Die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft war trotz einiger Skepsis ein sofortiger Erfolg und ging als das „Deutsche Wirtschaftswunder“ in die Geschichtsbücher ein. Mit ihrer Konzeption gelang der Spagat zwischen sozialer Gerechtigkeit und Wettbewerb, zwischen Planwirtschaft und Laissez-faire-Liberalismus. Zumindest, solange die Wirtschaft wuchs. Innerhalb von 14 Jahren war sie nicht nur Träger des „Deutschen Wirtschaftswunders“, sondern auch der ersten deutschen Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Im Zuge dieser Krise wechselte die Regierung und mit ihr das wirtschaftspolitische Credo. Eine Vielzahl von Reformen war die Folge. Aufgabe dieser Arbeit ist es festzustellen, ob trotz dieser Reformen noch immer von der Sozialen Marktwirtschaft gesprochen werden kann.
Zur Erfüllung dieser Aufgabe wurde folgender Aufbau gewählt: Einführend wird zum grundlegenden Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft der Ordoliberalismus erklärt, welcher als konzeptionelle Grundlage diente. Das anschließende dritte Kapitel ist der Darstellung Sozialen Marktwirtschaft selbst und ihrer Verbindungen zum Ordoliberalismus gewidmet. Im vierten Kapitel wird, unterteilt in zwei Phasen, ihre Entwicklung im Zeitablauf betrachtet. Diese wird im fünften Kapitel analysiert, um in der Schlussbetrachtung die zugrunde liegende Fragestellung zu klären.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 ORDOLIBERALISMUS
2.1 ORDNUNG IN DER WIRTSCHAFT
2.2 FUNKTIONIERENDER WETTBEWERB BASIEREND AUF DEN KONSTITUIERENDEN PRINZIPIEN
2.3 FUNKTIONIERENDER WETTBEWERB GARANTIERT DURCH DIE REGULIERENDEN PRINZIPIEN
3 DIE WIRTSCHAFTSORDNUNG DER SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT
3.1 MARKTWIRTSCHAFT ALS SPONTANE ORDNUNG
3.2 MARKTWIRTSCHAFT NACH MÜLLER-ARMACK
4 DIE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT IM ZEITABLAUF
4.1 DIE ERSTE PHASE NACH ERHARD
4.2 DIE ZWEITE PHASE NACH MÜLLER-ARMACK
4.3 DIE ZWEITE PHASE NACH DER REALITÄT
5 DIE NEUE (SOZIALE) MARKTWIRTSCHAFT – DAS KONZEPT MÜLLER-ARMACKS HEUTE
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die heutige Wirtschaftsordnung in Deutschland noch als Soziale Marktwirtschaft nach dem ursprünglichen Konzept von Alfred Müller-Armack bezeichnet werden kann, oder ob sie durch wirtschaftspolitische Reformen der vergangenen Jahrzehnte grundlegend transformiert wurde.
- Theoretische Fundierung durch den Ordoliberalismus (Eucken et al.)
- Konzept und Stilelemente der Sozialen Marktwirtschaft
- Historische Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft in zwei Phasen
- Analytische Bewertung der Transformation zum Sozialstaat
- Diskussion über Marktkonformität und ordnungspolitische Prinzipien
Auszug aus dem Buch
2.1 Ordnung in der Wirtschaft
„(…) Stets entsteht jeder Wirtschaftsplan oder jede wirtschaftliche Handlung (…) im Rahmen irgendeiner „Wirtschaftsordnung“ und hat nur im Rahmen dieser jeweiligen Ordnung einen Sinn“ 1, schreibt Walter Eucken, einer der Begründer des Ordoliberalismus. Das Vorhandensein einer wirtschaftlichen Ordnung ist folglich grundlegende Voraussetzung für Wirtschaft und Wirtschaften. Was ist aber Ordnung? Folgt man der Definition des Brockhaus, wird der einem bestimmten, durchaus auch dynamischen Gesetz unterstehende, zweckmäßig geregelte Zusammenhang selbstständiger Elemente allgemein als Ordnung bezeichnet.2 Diese Definition impliziert drei verschiedene Ausprägungen von Ordnung: die natürliche, die spontane und die künstliche. Einerseits können Ordnungen unabhängig von menschlichen Absichten und Handlungen aus der Natur entstehen,3 andererseits aber auch künstlich durch explizite Planungen entworfen und auf der Grundlage eines von Menschen entworfenen Regelwerks durchgesetzt werden.4 Als „das Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht menschlicher Absicht“5 werden nach von Hayek spontane Ordnungen bezeichnet. Sie sind durch die ihnen eigenen Anpassungsmechanismen effizienter als ein vom Menschen geplantes Ordnungssystem, da nur eine spontane und ungeplante Ordnung das innerhalb der Gesellschaft verstreute, vor allem implizit vorhandene Wissen nutzbar zu machen weiß.6 Hinsichtlich marktwirtschaftlicher Ordnungen ist dies wichtig, weil über sie eine permanente Anpassung an neue Daten und unbekannte Umstände vollzogen werden kann. Pläne und Handlungen der Marktteilnehmer werden so unbewusst koordiniert und erzeugen unter idealen Bedingungen ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht, das die Wirtschaftspläne aller Marktteilnehmer in Einklang bringt.7 Dieses Phänomen ist in seiner grundsätzlichen Form bereits von Adam Smith (1723-1790) im Jahre 1776 identifiziert und als „unsichtbare Hand“ des Marktes bezeichnet worden.8
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Erfolg des deutschen Wirtschaftswunders und stellt die Forschungsfrage, ob die aktuelle Wirtschaftsordnung trotz zahlreicher Reformen noch mit der ursprünglichen Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft vereinbar ist.
2 ORDOLIBERALISMUS: Dieses Kapitel erläutert den Ordoliberalismus als theoretische Basis, wobei die Bedeutung einer künstlichen Ordnung und die konstituierenden sowie regulierenden Prinzipien zur Sicherung des Wettbewerbs im Zentrum stehen.
3 DIE WIRTSCHAFTSORDNUNG DER SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT: Hier wird die Marktwirtschaft als spontane Ordnung definiert und Müller-Armacks Ansatz vorgestellt, der Freiheit auf dem Markt mit sozialem Ausgleich verbindet.
4 DIE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT IM ZEITABLAUF: Das Kapitel analysiert die Entwicklung in zwei Phasen, beginnend mit dem Erhard-Modell bis hin zur Transformation durch prozesspolitische Maßnahmen in der zweiten Phase.
5 DIE NEUE (SOZIALE) MARKTWIRTSCHAFT – DAS KONZEPT MÜLLER-ARMACKS HEUTE: Die Untersuchung zeigt auf, wie der Umverteilungskomplex wuchs und die ursprüngliche Marktkonformität zugunsten einer aktiven Sozialplanung vernachlässigt wurde.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit stellt fest, dass die Abweichungen zwischen der heutigen Realität und dem ursprünglichen Konzept so gravierend sind, dass man von einer „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ sprechen muss.
Schlüsselwörter
Soziale Marktwirtschaft, Ordoliberalismus, Wettbewerbsordnung, Walter Eucken, Alfred Müller-Armack, Wirtschaftswunder, Marktkonformität, Ordnungspolitik, Sozialstaat, Stabilitätsgesetz, Wirtschaftsordnung, Transformation, freie Marktwirtschaft, Konjunkturpolitik, Strukturpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der deutschen Wirtschaftsordnung und prüft kritisch, ob diese noch dem ursprünglichen Modell der Sozialen Marktwirtschaft entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die ordnungstheoretischen Grundlagen des Ordoliberalismus, die historische Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft und die Auswirkungen politischer Reformen auf das marktwirtschaftliche System.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es festzustellen, ob die Reformen der letzten 60 Jahre das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft so stark verändert haben, dass der Begriff der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ zutreffender ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung wirtschaftshistorischer Entwicklungen und ordnungsökonomischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ordoliberalen Prinzipien, das spezifische Konzept nach Müller-Armack sowie eine historische Phasenbetrachtung der wirtschaftspolitischen Entwicklung in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Soziale Marktwirtschaft, Ordoliberalismus, Marktkonformität, Ordnungspolitik und wirtschaftlicher Wandel beschreiben.
Was unterscheidet die "erste Phase" von der "zweiten Phase" der Sozialen Marktwirtschaft?
Die erste Phase war geprägt vom Wiederaufbau und dem Wirtschaftswunder unter Erhard, während in der zweiten Phase eine stärkere prozesspolitische Steuerung und der Ausbau des Sozialstaates in den Vordergrund rückten.
Welche Rolle spielt das Prinzip der Marktkonformität im Konzept von Müller-Armack?
Marktkonformität ist das entscheidende Interventionskriterium: Staatliche Eingriffe dürfen den Marktprozess nicht ersetzen, sondern sollen ihn lediglich im Sinne der idealen Ordnung beeinflussen.
- Citation du texte
- Dirk Kuritz (Auteur), 2008, Die neue (soziale) Marktwirtschaft und deren Ordnungselemente, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115266