Vor dem Hintergrund des Seminars "'Kritisieren, Eingreifen, Verändern: Das Politische (in) der Kunst" wird die Kunstaktion 'Flüchtlinge Fressen' als Beispiel herangezogen, um Fragen nach den Grenzen und politischen Einwirkungsmöglichkeiten von Kunst nachzugehen. Dafür wird in dieser Arbeit das Künstler*innenkollektiv 'Zentrum für Politische Schönheit' vorgestellt (Kap.2) und die politische Kunstaktion 'Flüchtlinge Fressen' analysiert (Kap.3).
In der Analyse wird die Kunstaktion zunächst beschrieben sowie unter Betrachtung der angewandten Strategien auf seine Wirkungsmöglichkeiten untersucht. Vor diesem Hintergrund werden Fragen nach politischer Ein_Wirkung, die durch das Kunstwerk 'Flüchtlinge Fressen' zum Tragen kommt, untersucht und ausgehandelt (Kap 3.3). Infolgedessen sollen jene Überlegungen in Verbindung mit Seminardiskussionen weiter ausgeführt und verhandelt werden (Kap.4), um die Ausarbeitung zusammenfassend mit einem umrahmenden Fazit (Kap.5) abzuschließen.
Inhaltsverzeichnis
1.Hinführung
2. Das Zentrum für Politische Schönheit
2.2 Das Kollektiv
3. Die Kunstaktion ‚Flüchtlinge Fressen‘
3.1 Beschreibung
3.2 Künstlerische Strategien des Zentrum für Politische Schönheit
3.3 Politische Ein_Wirkung
4. Diskussion vor dem Hintergrund der Seminarinhalte
4.1 Hans Haacke, Valie Export und der Dadaismus
4.2 Was kann Kunst?…Was darf Kunst?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen politisch engagierter Kunst am Beispiel der Kunstaktion „Flüchtlinge Fressen“ des Künstlerkollektivs Zentrum für Politische Schönheit. Dabei wird analysiert, wie durch provokationsästhetische Strategien und „Cultural Hacking“ gesellschaftliche Debatten angestoßen und staatliche Institutionen unter Druck gesetzt werden sollen.
- Analyse der künstlerischen Strategien des Zentrums für Politische Schönheit
- Untersuchung der politischen Einwirkungsmöglichkeiten zeitgenössischer Kunst
- Diskussion von ethischen Grenzen und Provokation im öffentlichen Raum
- Vergleich mit historischen Positionen wie Dadaismus und Werken von Hans Haacke oder Valie Export
- Reflexion über die Rolle des Publikums als Teil politischer Partizipation
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung
Die Kunstaktion Flüchtlinge Fressen ist eine zwölftägige Aktion, die vom 16.- 28. Juni 2016 auf dem Vorplatz des Gorki Theaters in Berlin stattfindet. Im Mittelpunkt der Aktion steht buchstäblich ein etwa 60m2 großen Tigerkäfig, von dem Künstler*innenkollektiv als „Arena“ bezeichnet. In diesem befinden sich vier Tiger, die durch eine Glasscheibe Blickkontakt mit den Zuschauer*innen halten können. Es zu erwähnen, dass auf der Glasscheibe der Grundstein für die Kunstaktion Flüchtlinge Fressen geschrieben steht: Der §63 Abs. 3 Aufenthaltsgesetz. Dieses beruht auf einer EU-Richtlinie und besagt, dass das Bundesinnenministerium ein Zwangsgeld von 1000 bis 5000 Euro pro Person gegen ein Beförderungsunternehmen —beispielsweise eine Fluglinie— verhängen darf, wenn dieses „Ausländer“ ohne Aufenthaltstitel nach Deutschland bringt.
Das ZPS behauptet, dass Fluggesellschaften damit automatisch in die Rolle von Grenzbeamt*innen gedrängt werden würden, und sich eine unsichtbare Mauer um Europa lege. Durch dieses Gesetz verbarrikadiert die EU Fluchtsuchenden alle Wege und zwingt sie zu lebensriskanten Maßnahmen: Europa sei damit Schuld am Tod 100.0000er Asylsuchender. Vor diesem wird bereits deutlich, dass das ZPS diesen Misstand zu veranschaulichen versucht und damit realpolitische Diskurse betritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Hinführung: Die Einleitung stellt die Kunstaktion „Flüchtlinge Fressen“ als Ausgangspunkt vor und formuliert die Forschungsfrage nach den Einwirkungsmöglichkeiten politischer Kunst.
2. Das Zentrum für Politische Schönheit: Das Kapitel widmet sich der Gründung, den Akteuren und der Philosophie des Kollektivs, insbesondere ihrem Konzept des „aggressiven Humanismus“.
2.2 Das Kollektiv: Hier werden die organisatorische Struktur und die spezifischen Erkennungsmerkmale des ZPS vertieft.
3. Die Kunstaktion ‚Flüchtlinge Fressen‘: Dieses Hauptkapitel analysiert die interaktive Aktion des Kollektivs unter Berücksichtigung ihrer digitalen und analogen Komponenten.
3.1 Beschreibung: Es erfolgt eine detaillierte Darstellung des Ablaufs der Kunstaktion und des zugrunde liegenden politischen Kontexts, wie dem Aufenthaltsgesetz.
3.2 Künstlerische Strategien des Zentrum für Politische Schönheit: Dieses Kapitel untersucht die provokative Sprachwahl und die ästhetischen Mittel, die zur Aufmerksamkeitsgenerierung eingesetzt werden.
3.3 Politische Ein_Wirkung: Hier wird die Wirksamkeit der Aktion auf den öffentlichen Diskurs und die Rolle des Publikums als Partizipierende reflektiert.
4. Diskussion vor dem Hintergrund der Seminarinhalte: Die Arbeit ordnet die Strategien des ZPS in einen kunstgeschichtlichen und theoretischen Kontext ein.
4.1 Hans Haacke, Valie Export und der Dadaismus: Durch den Vergleich mit anderen Künstlern wird verdeutlicht, wie Provokation und Partizipation als Werkzeuge genutzt werden.
4.2 Was kann Kunst?…Was darf Kunst?: Dieses Kapitel diskutiert die ethischen und rechtlichen Grenzen von Kunst im demokratischen Raum.
5. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert das Potenzial ästhetischer Kritik für den gesellschaftlichen Wandel.
Schlüsselwörter
Zentrum für Politische Schönheit, ZPS, Flüchtlinge Fressen, Politische Kunst, Provokationsästhetik, Cultural Hacking, Partizipation, Aktivismus, Menschenrechte, Aufenthaltsgesetz, Interdisziplinäre Diskurse, Kunstfreiheit, Sozialkritik, Realpolitik, Widerstand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen politisch engagierter Kunst am Beispiel der Kunstaktion „Flüchtlinge Fressen“ des Zentrums für Politische Schönheit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Verflechtung von Kunst und Aktivismus, die Rolle der Provokation in politischen Diskursen sowie die ethische Verantwortung von Kunstschaffenden.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das ZPS durch ästhetische Mittel und bewusste Provokation politische Debatten über die europäische Abschottungspolitik initiiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine kunstwissenschaftliche Analyse, kombiniert mit diskursanalytischen Elementen und einem Vergleich zu historischen Vorbildern der Avantgarde.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Beschreibung der Kunstaktion, eine Untersuchung der künstlerischen Strategien (z. B. Cultural Hacking) und eine theoretische Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Provokationsästhetik, politische Partizipation, Cultural Hacking, gesellschaftlicher Widerstand und die Funktion von Kunst in der Demokratie.
Inwiefern beeinflusste der Dadaismus die Arbeit des ZPS?
Die Autorin stellt Bezüge zwischen dem Dadaismus als „Anti-Kunst“ und dem ZPS her, insbesondere in Bezug auf die Negation ästhetischer Normen und das Aufbrechen von Sehgewohnheiten.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Publikums?
Die Zuschauenden werden als essenziell für die Wirkung der Aktion betrachtet, da sie durch ihre emotionale Reaktion und Entscheidungsgewalt erst den Raum für politisches Handeln eröffnen.
Was ist das ethische Dilemma, das die Autorin bei solchen Aktionen anspricht?
Sie thematisiert das Spannungsfeld, ob Kunst diskriminierte Personen instrumentalisieren darf, um auf Missstände aufmerksam zu machen, was anhand der „Widerstandssäule“ kritisch diskutiert wird.
- Arbeit zitieren
- Alicia Alexy (Autor:in), 2021, Kunst zwischen Politik und Aktivismus. Das Zentrum für Politische Schönheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152979