Gegenstand dieser Hausarbeit ist zunächst die Präsentation der Funktion interkultureller Bilderbücher, woraufhin diese Darstellung die Interkulturalität in "Das ist kein Papagei" beleuchtet und die Frage, ob Bilderbücher tatsächlich zu einer Entwicklung von interkultureller Kompetenz führen können, geklärt wird.
Multikulturalität und Multilingualität sind bereits fest in unserer Gesellschaft verankert. Etwa 18, 5% der Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik Deutschland besitzen Migrationshintergrund, dennoch wird das Thema Migration in den Medien zumeist in Zusammenhang mit Problemen dargestellt, sodass Fremdenfeindlichkeit und Abgrenzung gegenwärtig sind.
Eine Aufklärung der derzeitigen Situation muss im authentischen, kommunikativen Austausch geschaffen werden, wofür Toleranz und Akzeptanz der ausländischen Mitbürger als notwendige Voraussetzung gelten.
Somit sollte bereits die frühkindliche Bildung diese gesellschaftliche Herausforderung annehmen und Anforderungen an die interkulturelle Erziehung stellen.
Für solch einen ersten Kontakt eignen sich Bilderbücher besonders, weil sie durch die Illustration und den geringen Textanteil schnell zugänglich sind und zahlreiche Handlungsmöglichkeiten bieten. Sie tragen einen wesentlichen Anteil an frühen Lernprozessen und können eine interkulturelle Annäherung an eine andere Kultur betonen und Gemeinsamkeiten aufzeigen.
Das Bilderbuch „Das ist kein Papagei“, das von Rafik Schami verfasst und von Wolf Erlbruch illustriert wurde, behandelt das interkulturelle Thema der Mehrsprachigkeit, die in unserer Gesellschaft zu einer kommunikativen Notwendigkeit geworden ist, vielerorts aber nach dem Prestige der Sprachen bewertet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interkulturelle Bilderbücher
3. Gehalt interkultureller Bilderbücher am Beispiel „Das ist kein Papagei!“
4. Vermittlung des Themas Mehrsprachigkeit in „Das ist kein Papagei!“
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion interkultureller Bilderbücher am Beispiel von Rafik Schamis „Das ist kein Papagei!“. Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie diese Art von Literatur zur Entwicklung interkultureller Kompetenz bei Kindern beitragen kann und welche Rolle die Vermittlung durch Erwachsene dabei spielt.
- Die Funktion und pädagogische Bedeutung von Bilderbüchern.
- Die Darstellung von Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in der Kinderliteratur.
- Figurenkonstellationen als Indikatoren für interkulturelle Lernprozesse.
- Die Notwendigkeit einer kompetenten Vermittlung durch Erwachsene bei der Lektüre.
- Die Übertragung fiktionaler Handlungsmuster auf die reale Lebenswelt.
Auszug aus dem Buch
4. Vermittlung des Themas Mehrsprachigkeit in „Das ist kein Papagei!“
In seinem Bilderbuch thematisiert Rafik Schami den Zustand der Mehrsprachigkeit. Der Papagei, der durchaus des Sprechens fähig ist, wehrt sich, die Wörter der Eltern einfach zu wiederholen, indem er sich stumm und desinteressiert präsentiert. Die Eltern allerdings sehen das Imitieren von Sprache als erfolgsversprechende Spracherwerbsmethode an, wogegen ihre Tochter Lina den Papagei als Individuum achtet, dem zunächst einmal Respekt und Toleranz gebührt. Lina erkennt seine wahre Identität und macht den Eltern die Unterschiede dieses Papageis zu den herkömmlichen Papageien bewusst.
Für das ganzheitliche Verständnis dieses Bilderbuches ist die Identifizierung des rezipierenden Kindes mit der Hauptfigur Lina essentiell. Die jungen Leser sollen sich wiedererkennen, wenn Lina sich ein Haustier wünscht, wenn die Erwachsenen ihr nicht zuhören oder wenn „Lina nachmittags mit ihrer Freundin zum Spielen“ geht und sich folglich in ihre Rolle hineinversetzen, um so den Prozess der Freundschaftsschließung von Lina und dem Papagei aktiv und emotional mitzuverfolgen. Das Kind soll Linas Vorgehen nachvollziehen, die Handlung transferieren und sich selbst eine Meinung bilden. Es kann lernen, dass es richtig ist, andere Wesen so zu nehmen wie sie sind.
Das Erreichen dieses Lernziel bedarf jedoch einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Buch, denn als gesellschaftlich, soziales Medium erfordert es eine fähige, kompetente Vermittlung. Dabei ist die Haltung des Vermittlers während der Kommunikation fundamental, denn dieser beeinflusst das Kind unbewusst oder bewusst und entscheidet somit über den Grad der Zuneigung zum Buch und dessen Wirkung auf das Kind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die multikulturelle Realität in Deutschland und stellt die These auf, dass Bilderbücher als niedrigschwellige Medien einen wesentlichen Beitrag zur interkulturellen Annäherung leisten können.
2. Interkulturelle Bilderbücher: Dieses Kapitel erläutert die pädagogische und entwicklungspsychologische Bedeutung von Bilderbüchern als Mittel zur Förderung von differenzierter Wahrnehmung und Fantasie.
3. Gehalt interkultureller Bilderbücher am Beispiel „Das ist kein Papagei!“: Die Analyse der Figurenkonstellation zeigt auf, wie die Geschichte des Papageis als Metapher für den Umgang mit Identität und Migration genutzt wird.
4. Vermittlung des Themas Mehrsprachigkeit in „Das ist kein Papagei!“: Hier wird hervorgehoben, dass für das Erreichen des Lernziels eine aktive und sensible Vermittlung durch Erwachsene erforderlich ist, um den Transfer von der Fiktion in die Realität zu ermöglichen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass interkulturelle Bilderbücher bei kompetenter Vermittlung einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Wahrnehmung und Reflexion von Minderheiten leisten können.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Erziehung, Bilderbuch, Mehrsprachigkeit, Migration, Rafik Schami, interkulturelle Kompetenz, Pädagogik, Identität, Kindesentwicklung, Vermittlungsprozess, Toleranz, Akzeptanz, Fremdverstehen, Literaturdidaktik, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von interkulturellen Bilderbüchern als pädagogisches Werkzeug in einer multikulturellen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind interkulturelle Bildung, die Darstellung von Mehrsprachigkeit in der Literatur und die Vermittlung dieser Inhalte an Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung, ob und wie Bilderbücher zur Entwicklung interkultureller Kompetenz beitragen können, unter besonderer Berücksichtigung der Vermittlerrolle.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um das Bilderbuch „Das ist kein Papagei!“ auf Basis erziehungswissenschaftlicher und fachdidaktischer Theorien zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Figurenkonstellationen, die Bedeutung der Autorenbiographie von Rafik Schami und die essenzielle Rolle der Vermittlung durch Erwachsene für das Verständnis des Werkes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interkulturelle Erziehung, Mehrsprachigkeit, Migration, Identität, sowie die Rolle der Vermittlung bei der Lektüre.
Warum spielt die Rolle von „Lina“ im untersuchten Buch eine so zentrale Rolle?
Lina dient als Identifikationsfigur für junge Leser, durch deren Augen das Kind lernt, Respekt und Toleranz gegenüber dem „Fremden“ aufzubringen.
Inwiefern ist die Vermittlung durch Erwachsene laut Autorin entscheidend?
Die Haltung des Vermittlers beeinflusst maßgeblich, ob das Kind die fiktionale Geschichte auf seine eigene Lebenswelt übertragen kann und somit einen Lernprozess durchläuft.
- Arbeit zitieren
- Ute Corell (Autor:in), 2015, Die Funktion interkultureller Bilderbücher am Beispiel von "Das ist kein Papagei!". Ein Beitrag zur Entwicklung interkultureller Kompetenz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153880