Orthographie-Erwerb am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung


Examensarbeit, 2007

55 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Die Regeln der satzinternen Groß- und Kleinschreibung als Wissensbasis für Schüler und Lehrer
2.1 Die traditionelle Didaktik
2.2 Ein neuer Ansatz als Alternative

3. Erhebung von Orthographie-Kenntnissen im Bereich der Groß- und Kleinschreibung am Ende der Grundschulzeit
3.1 Das Diktat
3.2 Die Schülertexte und erste Eindrücke

4. Die „Artikelprobe“ und „das schreibt man immer so“ oder wie Schüler ihre Schreibungen begründen
4.1 Die Nomen
4.2 Die Nominalisierungen
4.3. Die Denominalisierungen
4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

5. Fazit

6. Literatur

7. Schlusserklärung

1. Vorwort

„Ein Hauptgrund für abgelehnte Bewerbungen sind die mangelnden Rechtschreibkenntnisse der Schulabgänger.“[1] Das liest und hört man immer wieder und meistens lastet die Schuldzuweisung auf den Schultern der Lehrer. Keine Frage, „die Vermittlung von sicheren Rechtschreibfähigkeiten ist nach wie vor eine wichtige Aufgabe des Deutschunterrichts“1. Doch woher rühren all die Mängel? Sind wirklich nur die Lehrer schuld? Verunsichert nicht auch die Rechtschreibreform und die Reform der Reform Schüler, Lehrer und alle mit Sprache agierenden Wesen? Ist es die Didaktik, der die Lehrer die Schuld zuweisen können? Oder trägt die Sprache allein die Last? Kann es einen Weg geben dem Mangel ein Ende zu bereiten, einen Weg hinaus aus dem Dschungel deutscher Rechtschreibung?

Sicher können all diese Fragen nicht beantwortet werden. Aber es lohnt sich allemal einen Blick auf dieses weite Feld der Orthographie und dessen Erwerb zu werfen. Es stellt sich die Frage, wie Kinder eigentlich rechtschreiben lernen und ob die vermittelten Regeln und das Wissen ausreichend sind, um erfolgreich schreiben zu können. Wenn die Rechtschreibkenntnisse der Schulabgänger bemängelt werden, so ist auch ein „Nachdenken über eine Optimierung des Schrifterwerbs höchst aktuell“[2] und unbedingt notwenig.

Als eines der wichtigsten und zugleich problematischsten Felder im Bereich des Orthographie-Erwerbs gilt die Groß- und Kleinschreibung (im Folgenden auch GKS). Bemerkenswert ist, „dass am Ende der Primarstufe ungefähr jeder vierte Orthographie-Fehler die GKS betrifft“[3]. Allein schon aus diesem Grund scheint eine nähere Betrachtung und Erforschung dieses problematischen Feldes lohnenswert und sinnvoll.

Um dem Problem auf den Grund zu gehen, wird zunächst die Präsentation und Vermittlung der Regeln zur GKS im Duden als allgemeine Norm und in aktuellen Schulbüchern dargestellt. Wie sich zeigen wird, herrscht hier eine wortartenbezogene Regelvermittlung vor. Demgegenüber steht ein alternativer Ansatz, der die GKS weniger morphologisch-lexikalisch zu vermitteln versucht, als vielmehr eine syntaktische Markierung ins Zentrum rückt.

Im weiteren Verlauf wird mit Hilfe einer Erhebung zur GKS deutlich gemacht, wie Kinder das erlernte Wissen anwenden und welche Probleme dabei auftreten können. Ferner wird eine Befragung unter Grundschülern darüber Aufschluss geben, ob das schulisch erworbene Wissen gewährleistet, zweifelsfrei richtig zu schreiben.

2. Die Regeln der satzinternen Groß- und Kleinschreibung als Wissensbasis für Schüler und Lehrer

Die Regelung der Groß- und Kleinschreibung in der deutschen Sprache ist zweifelsohne nicht einfach und auch für manchen Erwachsenen, dessen Schulzeit lange zurückliegt, immer noch ein undurchsichtiges Feld. So ist das Deutsche die einzige Sprache, in der Substantive und Eigennamen großgeschrieben werden. Weiter hat der Rat für deutsche Rechtschreibung in dem amtlichen Regelwerk die Großschreibung zur Kennzeichnung von Überschriften und Werktitel, Satzanfängen, Substantivierungen sowie Anredepronomen und Anreden festgelegt. Im Rahmen dieser Arbeit geht es jedoch ausschließlich um die satzinterne GKS.

2.1 Die traditionelle Didaktik

Wir alle haben in der Schule wohl gelernt, dass Nomen großgeschrieben werden, dass man vor diese einen Artikel setzen kann und dass Verben und Adjektive kleinzuschreiben sind. Nach dieser wortartenbezogenen Didaktik vermitteln noch immer alle Schulbücher die GKS. Nomen werden von anderen Wortarten getrennt und nur ihnen gebührt das Recht der Großschreibung. Dabei lernen die Kinder in der Grundschule, dass Nomen neben Dingen und Lebewesen auch Abstrakta, also Vorstellungen bezeichnen können. Um Nomen als solche identifizieren zu können, lernen die Kinder, dass Nomen einen Begleiter, also Artikel haben. Nomen werden bei den Kindern auch als Namenwörter, Verben als Tuwörter und Adjektive als Wiewörter bezeichnet. Auch das dient der Identifizierung. Sind die Kinder sich unsicher, zu welcher Wortart ein Wort gehört, überprüfen sie es mit Hilfe der Artikelprobe und mit bestimmten Fragen. Sie lernen, dass man bei Wiewörtern fragen kann „wie ist es?“. Tuwörter kann man mit der Frage „was macht oder tut er?“ identifizieren und sich schließlich für die Kleinschreibung entscheiden. Dass Wörter aus anderen Wortarten nominalisiert werden können, und dann ebenfalls großgeschrieben werden, ist in den Lehrplänen und Richtlinien erst ab Klasse 5 vorgesehen, obschon auch Grundschüler mit Nominalisierungen konfrontiert werden und dann die gelernten Regeln und Kriterien an ihre Grenzen stoßen. Ein weiteres Problem ist auch, dass die Kinder nicht die grammatischen Bestimmungen der Wortarten lernen und auch keine anderen Wortarten als Nomen, Verben und Adjektive kennen lernen. Das hat zur Folge, dass viele Kinder bei anderen Wörtern hilflos sind oder versuchen diese irgendwie den bekannten Wortarten zuzuordnen. Ein inhaltlicher Zugang, bei dem der textliche Zusammenhang bedeutend ist, wird dabei gänzlich ausgeklammert. Dadurch lesen viele Kinder gar nicht einen ganzen Satz oder größeren Zusammenhang, sondern isolieren einzelne Wörter, um sie zunächst einer Wortart und dann der Groß- oder Kleinschreibung zuzuordnen. Doch warum macht man das überhaupt so? Warum gehen alle Schulbücher von dieser Basis der Wortarten aus? Natürlich wird versucht, sich möglichst streng an die amtlichen Vorgaben des Rates für deutsche Rechtschreibung anzulehnen. Diese eins zu eins in Schulbücher zu übernehmen ist sicher nicht sinnvoll, da die Formulierungen der amtlichen Regeln für Kinder nicht verständlich und viel zu kompliziert formuliert sind, wie der folgende Auszug zur Großschreibung von Substantiven und Substantivierungen zeigt.

Auszüge aus: Regeln und Wörterverzeichnis. Überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die wortartenbezogene Vermittlung in der Deutschdidaktik versucht, diese Normvorgaben kindgerecht zu vereinfachen. Dabei werden die Regeln auf Wortartenzugehörigkeiten reduziert und die im amtlichen Regelwerk so umfangreich und teilweise kompliziert beschriebene syntaxbezogene Großschreibung außer Acht gelassen. Auch in anderen Feldern des Orthographie-Erwerbs wird der Blick immer wieder auf die Wortarten gerichtet, so wird den Kindern häufig eine überschätzte Bedeutung der Wortarten vermittelt. Die folgenden Schulbuchseiten dokumentieren, wie die Schüler Wortarten lernen und immer wieder auf eine Unterteilung und Zuordnung von Wörtern in Wortarten gelenkt werden, ganz gleich welches eigentliche didaktische Ziel verfolgt wird.

Auszüge aus: Bausteine Sprachbuch 4, Diesterweg (2003), Braunschweig

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier lernen die Kinder bestimmte Nomen kennen und es wird ihnen die Bindung der Artikel an die Nomen vermittelt.

[...]


[1] Praxis Deutsch Heft 170, S.3

[2] C. Röber-Siekmeyer, 1999, S.9

[3] Praxis Deutsch Heft 170, S.9

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Orthographie-Erwerb am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistisches Institut - Abteilung Didaktik der deutschen Sprache und Literatur)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
55
Katalognummer
V115206
ISBN (eBook)
9783640159260
ISBN (Buch)
9783640160112
Dateigröße
18989 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orthographie-Erwerb, Beispiel, Groß-, Kleinschreibung
Arbeit zitieren
Linda Steinkamp (Autor), 2007, Orthographie-Erwerb am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115206

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