Die wirtschaftliche Entwicklung der Sowjetunion nach Machtergreifung der Bolschewiki


Seminararbeit, 2007

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. KURZE DARSTELLUNG DER „BESTIMMUNGEN ÜBER DIE ARBEITERKONTROLLE“

3. ANALYSE DER QUELLE ANHAND AUSGEWÄHLTER LENIN-SCHRIFTEN

4. DIE „BESTIMMUNGEN ÜBER DIE ARBEITERKONTROLLE“ IN DER SEKUNDÄRLITERATUR

5. EIGENE INTERPRETATION DER QUELLE

6. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Mit dem Staatsstreich der Bolschewiki vom 25. auf den 26. Oktober (7./8. November) und dem Sturz der provisorischen Regierung begann in Russland eine Zeit der politischen Veränderungen.

Die Ausgangslage im Oktober 1917 war so schlecht, dass es der Bevölkerung im Grunde genommen egal war, wer die Macht erhielt, denn schlechter konnte es für sie nicht mehr werden1. Auch Orlando Figes beschreibt, dass die Petrograder Arbeiter kein Interesse an dem Aufstand zeigten, der die Bolschewiki an die Macht bringen sollte – die Wirtschaftskrise war an ihrem Höhepunkt angelangt, während sich die Menschen am allermeisten um ihre Arbeitsplätze sorgten und weniger um die Frage, was in der Politik so vor sich ging2. So war es für die Bolschewiki möglich, die Macht zu übernehmen, auch wenn sie nicht unbedingt den Rückhalt der Bevölkerung hatten, was sich in den Wahlen im September widerspiegelte. Auch wenn sie hier die Mehrheit erreicht hatten, lag das weniger an ihrem überzeugenden Konzept, als an der Tatsache, dass eine tiefe Unzufriedenheit vorherrschte und gleichzeitig die Wahlbeteiligung sehr gering war. Die eher konservativen Wähler gingen erst gar nicht zur Wahl. Diese Gesamtsituation nutzten die Bolschewiki geschickt für ihre ei-genen Interessen.

Nach der Machtübernahme wurde eine Reihe von Dekreten erlassen, die die Besitzverhältnisse komplett veränderten. Als eines der wesentlichen zu nennen wäre hierbei das „Dekret über den Grund und Boden“, das die Grundbesitzer enteignete und das Land zum Allgemeingut erklärte. Dieses sollte nun denjenigen zur Nutzung überlassen werden, die das Land bestellten. Das Ziel war es, die Masse der Bauern (ca. 90% der Gesamtbevölkerung) auf die Seite der Bolschewiki zu bringen, deren Vertre-ter eigentlich eher die Sozialrevolutionäre waren3.

Ein weiteres wichtiges Dekret war das „Dekret über den Frieden“, in welchem die Bolschewiki den kriegführenden Nationen einen sofortigen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen vorschlugen. Dieses Dekret sollte unter anderem auch dabei helfen, die Soldaten als Wähler zu gewinnen4.

Die „Bestimmungen über die Arbeiterkontrolle“ war ein weiteres Dekret, erlassen am 14. (27.)5 November 1917. Dieses soll in dieser Arbeit genauer untersucht werden anhand der Fragestellung, wie sich dieses Dekret auf die wirtschaftliche Entwicklung Russlands auswirkte, bevor Lenin mit seiner „Neuen Ökonomischen Politik (NEP)“ begann.

2. Kurze Darstellung der „Bestimmungen über die Arbeiterkontrolle“

Die „Bestimmungen über die Arbeiterkontrollen“ sind in 14 Punkte aufgegliedert und wurden am 14. (27.) November 1917 im Namen der Regierung der Russischen Republik von Lenin als dem Vorsitzenden des Rats für Volkskommissare, dem Volkskommissar für Arbeit Alexander Schljapnikow, dem Geschäftsführer des Rats der Volkskommissare Wl. Bontsch-Brujewitsch und dem Sekretär des Rats N. Gorbunow erlassen. Die Verwirklichung der Arbeiterkontrolle wurde von den Bolschewiki als vorbereitende Maßnahme zur Nationalisierung der Industrie betrachtet.

In den 14 Punkten geht es im Wesentlichen darum, dass eine Arbeiterkontrolle über die Produktion, den Kauf und Verkauf von Erzeugnissen und Rohstoffen, deren Lagerung, sowie über die finanzielle Seite des Betriebes eingeführt werden sollte, die von den Arbeitern des jeweiligen Betriebes durch ihre gewählten Körperschaften ausgeführt wurde. Es sollten örtliche Räte und ein Gesamtrussischer Rat für die Arbeiterkontrolle gebildet werden. Dieser Gesamtrussische Rat setzte sich aus Vertretern verschiedener Komitees zusammen. Bei den höchsten Organen sollten Kommissionen aus Revisionsspezialisten gebildet werden, die zur Prüfung der finanziellen und auch der technischen Seite des Betriebes entsandt werden konnten. Den Organen der Arbeiterkontrolle wurden verschiedene Rechte zugesprochen, wie z.B. das Recht zur Überwachung der Produktion und der Kontrolle des gesamten Geschäftsverkehrs innerhalb des Betriebes. Ihre Entscheidungen waren für die Betriebsbesitzer verbindlich. Die Rolle der Betriebsbesitzer bestand darin, zwar weiterhin im Betrieb tätig zu sein, jedoch mussten sie sich] nun gegenüber den Organen der Arbeiterkontrolle für ihr Tun rechtfertigen und waren gleichzeitig verpflichtet, alle Ge-schäftsbücher und Bilanzen des aktuellen Jahres sowie auch der Vorjahre den Kon-trollorganen vorzulegen. Für Unstimmigkeiten wurden sie zur Verantwortung gezo-gen. Die Entscheidungen der Organe der Arbeiterkontrolle waren für die Besitzer der Betriebe verbindlich, ihnen wurde aber das Recht eingeräumt, innerhalb einer Frist von drei Tagen gegen die Beschlüsse der unteren Organe der Arbeiterkontrolle beim höchsten Organ Beschwerde einzulegen. Die Besitzer und die Vertreter der Arbeiter trugen gegenüber dem Staat die Verantwortung, dass die Betriebe ordnungsgemäß geführt und die Vermögenswerte geschützt wurden. Jegliche Streitfragen wurden von den Gebietsräten für Arbeiterkontrolle entschieden, die wiederum dem Gesamtrussi-schen Rat für Arbeiterkontrolle unterstellt waren und von diesem ihre Anweisungen erhielten. Dieser Gesamtrussische Rat bildete gleichzeitig die höchste Instanz, seine Aufgabe bestand darin einheitliche Pläne und Instruktionen auszuarbeiten, die Tätig-keit der Organe mit allen anderen Institutionen abzustimmen und verbindliche Be-schlüsse zu fassen6.

[...]


1 Raupach, Hans: Wirtschaft und Gesellschaft Sowjetrusslands 1917-1977, Wiesbaden 1979, S. 24.

2 Figes, Orlando: Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der Russischen Revolution 1891 bis 1924, Berlin 1998, S. 525.

3 Schützler, H./Striegnitz, S. (Hgg.): Die ersten Dekrete der Sowjetmacht. Eine Auswahl von Erlassen und Beschlüssen 25. Oktober 1917 bis 10. Juli 1918, Berlin 1987, S. 54.

4 Schützler/Striegnitz, S. 48.

5 Das Datum in Klammern ist das Datum unseres gregorianischen Kalenders, das vor der Klammer das des julianischen Kalenders, das von der russisch-orthodoxen Kirche bis heute verwendet wird.

6 Schützler/Striegnitz, S. 74-77.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die wirtschaftliche Entwicklung der Sowjetunion nach Machtergreifung der Bolschewiki
Hochschule
Universität Konstanz  (Geisteswissenschaftliche Sektion, Fachbereich Geschichte und Soziologie)
Veranstaltung
Revolution in Russland 1917
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V115239
ISBN (eBook)
9783640166640
ISBN (Buch)
9783640166725
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Sowjetunion, Machtergreifung, Bolschewiki, Revolution, Russland
Arbeit zitieren
Medea Conrad (Autor), 2007, Die wirtschaftliche Entwicklung der Sowjetunion nach Machtergreifung der Bolschewiki, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115239

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