Schiller gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller weltweit. Er sah sich dazu verpflichtet, die Menschheit verbessern zu wollen. Wie dies gelingen sollte, hielt er in seinem Werk "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen" fest. Die vorliegende Arbeit stellt eine kurze Zusammenfassung seines Programms dar und stellt Verbindungen zwischen diesem und seiner Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" her.
Um darzustellen, dass sich Schiller nicht erst während dem Verfassen seiner Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen damit beschäftigte, welche Intensionen ein Autor mit seinem Werk verfolgen sollte und wie eine Vervollkommnung des Individuums erlangt werden kann, sondern schon von Beginn an höhere Absichten durch seine verfassten Werke zu erreichen versuchte, soll sich diese Arbeit zunächst der Frage widmen, welches Programm Schiller in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen verfolgt. Dieses soll dann in Verbindung mit seinem Anliegen, welches er im Vorwort seiner Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" äußert, gebracht und Gemeinsamkeiten festgestellt werden. Im Anschluss daran soll die Arbeit eigen, wie Schiller seine Vorsätze sowohl inhaltlich als auch sprachlich umsetzt. Zuletzt folgt ein Fazit, welches die Ergebnisse der Arbeit zusammenfasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Schillers Ansprüche als Autor und Philosoph
2. Schillers Programm
2.1 Über die ästhetische Erziehung des Menschen
2.2 Schillers Ziele im Verbrecher aus verlorener Ehre
3 Umsetzung seiner Vorsätze im Verbrecher aus verlorener Ehre
4 Fazit: Schiller wurde seinen Ansprüchen gerecht
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Friedrich Schillers theoretischem Programm zur ästhetischen Erziehung und der praktischen Umsetzung dieser Ziele in seiner Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre". Dabei wird analysiert, inwiefern die Erzählung dazu dient, das Empfindungsvermögen und die moralische Urteilsfähigkeit der Leserschaft zu schulen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Strafvollzug zu fördern.
- Analyse der philosophischen Grundlagen von Schillers ästhetischer Erziehung.
- Untersuchung der narrativen Strategien und Perspektivwechsel im "Verbrecher aus verlorener Ehre".
- Kritische Reflexion des zeitgenössischen Justizsystems und des Ehrbegriffs im 18. Jahrhundert.
- Evaluation von Schillers Erfolg bei der Etablierung des Rezipienten als objektiver "Richter".
Auszug aus dem Buch
Sprachliche und inhaltliche Besonderheiten
Außergewöhnlich ist schon der Beginn der Erzählung, da sie mit einer theoretischen Vorrede über Anthropologie und Poetologie beginnt und schließlich mithilfe einer provokant formulierten Frage über die (Un)-schuldigkeit der Hauptperson die eigentliche Geschichte als praktisches Beispiel für den Werdegang eines Verbrechers eröffnet. Diese Frage soll den Leser während der gesamten Erzählung beschäftigen, sodass er sie am Ende beantworten kann, indem er seine bisherigen Moralvorstellungen um weitere Wertehaltungen ergänzt, zu welchen er durch die Geschichte und deren Erzählweise inspiriert werden soll.
Damit ein unvoreingenommenes und objektives Urteil möglich ist, erläutert Schiller zunächst nüchtern den familiären Hintergrund von Christian Wolf, der als von Grund auf hässlicher, junger Mann beschrieben wird („Die Natur hatte seinen Körper verabsäumt […] krauses Haar von einer unangenehmen Schwärze, eine plattgedrückte Nase und eine geschwollene Oberlippe“ (May, 2016, S. 8 f.)). Schiller bedient sich damit der zu dieser Zeit weit verbreiteten These von der „Entsprechung zwischen physischer und moralischer Welt“ von den französischen Materialisten D´Holbach und La Mettrie (1750). Demnach sei eine äußerlich unästhetische Person logischerweise auch innerlich hässlich und deshalb böse. Der Autor möchte allerdings dieses Klischee kritisieren und nicht belegen. Dies zeigt sich daran, dass Wolfs Gedankengänge alles andere als bösartig sind und er sehr wohl ein ausgeprägtes Moralverständnis hat, welches vor allem nach seinem Mord an Robert in Form von Reue zutage tritt. Dazu später mehr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schillers Ansprüche als Autor und Philosoph: Dieses Kapitel skizziert Schillers Grundhaltung als Autor, der durch Literatur zur Freiheit und Vervollkommnung der Menschheit beitragen möchte.
2. Schillers Programm: Es wird Schillers Philosophie, insbesondere die Schrift "Über die ästhetische Erziehung des Menschen", sowie seine spezifischen Ziele für die Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" dargelegt.
3 Umsetzung seiner Vorsätze im Verbrecher aus verlorener Ehre: Dieses Kapitel untersucht die sprachliche und inhaltliche Gestaltung des Werkes und zeigt auf, wie Schiller durch Perspektivwechsel und Zeitgestaltung den Leser als Urteilsinstanz einbindet.
4 Fazit: Schiller wurde seinen Ansprüchen gerecht: Das Fazit fasst zusammen, dass Schiller seine philosophischen Ziele erfolgreich in die Erzählung integriert hat und seiner Zeit hinsichtlich der Forderung nach Autonomie und Freiheit voraus war.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Der Verbrecher aus verlorener Ehre, Ästhetische Erziehung, Aufklärung, Christian Wolf, Moral, Strafvollzug, Ethik, Erzählperspektive, Persönlichkeitsideal, Philosophie, Literaturanalyse, Menschenbild, Humanität, Urteilsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Friedrich Schiller seine philosophischen Ideale aus der "Ästhetischen Erziehung" in seiner Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" praktisch umsetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das Persönlichkeitsideal, die Ausbildung moralischer Urteilsfähigkeit, die Bedeutung der Ehre sowie die Kritik am zeitgenössischen Strafvollzug.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten zwischen Schillers theoretischem Programm und seinem literarischen Werk aufzuzeigen und zu analysieren, wie er den Leser zur moralischen Reflexion anregt.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Vorgehensweise, indem sie inhaltliche und sprachliche Besonderheiten des Werkes im Kontext von Schillers theoretischen Schriften interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die erzählerische Gestaltung, wie den Wechsel zwischen Ich- und Er-Perspektive, sowie die Darstellung der Charaktere und die Kritik am Rechtssystem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ästhetische Erziehung, Moral, Christian Wolf, Strafvollzug, Ethik und Urteilsbildung.
Warum wählt Schiller im Werk eine Kombination aus Ich- und Er-Perspektive?
Durch den Wechsel soll der Leser zwar Einblicke in die Gedankenwelt des Protagonisten gewinnen, aber gleichzeitig Distanz wahren, um als unvoreingenommener Beobachter ein eigenes Urteil zu fällen.
Welche Rolle spielt der Mord an Robert für das Menschenbild in der Erzählung?
Der Mord dient als Katalysator, um die Zerrissenheit der Hauptfigur zwischen animalischen Trieben und menschlichem Gewissen sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Ausgrenzung aufzuzeigen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Schillers Programm im Bezug zu seinem Werk "Der Verbrecher aus verlorener Ehre", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152992