihre Lieblingsmusik behandelt wird.
Nicht jeder Schüler kann sich für eine Auseinandersetzung mit "klassischer" (Schul-) Musik motivieren und nicht jede Lehrkraft kann die Fülle von Schülermusik adäquat kennen, geschweige denn behandeln; es gibt nämlich so viel Stile und Genres, dass es als Lehrkraft kaum einzuschätzen ist, welche Geschmackspräferenzen innerhalb einer Klasse überhaupt vorliegen bzw. ob man sich z.B. mit einem Musikbeispiel aus den Charts überhaupt sicher sein kann, alle motivieren und erreichen zu können.
Sollte man im Unterricht aber schülerspezifische Genres behandeln, werden viele Parameter auf unterschiedlichen Ebenen interessant, da im Vergleich zu "neutralen" Themen hierbei ein Bezug auf die eher privaten und freizeitlich orientierten Hörinteressen der Kinder und Jugendlichen genommen wird.
Im letzten Kapitel sollen folgende Aspekte behandelt werden: Begegnung mit der Klasse und notwendige Schritte vor der Interview-Durchführung, Zeitplanung, geplante Personenstichprobe, Gesprächsdauer, die Wahl des Ortes sowie Antizipationen über den Gesprächsverlauf mit einigen Steuerungsvorschlägen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorüberlegungen
2. Entwicklung der Untersuchungsfrage
3. Anpassung der Untersuchungsfrage an das schulische Umfeld
4. Theoretische Einbettung des Untersuchungsthemas
5. Auswahl der Untersuchungsmethoden
6. Vorstellung des Untersuchungsdesigns
Zielsetzung und Themen der Projektskizze
Das Hauptziel dieser Projektskizze ist es, durch qualitative Interviews zu erforschen, wie Schülerinnen und Schüler die Thematisierung ihrer persönlichen Lieblingsmusik im Musikunterricht wahrnehmen, um daraus Erkenntnisse für eine schülerzentrierte Unterrichtsgestaltung abzuleiten.
- Wahrnehmung von Lieblingsmusik im schulischen Kontext
- Motivationale Aspekte bei der Einbindung populärer Musik
- Die Rolle digitaler Medien und des veränderten Musikgeschmacks
- Herausforderungen der "Un-Unterrichtbarkeit" von Schülermusik
- Methodik der qualitativen Interviewführung zur Erfassung subjektiver Deutungsmuster
Auszug aus dem Buch
Vorüberlegungen
Auf der Suche nach einer geeigneten Forschungsfrage für die Untersuchung von Musikunterricht habe ich mich im Vorfeld mit vielen Themenkomplexen befasst, die für ein Studienprojekt infrage kommen könnten. Neben anfänglichen Gedankenblitzen wie „Verknüpfung von analytischen und produktionsorientierten Aufgaben im Musikunterricht“ oder „wissenschaftspropädeutische Ausrichtung des Fachs Musik“ entschied ich mich letztendlich für eine Ausrichtung, welche die Schülerinnen und Schüler als zentrale Akteure im Unterricht in den Blick nehmen soll.
Eine große Motivation für dieses Forschungsvorhaben ist dabei einerseits aus der Tatsache entstanden, dass ich das Thema von „musikalischer Selbstsozialisation im Zeitalter von Youtube und Spotify“ bereits in meiner Bachelorarbeit behandelt habe, wobei ich auch Einblicke in die Transformationsprozesse der musikalischen Kommunikation (v.a. im Bereich der Musikrezeption im Kindes- und Jugendalter) gewinnen konnte. Im vierten Kapitel dieser Skizze werden dabei jene Dimensionen des digitalen Paradigmenwechsels erklärt, in denen sich Kinder heutzutage befinden. Diese Ergebnisse, die aufgrund der Transformationsprozesse eine stärkere Einbindung von Musik in den Alltag postulieren, verdeutlichen außerdem die Relevanz der Forschungsfrage für den Schulalltag, da persönliche Stile, Vorlieben und Lieblingsmusik wichtige Komponenten der Identitätsentwicklung sind, welche auch im Musikunterricht thematisiert werden müssen (s. hierzu das folgende Kapitel).
Einen weiteren eindrücklichen Impuls für das Projektthema lieferte mir das Arbeitsblatt „Die Bilder von Musikunterricht“ im Zuge des Vorbereitungsseminars. Den Studenten wurde die Möglichkeit gegeben, mit 8 Antworten den Satz „Musikunterricht ist…“ zu beenden. Neben der Antwort „Musikunterricht ist langweilig“ schrieb ich auf, dass Musikunterricht einen Bezug zu der sozialen Wirklichkeit der Jugendlichen nehmen soll und verstärkt die musikalischen Vorlieben der jeweiligen Individuen thematisieren muss. Demnach bildet auch die Tatsache, dass ich persönlich in der Unterstufe solche Unterrichtsinhalte wie Lieblingsmusik nicht kennengelernt habe, einen wichtigen Motivationsanreiz für die Frage nach der Wahrnehmung solcher Musik bei den Schülerinnen und Schülern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorüberlegungen: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für das Forschungsthema, welche aus eigenen Erfahrungen und dem Wunsch resultiert, Schüler als zentrale Akteure in den Musikunterricht einzubeziehen.
2. Entwicklung der Untersuchungsfrage: Hier wird der Fokus auf die Erforschung der Haltungen von Schülern gegenüber der unterrichtlichen Thematisierung ihrer Lieblingsmusik gelegt und die Herausforderung der schülerzentrierten Materialwahl diskutiert.
3. Anpassung der Untersuchungsfrage an das schulische Umfeld: Der Autor gleicht sein Vorhaben mit den schulinternen Lehrplänen des F.-S.-Gymnasiums ab und legt den Fokus auf die Klassen 5 und 6 als geeignete Untersuchungsgruppen.
4. Theoretische Einbettung des Untersuchungsthemas: Dieses Kapitel thematisiert den Einfluss digitaler Medien und die damit einhergehende stärkere Bedeutung von Musik im Alltag Jugendlicher, was für den Musikunterricht pädagogisch relevant ist.
5. Auswahl der Untersuchungsmethoden: Der Autor entscheidet sich für qualitative Forschungsmethoden, da diese den notwendigen offenen Rahmen bieten, um komplexe, subjektive Deutungsmuster der Schüler zu erfassen.
6. Vorstellung des Untersuchungsdesigns: Abschließend wird der konkrete Ablauf der Interviews, von der Planung der Stichprobe bis hin zu den praktischen Aspekten der Gesprächsführung und Reflexion, dargestellt.
Schlüsselwörter
Musikunterricht, Lieblingsmusik, Schülermusik, qualitative Forschung, Interviewleitfaden, musikalische Sozialisation, digitale Medien, schülerzentriert, Unterrichtsgestaltung, Identitätsentwicklung, Rezeptionsgewohnheiten, Motivation, ästhetische Praxis, Bildungsziele, Transformationsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der Fragestellung, wie Schülerinnen und Schüler es wahrnehmen, wenn ihre private Lieblingsmusik im schulischen Musikunterricht thematisiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die musikalische Sozialisation im digitalen Zeitalter, die Bedeutung von populärer Musik für Jugendliche und die Möglichkeiten einer motivierenden, schülerzentrierten Unterrichtsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung individueller Deutungsmuster und Einstellungen von Schülern, um daraus Erkenntnisse für eine professionelle und schülergerechte Lehrpraxis zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt qualitative Forschungsmethoden, konkret das Leitfadeninterview, um den hohen Anforderungen an Offenheit und Flexibilität im Gespräch gerecht zu werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil spannt den Bogen von der theoretischen Fundierung der medial geprägten Jugendkultur bis hin zur praktischen Konzeption des Forschungsdesigns und der methodischen Begründung der Befragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Musikunterricht und Lieblingsmusik sind Begriffe wie musikalische Sozialisation, schülerzentrierter Unterricht, qualitative Forschung und digitale Medien essenziell für das Verständnis der Arbeit.
Welche Rolle spielen die digitalen Medien bei der Untersuchung?
Die Mediennutzung (Smartphone, Streaming-Portale) wird als zentraler Faktor für die heutige, orts- und zeitunabhängige Musikrezeption verstanden, die den Musikgeschmack massiv beeinflusst.
Warum hält der Autor quantitative Methoden für ungeeignet?
Quantitative Methoden zielen auf die Überprüfung von Hypothesen ab; die Forschungsfrage erfordert jedoch eine explorative Vorgehensweise, die komplexe und subjektive Erfahrungen der Schüler berücksichtigt.
Wie geht der Autor mit der "Un-Unterrichtbarkeit" von Schülermusik um?
Der Begriff thematisiert die Gefahr der Vereinnahmung und Wertung durch die Lehrkraft; der Autor begegnet dem durch einen konstruktivistischen Ansatz und eine offene Interviewführung, um Affekt und Interesse zu fördern.
- Quote paper
- Dennis Berrendorf (Author), 2015, Wie nehmen Schüler am Gymnasium Musikunterricht wahr, wenn ihre Lieblingsmusik behandelt wird?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152031