Gesundheitliche Ungleichheit im höheren Lebensalter. Eine Überprüfung der Kumulationsthese


Projektarbeit, 2021

22 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theorie und Forschungsstand
2.1 Einfluss der Bildung auf die Gesundheit
2.2 Bildung und Gesundheit im Lebensverlauf

3 Empirisches Vorgehen
3.1 Daten und Samplezuschnitt
3.2 Operationalisierung
3.3 Methoden

4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Analyse
4.2 Multivariate Analyse

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

1 Einleitung

Sozialwissenschaftliche Studien haben wiederholt gezeigt, dass zwischen der sozialen und der gesund­heitlichen Lage ein enger Zusammenhang besteht. Zur Beschreibung dieses Zusammenhangs werden sowohl die vertikalen sozialen Determinanten wie Berufsstellung, Einkommenshöhe oder Bildungsgrad als auch die horizontalen sozialen Determinanten wie Geschlecht, Alter, ethnische Zugehörigkeit oder Wohnort herangezogen (Hradil 2009).

In den letzten Jahren lässt sich ein wachsendes Interesse an der Forschung zur gesundheitlichen Un­gleichheit im höheren Lebensalter beobachten. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass der An­teil der älteren Menschen in der Bevölkerung zunimmt und als Folge dessen das höhere Alter zunehmend als eine Lebensphase anerkannt wird, die durch deutliche interindividuelle und soziale Unterschiede ge­kennzeichnet ist (Knesebeck/Schäfer 2009: 253f.).

Der Forschungsstand zur Entwicklung der gesundheitlichen Ungleichheit im Lebensverlauf stellt sich recht uneinheitlich dar. Einige Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede in der gesundheitli­chen Ungleichheit im höheren Alter zunehmen (Lynch 2003; Dupre 2007; Willson et al. 2007; Mirowsky/Ross 2008; Knesebeck/Vonneilich 2009; Leopold 2016; Lampert/Hoebel 2019). Andere Auto­ren konstatieren hingegen, dass die Gesundheitsunterschiede zwischen den niedrigen und hohen Sta­tusgruppen mit den Jahren abnehmen (House et al. 2005; Herd 2006). Wieder andere Autoren stellen einen kontinuierlichen Einfluss der sozialen Lage auf die Gesundheit bis in das hohe Alter fest (Alley et al. 2007; Schöllgen et al. 2010).

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine konzeptuelle Replikation der Studie „Health Measu­rement and Health Inequality Over the Life Course: A Comparison of Self-rated Health, SF-12, and Grip Strength“ von Liliya Leopold aus dem Jahr 2019. Im Mittelpunkt von konzeptuellen Replikationen steht die Überprüfung der Wiederholbarkeit der berichteten Forschungsergebnisse (Freese/Peterson 2017: 152). Dazu werden die neuen Daten anhand von ursprünglichen Verfahren analysiert (ebd.). Am Rande sei erwähnt, dass Replikationsstudien in der empirischen Sozialforschung eher selten durchgeführt wer­den. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie oft als unoriginell gelten und somit nur schwer zu veröffentli­chen sind (Janz 2016: 392). Um die Akzeptanz der Replikationen in den Sozialwissenschaften zu erhö­hen, ist ein Umdenken notwendig. Gute Replikationsarbeiten sorgen dafür, i) die Prüfbarkeit und die Ro­bustheit der veröffentlichten Studien abzusichern und ii) ihre Wiederholbarkeit und Generalisierbarkeit zu prüfen (Freese/Peterson 2017: 152ff.). Sie haben somit eine besondere Relevanz für den wissenschaftli­chen Erkenntnisfortschritt.

Im Mittelpunkt der Untersuchung von Leopold (2019) stand die Überprüfung der Kumulationsthese, die einen Prozess der Anhäufung von sozioökonomischen Benachteiligungen und Belastungen in den unte­ren sozialen Gruppen beschreibt, die zur Vergrößerung der Unterschiede zwischen den niedrigen und hohen Statusgruppen im Lebenslauf führen (Knesebeck/Schäfer 2009: 255). Insgesamt stellte die Autorin fest, dass die Kumulationsthese sensibel gegenüber der Wahl des Gesundheitsindikators ist. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Wiederholbarkeit dieses Schlüsselergebnisses zu überprüfen. Die Arbeit gliedert sich wie folgt: Kapitel 2 gibt Auskunft über die theoretischen Ansätze und den Forschungsstand zum Einfluss der Bildung auf die Gesundheit und zur Entwicklung bildungsspezifischer Gesundheitsun­terschiede im Alter. Kapitel 3 beschreibt die Datengrundlage der vorliegenden Untersuchung, die Stich­probeneingrenzung, die Operationalisierung der abhängigen und der unabhängigen Variablen sowie die Analysemethoden. Kapitel 4 informiert über die Ergebnisse der deskriptiven und der multivariaten Ana­lyse. Das letzte Kapitel zieht ein kurzes Gesamtfazit und skizziert den aus den Ergebnissen der vorlie­genden Arbeit hervorgehenden Handlungsbedarf.

2 Theorie und Forschungsstand

Im ersten Teil dieses Kapitels wird der Frage nachgegangen, wie Bildung die Gesundheitschancen und die Erkrankungswahrscheinlichkeiten beeinflussen kann. Im zweiten Teil werden die unterschiedlichen Verlaufsmuster des bildungsbedingten gesundheitlichen Abbaus im höheren Lebensalter aufgezeigt.

2.1 Einfluss der Bildung auf die Gesundheit

Schul- und Hochschulabschlüsse sind in der modernen Gesellschaft eine zentrale Ressource für die in­dividuellen Lebenschancen (Geißler/Weber-Menges 2010: 155). Durch eine Vielzahl von Studien konnte gezeigt werden, dass die Chancen auf beruflichen Erfolg, Lebensstandard, soziale Sicherheit, gesell­schaftliches Ansehen und Gesundheit, politische, gesellschaftliche und kulturelle Teilnahme sowie auf Selbstbestimmung und Freiheit eng mit dem Bildungsniveau zusammenhängen (ebd.). Die bisher vorlie­genden Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Gesundheit weisen darauf hin, dass Bildung sowohl direkte als auch indirekte Einflüsse auf die Gesundheit haben kann (vgl. zusammen­fassend Brähler et al. 2012). Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über die empirischen Ergebnisse zu diesen Einflussfaktoren gegeben.

Direkte Bildungseffekte lassen sich vor allem in den Wissensbeständen über Krankheiten und ihre Quel­len, einem daher besseren Gesundheitsverhalten im Hinblick auf Ernährung, Rauchen, Sport und dem Erwerb positiver Fähigkeiten beim Umgehen mit Gesundheitsrisiken abbilden (Hradil 2009: 42). Eine wichtige Rolle spielen dabei Einstellungen, Überzeugungen und Werthaltungen, die sich bereits im Sozi­alisationsprozess unter dem Einfluss der elterlichen Erziehung und der Bildungsinstitutionen herauskris­tallisieren (Lampert et al. 2005: 37).

Studien, die den Zusammenhang zwischen Bildung und Ernährungsverhalten untersucht haben, sind zu dem übereinstimmenden Ergebnis gekommen, dass hochgebildete Personen eher auf eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung achten als niedriggebildete Personen (Elmadfa 2009; Mensink et al. 2017a; Mensink et al. 2017b). Erwähnt sei außerdem, dass erwerbstätige Männer und Frauen der hohen Bil­dungsgruppe signifikant häufiger Kantinen mit gesunden Ernährungsangeboten nutzen als Männer und Frauen der niedrigen Bildungsgruppe (Jordan et al. 2020).

Auch hinsichtlich des Rauchverhaltens lassen sich große Bildungsdisparitäten erkennen. Mehrere Stu­dien haben gezeigt, dass in der niedrigen Bildungsgruppe deutlich häufiger geraucht wird als in der hohen Bildungsgruppe (Huisman et al. 2005; RKI 2014; Zeiher et al. 2017). In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Rauchen ein bedeutendes Gesundheitsrisiko und die führende Ursache vorzeitiger Sterb­lichkeit ist (Zeiher et al. 2017: 59).

Außerdem sind Sport und körperliche Aktivität zu nennen, die für körperliche wie mentale Vitalität sorgen und dabei helfen, das Risiko für zahlreiche Erkrankungen zu reduzieren (Lampert et al. 2012). Empirische Befunde zum Zusammenhang zwischen Bildung und körperlich-sportlichem Aktivitätsverhalten legen nahe, dass hochgebildete Personen wesentlich häufiger körperlich und sportlich aktiv sind als niedrigge­bildete Personen (Van Tuyckom/Scheerder 2010; Marques et al. 2016; Finger et al. 2017).

Auch in Bezug auf die Inanspruchnahme von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen treten Bil­dungsunterschiede auf. Wie empirische Befunde zeigen, nehmen Personen mit einem hohen Bildungs­niveau signifikant häufiger Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, Zahnvorsorgeuntersuchungen und Grippeschutzimpfungen wahr als Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau (RKI 2014; Poethko-Mül- ler/Bödeker 2017; Starker et al. 2017).

Zu erwähnen ist ferner, dass auch soziale Unterstützung die Gesundheit beeinflussen kann. Diese psy­chosoziale Ressource resultiert aus sozialen Bindungen und Netzwerken und kann das psychische Wohl­befinden verbessern, Stress reduzieren und die Auswirkungen ungünstiger Lebensbedingungen verrin­gern (Borgmann et al. 2017: 118). Studien zum Zusammenhang zwischen Bildung und sozialer Unter­stützung zeigen, dass hochgebildete Personen signifikant häufiger von starker sozialer Unterstützung berichten als niedriggebildete Personen (Borgmann et al. 2017; vgl. Klärner et al. 2020).

Indirekte Bildungseffekte können aus den Arbeits- und Wohnbedingungen resultieren (Hradil 2009: 42). In den Sozialwissenschaften gibt es einen breiten Konsens darüber, dass das Bildungsniveau und die Chancen auf beruflichen Erfolg eng miteinander zusammenhängen. Auf die Gesundheit bezogen bedeu­tet eine günstige berufliche Position ein kleineres Belastungsspektrum und als Folge geringere Erkran­kungswahrscheinlichkeiten. Bisherige Arbeiten haben gezeigt, dass die Prävalenz für ergonomische und psychosoziale Belastungen sowie für Arbeitsunfälle bei Angehörigen hoch qualifizierter Berufsgruppen deutlich niedriger ist als bei Beschäftigten in unteren beruflichen Positionen (Lahelma et al. 2009; Lands­bergis 2010; Hämmig/Bauer 2013; Dragano et al. 2016).

Erwähnt sei außerdem, dass Personen in höheren beruflichen Positionen in der Regel über ein höheres Einkommen verfügen, das den Zugang zu besseren Wohnbedingungen vermittelt. Empirische Studien zum Zusammenhang zwischen Wohnsituation und Gesundheit zeigen, dass Personen mit hohem sozio­ökonomischen Status deutlich seltener von krankmachenden Wohnbedingungen wie beispielsweise Lärmexposition, schlechter Luftqualität, Feuchtigkeit oder fehlendem Zugang zu Grün- und Freiflächen betroffen sind als Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status (vgl. zusammenfassend Bolte et al. 2012; WHO 2019).

2.2 Bildung und Gesundheit im Lebensverlauf

Zeitliche Entwicklungen der bildungsbedingten gesundheitlichen Ungleichheit sind mittlerweile oft unter­sucht worden. In der veröffentlichten Literatur werden in diesem Zusammenhang drei kontroverse Be­funde diskutiert: Vergrößerung, Verkleinerung und Kontinuität des bildungsbedingten Gradienten von Morbidität im höheren Lebensalter.

Einige Untersuchungen belegen, dass die bildungsspezifischen Gesundheitsunterschiede im Laufe des Lebens zunehmen. Ergebnisse aus den USA zeigen eine divergierende Entwicklung für die subjektive Gesundheit, die Krankheitsprävalenz und die Mortalität (Lynch 2003; Dupre 2007; Mirowsky/Ross 2008). Einen ebenso gerichteten Zusammenhang belegen die Daten für viele europäische Länder: Mit zuneh­mendem Alter vergrößern sich die Unterschiede in der maximalen Greifkraft, der Anzahl der Einschrän­kungen bei Aktivitäten und instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens, den Mobilitätseinschränkun­gen, der psychischen Gesundheit und den kognitiven Funktionen zwischen Personen mit niedriger und hoher Bildung (Knesebeck/Vonneilich 2009; Leopold/Engelhardt 2011; Leopold 2016; Lampert/Hoebel 2019).

Zur Begründung dieses divergierenden Verlaufs kann die These der kumulativen Benachteiligung bzw. Bevorzugung herangezogen werden, die annimmt, dass die sozioökonomischen Nachteile bzw. Vorteile in der Frühphase des Lebens beinahe zwangsläufig in entsprechende Barrieren oder Chancen der Le­bensgestaltung münden (Siegrist/Staudinger 2019: 14). Durch eine Verkettung sozialer Benachteiligun­gen im jungen und mittleren Erwachsenenalter häufen sich ungünstige Einflüsse auf die Gesundheit an, die dann die Gesundheitsunterschiede im höheren Lebensalter vergrößern (ebd.).

Die Ergebnisse der anderen Untersuchungen weisen darauf hin, dass die bildungsbedingte gesundheit­liche Ungleichheit mit dem zunehmenden Alter abnimmt. Auswertungen der amerikanischen Studien zei­gen, dass sich die Unterschiede in der Morbidität und den Funktionseinschränkungen im höheren Le­bensalter verkleinern (House et al. 2005; Herd 2006). Aus den Analysen der europäischen Daten geht hervor, dass die Sprechgeschwindigkeit einem konvergierenden Verlaufsmuster folgt (Leopold/Engel- hardt 2011).

Eine Erklärung für diese Ergebnisse könnte von der Destrukturierungsthese abgeleitet werden, die be­hauptet, dass Statusunterschiede im höheren Lebensalter weniger stark ausgeprägt sind und an Bedeu­tung verlieren (Knesebeck/Schäfer 2009: 255). Eine zunehmende Bedeutung bekommen altersbedingte biologische bzw. gesundheitsbezogene Faktoren, der nivellierende Einfluss der staatlichen Alterssiche­rungssysteme sowie die selektive, vorzeitige Sterblichkeit benachteiligter sozialer Gruppen (ebd.).

Schließlich gibt es Untersuchungen, die eine kontinuierliche Entwicklung der bildungsspezifischen Ge­sundheitsunterschiede bis in das hohe Alter feststellen. Laut einer amerikanischen Studie bleiben die Unterschiede im Arbeitsgedächtnis zwischen Personen mit hoher und niedriger Bildung auch im höheren Lebensalter erhalten (Alley et al. 2007). Die Ergebnisse der europäischen Studien belegen die Persistenz der bildungsbedingten Unterschiede in den kognitiven Funktionen, der Anzahl chronischer Krankheiten und dem Gedächtnis bis in das hohe Alter (Schöllgen et al. 2010; Leopold/Engelhardt 2011).

Diese Ergebnisse können anhand der Kontinuitätsthese erklärt werden, die unterstellt, dass der im voran­gegangenen Lebenslauf, insbesondere im Erwerbsleben eingenommene soziale Status, auch im Alter Geltung besitzt (Knesebeck/Schäfer 2009: 255). Es wird argumentiert, dass auch wenn die älteren Men­schen im Ruhestand nicht mehr erwerbstätig sind, ihre Ungleichheitsposition auf das Erwerbsleben und den Arbeitsmarkt zurückgeht (ebd.). Darüber hinaus wird von einem kontinuierlichen Einfluss sozioöko­nomischer Unterschiede auf Lebenschancen, Lebensformen und Aktivitäten im Alter ausgegangen (ebd.).

Resümiert man die empirischen Befunde zur zeitlichen Entwicklung der bildungsbedingten gesundheitli­chen Ungleichheit, dann wird es deutlich, dass in Abhängigkeit von dem Land, der Altersgruppe und dem herangezogenen Gesundheitsindikator unterschiedliche Ergebnisse erbracht werden.

3 Empirisches Vorgehen

Im Fokus des dritten Kapitels steht eine komprimierte Beschreibung des empirischen Vorgehens. Zu­nächst werden die Grundidee des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) und die Stichprobeneingrenzung dargestellt. Im Anschluss werden die Operationalisierung der verwendeten Va­riablen und die Analysemethoden erläutert.

3.1 Daten und Samplezuschnitt

Die vorliegende Arbeit basiert auf den sechs Wellen des SHARE, einer multidisziplinären, international vergleichenden Wiederholungsbefragung, die seit 2004 läuft.1 Dieser Datensatz erlaubt die Analyse der Veränderung der gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Lage älterer Menschen in Europa und Israel. Mittlerweile wurden mehr als 380,000 Interviews mit über 140,000 Studienteilnehmern durchge­führt. Die Eckdaten der Datenbasis sind in Tabelle 1 aufgeführt.2

Tabelle 1: Überblick über den Datensatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Börsch-Supan/Gruber (2020).

In Anlehnung an Leopold (2019) werden für die folgende Analyse nur Personen berücksichtigt, die zum ersten Befragungszeitpunkt nicht älter als 75 Jahre alt waren und in Deutschland geboren sind. Im Un­terschied zur Originalarbeit, wo das Mindestalter zum ersten Befragungszeitpunkt auf 25 Jahre festge­setzt wurde, muss dieses in der vorliegenden Arbeit auf 50 Jahre festgesetzt werden (vgl. dazu die Ziel­population in Tabelle 1 oben). Der Ausschluss von Personen, die in der ersten Welle älter als 75 Jahre alt waren, ist insofern wichtig, als mögliche Selektionseffekte durch Kriegsüberlebende geringer ausfallen (Leopold 2019: 769). Der Ausschluss von Migranten dient der Vermeidung möglicher Verzerrungen der Ergebnisse aufgrund unterschiedlicher Lebensbedingungen und Bildungsabschlüsse im Heimatland (ebd.). Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Autorin aus demselben Grund auch Personen ausge­schlossen hat, die vor der Wiedervereinigung in Ostdeutschland gelebt haben. Da kaum empirische Evi­denz für diesen kausalen Zusammenhang vorliegt, wird im Rahmen dieser Arbeit auf diesen Schritt ver­zichtet. Personen, die fehlende Werte bei den hier verwendeten Gesundheitsvariablen sowie Bildungs­angaben aufweisen, werden ebenfalls ausgeschlossen. Insgesamt basieren die empirischen Analysen auf einer Stichprobengröße von 1.948 Personen und 3.327 Personenjahren.

3.2 Operationalisierung

Gesundheit wird in der vorliegenden Untersuchung anhand folgender Variablen erfasst: der selbst einge­schätzte allgemeine Gesundheitszustand, die Anzahl der Mobilitätseinschränkungen und die maximale Greifkraft. Am Rande sei erwähnt, dass auch weitere Gesundheitsvariablen wie die Anzahl der Einschrän­kungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens, die Anzahl der Einschränkungen bei instrumentellen Aktivi­täten des täglichen Lebens, die Anzahl chronischer Krankheiten und die Anzahl depressiver Symptome für die Analyse in Betracht gezogen wurden. Aufgrund der Probleme mit der Hesse-Matrix können sie aber im Folgenden nicht berücksichtigt werden.

Die subjektive Gesundheit wurde mit einer fünfstufigen Antwortskala gemessen: 1 „Ausgezeichnet“, 2 „Sehr gut“, 3 „Gut“, 4 „Mittelmäßig“ und 5 „Schlecht“ (Börsch-Supan 2019: 207). Um eine bessere Inter­pretation der Ergebnisse zu gewährleisten, wurde die Skala invertiert, sodass niedrige Ausprägungen auf dieser für eine schlechte subjektive Gesundheit stehen.3

Die Variable die Anzahl der Mobilitätseinschränkungen erfasst Informationen darüber, ob die Befragten zum Zeitpunkt des Interviews seit länger als drei Monate Probleme hatten 1 „100 Meter zu gehen“, 2 „Ungefähr zwei Stunden lang zu sitzen“, 3 „Nach längerem Sitzen aus einem Stuhl oder Sessel aufzu­stehen“, 4 „Mehrere Treppenabsätze hinauf zu gehen, ohne dabei eine Pause zu machen“, 5 „Einen Treppenabsatz hinauf zu gehen, ohne dabei eine Pause zu machen“, 6 „Sich zu bücken, hinzuknien oder in die Hocke zu gehen“, 7 „Sich nach etwas zu strecken oder die Arme über Schulterhöhe anzuheben“, 8 „Größere Gegenstände wie einen Sessel zu ziehen oder zu schieben“, 9 „Gegenstände mit einem Ge­wicht von mehr als 5 Kilo anzuheben oder zu tragen“ und 10 „Mit den Fingern eine kleine Münze vom Tisch aufzunehmen“ (ebd.: 223).

[...]


1 Die dritte Welle kann in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden, da hier keine Informationen zum aktuellen Gesundheitszustand der Befragten erhoben wurden.

2 Für weitere Informationen zum SHARE vgl. die folgende Seite im Internet: http://www.share-project.org/home0.html.

3 Diese Invertierung betrifft auch die Variable die Anzahl der Mobilitätseinschränkungen.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Gesundheitliche Ungleichheit im höheren Lebensalter. Eine Überprüfung der Kumulationsthese
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
22
Katalognummer
V1153716
ISBN (eBook)
9783346545169
ISBN (Buch)
9783346545176
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesundheitliche, ungleichheit, lebensalter, eine, überprüfung, kumulationsthese
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Gesundheitliche Ungleichheit im höheren Lebensalter. Eine Überprüfung der Kumulationsthese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153716

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