Der Untergang des Mittelniederdeutschen und seine Ursachen

Zwei Vorschläge zur Einbeziehung des Mittelniederdeutschen in den Schulunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Mittelniederdeutsche
2.1. Definition
2.2. Die zeitliche Abgrenzung des Mittelniederdeutschen
2.3. Die räumliche Abgrenzung des Mittelniederdeutschen

3. Die Gründe für den Niedergang der mittelniederdeutschen Sprache
3.2. Die Kanzleien
3.3. Die Bildungseinrichtungen
3.4. Die Kirche
3.5. Der Buchdruck

4. Die deutsche Sprachgeschichte im Schulunterricht
4.1. Reynke de Vos im fächerübergreifenden Unterricht
4.2. Das Narrenschiff im Deutschunterricht

5. Zusammenfassung

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Der Schreibsprachenwechsel vom Mittelniederdeutschen zum Neuhochdeutschen im 16. und 17. Jahrhundert war eine der bedeutendsten sprachlichen Veränderungen in Deutschland. Das Mittelniederdeutsche, welches über Jahrhunderte als etablierte ‚internationale’ Handelssprache fungierte, verschwand nun nahezu vollständig aus allen öffentlichen, kirchlichen und wirtschaftlichen Bereichen Norddeutschlands. Das Eindringen des Neuhochdeutschen hob somit die Zweigliederung der deutschen Sprache auf standardsprachlicher Ebene gänzlich auf und selbst im privaten Gebrauch wurde das Niederdeutsche oftmals als zweitklassige Sprache angesehen.

Die Ursachen dieses sprachlichen Wandels liegen vor allem in der engen Verknüpfung von schreibsprachlichen mit ökonomischen, politischen sowie kulturellen Entwicklungen. Die erheblichen Änderungen in der wirtschaftlichen und politischen Struktur Nordeuropas im 15. und 16. Jahrhundert führten zum Schwund der hansischen Macht und zu einer Neuorientierung der bürgerlichen Kultur Norddeutschlands. Des Weiteren hatten sich die Humanisten kulturell nach Oberdeutschland und Italien orientiert und auch die Fürsten waren auf Grund ihrer dynastischen Verbindungen kulturell mit dem süddeutschen Raum verbunden, so dass die hochdeutsche Kultur und damit auch die Sprache in jenen Kreisen schnell an Prestige gewann. Der Übergang vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen fand zunächst in den Kanzleien, später auch in Schulen und Universitäten sowie Kirchen statt.

Im Folgenden soll auf einige der ökonomischen, politischen und kulturellen Ursachen des Eindringens der frühneuhochdeutschen Sprache eingegangen werden. Zuvor soll aber auch das Mitteniederdeutsche und dessen zeitliche und räumliche Abgrenzung betrachtet werden. Abschließend wird sich der Frage gewidmet, in wiefern sich diese Thematik in den Deutschunterricht der Mittel- und Oberstufe eingliedern lässt.

2. Das Mittelniederdeutsche

2.1. Definition

Das Mittelniederdeutsche (ca. 1300 - 1600) bezeichnet die Periode der niederdeutschen Sprachgeschichte, die auf die altniederdeutsche folgt und die neuniederdeutsche nach sich zieht. Dabei gibt „Nieder“ das räumliche Kriterium an; es handelt sich nämlich um „Gebiete des deutschen Sprachraums ohne Anteil an der zweiten, der hochdeutschen Lautverschiebung“[1] während „mittel“ die zeitliche Abgrenzung liefert.

Dabei gab es während der Zeit des Mittelniederdeutschen verschiedene Bezeichnungen für die Sprache. Wollte man sich vom lateinischen abgrenzen, wurde vor allem ‚to dûde’ verwendet. Ansonsten waren die Bezeichnungen ‚sassesche sprâke’ und ‚sassesch’ gebräuchlich. Von der Hochsprache ausgehend, kamen im 16. Jh. ‚nedderdûdesch’ und ‚nedderlendesch’ hinzu, wobei ‚sassesch’ nach wie vor die üblichste Benennung für das Niederdeutsche war.[2]

2.2. Die zeitliche Abgrenzung des Mittelniederdeutschen

Nachdem die altniederdeutsche Schreibtradition im 11. Jh. zu Ende gegangen war, wurden in Norddeutschland alle Schriften lediglich in lateinisch verfasst. Es gab also keine unmittelbare Anknüpfung des schriftlichen Mittelniederdeutschen an das Altniederdeutsche. Erst nach ca. 150 Jahren, im dritten Jahrzehnt des 13. Jh. begann schließlich die schriftliche mittelniederdeutsche Überlieferung.[3] Zu den ersten erhaltenen Fragmenten gehören u. a. drei niederdeutsche Fragmente des um 1225 entstandenen Sachsenspiegels sowie das Braunschweiger Stadtrecht aus dem Jahre 1227.[4]

Bereits im hohen Mittelalter zeichneten sich einige Raumverluste des Mittelniederdeutschen ab. Im Südwesten des Westfälischen im Gebiet von Remscheid und Ruhrort oder auch unter Anhaltischen Fürsten, z. B., „haben [im 14. Jh.] einzelne Schreiber Hochdeutsch geschrieben oder ihr Niederdeutsch stark Mitteldeutsch durchsetzt.“[5] Es waren vor allem Urkunden, die in Hochdeutsch ausgestellt wurden.

Diese Sprachperiode des Mittelniederdeutschen dauerte bis in die Jahrzehnte um 1600 an. Zu jener Zeit hörte das Mittelniederdeutsche auf „die die nd. Dialekte überwölbende Schriftsprache zu sein“[6] An seine Stelle trat nun die hochdeutsche Sprache, wobei das Niederdeutsche als Mundart weiterhin existierte. Das Niederdeutsche wurde unter anderem auch noch lange Zeit für Zwischenspiele, Gelegenheitsgedichte sowie Spott- und Schmähschriften verwendet.

2.3. Die räumliche Abgrenzung des Mittelniederdeutschen

Der mittelniederdeutsche Sprachraum umfasste im Gegensatz zu dem des Altniederdeutschen ein deutlich größeres Gebiet. „Durch die Ostsiedlung hatte sich das niederdeutsche Sprachgebiet weit nach Osten hin ausgedehnt.“[7] Deutsche und niederländische Bauern besiedelten seit der Mitte des 12. Jh. bis zum 14. Jh. das ostseeslawische Gebiet östlich der Elbe und der Saale, so dass sich die niederdeutsch-slawische Sprachgrenze langsam weiter nach Osten verschob. Da die Bevölkerung eines Gebietes des Altlandes ihre Mundart allerdings nicht geschlossen in ein Gebiet des Neulandes überträgt, sondern Siedler aus verschiedenen Gegenden an der Entstehung eines neuen Dialektraumes beteiligt sind, entstehen neue große Dialekträume, wie z. B. das Mecklenburgisch-Vorpommersche, das Brandenburgische, das Mittelpommersche, das Ostpommersche und das Niederpreußische.[8]

Außerdem diente das Mittelniederdeutsche als lingua franca des Hansegebietes, welches sich von Deventer und Zwolle im Westen bis nach Livland, dem heutigen Estland und Lettland, im Osten und Bergen im Norden erstreckte. Durch die Hanse war es eine wichtige Geschäfts- und Schriftsprache geworden.[9]

Weitere Gebietsgewinne erzielte das Mittelniederdeutsche in Friesland, wo es im 14. Jh. westlich und östlich der Ems das Friesische verdrängte. Zunächst war es Urkunden-, Geschäfts- und Gerichtssprache, später aber auch die Mundart Ostfrieslands.

[...]


[1] Peters, Robert. Mittelniederdeutsche Sprache. In: Goossens, Jan (Hrsg.) Niederdeutsch. Sprache und

Literatur. Eine Einführung. Bd. 1: Sprache. Neumünster: Karl Wachholtz Verlag, 1973, S. 66.

[2] Vgl., S. 66.

[3] Vgl., S. 67.

[4] Bischoff, Karl. Mittelniederdeutsch. In: Cordes, Gerhard, Dieter Möhn (Hrsg.) Handbuch zur

niederdeutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1983, S. 98.

[5] Ebd., S. 113.

[6] Bischoff, Karl. Mittelniederdeutsch. S. 116.

[7] Peters, Robert. Mittelniederdeutsche Sprache. S. 67.

[8] Ebd., S. 67.

[9] Ebd., S. 69.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Untergang des Mittelniederdeutschen und seine Ursachen
Untertitel
Zwei Vorschläge zur Einbeziehung des Mittelniederdeutschen in den Schulunterricht
Hochschule
Universität Paderborn  (Universität)
Veranstaltung
Mittelniederdeutsche Literatur
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V115283
ISBN (eBook)
9783640169375
ISBN (Buch)
9783640522651
Dateigröße
758 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Untergang, Mittelniederdeutschen, Ursachen, Mittelniederdeutsche, Literatur
Arbeit zitieren
Ulrike Miske (Autor), 2006, Der Untergang des Mittelniederdeutschen und seine Ursachen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115283

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