Vor über dreißig Jahren, am 26.März 1975, trat das Übereinkommen über das Verbot biologischer und Toxinwaffen in Kraft. Dieses Übereinkommen verbot das erste Mal in der Geschichte die Verwendung von Krankheitserregern und anderen biologischen Agenzien gegen die Menschheit.
„Die Vertragsstaaten dieses Übereinkommens [sind] ... überzeugt, dass eine solche Verwendung [von BW] mit dem Gewissen der Menschheit unvereinbar wäre und dass alles getan werden sollte, um diese Gefahr zu mindern“ – so die Präambel des Vertrages. Außerdem gab es nach 1975 keinen einzigen Staat, der gestanden hätte, Biowaffen zu besitzen oder sich darüber geäußert hätte, diese Waffen wären für militärische Zwecke sinnvoll oder angebracht. Es wird damit deutlich, welches Gewicht das Biowaffenübereinkommen in der Geschichte eingenommen hat.
In dieser Hausarbeit soll auf die Frage eingegangen werden, ob das Biowaffenübereinkommen (BWÜ) und alle Mechanismen, die der Vertrag beinhaltet, ausreichend sind, um die Nutzung von Krankheiten zu feindseligen Zwecken - unter Berücksichtigung des geschichtlichen Hintergrundes – zu verbieten. Im ersten Abschnitt werden biologische Waffen definiert. Im zweiten Abschnitt wird am Beispiel von drei ausgewählten Krankheitserregern die Möglichkeiten der Verbreitung, der Wirkung und schließlich des Tötens dieser Krankheitserreger vorgestellt. Im dritten Abschnitt der Arbeit geht es um die Frage der Effektivität des internationalen BW–Verbots. Anschließend wird die Geschichte des Einsatzes biologischer Waffen abgehandelt und am Ende dieser Arbeit ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Definition von biologischen Waffen
3. Biowaffen-Erreger
3.1. Milzbrand
3.2. Pest
3.3. Pocken
4. Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen
4.1. Entstehung des Verbots biologischer Waffen
4.2. Die Effektivität des internationalen BW-Verbots
5. Zur Geschichte biologischer Waffen
5.1. Einsatz biologischer Waffen zum II. Weltkrieg
5.2. Einsatz biologischer Waffen nach dem II. Weltkrieg
5.2.1. Vorwürfe der Verletzung der Nicht-Besitz-Norm
5.2.2. Nachgewiesene Verletzungen der Nicht-Besitz-Norm
5.2.3. BW und nichtstaatliche Akteure
6. Fazit
7. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit des Biowaffenübereinkommens (BWÜ) sowie der zugehörigen Kontrollmechanismen, um den Einsatz von Krankheitserregern für feindselige Zwecke in einem historischen Kontext zu unterbinden.
- Definition und Charakterisierung biologischer Waffen
- Wirkungsweise und Verbreitung ausgewählter Krankheitserreger
- Analyse der Effektivität des internationalen BW-Verbots
- Historische Betrachtung des Einsatzes biologischer Waffen
- Problematik der dual-use Forschung
Auszug aus dem Buch
3.1. Milzbrand
Milzbrand, bekannt auch als Anthrax, wird durch das Bakterium Bacillus anthracis ausgelöst.
Die wohl bekannteste und wirksamste Methode, Anthrax als Biowaffe einzusetzen, ist die Verbreitung durch die Atemluft. Äußerliche Begleiterscheinungen wie Fieber und Müdigkeit deuten darauf hin, dass die Anthrax–Sporen vor ca. eins bis sechs Tagen eingeatmet wurden. In einzelnen Fällen treten zusätzlich Husten und leichte Brustschmerzen auf. Der Zustand des Betroffenen verbessert sich zunächst, allerdings kommt es danach zu einer plötzlichen Verschlechterung in Verbindung mit starken Atembeschwerden. Der Patient leidet unter starker Atemnot und stirbt innerhalb kurzer Zeit. Die Todesrate bei Inhalation beträgt 100%, bei Aufnahme des Anthrax bei 50%.
Die Behandlung mit Antibiotika hat nur dann eine Wirkung, wenn sie vor dem Auftreten der Symptome durchgeführt wurde. Die Verabreichung der Antibiotika nach dem Auftreten der Symptome führt trotzdem zum Tod des Patienten.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung des Biowaffenübereinkommens ein und formuliert die Forschungsfrage zur Effektivität der bestehenden Verbotsmechanismen.
2. Definition von biologischen Waffen: In diesem Kapitel wird der Begriff biologische Waffen im Sinne des BWÜ sowie des „General Purpose Criterion“ definiert und die Problematik der dual-use Forschung erörtert.
3. Biowaffen-Erreger: Hier werden drei beispielhafte Erreger, Milzbrand, Pest und Pocken, hinsichtlich ihrer Verbreitungswege und tödlichen Wirkmechanismen analysiert.
4. Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen: Dieses Kapitel behandelt die historische Entstehung des internationalen Verbots sowie die Mechanismen und Defizite bei der Überwachung des BWÜ.
5. Zur Geschichte biologischer Waffen: Hier wird der Einsatz biologischer Waffen und die Entwicklung entsprechender Programme vor und nach dem Zweiten Weltkrieg unter Berücksichtigung verschiedener Akteure untersucht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet die Herausforderungen durch die moderne Biotechnologie und das Risiko eines neuen Wettrüstens.
Schlüsselwörter
Biowaffen, BWÜ, Biowaffenübereinkommen, Krankheitserreger, Massenvernichtungswaffen, Nicht-Besitz-Norm, Nicht-Einsatz-Norm, dual-use, Milzbrand, Pest, Pocken, Biologische Kriegsführung, Rüstungskontrolle, Genfer Protokoll, Biotechnologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von biologischen Waffen und der Frage, wie effektiv das internationale Verbotsregime (BWÜ) gegen deren Nutzung durch Staaten und Akteure ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Biowaffen, die Untersuchung pathogener Wirkungen, historische Fallbeispiele des Einsatzes sowie die Analyse der vertraglichen Verbotsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das BWÜ und seine Mechanismen ausreichen, um die Nutzung von Krankheiten zu feindseligen Zwecken unter Berücksichtigung historischer Erfahrungen effektiv zu verbieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, basierend auf einer Literaturstudie zu internationalen Verträgen und Fallbeispielen biologischer Waffeneinsätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Definitionen biologischer Agenzien, analysiert drei spezifische Krankheitserreger und bewertet die Effektivität des internationalen Verbots sowie die Historie ihrer Anwendung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Biowaffen, BWÜ, Nicht-Besitz-Norm, dual-use, biologische Kriegsführung und Rüstungskontrolle sind die prägenden Begriffe dieser Untersuchung.
Warum stellt das "dual-use" Problem eine Herausforderung für das Verbot dar?
Das dual-use Problem bedeutet, dass Wissen für friedliche, zivile Forschung und für die Entwicklung offensiver Biowaffen gleichermaßen genutzt werden kann, was die Transparenz und Kontrolle erschwert.
Welche Rolle spielten nichtstaatliche Akteure laut dieser Untersuchung?
Obwohl es Fälle terroristischer oder krimineller Nutzung gab, stellt die Arbeit fest, dass erfolgreiche Einsätze durch nichtstaatliche Akteure äußerst selten geblieben sind.
Warum gilt das sowjetische BW-Programm als schwerwiegender Verstoß?
Das sowjetische Programm war das größte seiner Art und widersprach massiv der Nicht-Besitz-Norm, wobei eine vollständige Aufklärung durch mangelnde Kooperationsbereitschaft bis heute erschwert wird.
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- Anna Cwalian (Author), 2007, Probleme der Abrüstung und Rüstungskontrolle biologischer Waffen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115268