Die neue (soziale) Marktwirtschaft und deren Ordnungselemente


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 Ordoliberalismus
2.1 Ordnung in der Wirtschaft
2.2 Funktionierender Wettbewerb basierend auf den konstituierenden Prinzipien
2.3 Funktionierender Wettbewerb garantiert durch die regulierenden Prinzipien

3 Die Wirtschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft
3.1 Marktwirtschaft als spontane Ordnung
3.2 Marktwirtschaft nach Müller-Armack

4 Die Soziale Marktwirtschaft im Zeitablauf
4.1 Die erste Phase nach Erhard
4.2 Die zweite Phase nach Müller-Armack
4.3 Die zweite Phase nach der Realität

5 Die neue (soziale) Marktwirtschaft – Das Konzept Müller-Armacks heute

6 Schlussbetrachtung

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die konstituierenden und regulierenden Prinzipien einer Wettbewerbsordnung nach Walter Eucken, S. 6.

Abb. 2: Übersicht zu den Grundstrukturen der Sozialen Marktwirtschaft, S.IV.

1 EINLEITUNG

Die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft war trotz einiger Skepsis ein sofortiger Erfolg und ging als das „Deutsche Wirtschaftswunder“ in die Geschichtsbücher ein. Mit ihrer Konzeption gelang der Spagat zwischen sozialer Gerechtigkeit und Wettbewerb, zwischen Planwirtschaft und Laissez-faire-Liberalismus. Zumindest, solange die Wirtschaft wuchs. Innerhalb von 14 Jahren war sie nicht nur Träger des „Deutschen Wirtschaftswunders“, sondern auch der ersten deutschen Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Im Zuge dieser Krise wechselte die Regierung und mit ihr das wirtschaftspolitische Credo. Eine Vielzahl von Reformen war die Folge. Aufgabe dieser Arbeit ist es festzustellen, ob trotz dieser Reformen noch immer von der Sozialen Marktwirtschaft gesprochen werden kann.

Zur Erfüllung dieser Aufgabe wurde folgender Aufbau gewählt: Einführend wird zum grundlegenden Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft der Ordoliberalismus erklärt, welcher als konzeptionelle Grundlage diente. Das anschließende dritte Kapitel ist der Darstellung Sozialen Marktwirtschaft selbst und ihrer Verbindungen zum Ordoliberalismus gewidmet. Im vierten Kapitel wird, unterteilt in zwei Phasen, ihre Entwicklung im Zeitablauf betrachtet. Diese wird im fünften Kapitel analysiert, um in der Schlussbetrachtung die zugrunde liegende Fragestellung zu klären.

2 Ordoliberalismus

2.1 Ordnung in der Wirtschaft

„(…) Stets entsteht jeder Wirtschaftsplan oder jede wirtschaftliche Handlung (…) im Rahmen irgendeiner „Wirtschaftsordnung“ und hat nur im Rahmen dieser jeweiligen Ordnung einen Sinn“[1], schreibt Walter Eucken, einer der Begründer des Ordoliberalismus. Das Vorhandensein einer wirtschaftlichen Ordnung ist folglich grundlegende Voraussetzung für Wirtschaft und Wirtschaften. Was ist aber Ordnung? Folgt man der Definition des Brockhaus, wird der einem bestimmten, durchaus auch dynamischen Gesetz unterstehende, zweckmäßig geregelte Zusammenhang selbstständiger Elemente allgemein als Ordnung bezeichnet.[2] Diese Definition impliziert drei verschiedene Ausprägungen von Ordnung: die natürliche, die spontane und die künstliche. Einerseits können Ordnungen unabhängig von menschlichen Absichten und Handlungen aus der Natur entstehen,[3] andererseits aber auch künstlich durch explizite Planungen entworfen und auf der Grundlage eines von Menschen entworfenen Regelwerks durchgesetzt werden.[4] Als „das Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht menschlicher Absicht“[5] werden nach von Hayek spontane Ordnungen bezeichnet. Sie sind durch die ihnen eigenen Anpassungsmechanismen effizienter als ein vom Menschen geplantes Ordnungssystem, da nur eine spontane und ungeplante Ordnung das innerhalb der Gesellschaft verstreute, vor allem implizit vorhandene Wissen nutzbar zu machen weiß.[6] Hinsichtlich marktwirtschaftlicher Ordnungen ist dies wichtig, weil über sie eine permanente Anpassung an neue Daten und unbekannte Umstände vollzogen werden kann. Pläne und Handlungen der Marktteilnehmer werden so unbewusst koordiniert und erzeugen unter idealen Bedingungen ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht, das die Wirtschaftspläne aller Marktteilnehmer in Einklang bringt.[7] Dieses Phänomen ist in seiner grundsätzlichen Form bereits von Adam Smith (1723-1790) im Jahre 1776 identifiziert und als „unsichtbare Hand“ des Marktes bezeichnet worden.[8]

Nach der Auffassung von Eucken „verwirklicht sich (diese Wirtschaftsordnung allerdings) nicht von selbst“[9]. Zusätzlich bedarf es einer künstlichen Ordnung und somit einer wirtschaftlichen Ordnungspolitik, da nur in einem solchen Rahmen ökonomische Vorgänge zuverlässig geplant und aufeinander abgestimmt werden können.[10] Aufgrund dessen entwickelte die sog. „Freiburger Schule“, zu der neben Eucken die Nationalökonomen Röpke, v. Hayek, Böhm, Rüstow, Müller-Armack u.a. gehörten, das auf dem Neoliberalismus aufbauende Konzept des Ordoliberalismus.[11] Prinzipiell knüpft es zwar an den Liberalismus an, vertritt aber nicht die sich dort bietenden uneingeschränkten Entfaltungsmöglichkeiten vor allem ökonomischer Freiheitsrechte. Stattdessen stellt der Staat die rechtlichen Rahmenbedingungen bereit, um für die Einhaltung der Wettbewerbsordnung zu sorgen und somit vollständige Konkurrenz zu garantieren, da nur in diesem volkswirtschaftlichen Zustand ein Höchstmaß an ökonomischer Wohlfahrt erreicht werden kann.[12] Als Voraussetzung dafür, dass der Staat diese Aufgabe erfüllen kann, formulierten die Ökonomen um Eucken sieben konstituierende und vier regulierende Prinzipien.

2.2 Funktionierender Wettbewerb basierend auf den konstituierenden Prinzipien

Die konstituierenden Prinzipien determinieren die Grundbedingungen einer auf Wettbewerb gegründeten Wirtschaftsordnung. Sie setzen bei den Plänen des Einzelnen an, um dezentrale Abstimmung zu ermöglichen.[13] Ihre Aufgabe ist die Herstellung und Garantie einer spontanen Ordnung.

Für Eucken kann dies nicht gelingen, wenn „die Herstellung eines funktionsfähigen Preissystems vollständiger Konkurrenz (nicht) zum wesentlichen Kriterium jeder wirtschaftspolitischen Maßnahme gemacht wird“, da „jede Wirtschaftspolitik scheitert, der dies nicht gelingt“[14]. Aufgrund dessen ist es für ihn „das wirtschaftsverfassungsrechtliche Grundprinzip“[15]. Auch die Währungspolitik nimmt für ihn eine besondere Stellung ein,[16] da „alle Bemühungen, eine Wettbewerbsordnung zu verwirklichen, (umsonst sind), solange eine gewisse Stabilität des Geldwertes nicht gesichert ist. Die Währungspolitik besitzt daher für die Wettbewerbsordnung ein Primat".[17] Ein weiteres elementares Prinzip für funktionierenden Wettbewerb sind Offene Märkte, oder genauer, durch staatliche Maßnahmen offen gehaltene Märkte.[18] Dies gilt sowohl nach innen als auch nach außen, da jegliche Form von Protektionismus die Monopolbildung erleichtern könnte.[19] Ferner wird das Privateigentum an den Produktionsmitteln als notwendig für die Wettbewerbsordnung angesehen. Nur aus individuellem Eigentum entsteht eine unverzichtbare Motivation für den ökonomisch effizienten Umgang mit knappen Ressourcen.[20] Weiterhin ist Vertragsfreiheit „offensichtlich eine Voraussetzung für das Zustandekommen der Konkurrenz“[21]. Allerdings sind während der Zeit des Laissez-faire-Liberalismus ihre Grenzen sichtbar geworden. Deswegen sind regulierende Maßnahmen notwendig, falls sie zu wettbewerbsbeschränkendem Verhalten missbraucht wird.[22] Das konstituierende Prinzip der Haftung bzw. die Einheit von Entscheidung und Haftung ist aus zweierlei Gründen unabdingbar. Zum einen, um die Kosten wirtschaftlicher Handlungen möglichst umfassend abzubilden und somit die wahren Knappheiten durch die Preise auszudrücken.[23] Zum anderen, um „die Auslese der Betriebe und leitenden Persönlichkeiten (zu) ermöglichen bzw. (zu) erleichtern“ und “weiter (zu) bewirken, dass die Disposition des Kapitals vorsichtig erfolgt“[24]. Nicht zuletzt bedarf es einer Konstanz der Wirtschaftspolitik, um es den Wirtschaftssubjekten möglich zu machen, stabile und rationale Erwartungen über die zukünftige Wirtschaftspolitik zu bilden und ihre eigenen Planungen entsprechend auszurichten. Gelingt es nicht, ein grundlegendes Vertrauen in die Konstanz der Wirtschaftspolitik zu schaffen, werden die Unternehmer in ihrer Investitionstätigkeit zurückhaltend sein.[25] Hervorzuheben ist die Zusammengehörigkeit der beschriebenen Prinzipien, da „einzelne von ihnen bei isolierter Anwendung ihren Zweck völlig verfehlen“[26]. Nur bei konzertierter Anwendung können sie ihren Sinn und Zweck, den Aufbau einer auf Wettbewerb gegründeten Wirtschaftsordnung, erfüllen.[27]

[...]


[1] Eucken, W., Grundlagen, 1950, S.50.

[2] Vgl. Brockhaus, Enzyklopädie, 2006, S.421.

[3] Vgl. Klein, N., Erkenntnistheorie, 2000, S. 62.

[4] Vgl. Klein, N., Erkenntnistheorie, 2000, S. 62, S. 143; Streit, M., 2000, Theorie, S. 28 ff.

[5] Hayek, F.A.v., Rechtsordnung, 2003, S. 38.

[6] Vgl. Klein, N., Erkenntnistheorie, 2000, S. 334 f.

[7] Vgl. Watrin, C., Marktwirtschaft, 1988, S. 811.

[8] Vgl. Kolb, G., Problemlösungen, 1999, S.636.

[9] Eucken, W., Grundsätze, 1990, S.373.

[10] Vgl. Peters, H.-R., Wirtschaftssystemtheorie, 1997, S.183.

[11] Vgl. Schmölders, G., Wirtschaftsordnung, 1976, S.48.

[12] Vgl. Woll, A., Wirtschaftslexikon, 2000, S.568f.

[13] Vgl. Donges, J.B., Globalisierungskritik, 2003, S.25.

[14] Eucken, W. Grundsätze, 1965, S.160.

[15] Eucken, W. Grundsätze, 1965, S.160.

[16] Vgl. Issing, O., Primat, 2000.

[17] Eucken, W., Grundsätze, 1990, S.256.

[18] Vgl. Pies, I., Ordnungspolitik, 2002, S.17.

[19] Vgl. Gurbaxani, I., Freiheit, 2000, S.506.

[20] Vgl. Gutmann, G., Prinzipien, 2000, S.9.

[21] Eucken, W., Grundsätze, 1990, S.275.

[22] Vgl. Schmölders, G., Wirtschaftsordnung, 1976, S.52;

vgl. Donges, J.B., Globalisierungskritik, 2003, S.25.

[23] Vgl. Schüller, A., ORDO-Liberalismus, 2004, S.57;

vgl. Donges, J.B., Globalisierungskritik, 2003, S.25.

[24] Eucken, W., Grundsätze, 1990, S.275.

[25] Vgl. Schmölders, G., Wirtschaftsordnung, 1976, S.53.

[26] Eucken, W., Grundsätze, 1990, S.291.

[27] Vgl. Donges, J.B., Globalisierungskritik, 2003, S.26.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die neue (soziale) Marktwirtschaft und deren Ordnungselemente
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Volkswirtschaftspolitisches Hauptseminar: Theorie der Wirtschaftspolitik
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V115266
ISBN (eBook)
9783640168323
Dateigröße
1083 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marktwirtschaft, Ordnungselemente, Volkswirtschaftspolitisches, Hauptseminar, Theorie, Wirtschaftspolitik
Arbeit zitieren
Dirk Kuritz (Autor:in), 2008, Die neue (soziale) Marktwirtschaft und deren Ordnungselemente, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115266

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