In dieser Arbeit wird darauf eingegangen, wie Suizid im Jugendalter zustande kommt, ein kurzer Umriss der Schulsozialarbeit geliefert sowie die Krisenintervention erläutert. Abschließend soll die Frage beantwortet werden, welche Rolle die Schulsozialarbeit in der Krisenintervention mit suizidalen Jugendlichen spielt. Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es und wo ist die Grenze der Schulsozialarbeit erreicht?
Etwa alle 17 Stunden nimmt sich ein*e Jugendliche*r in Deutschland das Leben. Allein im Jahr 2018 waren das 517 junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Damit steht der Suizid an zweiter Stelle, wenn man die Todesursachen von Jugendlichen vergleicht. Aber Suizidalität muss nicht immer tödlich enden, denn 14,4 % der 14 bis 15-jährigen Schüler*innen in Deutschland hatten schon einmal Suizidgedanken. Diese Zahlen zeigen, wie groß das Ausmaß dieser Problematik ist.
Mit der Veränderung der jugendlichen Lebenswelten steht die Schulsozialarbeit vor neuen Herausforderungen und gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Als zentraler Lebensort von Kindern und Jugendlichen steht die Schule – und damit auch die Schulsozialarbeit – in der Pflicht, Krisen und Gefährdungen, beispielsweise durch Suizidalität, wahrzunehmen und bei Bedarf zu intervenieren. Doch wie geht Schulsozialarbeit mit dem Thema Suizid um?
Helfen kann hierbei das Konzept der Krisenintervention, welches bereits jahrzehntelang im Einsatz ist – auch in der Schulsozialarbeit. Sie liefert Strukturen und Handlungsprinzipien, um konstruktiv Krisen zu lösen. Auch im Umgang mit suizidalem Verhalten gibt es praktische Konzepte und Handlungsanweisungen.
Aber in welcher Position steht die Schulsozialarbeit in der Krisenintervention mit suizidalen Schüler*innen? Wieviel Verantwortung kann und muss die Schulsozialarbeit hier tragen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Suizid im Jugendalter
2.1. Definitionen
2.2. Ursachen
3. Schulsozialarbeit
3.1. Grundlagen
3.2. Aufgaben
3.3. Methoden
3.4. Rechtsgrundlage
4. Krisenintervention
4.1. Grundlagen
4.2. Ziele und Prinzipien
4.3. Phasen der Krisenintervention
4.4. Krisenintervention bei Suizidalität
5. Suizid und Schulsozialarbeit
5.1. Krisenintervention in der Schulsozialarbeit
5.2. Handlungsmöglichkeiten
5.3. Grenzen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Schulsozialarbeit bei der Krisenintervention im Kontext suizidaler Schülerinnen und Schüler, mit dem Ziel, sowohl Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen als auch die Grenzen dieser professionellen Unterstützung im schulischen Alltag zu definieren.
- Grundlagen und Ursachen von Suizidalität im Jugendalter
- Aufgaben, Methoden und rechtliche Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit
- Theoretische Fundierung und Phasen der Krisenintervention
- Spezifische Anforderungen bei Kriseninterventionen mit suizidalen Jugendlichen
- Die Abgrenzung der Schulsozialarbeit von therapeutischen Aufgaben
Auszug aus dem Buch
4.4 Krisenintervention und Suizidalität
Geschieht Krisenintervention im Kontext von Suizidalität, gibt es einige Dinge, auf die geachtet werden sollte. Bei Suizidalität sollte zwischen Krisenmanagement und Therapie unterschieden werden. Ersteres dient der kurzfristigen Reduktion der Belastung, welche meist nur einige Stunden andauert (vgl. Wempe 2019: 149 f.).
Wichtig ist es, Empathie zu zeigen sowie die Netzwerkaktivierung. Hier werden die sozialen Ressourcen aktiviert und Bezugspersonen in die Intervention miteingebunden. Des Weiteren ist es von Nöten, den*die Jugendliche zu entlasten. Ein weiterer wichtiger Punkt, ist das Aufbauen einer Beziehung. Dies wirkt antisuizidal, da es sozialer Isolation entgegenwirkt (vgl. Kunz et al. 2009: 43 f.). Einige Gefahren im Umgang mit suizidalen Personen sind beispielsweise eine vorschnelle Tröstung, Ratschläge und Belehrungen, Herunterspielen des Problems oder Beurteilen und Kommentieren (vgl. Sonneck et al. 2012: 187).
In der Intervention sollte die Suizidalität als Notsignal akzeptiert werden, anschließend soll die Bedeutung dieses Signals verstanden werden. Die gescheiterten Bewältigungsversuche der Krise werden gemeinsam bearbeitet. Eine tragfähige Beziehung wird aufgebaut, außerdem werden die wichtigsten Beziehungen wiederhergestellt. Es erfolgt eine gemeinsame Entwicklung alternativer Problemlösungen, auch für künftige Krisen. Letztlich werden Kontaktangebote vermittelt, um Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern (vgl. Sonneck et al. 2012: 188 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problematik der Suizidalität im Jugendalter dar und fragt nach der Rolle und Verantwortung der Schulsozialarbeit in Krisensituationen.
2. Suizid im Jugendalter: Hier werden zentrale Definitionen zum Thema Suizidalität sowie psychosoziale und genetische Ursachen für Suizidversuche bei Jugendlichen erläutert.
3. Schulsozialarbeit: Dieses Kapitel definiert Schulsozialarbeit, beschreibt deren Aufgaben und Methoden sowie die rechtlichen Grundlagen im SGB VIII.
4. Krisenintervention: Hier werden die theoretischen Grundlagen, Phasen und Prinzipien der Krisenintervention sowie deren spezifische Anwendung bei Suizidalität dargelegt.
5. Suizid und Schulsozialarbeit: Dieser Abschnitt verknüpft die Krisenintervention direkt mit dem schulischen Umfeld und diskutiert konkrete Handlungsoptionen sowie die professionellen Grenzen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Komplexität des Themas zusammen und betont die Notwendigkeit von Prävention und interprofessioneller Kooperation.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Krisenintervention, Suizidalität, Jugendalter, Prävention, Hilfe zur Selbsthilfe, psychische Gesundheit, Jugendhilfe, Netzwerkaktivierung, Handlungsprinzipien, Schulalltag, psychosoziale Belastung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem komplexen Spannungsfeld zwischen Suizidalität im Jugendalter und den Möglichkeiten sowie Grenzen, die sich für die Schulsozialarbeit bei der Bewältigung solcher Krisen ergeben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Ursachen von Suizidalität, die Konzepte der Krisenintervention, die Aufgaben und Rechtsgrundlagen der Schulsozialarbeit sowie die spezifische Schnittstelle, an der diese Disziplinen in der Schule aufeinandertreffen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Rolle der Schulsozialarbeit bei suizidalen Krisen zu klären, konkrete Handlungswege aufzuzeigen und zu definieren, wo die fachliche Verantwortung der Sozialarbeiter endet und eine externe professionelle Hilfe zwingend erforderlich wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert, um aktuelle Konzepte der Krisenintervention mit dem Berufsalltag der Schulsozialarbeit abzugleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert erläutert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in Suizidalität und Krisenintervention, die rechtliche und methodische Verortung der Schulsozialarbeit und die praktische Anwendung in Krisensituationen an Schulen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die wichtigsten Begriffe sind Schulsozialarbeit, Krisenintervention, Suizidalität, Prävention, Handlungskompetenz und Abgrenzung von Therapie.
Warum ist eine Unterscheidung zwischen Krisenmanagement und Therapie so wichtig?
Die Arbeit betont, dass Schulsozialarbeit primär auf kurzfristige Entlastung (Krisenmanagement) ausgerichtet ist, während die therapeutische Langzeitbegleitung die fachlichen Grenzen der Schulsozialarbeit überschreitet.
Warum wird im Dokument die Bedeutung von Prävention betont?
Prävention ist essentiell, da sie hilft, Krisen bereits im Vorfeld zu verhindern oder abzumildern, wodurch der immense Aufwand einer akuten Krisenintervention reduziert werden kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Suizid im Jugendalter. Möglichkeiten und Grenzen der Schulsozialarbeit im Bezug auf Krisenintervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153508