Medienethik und Pressefreiheit

Der Journalist zwischen Konkurrenzdruck und schlechtem Gewissen und wie sich der Mediennutzer gegen diese Fehlfunktionen schützen kann


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definition Medienethik und Pressefreiheit
2.1. Medienethik
2.2 Pressefreiheit

3. Wie viel Freiheit verträgt der Journalist
3.1 Freiheit durch Regeln bestimmt
3.2 Verantwortung übernehmen und Freiheit ausnutzen
3.2.1 Die Medienschaffenden
3.2.2 Die Betreiber der Massenmedien
3.2.3 Die Mediennutzer
3.2.4 Die Kontrollinstanzen
3.3 Medien als „Vierte Gewalt“ und der Pressekodex
3.4 Nichts hören, nichts sehen und doch alles sagen
3.4.1 Korrumpierbarkeit:
3.4.2 Sensationshascherei:
3.4.3 Aktualitätszwang und Omnipräsenz:
3.5 Tugendhaft mit der Freiheit umgehen
3.5.1 Tugend der Unterlassung
3.5.2 Tugend der Verzögerung
3.5.3 Tugend der Berichtigung

4. Das Problem der Objektivität

5. Journalistischen Ethik und Freiheit als Leitwert dieser

6. Medienpädagogik als Konzept zum Schutz der Mediennutzer

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

„Ego ist Trumpf, Frechheit siegt, Entblößung ist die Norm. Was ist geschehen? Gehen die Werte flöten?“[1] , schreiben Monika Ehlers und Christoph Meyring. Ist die Unverschämtheit eine herrschende Regel unserer Mediengesellschaft?

In den letzten Jahren wurde immer häufiger die Frage nach der Medienethik gestellt. Denn die Frage ob es so etwas wie Medienethik oder Medienmoral überhaupt gibt, gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Unser Leben wird schon seit Jahren von Massenmedien dominiert und so lassen wir uns voller Vertrauen von diesen beeinflussen. Massenmedien führen automatisch zur Massenkommunikation und da diese in unserem Zeitalter ort- und zeitunabhängig ist, haben die Macher eine enorme Verantwortung gegenüber der Menschheit. Doch wer gibt uns die Garantie, dass wir nicht von etwas geblendet werden, dass wir uns auf das, was wir lesen, hören und sehen verlassen können? Woher können wir wissen, dass journalistische Arbeite vorurteilsfrei und objektiv verrichtet wird? Schließlich sind Medien auch erfolgsstrategisch orientierte Unternehmen, die sich auf einem expandierenden und zukunftsorientierten Markt behaupten müssen.[2] Der Druck immer Erster sein zu wollen und die Einschaltquoten dominieren den Medienmarkt. Und genau hier stellt sich die Frage welche Macht die Massenmedien haben und wie viel Freiheit sie besitzen. Denn vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund muss es eine Kontrollinstanz geben und somit ist gerade in unserer Zeit eine Ethik der Medien dringend geboten.[3] Das heißt jedoch nicht dass nur die Medienunternehmen die Tätigkeit ihrer Mitarbeiter kontrollieren, sondern dass diese selbst ein richtiges Maß an Moral und Verantwortung besitzen. Heutzutage geht es nämlich nicht mehr um die Bereitstellung von Informationen, da diese in unserer Gesellschaft im Überfluss vorhanden sind. Viel wichtiger ist jedoch die Qualität der Informationen, die als wichtig erachtet und an den Menschen gebracht werden.

In der nachfolgenden Hausarbeit möchte ich mich damit auseinander setzen unter welchen Umständen und wie verlässlich Journalisten arbeiten. Welche Probleme in der Medienbranche entstehen und wie sich der Mediennutzer gegen Fehlfunktionen im Journalismus schützen kann.

Um sich diese Fragen zu stellen muss man sich mit den unterschiedlichen Perspektiven der Medien auseinander setzen, denn im Mediensystem agieren verschiedene Gruppen – die Akteure (zum Beispiel Journalisten), die Medienprodukte (Presse, Rundfunk, Fernsehen) und die Rezipienten (das Publikum,

Menschen, die diese Medienprodukte nutzen).

Ich möchte jedoch speziell auf die Gruppe der Journalisten eingehen und ihren Status in den Massenmedien erläutern. Welchen Einflüssen, Bedingungen und Zwängen sie ausgesetzt sind.

2. Definition Medienethik und Pressefreiheit:

Um sich mit dem oben genannten Thema zu beschäftigen und die damit verbunden Sachverhalte und Probleme zu verstehen, muss man erstmal wissen was diese beiden Begriffe Medienethik und Pressefreiheit bedeuten. Dieser kleine Überblick soll schon kurz aufzeigen, wie diese beiden Bereiche miteinander konkurrieren und sich gleichzeitig ergänzen.

2.1 Medienethik:

Wenn man das Wort Medien hört, denkt man als erstes an den Fernseher mit all seinen Facetten, doch dieser Begriff bezeichnet weit aus mehr. Das Wort Medium leitet sich vom lat. medium (Mittelpunkt, Zentrum) ab und bezeichnet im Allgemeinen einen Träger oder Übermittler von Etwas. Also war schon der Mensch, dann das Buch ein Medium, lange bevor es die elektronischen Medien gab.

Ethik beschäftigt sich im Allgemeinen mit der Moral und ist dabei auf die Verantwortlichkeit des Einzelnen ausgelegt. Sie dient also der Schärfung des eigenen Verantwortungspotentials. Auf den Bereich der Journalisten bezogen, bedeutet dies, dass das moralische Bewusstsein immer zum Grundsatz der journalistischen Tätigkeit gehören sollte.

Doch was haben Medien mit Ethik zu tun? Durch die wissenschaftlich-technischen Entwicklungen, kommen immer wieder neue moralische Probleme auf die heutige Gesellschaft zu. Um diese Probleme zu lösen muss man neue Ethiken, die sich mit den jeweiligen Feldern beschäftigen, entwickeln. Wie ich noch später ausführen werde, verlangt man von den Medienmachern moralisches Handeln. Um dieses moralische Handeln speziell auf den Beruf in Medienbereich zu definieren braucht man also eine neue Form der Ethik – die Medienethik.

Medienethik ist in erster Linie eine deskriptive Form der Ethik, d.h. also dass sie das Verhalten der Menschen unter den Bedingungen der Medien beschreibt.

Sie ist aber auch eine normative Ethik, die sich mit der Umsetzbarkeit der moralischen Verhaltensnormen, die durch die Ethik vorgelegt werden, beschäftigt.

Das Feld der Medienethik kann somit wie folgt definiert werden:

1. Medienethik untersucht den Zusammenhang zwischen medialem Ausdruck und menschlichem Verhalten.
2. Medienethik versucht das mediale Verhalten auf seine Verantwortbarkeit zu Untersuchen.[4]

Man kann zwischen zwei Seiten der Medienethik unterscheiden.

Die erste wäre die formale Seite, die sich auf die Informationsträger, wie zum Beispiel Zeitung, Film und Computer, bezieht.

Die zweite Seite wäre die inhaltliche, die sich auf die Berufsgruppen bezieht, die für die Einrichtung des einzelnen Mediums verantwortlich sind, also die Redakteure, Journalisten, Regisseure, usw.[5]

Medienethik fördert das Gespür für das Richtige und soll gerade auch bei Journalisten die moralische Urteilskraft entwickeln.

2.2 Pressefreiheit:

Öffentlichkeit ist das Prinzip der Demokratie. Darum sehen die Gesetze seit Beginn der Bundesrepublik Deutschland eine Reihe von Privilegien für jeden vor, der sich publizistisch betätigt. Eines dieser Gesetze ist die Pressfreiheit.

Unter Presse versteht man im Allgemeinen die Gesamtheit von Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunkproduktionen, die der Unterrichtung und Unterhaltung der Massen dienen. Sie sind Grundpfeiler der Informationsgesellschaft.

Freiheit bedeutet, dass man die Möglichkeit hat ohne Zwänge selbst zwischen verschiedenen Handlungswegen zu entscheiden.

Der Begriff der Pressefreiheit kommt in Deutschland erstmals Ende des 18. Jahrhunderts vor. Doch erst Mitte des 19.Jahrhunderts entstand das erste Bundesgesetz zur Pressefreiheit, allerdings mit einigen Einschränkungen.[6] In der Zeit des Zweiten Weltkrieges kam jedoch die Freiheit der Presse völlig zum Erliegen und wurde erst 1949 wiederhergestellt und als Grundrecht im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert.

Artikel 5 der Verfassung lautet:

„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre."[7]

Seit dem steht der Begriff der Pressefreiheit für die freie Tätigkeitsausübung bei der Presse, dem Rundfunk und anderen Medien sowie vor allem für das unzensierte Veröffentlichen von Informationen.

Durch die Pressefreiheit, kann der Bürger selbst entscheiden was wahr oder falsch, gut oder schlecht ist und nicht der Staat. Es wird vorausgesetzt dass der Bürger alles in Frage stellen kann und sich nicht vom Staat beeinflussen lassen muss.

Pressefreiheit gibt auch die Berechtigung, dass die Form, der Inhalt und die Ausrichtung des Mediums selbst bestimmt werden können und somit unterscheidet sie nicht zum Beispiel zwischen seriösen und Boulevardmagazinen.

Trotzdem gibt es auch hier einen gültigen Ausgangspunkt, der Achtung und Respekt vor der Würde jedes Menschen fordert. Es kommt jedoch immer öfter zum Überschreiten dieser Grenze. Es lässt sich nicht immer zu befolgen und oft stehen die Journalisten unter dem Druck der Medienunternehmer, die nur die Quoten vor Augen haben und es wissen den Begriff der Pressefreiheit geschickt auszunutzen.

Wie schon erwähnt lassen sich diese beiden Begriffe nicht immer vereinen. Zum einen gilt das recht der freien Meinungsäußerung, zum anderen wird Sensibilität mit Umgang von Informationen verlangt. Bei genauerem Hinsehen erkennt man jedoch wie sie sich aber auch ergänzen. Medienethik bewahrt den Journalisten, durch ihre

festgelegten Normen vor Überschreitung gewisser Grenzen, während seiner journalistischen Tätigkeit und dem Umgang mit der Pressefreiheit. Es ist jedoch zu sagen, dass das Einhalten aller ethischen Normen nur ein Ideal ist, das sich wohl kaum erreichen lässt.

3. Wie viel Freiheit verträgt der Journalist?

Um ein Verständnis für den Begriff „Journalist“ zu bekommen vorweg erst einmal eine kleine Definition: „Beim Journalismus handelt es sich um ein institutionalisiertes, organisiertes und gemäß berufskulturellen Routinen ablaufendes Sammeln, Prüfen, Auswählen, Verarbeiten und Verbreiten von Nachrichten, Kommentierendem und Unterhaltungsstoffen über Medien durch Individuen.[8]

3.1 Die Freiheit durch Regeln bestimm

Zur Tätigkeit eines Journalisten gehört unter anderem die Beschaffung, Auswahl,

Bearbeitung und Verbreitung der Informationen.[9] Wie können wir uns aber darauf verlassen, dass die Informationen, die von genauso normalen Menschen wie dir und mir bereitgestellt werden, auch wirklich den Informationswert haben, den die Rezipienten erwarten?

Es gibt einige Prinzipien nach denen Journalisten eine Information auswählen sollte, es sind jedoch keine Gesetze, die streng befolgt werden müssen, sondern eher Rahmenvorgaben für ein moralisches Handeln. Prinzipien, die im Falle eines Dilemma aufgegriffen werden können und dem Journalisten verhelfen seine Arbeit gewissenhaft zu erledigen.

[...]


[1] Monika Ehlers/Christoph Meyring: Ich bin so frei. Ein Versuch über die neue Unverschämtheit. In: Die Zeit, Nr. 48, 21.November 1997

[2] Vgl. Matthias Karmasin: Oligopole in freien Gesellschaften. Medienfreiheit als ökonomisches und ethisches Problem, In: Wolfgang Wunden ( Hrsg.): Beiträge zur Medienethik, Frankfurt am Main 1998, S. 79

[3] Vgl. Matthias Karmasin, S. 81

[4] Vgl. Klaus Wiegerling: Medienethik. Stuttgart 1998, S. 2

[5] Vgl. Klaus Wiegerling, S. 3

[6] Vgl. Kurt Koszyk: Zur Geschichte der Pressefreiheit in Deutschland. Als die Ethik zum Maulkorb der Medien wurde. In. Medien-Ethik. Beschreibungen, Analysen, Konzepte für den deutschsprachigen Journalismus, Michael Haller; Helmut Holzhey (Hrsg.), Opladen 1991, S. 82ff

[7] Grundgesetz Bundesrepublik Deutschland Artikel 5. 1 / 2

[8] Medien ohne Moral. Variationen über Journalismus und Ethik, (hg.) Lutz Erbring, u.a., Berlin 1988, S.268

[9] Vgl. Peter Voß: Mündigkeit im Mediensystem. Hat Medienethik eine Chance?, Baden-Baden 1998, S. 106

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Medienethik und Pressefreiheit
Untertitel
Der Journalist zwischen Konkurrenzdruck und schlechtem Gewissen und wie sich der Mediennutzer gegen diese Fehlfunktionen schützen kann
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft / NDL)
Veranstaltung
Wissenstransfer und kultureller Austausch durch neue Medien II (=Sprach-, Kommunikations- und Mediengeschichte des Deutschen im europäischen Kontext)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V115254
ISBN (eBook)
9783640168149
ISBN (Buch)
9783640168255
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienethik, Pressefreiheit, Wissenstransfer, Austausch, Medien, Kommunikations-, Mediengeschichte, Deutschen, Kontext)
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Anna Sliwa (Autor), 2007, Medienethik und Pressefreiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115254

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Medienethik und Pressefreiheit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden