In der vorliegenden Hausarbeit soll zuerst der Begriff des "Weißseins" und dessen historische Verankerung in der Kolonialzeit verdeutlicht werden. Die intensive Indoktrination und Auslebung von vermeintlich wissenschaftlichen Theorien über Rassen und ihre Differenzen wirkt sich bis heute als eine unsichtbare, aber bedeutende soziale, weiße Machtposition aus, welche unbewusst Vorteile und Privilegien garantiert. Eine kritische Reflexion der unsichtbaren Machtverhältnisse endet jedoch meist in einer Verweigerungshaltung, den Mythos der Gleichheit zwischen weiß und schwarz aufzugeben: Die rassistischen Mythen der Verleugnung sollen den Hauptteil dieser Referatsverschriftlichung bilden. Nach einer kurzen Vorstellung der Strategie, „die Machtposition des weißen Subjekts [zu] verleugnen“ (Arndt 2005), soll vor allem auf dessen Folgen aufmerksam gemacht werden: Die Verweigerung, die eigene Position des Weißseins kritisch zu reflektieren, wird oft mit Liberalität und Wohlwollen verwechselt, was den Komplex der hierarchiegebundenen, sozialen Positionen des Weiß- und Schwarzseins noch komplizierter macht und letztlich den weißen Status verfestigt.
Die Begriffe weiß und schwarz werden in dieser Ausarbeitung kursiv gesetzt, um ihre Bedeutung als komplexe gegensätzliche Kategorisierungen von den regulär gebräuchlichen Farbkennzeichnungen abzugrenzen. Mit dem Begriff des Schwarzseins wird eine Position bezeichnet, die alle sichtbar nicht-weißen Personen einbezieht, weshalb Menschen der "People of Color" nicht separat erwähnt werden. Entsprechend den Ausführungen Arndt´s wird der Begriff der Rasse kursiv geschrieben, wenn es sich um die Analysekategorie handelt. Im anderen Falle handelt es sich um den biologischen Begriff.
Inhaltsverzeichnis
1. Grundlegendes
2. Weißsein als soziale Machtposition
3. Rassistische Mythen der Verleugnung aus der weißen Perspektive
3.1. Ursachen rassistischer Mythen
3.2. Die Strategie des rassistischen Mythos
3.3. Folgen der Weißseins-Verleugnung
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Konstrukt des Weißseins auseinander, wobei der Fokus insbesondere auf den rassistischen Mythen der Verleugnung liegt, die zur Aufrechterhaltung weißer Privilegien und Machtstrukturen dienen.
- Historische Verankerung von Weißsein in der Kolonialzeit
- Die Rolle der „unsichtbaren“ weißen Machtposition
- Psychologische Mechanismen der Verleugnung und Tabuisierung
- Die Strategie des rassistischen Mythos als Instrument der Dominanzsicherung
- Konsequenzen der Nicht-Reflexion für gesellschaftliche Machtverhältnisse
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Strategie des rassistischen Mythos
Arndt (2005) definiert diesen Prozess als eine >(Nicht-)Positionierung<: mit einer innerlichen, unbewussten Positionierung als Weiße(r) versucht man, eben diese Position im persönlichen Fall als unwahr zu deklarieren und erstellt damit einen rassistischen Mythos der Verleugnung: „Der Mythos leugnet nicht die Dinge, seine Funktion besteht im Gegenteil darin, von ihnen zu sprechen. Er reinigt sie nur einfach, er macht sie unschuldig“ (Barthes 1996, 131). Der rassistische Mythos versucht die Dominanzposition des Weißseins unkenntlich zu machen und geschichtliche Gewordenheiten unter dem Teppich des Schweigens zu verbergen. Hierzu wird Schwarzsein offensiv zum Thema gemacht und interpretiert, mit dem Ziel, eine hierarchielose Ebene für schwarz und weiß herzustellen und „das Schwarze Subjekt zum Schweigen zu bringen“ (Arndt 2005, S. 340).
Um das eigene Weißsein zu tabuisieren, bedient man sich der Figur des >myth of sameness< (nach bell hooks, 1992) bzw. >evasion< („Ausweichmanöver“ nach Toni Morrison 1970; vgl. Arndt 2005, S. 347): hierbei begibt sich die weiße Person auf die höhere Ebene der Allgemeinheit, auf welcher es keine Unterschiede zwischen Menschen gibt. Mit dem wohlgesinnten Postulat der Gleichheit der Menschen und ihrer Lebenschancen werden die Sonderstellung und Vorteile des Weißseins und Nachteile des Schwarzseins negiert. Privilegien werden hiernach nicht Farben, sondern individuellen Differenzen zugeschrieben. Demnach liegt es an jedem selbst, wo er sich einen Status in der Gesellschaft erarbeiten kann, egal, ob schwarz oder weiß (vgl. Wachendorfer 2006, S. 64).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Grundlegendes: Dieses Kapitel führt in die Problematik der unsichtbaren weißen Hegemonie ein und erläutert die Bedeutung der Kritischen Weißseinsforschung.
2. Weißsein als soziale Machtposition: Es wird die historische Genese der weißen Machtposition in der Kolonialzeit und deren Kontinuität bis in die Gegenwart untersucht.
3. Rassistische Mythen der Verleugnung aus der weißen Perspektive: Das Kapitel analysiert, wie durch psychologische Abwehrmechanismen und Mythen die eigene weiße Position und damit verbundene Privilegien verleugnet werden.
3.1. Ursachen rassistischer Mythen: Hier werden die Gründe für die fehlende Reflexionsfähigkeit über das eigene Weißsein dargelegt, die in der historischen Tradition verwurzelt sind.
3.2. Die Strategie des rassistischen Mythos: Es wird aufgezeigt, wie durch bewusste Tabuisierung und das „Ausweichmanöver“ die Dominanzstruktur des Weißseins verschleiert wird.
3.3. Folgen der Weißseins-Verleugnung: Das Kapitel beleuchtet, wie die Verweigerung der Auseinandersetzung mit dem Weißsein dazu führt, dass Machtasymmetrien unhinterfragt fortbestehen.
4. Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die Schwierigkeit, die tief verwurzelte Normalität des Weißseins aufzubrechen und betont die Notwendigkeit persönlicher Verunsicherung zur Veränderung.
Schlüsselwörter
Weißsein, Schwarzsein, Kritische Weißseinsforschung, Rassismus, Machtposition, Hegemonie, Kolonialismus, Verleugnung, Privileg, Rasse, Diskurs, Dekonstruktion, Normalität, Identität, Soziale Machtverhältnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept des Weißseins als einer sozialen Machtposition und den rassistischen Mythen, die dazu genutzt werden, diese Privilegien unhinterfragt zu lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Unsichtbarkeit von Weißsein, historische Kolonialbezüge, psychologische Verleugnungsstrategien und die Folgen der Nicht-Reflexion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Mechanismen der Weißseins-Verleugnung aufzuzeigen, die verhindern, dass weiße Menschen ihre eigene gesellschaftliche Machtposition kritisch hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt einen diskursanalytischen Ansatz und bezieht sich auf die Kritische Weißseinsforschung, um Begriffe wie „Rasse“ und „Weißsein“ zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Ursachen rassistischer Mythen, die Strategien ihrer Anwendung (wie der „myth of sameness“) und deren Auswirkungen auf die Aufrechterhaltung von Diskriminierung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Weißsein, Hegemonie, koloniale Tradition, Privileg, Diskurs und die Dekonstruktion von Normalität.
Warum wird das eigene Weißsein von den meisten Menschen verleugnet?
Die Arbeit argumentiert, dass das Eingestehen des eigenen Weißseins mit Scham verbunden sein kann und die Angst weckt, als privilegiert entlarvt zu werden, was zur Abwehr führt.
Wie trägt der „Rassische Mythos“ zur Stabilität weißer Dominanz bei?
Durch die Tabuisierung und „Reinigung“ des Begriffs wird die bestehende Machtstruktur unkenntlich gemacht und als unhinterfragbare Normalität bewahrt.
Welche Rolle spielt der Kolonialismus in dieser Analyse?
Der Kolonialismus wird als der Ursprung der weißen Machtposition verstanden, aus dem sich eine rassistische Denkstruktur ableitet, die bis heute wirksam bleibt.
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- M.A. Alexandra Elze (Author), 2012, Kritische Auseinandersetzungen mit Weißsein. Weiße Mythen der Verleugnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152728