Im Rahmen der Arbeiten wurden Quellen und ausgewählte geschichtswissenschaftliche Sekundärliteratur
ausgewertet und einer hermeneutischen Analyse unterzogen.
Nach der Umschreibung des historischen und gesellschaftlichen Kontextes, der im Zusammenhang
stehenden Mythen sowie verschiedener Vorgängerveranstaltungen, wird auf den
politischen Entscheidungsprozess, der schliesslich zur Durchführung führte, sowie auf die
eigentliche Bundesfeier selber eingegangen. Anhand einer Analyse ausgewählter Tageszeitungen
wird untersucht, wie über die Feier berichtet wurde und ob es unterschiedliche Wahrnehmungen
in sprachlichen und/oder konfessionellen Gebieten gab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Methodik und Aufbau der Arbeit
1.3. Abgrenzung des Themas
1.4. Stand der Forschung und Quellenlage
1.5. Definitionen
1.5.1. Nationalismus, Nation
1.5.2. Tradition
1.5.3. Kollektives Gedächtnis
1.5.4. Nationalfeiertag
1.5.5. Bundesfeier
2. Der Kontext
2.1. Die Einordnung
2.2. Das "richtige" Datum: 1291,1307, 1308 oder gar 1315?
2.3. Das Rütli: Mythos, Wallfahrtsort und lieu de mémoire
2.4. Das Umfeld: Nachwirkungen des Sonderbundskrieges und des Kulturkampfes
2.5. Die Vorgängerveranstaltungen: Sennen, Schützen, Turner, Schwinger
3. Die Bundesfeier von 1891
3.1. Der politische Entscheidungsprozess: Bern oder Urschweiz, zentral oder dezentral
3.2. Die Durchführung: Zentral, dezentral, sogar international
4. Die Berichterstattung in den Medien
5. Das Fazit
5.1. Die Auswirkungen der Bundesfeier von 1891
5.2. Die Bundesfeiern von 1941 und 1991
5.3. Die Zusammenfassung der Erkenntnisse
5.4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die erste nationale Bundesfeier von 1891 in der Schweiz, analysiert deren politische Beweggründe sowie die mediale Resonanz und beleuchtet die Rolle des Festes als Mittel zur nationalen Versöhnung und Identitätsstiftung nach den Konflikten des 19. Jahrhunderts.
- Analyse der politischen Entscheidungsprozesse und der Standortfrage (Bern vs. Urschweiz).
- Untersuchung der Rolle von Mythen (Rütli) und "invented traditions" für die nationale Identität.
- Erforschung der medialen Wahrnehmung und der ideologischen Kontraste in der Presse.
- Betrachtung der Auswirkungen der Bundesfeier auf die nationale Aussöhnung und nachfolgende Jubiläumsfeiern.
Auszug aus dem Buch
2.4. Das Umfeld: Nachwirkungen des Sonderbundskrieges und des Kulturkampfes
Das 19. Jahrhundert war eine Zeit grosser Spannungen in der Schweiz, welche den Zusammenhalt des Landes bedrohten. Viele Innerschweizer fühlten sich in erster Linie und viel mehr als Luzerner, Zuger, Urner, denn als Schweizer. Man fühlte sich aber auch als "wir Freisinnige", "wir katholisch Konservative", oder "wir Sozialdemokraten". Besonders die zweite Hälfte des Jahrhunderts war geprägt durch die Nachwirkungen des Sonderbundskrieges von 1847 und die Konfrontation zwischen Liberalismus und Konservatismus. Die Spannungen bestanden nicht zuletzt auch wegen der freisinnigen Forderung nach konfessionell neutralen Schulen. 1848 entstand die erste Eidgenössische Verfassung, welche sich das Volk selbst gab und welche die von Napoleon Bonaparte aufgezwungene Mediationsverfassung und den Bundesvertrag von 1815 ablöste. Das im Sonderbundskrieg unterlegene katholisch-konservative Lager stand ihr allerdings sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellungen zur Bundesfeier 1891 ein, erläutert die hermeneutische Methodik sowie die Abgrenzung des Themas und definiert zentrale Begriffe wie Nationalismus und Tradition.
2. Der Kontext: Dieses Kapitel verortet das Ereignis historisch, beleuchtet die Debatte um das Gründungsdatum und diskutiert die Bedeutung des Rütli als Erinnerungsort im Kontext der gesellschaftlichen Spannungen des 19. Jahrhunderts.
3. Die Bundesfeier von 1891: Die Ausführungen dokumentieren den politischen Entscheidungsprozess, die Konflikte zwischen den Akteuren und beschreiben detailliert die Durchführung der zentralen Feierlichkeiten in Schwyz sowie der kantonalen Anlässe.
4. Die Berichterstattung in den Medien: Dieses Kapitel analysiert die unterschiedliche Rezeption der Feier in der bürgerlichen und der sozialistischen Presse und zeigt auf, wie diese die nationale Ideologie widerspiegelten.
5. Das Fazit: Die Arbeit resümiert die Auswirkungen der Feier auf den nationalen Zusammenhalt, die politische Integration des katholisch-konservativen Lagers und reflektiert die Effizienz der damaligen Organisation im Vergleich zu modernen Großvorhaben.
Schlüsselwörter
Bundesfeier 1891, Schweizerische Eidgenossenschaft, Nationalfeiertag, Versöhnungspolitik, Sonderbundskrieg, Rütli, Invented Traditions, Nationalismus, Schwyz, Bern, Mediationsverfassung, Kulturkampf, Eidgenössische Verfassung, Identitätsstiftung, Kollektives Gedächtnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die erste nationale Bundesfeier der Schweiz, die im Jahr 1891 anlässlich des 600-jährigen Bestehens der Eidgenossenschaft stattfand.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind nationale Identitätsbildung, die politische Versöhnung nach internen Konflikten wie dem Sonderbundskrieg sowie die Inszenierung nationaler Mythen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für die Durchführung der Feier im Jahr 1891 zu klären und zu untersuchen, wie diese zur Einigung der unterschiedlichen gesellschaftlichen und konfessionellen Gruppen beigetragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Analyse von Quellen, darunter Archivmaterial, offizielle Regierungsbotschaften, Ratsprotokolle und zeitgenössische Presseberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext, die politischen Entscheidungsprozesse, die genaue Durchführung der Feierlichkeiten und die mediale Berichterstattung detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Bundesfeier 1891, Nationale Identität, Versöhnung, Sonderbundskrieg, Rütli und Invented Traditions.
Warum war das Datum "1291" für die Organisatoren besonders wichtig?
Die Wahl von 1291 entsprach dem bürgerlichen Zeitgeist, der die Schweizer Staatsgründung eher als geordneten Akt der Freiheitssicherung interpretierte statt als revolutionäre Verschwörung, wie es bei anderen Daten wie 1307 assoziiert wurde.
Wie reagierte die sozialistische Presse auf das Fest?
Die sozialistische Presse lehnte die Feier zunächst als bourgeoises "Fest der anderen" ab und propagierte stattdessen 1. Mai-Feiern, änderte ihre Haltung jedoch kurzfristig, um das Ereignis für eigene politische Anliegen zu nutzen.
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- Bruno Wägli (Author), 2007, Schweizerische Bundesfeier 1891, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115360