Im Auftrag eines Recruitingunternehmens soll in dieser Arbeit für die Bewerberauswahl ein Test zur Überprüfung der Lernfähigkeit entwickelt werden. Ziel ist es dabei, das Konstrukt "Lernfähigkeit" zu entschlüsseln und darauf aufbauend das Vorgehen in der Testentwicklung zu beschreiben. Dabei werden unter anderem die spezifischen Forschungsfragen geklärt, welche Möglichkeiten zur Erprobung der ersten Testversion bestehen, welche Aspekte für die Itemreihenfolge im Test berücksichtigt werden müssen und durch welche Aspekte die endgültige Testlänge beeinflusst wird.
Um sich das Ziel der Arbeit adäquat umzusetzen, wird in Kapitel 2 zunächst das Konstrukt "Lernfähigkeit" auf Basis von intensiver Literaturrecherche untersucht, definiert und operationalisiert. In Kapitel 3 sollen dann die wichtigsten Schritte in der Testplanung sowie das Testlayout erläutert werden und darauffolgen der Aufbau des Tests dargelegt werden. Kapitel 4 soll sich mit der eigentlichen Testkonstruktion beschäftigen, wobei die Itemgenerie-rung und die Erprobung der ersten Testversion genauer beleuchtet werden. Abschließend werden in Kapitel 5 die Ergebnisse zusammenfassend dargestellt und kritisch hinterfragt sowie in Kapitel 6 ein schlussfolgerndes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lernfähigkeit
3. Testplanung und Testkonstruktion
3.1 Testplanung und Layout
3.2 Testaufbau
3.3 Layout
4. Testkonstruktion
4.1 Itemgenerierung
4.2 Erprobung der ersten Testversion
4.2.1 Qualitative Verständlichkeitsprüfung
4.2.2 Pilotstudie
4.2.3 Evaluationsstudie
4.2.4 Normierung der endgültigen Testform
5. Diskussion
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen zur Entwicklung eines Recruiting-Tests zur Messung der Lernfähigkeit bei Erwachsenen zu beschreiben. Dabei wird das Konstrukt theoretisch hergeleitet, operationalisiert und der gesamte Prozess von der Testplanung bis hin zur empirischen Erprobung und Normierung detailliert dargelegt, um eine objektive Personalauswahl zu unterstützen.
- Theoretische Fundierung und Operationalisierung des Konstrukts Lernfähigkeit
- Methodische Schritte der Testplanung: Spezifizierung, Zielgruppendefinition und Testdesign
- Ansätze der Testkonstruktion: rationale Itemgenerierung und Auswahl von Antwortformaten
- Qualitative und quantitative Qualitätssicherung durch Verständlichkeitsanalysen und Pilotstudien
Auszug aus dem Buch
4.1 Itemgenerierung
Ziel eines Tests besteht darin Unterschiede in Ausprägungen der verschiedenen Probanden und Probandinnen hinsichtlich des zu interessierenden Merkmals zu erfassen (Moosbrugger & Brandt, 2020, S. 67). Der in Auftrag gegebene zu entwickelnde Test soll dabei unterschiedliche Ausprägungen des Merkmals Lernfähigkeit messen. Dazu müssen dementsprechende Aufgabenstellungen generiert werden, damit auf die jeweiligen Merkmalsausprägungen geschlossen werden kann und daraus schlussfolgernd die Lernfähigkeit eingeschätzt werden kann. Eine solche Aufgabenstellung setzt sich aus dem Itemstamm und dem Antwortformat zusammen. Der Itemstamm oder auch Aufgabenstamm, stellt die eigentliche Aufgabe dar, während das Antwortformat sich auf die Weise bezieht, wie die Aufgabenstellung beantwortet werden soll (Brandt & Moosbrugger, 2020, S. 69).
Da ein Persönlichkeitstest entwickelt werden soll, wird der Itemstamm jeweils Statements, also Aussagen enthalten, die dann von den sich bewerbenden Personen bewertet werden sollen (Pospeschill, 2010, S. 44). Zunächst soll die Vorgehensweise bei der Itemgenerierung erläutert werden, bei welcher mehrere Strategien anwendbar sind. Bei der Entwicklung des Tests zur Messung der Lernfähigkeit soll auf die rationale Strategie zurückgegriffen werden. Hier wird sich in der Testkonstruktion an inhaltlich-theoretischen Vorgaben orientiert, also deduktiv vorgegangen (Brandt & Moosbrugger, 2020, S. 71). Voraussetzung ist also, dass eine ausgearbeitete Theorie zum zu interessierenden Konstrukt vorliegt (Bühner, 2011, S. 93). Es soll sich in der Testentwicklung, auf die in Kapitel 2 dargelegten theoretischen Grundlagen bezogen werden, wobei sich vorwiegend am Multidimensionalen Lernprofil nach Paulus (1999) orientiert werden kann.
Wichtig bei der Itemgenerierung ist im Allgemeinen, dass das untersuchte Merkmal in voller Breite durch die Items abgebildet wird. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Items so generiert werden, dass das Antwortverhalten der Bewerber*innen die interindividuellen Unterschiede bezüglich der Merkmalsausprägung aufzeigt. Folglich dürfen die Aussagen weder zu leicht noch zu schwer bejaht oder verneint werden können, da sonst kaum Unterschiede zwischen den Testteilnehmer*innen erkenntlich werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch Globalisierung und Digitalisierung bedingten Wandel der Arbeitswelt und begründet die Relevanz der Lernfähigkeit als Auswahlkriterium in der Personalauswahl.
2. Lernfähigkeit: Dieses Kapitel definiert Lernfähigkeit als mehrdimensionales Konstrukt, wobei auf das Modell von Paulus (1999) eingegangen und die Bedeutung von kognitiven, emotionalen Komponenten und Rahmenbedingungen hervorgehoben wird.
3. Testplanung und Testkonstruktion: Das Kapitel erläutert die strategische Planung eines Persönlichkeitstests, inklusive der Spezifizierung von Merkmalen, Zielgruppen sowie der Gestaltung von Instruktionen und Layout.
4. Testkonstruktion: Hier werden die Prozesse der Itemgenerierung, verschiedene Antwortformate sowie die methodischen Schritte zur Erprobung der Testversion (Verständlichkeitsprüfung, Pilotstudie, Evaluation) beschrieben.
5. Diskussion: Die Diskussion reflektiert den gesamten Entwicklungsprozess kritisch, benennt theoretische und methodische Limitationen der Arbeit und bewertet die Praktikabilität des Testkonzepts.
6. Fazit: Das Fazit unterstreicht die hohe Relevanz des entwickelten Testansatzes für moderne Recruiting-Prozesse und betont den Nutzen einer universellen Messung der Lernfähigkeit.
Schlüsselwörter
Lernfähigkeit, Personalauswahl, Testkonstruktion, Itemgenerierung, Persönlichkeitstest, Klassische Testtheorie, Probabilistische Testtheorie, Validierung, Reliabilität, Evaluationsstudie, Psychometrie, Arbeitsanforderungen, Recruiting, Antwortformat, Kompetenzerwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und dem methodischen Vorgehen bei der Entwicklung eines psychometrischen Tests zur Messung der Lernfähigkeit für die professionelle Bewerberauswahl.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Operationalisierung des Konstrukts Lernfähigkeit, die systematische Testplanung, verschiedene Strategien zur Itemgenerierung sowie Methoden zur empirischen Qualitätssicherung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Beschreibung eines wissenschaftlich fundierten Entwicklungsprozesses für einen Recruiting-Test, der als Persönlichkeitstest konzipiert ist und verschiedene Dimensionen der Lernfähigkeit erfassbar machen soll.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die rationale Strategie der Testkonstruktion, stützt sich auf die Klassische Testtheorie (KTT) zur Messung der Reliabilität und bezieht die probabilistische Testtheorie (PTT) zur ergänzenden Analyse ein.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Konstrukts, die Testplanung (Zielgruppe, Format), die Itemkonstruktion sowie die Erprobungsphasen wie qualitative Verständlichkeitsanalyse und Pilotstudie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lernfähigkeit, Personalauswahl, Testkonstruktion, Reliabilität, Validität und psychometrische Evaluation charakterisiert.
Warum wird für den Test die rationale Strategie gewählt?
Die rationale Strategie wird gewählt, da sie auf inhaltlich-theoretischen Vorgaben basiert, was durch die Nutzung des multidimensionalen Lernprofils nach Paulus (1999) eine präzise deduktive Testentwicklung ermöglicht.
Welche Bedeutung hat das „kognitive Vortesten“?
Das kognitive Vortesten, insbesondere die „think aloud“-Technik, ist essenziell, um die Gedankengänge der Probanden nachzuvollziehen und so sprachliche Hürden oder Fehler in der Itemformulierung frühzeitig zu identifizieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Testtheorie und Testkonstruktion im Recruiting. Entwicklung eines Tests zur Überprüfung der Lernfähigkeit für die Bewerberauswahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153780