Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit. Chance oder Risiko?


Hausarbeit, 2021

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Sprachentwicklung und Nachteile

4. Vorteile

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserer globalisierten Gesellschaft gewinnt die Mehrsprachigkeit immer mehr an Bedeutung und aufgrund dieser Tatsache spielt sie mittlerweile in unserem Alltag auch eine entscheidende Rolle.

Die Medien machten lange den Eindruck als stelle die Mehrsprachigkeit ein großes Problem dar. Aus zwei Artikeln der Rhein-Neckar-Zeitung vom 16.03.2012 gehen hervor, dass „Zweite Sprache kein Kinderspiel“ ist und Mehrsprachigkeit kein Manko sein müsse. Aber nicht nur in den Medien, sondern auch in Schulen und vor allem in der Gesellschaft wird es immer noch als ein großes Problem wahrgenommen. Auch wenn die Medien mittlerweile die Mehrsprachigkeit teilweise als eine große Chance ansehen, scheint es dennoch nicht überall angekommen zu sein. Auffallend ist vor allem, dass die Mehrsprachigkeit nur dann als ein Vorteil angesehen wird, wenn sie mit prestigeträchtigen Sprachen wie beispielsweise Englisch oder Französisch in Verbindung gebracht wird. Sofern eine Sprache in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert genießt, können mehrsprachige Kinder dazu neigen, die Sprache mit einem geringerem Prestige abzulehnen, um von ihrem Umfeld nicht ausgegrenzt oder sogar diskriminiert zu werden. Somit können emotionale Gründe einen bedeutenden Einfluss auf die Sprachentwicklung der Kinder haben.

Die Europäische Union drückt sich mit dem Motto „In Vielfalt geeint“ deutlich für eine Sprachenvielfalt und dessen Wichtigkeit aus. Sprachen fördern die zwischenmenschlichen Beziehungen, verschaffen Zugang zu anderen Kulturen und sorgen somit für eine interkulturelle Kompetenz. Diese Annahme verdeutlicht die zentrale Bedeutung von Mehrsprachigkeit und dessen Beitrag zur Erhaltung und Weiterentwicklung der europäischen Sprachen (vgl. Gombos, 2018). Die Mehrsprachigkeit fördert die Wettbewerbsfähigkeit Europas, weshalb die Europäische Union der Auffassung ist, dass EU-Bürger*innen neben ihrer Muttersprache noch zwei weitere Sprachen beherrschen können sollten. (vgl. Hériard, 2020).

Die Mehrsprachigkeit wird zudem in der Arbeitswelt als eine wichtige Ressource anerkannt und gewinnt somit auch in der Wirtschaft immer mehr an Bedeutung. Das Ziel meiner Arbeit ist es, die Vor- und Nachteile von Mehrsprachigkeit aufzudecken, um zu einem Entschluss zu kommen ob die Mehrsprachigkeit eine Chance oder ein Risiko darstellt. Die vorliegende Hausarbeit gibt einen genaueren Einblick in aktuelle Erkenntnisse der Mehrsprachigkeitsforschung und beabsichtigt sowohl eine neue Sichtweise zu entwicklen als auch sich endgültig von alten Mythen zu verabschieden.

Zunächst wird der Begriff Mehrsprachigkeit definiert, um herauszufinden was eigentlich unter Mehrsprachigkeit zu verstehen ist und wer überhaupt als mehrsprachig gelten „darf“. Anschließend wird auf die Sprachentwicklung eingegangen, die bei geringer Unterstützung einen negativen Einfluss auf den Spracherwerb haben kann. In diesem Zusammenhang werden die Nachteile von Mehrsprachigkeit dargestellt. Danach werden anhand von wissenschaftlichen Studien die Vorteile von Mehrsprachigkeit dargestellt und abschließend folgt das Fazit.

2. Definition

Für die Frage was unter Mehrsprachigkeit überhaupt zu verstehen ist, gibt es in der angewandten Sprachwissenschaft keine eindeutige Definition.

Nach Francois Grosjean sei jemand, der täglich mehr als eine Sprache verwendet, zwei- oder mehrsprachig (De Bot & Roche 2018, S.18). In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass es bezüglich der Sprachverarbeitung zwischen Zwei- und Mehrsprachigen keine erheblichen Unterschiede festzustellen sind (De Bot & Roche 2018, S.19 zitiert nach De Bot und Jaensch 2015). Außerdem wird die Auffassung vertreten, dass die Mehrsprachigkeit eine strenge Trennung von Sprachen voraussetzt (vgl. Busch 2017, S.8). Diese Auffassung habe Auswirkungen auf damit verbundene soziale Zuschreibungen und Abgrenzungen (Busch 2017, S. 8 zitiert nach Makoni und Pennycook 2007). Darüber hinaus sei es nach Jacques Derrida unmöglich Sprachen abzuzählen. In einem Zitat von ihm heißt es:

„Es gibt keine Abzählbarkeit der Sprachen, weil die Einheit der Sprache, die sich aller arithmetischen Abzählbarkeit entzieht, niemals bestimmt ist.“ (Busch 2017, S. 8 zitiert nach Jacques Derrida 1997)

Durchaus komme man, wenn man sich mit konkreten sprachlichen Praktiken, mit Sprache in der Interaktion auseinandersetze, nicht umhin, sprachliche Differenz und Differenzierung als Ausgangspunkt anzunehmen. (Busch 2017, S. 8). Es ist also anzunehmen, dass eine Sprachenvielfalt vorhanden ist und diese aus vielen unterschiedlichen sprachlichen und kommunikativen Ressourcen besteht (vgl. Busch 2017, S. 9). Diese Ressourcen beinhalten „verschiedene Varietäten, Register, Jargons, Genres, Akzente, Stile, mündlich wie schriftlich“ (Busch 2017, S.9).

Wissenschaftler bestätigen, dass Mehrsprachigkeit nicht notwendigerweise das Sprechen mehrerer Sprachen auf demselben Niveau beinhalte, und dass eine muttersprachähnliche Kompetenz in mehr als einer Sprache schwer zu erreichen sei; aber sie gehen auch davon aus, dass muttersprachähnliche Kompetenz in mindestens zwei Sprachen zwar selten, jedoch nicht unmöglich sei. (Garibova 2018, S. 33 zitiert nach Cook & Singleton 2014:3).

Mehrsprachigkeit wird auch oft in Zusammenhang mit der Sprachkompetenz definiert, jedoch haben Forscher*innen diesbezüglich unterschiedliche Auffassungen. Diese erschrecken sich von Beherrschen der Sprachen in Alltagssituationen, wie zum Beispiel Unterhaltungen mit Touristen, bis hin zur erstsprachähnlichen Kompetenz in der Zweitsprache. (vgl. Garibova 2018, S. 33) Bloomfield definiert Mehrsprachigkeit als die „muttersprachähnliche Beherrschung von zwei oder mehreren Sprachen“ und nach de Bot und Sinfree lautet es: „bis zu einem gewissen Grad in mehr als einer Sprache bewandert zu sein" (garibova 2018, S. 33f. zitiert nach Beardsmore 1986:1 und de Bot und Sinfree 2005:3).

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit. Chance oder Risiko?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1153609
ISBN (eBook)
9783346551801
ISBN (Buch)
9783346551818
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrsprachigkeit, Bildung, Kindheit, Pädagogik, Sprachen, Erziehung, Kindergarten
Arbeit zitieren
Irem Adigüzel (Autor:in), 2021, Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit. Chance oder Risiko?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153609

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