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Vom Selfie. Kreativität im (Spiel- und) Erfahrungsraum der neuen Medien und Reifungsprozesse im Bereich der Übergangsphänomene

Title: Vom Selfie. Kreativität im (Spiel- und) Erfahrungsraum der neuen Medien und Reifungsprozesse im Bereich der Übergangsphänomene

Term Paper , 2018 , 36 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ulrike Eiben (Author)

Pedagogy - Media Pedagogy
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Es gilt die Frage zu beantworten: Ist das Selfie moderne Identitätsarbeit und Ausdruck von kreativem Erleben und Erfahren in der Umwelt der neuen Medien, gehört somit in der Digitalisierung zu jener Kulturerfahrung, die nach D. Winnicott das Leben ausmachen?

Hierzu sind folgende Hypothesen zu untersuchen: Das Selfie erschöpft sich nicht in einem populären Selbstdarstellungsmedium einer Generation Jugendlicher und junger Erwachsener auf öffentlichen Social Media Plattformen, sondern gedeiht zu einer evidenten, facettenreichen Ausdrucksform auf gesamtgesellschaftlicher
Ebene – es impliziert generationsübergreifendes Potential. Das Selfie steht zu Zeiten der Pluralisierung, Liberalisierung, Medialisierung, Globalisierung und Mobilisierung für ein interaktives Identitätsspiel mit der Kamera. Diese mediale Suche
nach dem Selbst ist nicht ausreichend erklärbar unter Verwendung eines traditionellen, monadologisch angelegten, oder gar umgangssprachlich unreflektiert zur Disposition stehenden, Narzissmusbegriff.

Das Selfie, als eine moderne Form des Erlebens und Erfahrens, steht in Verbindung mit jenem schöpferischen Spannungsbereich zwischen "Ich" und "Nicht-Ich", Innen und Außen, Individuum und Umwelt, dem wir zeitlebens viel Aufmerksamkeit schenken. Es vermittelt ein Gefühl von Kontinuität und ist Ausdruck spielerischer Kreativität im Kontext der Digitalisierung, wird somit Teil des kulturellen Erlebens – eine Art und Weise des kreativen Umgangs mit Selbst- und Welterfahrung.

Auf dieser Basis werde ich eine Einbettung in den Kontext des Seminars "Eine Reise durch die Medien" vom Sommersemester 201823 vornehmen, indem ich meine Analyse aus medienpädagogischer Sicht kurz dahingehend reflektiere, welche Aussage sich damit für eine pädagogische (Medien-)Praxis, im Sinne des Herausbildens von Medienkompetenz angesichts der Selfiepraxis, treffen lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Vorgehen und Fragestellung

2 Das Phänomen Selfie

3 Identität im Spiegel – Subjektwerdung und zeitgenössische Selbstvergewisserung

3.1 Die intersubjektive „narzisstische“ Suche nach dem Selbst – Zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Sozialisation und Individuation

4 Zwischen Innen und Außen - Der Übergangsraum zwischen subjektivem Erleben und objektiv Wahrnehmbaren – ein intermediärer Bereich der Illusion

5 Kreativität – der ursprünglich in uns allen wohnende Dichter der inneren und äußeren Welt

5.1 Das Übergangsobjekt – der erste „not-me Besitz“ gibt der Illusion Gestalt

5.2 Spielen unter „magischer Kontrolle“ - kreative Kommunikationsprozesse zur Selbstfindung

5.3 „Kulturelles Erleben“ - Schöpferische Selbst- und Welterfahrung im intermediären Bereich zwischen privat und öffentlich

6 Reflexion: Das kulturelle Phänomen Selfie im Kontext der Digitalisierung – Chancen und Risiken

Zielsetzung & Themen

Diese Hausarbeit setzt sich zum Ziel, das Selfie als modernes Alltagsphänomen jenseits kulturpessimistischer Narzissmus-Vorwürfe neu zu bewerten. Unter Einbeziehung der psychoanalytischen Theorien von Donald W. Winnicott zur Kreativität und zu Übergangsphänomenen wird untersucht, inwiefern das Selfie als kreative, identitätsstiftende Praxis zu verstehen ist, die den Einzelnen bei der Auseinandersetzung mit einer komplexen, digitalen Umwelt unterstützt.

  • Psychoanalytische Perspektive auf das Selfie (Winnicott)
  • Selfie als kreativer, intermediärer „Spielplatz“
  • Identitätsarbeit im Kontext der Digitalisierung
  • Das Selfie als Ausdruck intersubjektiver Resonanzsuche

Auszug aus dem Buch

3.1 Die intersubjektive „narzisstische“ Suche nach dem Selbst – Zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Sozialisation und Individuation

„Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“ (Oscar Wilde)

Diese gehaltvolle Aussage in Verbindung mit der vorliegenden Thematik in Richtung einer narzisstischen Selbstverliebtheit und Ich-Bezogenheit des Individuums zu deuten, wie es von kulturpessimistischen Stimmen allzu gern getan wird, würde restriktiv die vorhandene Interdependanz verfehlen. Der klassische, objektlose Narzissmusbegriff, auf welchen sich in einer kritischen Interpretation des Selfies gern berufen wird, verkennt dramatisch die grundlegende Bezogenheit des Subjekts zu seiner Umwelt.

Eines Besseren belehren uns nicht zuletzt die moderne empirische Säuglingsforschung, die Hirnforschung, sowie die neuzeitliche intersubjektive Psychoanalyse. Wie ich bereits aufgezeigt habe entwickelte schon D. Winnicott, der im Übrigen generell dazu tendiert die Verwendung des Narzissmusbegriff zu vermeiden, ein tiefgreifend gegensätzliches, nämlich intersubjektives Verständnis der Materie. Daran anknüpfend erkennt M. Altmeyer in dem „hoffen auf Umweltresonanz“, welches in die Interaktionsmuster der modernen medialen Welt und dementsprechend das Selfie eingeschrieben ist, „die intersubjektive Kehrseite des Narzissmus.“ Dieser „wird nicht länger als reine Selbstliebe verstanden, die den Anderen nicht braucht, sondern im Gegenteil als eine Beziehung zum eigenen Selbst, die unbewusst überhaupt erst im Spiegel [in der Liebe; Anmerk. d. Verf.] des Anderen entsteht.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwart des Selfies und verortet die aktuelle Debatte zwischen kulturkritischen Vorwürfen des Narzissmus und optimistischeren Ansätzen der Identitätsforschung.

1.1 Vorgehen und Fragestellung: Das Kapitel definiert das Ziel, mittels der Theorie Donald W. Winnicotts eine psychologisch fundierte, wertschätzende Perspektive auf das Selfie als Medium der Identitätsarbeit einzunehmen.

2 Das Phänomen Selfie: Hier wird das Selfie als technisch vereinfachtes, weit verbreitetes digitales Selbstporträt beschrieben, das den Wandel des Selbstausdrucks im Web 2.0 widerspiegelt.

3 Identität im Spiegel – Subjektwerdung und zeitgenössische Selbstvergewisserung: Dieses Kapitel verknüpft die kindliche Spiegelphase mit der modernen digitalen Praxis und postuliert das Selfie als Instrument zur lebenslangen Selbstvergewisserung.

3.1 Die intersubjektive „narzisstische“ Suche nach dem Selbst – Zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Sozialisation und Individuation: Es wird dargelegt, dass Narzissmus nicht als isolierte Selbstliebe, sondern als intersubjektiver Prozess der Resonanzsuche in der Umwelt verstanden werden muss.

4 Zwischen Innen und Außen - Der Übergangsraum zwischen subjektivem Erleben und objektiv Wahrnehmbaren – ein intermediärer Bereich der Illusion: Winnicotts Konzept des „potentiellen Raums“ dient dazu, das Selfie als intermediären Ort zu erklären, an dem innere Wünsche und äußere Realität kreativ verschmelzen.

5 Kreativität – der ursprünglich in uns allen wohnende Dichter der inneren und äußeren Welt: Das Kapitel führt den Begriff der Kreativität als gesundes Zeichen des Menschseins ein, welches eine flexible Haltung gegenüber der Welt ermöglicht.

5.1 Das Übergangsobjekt – der erste „not-me Besitz“ gibt der Illusion Gestalt: Hier wird das Übergangsobjekt als erste kindliche Brücke zur Außenwelt vorgestellt, die als Vorläufer für spätere symbolische Tätigkeiten wie das Selfie dient.

5.2 Spielen unter „magischer Kontrolle“ - kreative Kommunikationsprozesse zur Selbstfindung: Das Spielen wird als universelle Grundform menschlichen Handelns definiert, innerhalb derer sich das Selfie als moderne spielerische Ausdrucksform manifestiert.

5.3 „Kulturelles Erleben“ - Schöpferische Selbst- und Welterfahrung im intermediären Bereich zwischen privat und öffentlich: Dieses Kapitel zeigt, wie individuelles, kreatives Spiel den Übergang zu kultureller Erfahrung ebnet und somit einen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann.

6 Reflexion: Das kulturelle Phänomen Selfie im Kontext der Digitalisierung – Chancen und Risiken: Das Fazit fasst zusammen, dass das Selfie nicht als pathologisches Symptom, sondern als Antwort auf die Anforderungen der digitalen Moderne begriffen werden sollte, die sowohl Kompetenzentwicklung als auch bewussten Umgang erfordert.

Schlüsselwörter

Selfie, Identitätsarbeit, Intersubjektivität, Kreativität, Übergangsphänomene, Donald W. Winnicott, Narzissmus, Digitalisierung, Medialisierung, Selbstinszenierung, Spiel, intermediärer Raum, Kultur, Subjektwerdung, Resonanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Selfies aus einer medienpädagogischen und psychoanalytischen Perspektive, um zu verstehen, welche psychologische Bedeutung es für die Identitätsarbeit in der modernen digitalen Gesellschaft hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die Rolle der Intersubjektivität, das Konzept der Kreativität nach Donald W. Winnicott, die Funktion von Übergangsphänomenen in der digitalen Welt und die kritische Auseinandersetzung mit dem Narzissmus-Diskurs.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, eine optimistischere und theoretisch fundierte Einschätzung des Selfies zu entwickeln, die über die häufige Verurteilung als Ausdruck bloßer Selbstverliebtheit hinausgeht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, insbesondere der Anwendung psychoanalytischer Grundlagentheorien (Winnicott, Altmeyer) auf aktuelle mediale Alltagspraxen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Brücke zwischen frühkindlicher Entwicklung und digitaler Selbstpraxis, definiert den „intermediären Raum“ des Selfies und reflektiert die Rolle von Spiel, Kreativität und Kultur bei der Selbstwerdung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben „Selfie“ vor allem „Identitätsarbeit“, „Intersubjektivität“, „Kreativität“ sowie Winnicotts „Übergangsphänomene“.

Wie bewertet die Autorin die oft genannten Risiken des Selfies?

Die Autorin erkennt Risiken wie Datenschutz oder Selbstobjektivierung an, betont jedoch, dass diese als moderne Herausforderungen zu verstehen sind, denen durch Kompetenzentwicklung und kreative Bewältigung begegnet werden sollte, statt das Phänomen grundsätzlich abzulehnen.

Inwiefern unterscheidet sich diese Sichtweise vom klassischen Narzissmus-Vorwurf?

Während der klassische Vorwurf das Selfie als isolierte Selbstliebe deutet, argumentiert die Arbeit basierend auf der „intersubjektiven Wende“, dass das Selfie ein zutiefst soziales Bedürfnis nach Resonanz, Bestätigung und Verbindung zur Außenwelt ausdrückt.

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Details

Title
Vom Selfie. Kreativität im (Spiel- und) Erfahrungsraum der neuen Medien und Reifungsprozesse im Bereich der Übergangsphänomene
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
1,0
Author
Ulrike Eiben (Author)
Publication Year
2018
Pages
36
Catalog Number
V1152999
ISBN (eBook)
9783346545398
ISBN (Book)
9783346545404
Language
German
Tags
Selfie Kreativität Neue Medien Reifung Narzissmus Spiegelung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrike Eiben (Author), 2018, Vom Selfie. Kreativität im (Spiel- und) Erfahrungsraum der neuen Medien und Reifungsprozesse im Bereich der Übergangsphänomene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152999
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