Ich werde in meinem Referat über Joseph Beuys als religiösen Künstler sprechen und beziehe mich in meinen Darstellungen in erster Linie auf Friedhelm Mennekes Buch „Joseph Beuys: Christus Denken“. Der Jesuitenpater Friedhelm Mennekes ist Professor für Pastoraltheologie und Religionssoziologie an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main und seit 1987 Pfarrer an Sankt Peter in Köln, wo er auch die dortige Kunst-Station leitet. Außerdem hatte Menneke Gastprofessuren an den Kunsthochschulen in Wien, Mainz und Savannah (Georgia) inne. Friedhelm Mennekes arbeitet bereits seit 20 Jahren zum Thema „die kosmologische Christologie in der Kunst von Joseph Beuys“. Grundlage seiner Arbeit ist ein Interview mit dem Künstler, das er 1984 in dessen Atelier in Düsseldorf geführt hat. Es diente der Vorbereitung seiner ersten Beuys-Ausstellung „Menschenbild-Christusbild“, die er Ende 1984 mit Franz Jo-seph van der Grinten, einem langjährigen Freund Beuys, in der Frankfurter Vorortkirche Sankt Markus Nied ausgerichtete.
In dem Interview befragte Mennekes den Künstler zu grundsätzlichen Fragen des Christentums, der Kirche, der Kunst und der modernen Gesellschaft und fand so den Zugang zu einem - wie er sagte- ganz anderen Beuys. Beginnen werde ich meine Ausführungen mit einer kurzen Biografie Beuys, da „bei keinem anderen Künstler der Moderne der Zusammenhang zwischen Leben und Werk von so zentraler Bedeutung ist wie bei Beuys“. Ich werde seinen „Werk/Lebenslauf“, wie Beuys seine Biografie Zeit seines Lebens nannte, bereits unter dem Fokus „Joseph Beuys als religiöser Künstler“ betrachten und euch einige „religiöse Werke“ zeigen. Dann werde ich versuchen, euch den Forschungsansatz Mennekes zur „kosmologischen Christologie im Werk von Joseph Beuys“ aufzuzeigen und ihn auf den „erweiterten Kunstbeg-riff“ beziehen. Um die Entwicklungen, die Beuys in seinem künstlerischen Schaffen gemacht hat, zu veranschaulichen, werden wir dann die Spur eines Zeichens verfolgen, das sich durch das gesamte Werk des Künstlers zieht: die Spur des Kreuzes als Symbol der Befreiung.
Am Schluss werde ich noch kurz auf die Frage nach Joseph Beuys als modernen Künstler eingehen, um in meinem Fazit die Rezeption Beuys in der wissenschaftlichen Literatur Friedhelm Mennekes zusammenzufassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biografie und Werk im religiösen Kontext
3 Die kosmologische Christologie im Werk von Joseph Beuys
4 Das Kreuz als Symbol der Erlösung
5 Joseph Beuys- der moderne Künstler?
6 Fazit und Ausblick
7 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken von Joseph Beuys unter dem speziellen Fokus seiner religiösen Auffassungen und deren Integration in sein künstlerisches Werk. Ziel ist es, den Ansatz von Friedhelm Mennekes zur "kosmologischen Christologie" bei Beuys darzulegen und aufzuzeigen, wie Beuys den christlichen Glauben in seine Theorie des erweiterten Kunstbegriffs und der sozialen Plastik transformierte.
- Biografische Prägung durch katholische Erziehung und Kriegserlebnisse
- Die christliche Ikonographie und das Symbol des Kreuzes bei Beuys
- Der anthropologisch erweiterte Kunstbegriff als "soziale Plastik"
- Die Auseinandersetzung mit der Moderne und der Rolle des Künstlers
Auszug aus dem Buch
4 Das Kreuz als Symbol der Erlösung
Das Kreuz war für Beuys ein wichtiges und außerordentlich komplexes Zeichen, das weit über die rein christliche Symbolik hinausgeht. Es kann als Erinnerungszeichen, als Zauber- und Weihezeichen, aber auch -in seiner modernen Verwendung- als Schnittpunkt eines Koordinatensystems verstanden werden. Es steht für die Überkreuzung von Antike und Christentum und ist ein Verbindungssymbol für die geistige Auseinandersetzung zweier Anschauungen. Das Kreuz sollte nach Beuys aber nicht an eine historische Begebenheit erinnern, sondern eher ein Symbol für die inneren Realitäten sein und der Darstellung geistiger Zusammenhänge dienen.
Das Kreuz ist im Werk von Beuys immer präsent. Es wandelt allerdings permanent seine Gestalt. In den frühen Bronzeplastiken „Vorzeigekreuz“ von 1949 und „Pflockkreuz“ von 1952 z.B. trat das Kreuz zunächst in seiner klassischen, von der christlichen Ikonographie geprägten Form auf.
Beuys verband in seinen frühen Arbeiten das Kreuz auch oft mit anderen Symbolen wie beispielsweise der Sonne oder dem Herzen. Mit dem Herzen griff Beuys die klassische Herz-Jesu-Mystik auf, denn das Herz Jesu ist für die katholische Kirche ein heiliges Sakrament. Es steht laut Mennekes für das Mitleid Jesu mit dem Volk, für sein Erbarmen mit den Sündern, für die Güte und Demut, für seine Liebe, Sanftmut und Geduld. Für Beuys war das Herz eine Kraftzone, das Zentrum und der Ort für den göttlichen Lebensimpuls zur Auferstehung. „Das Christusereignis“, sagte Beuys, „ ist etwas, das alle Menschen zu jeder Zeit betrifft“. Die Kraft dieser Wirkung darzustellen, hielt der Künstler für sein Hauptanliegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Wahrnehmung von Joseph Beuys ein und erläutert den Fokus auf den Künstler als religiöse Figur basierend auf dem Werk von Friedhelm Mennekes.
2 Biografie und Werk im religiösen Kontext: Das Kapitel beleuchtet die frühen Lebensjahre, die katholische Erziehung sowie die prägenden Kriegserlebnisse von Beuys und deren symbolische Verarbeitung in seinem Werk.
3 Die kosmologische Christologie im Werk von Joseph Beuys: Hier wird Beuys' kritische Haltung gegenüber den Kirchen analysiert und aufgezeigt, wie er Christus als Kraft und Impuls für den Menschen neu interpretierte.
4 Das Kreuz als Symbol der Erlösung: Das Kapitel verfolgt die Wandlung des Kreuzes im Werk von Beuys von einer klassischen Ikone hin zu einem Aktivierungszeichen für menschliche Kreativität.
5 Joseph Beuys- der moderne Künstler?: Diese Analyse diskutiert Beuys' Verständnis vom Ende der Moderne, seine Kritik am traditionellen Kunstbetrieb und sein Konzept der sozialen Plastik.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung von Beuys' Beitrag zur Auslegung der Jesusgeschichte zusammen und reflektiert die Kritik an seinem religiösen Ansatz.
7 Literatur: Verzeichnis der zitierten Werke und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Joseph Beuys, Christologie, soziale Plastik, erweitertes Kunstbegriff, Kreuz-Symbolik, Friedhelm Mennekes, Moderne, Fluxus-Bewegung, Anthropologie, Religiöse Kunst, Kreativität, Schöpfer, Spiritualität, Auferstehung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk von Joseph Beuys aus der Perspektive seiner Auseinandersetzung mit christlichen Themen und der Religion.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Ausarbeitung?
Zentrale Themen sind die Biografie von Beuys, seine Interpretation von Christus, die symbolische Bedeutung des Kreuzes und sein Konzept der "sozialen Plastik".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Forschungsansatz von Friedhelm Mennekes darzustellen und zu zeigen, wie Beuys religiöse Motive in einen anthropologisch erweiterten Kunstbegriff überführte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, insbesondere des Buches "Joseph Beuys: Christus denken" von Friedhelm Mennekes, ergänzt durch Aussagen des Künstlers selbst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Einordnung, die spezifische christologische Interpretation durch Beuys, die Entwicklung des Kreuz-Symbols und eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Status als moderner Künstler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Soziale Plastik, erweiterter Kunstbegriff, kosmologische Christologie und die Transformation von Symbolen.
Wie interpretierte Beuys die Figur Christi in seinem Werk?
Beuys sah in Christus nicht primär eine historische Figur, sondern eine ständig präsente Kraft, die als Impuls für die Selbstwerdung und Kreativität des Menschen dient.
Welche Rolle spielte die "soziale Plastik" für das Verständnis von Beuys als religiösem Künstler?
Die soziale Plastik ist die praktische Umsetzung seines erweiterten Kunstbegriffs, bei der der Mensch als kreatives Wesen die Gesellschaft aktiv gestalten und im Sinne einer "Heilung" mitgestalten soll.
- Citation du texte
- Diplom-Kommunikationswirtin Julia Schroeter (Auteur), 2004, Joseph Beuys - der religiöse Künstler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115389