Die Kommunikation mit taubblinden Menschen verläuft oftmals problematisch. Das liegt daran, dass es häufig schwierig ist, ihre Beiträge zu lesen. Zum einen kann es passieren, dass der Partner Beiträge des taubblinden Menschen übersieht. Zum anderen projiziert er eventuell eine bestimmte Bedeutung in die Aktivität des taubblinden Menschen hinein, welche mit dessen Beitrag jedoch nichts zu tun hat. Außerdem kann es für den Partner schwer sein, Interventionen zu planen, um die weitere Entwicklung zu unterstützen. Darüber hinaus ist es schwierig, Entwicklungsbedingungen so zu etablieren, dass sie umfänglich, sowohl personen- als auch umgebungsübergreifend vorhanden sind. Hierfür wurde das Modell der Beobachtungspunkte entwickelt. Es soll dabei unterstützen, die Lesbarkeit der Beiträge von taubblinden Menschen zu erhöhen. In dieser Hausarbeit wird zunächst das Modell vorgestellt und zwei Bereiche, auf welche hier der Schwerpunkt gelegt wird, genauer beschrieben. Daran knüpft die Beschreibung einer Videosequenz an, auf die anschließend das Modell der Beobachtungspunkte angewendet wird. Dabei wird zuerst der Ist-Stand analysiert und ausgehend von diesem eine Intervention geplant. Eine ausführliche Reflexion bildet den Abschluss.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Beschreibung des Modells
2.1 Nähe / emotionale Bindung
2.2 Exploration / Kategorisierung
3 Beschreibung des Videos
4 Anwendung des Modells auf das Video
4.1 Beschreibung des Ist-Stands
4.2 Interventionsmöglichkeiten
5 Reflexion
5.1 Hinsichtlich der notwendigen Rahmenbedingungen für den Einsatz des Modells in der Praxis
5.2 Hinsichtlich der Bedeutung für die eigene Praxis als Lehrperson
5.3 Hinsichtlich meines fachlichen und persönlichen Erkenntniszuwachses
6 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung des Modells der Beobachtungspunkte zur Unterstützung taubblinder Menschen in der Kommunikation. Das Hauptziel besteht darin, den Ist-Zustand einer Videosequenz mit dem Modell zu analysieren und darauf basierend spezifische pädagogische Interventionsmöglichkeiten zur Förderung der nächsten Entwicklungszone zu planen.
- Grundlagen des Modells der Beobachtungspunkte
- Analyse der Bereiche Nähe/emotionale Bindung und Exploration/Kategorisierung
- Methodik der Videoanalyse zur Identifikation von Interaktionsmustern
- Entwicklung und Reflexion pädagogischer Interventionen
Auszug aus dem Buch
2.1 Nähe / emotionale Bindung
Die Unterkategorien innerhalb dieser Beziehung werden aufsteigend komplexer. Die unterste Ebene körperlicher Kontakt ist dann gegeben, wenn der taubblinde Mensch durch seine „physische Position“ (ebd., 135) Körperkontakt mit dem Partner hat. Nur so kann Nähe zu diesem herstellen. Anschließend kann er diese Nähe durch eine immer größere werdende räumliche Distanz, zuerst innerhalb einer Armlänge, danach in Reichweite, später außer Reichweite oder im nächsten Raum initiieren. Dies erfordert jedoch, dass der taubblinde Mensch die Position des Partners kennt und dass dieser stets sowohl physisch als auch emotional verfügbar ist. Durch seine Erfahrungen, dass trotz wachsender Distanz ein Gefühl von emotionaler Nähe zum Partner vorhanden ist, kann er Vertrauen zu diesem aufbauen. Dieses ist wichtig, damit der Partner zur „sicheren Basis“ (ebd., 136) bei der „Exploration der Welt“ (ebd.) werden kann. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann der taubblinde Mensch explorieren (vgl. ebd., 135f.).
Rituale spielen für den Aufbau von stabilen Beziehungen eine große Rolle und sollten im Alltag des taubblinden Menschen ausreichend vorhanden sein. In Bezug auf Nähe / emotionale Bindung beziehen sich diese auf die „Ko-Regulation von Nähe“ (ebd., 139), also auf temporäre Trennungen und Wiedervereinigungen (vgl. ebd., 138f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen in der Kommunikation mit taubblinden Menschen und führt das Modell der Beobachtungspunkte als Lösungsansatz ein.
2 Beschreibung des Modells: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Hintergründe des Modells, insbesondere die Schwerpunkte Nähe/emotionale Bindung und Exploration/Kategorisierung.
3 Beschreibung des Videos: Hier wird der Hintergrund des taubblinden Jungen Jonas und der Videosequenz als Ausgangslage für die Analyse vorgestellt.
4 Anwendung des Modells auf das Video: Der praktische Hauptteil analysiert den Ist-Stand der Videosequenz und leitet daraus konkrete pädagogische Interventionsmöglichkeiten ab.
5 Reflexion: Der abschließende Teil reflektiert die notwendigen Rahmenbedingungen, die Bedeutung für die eigene pädagogische Praxis und den persönlichen Erkenntniszuwachs.
6 Literatur: Auflistung der im Text verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Taubblindheit, Kommunikation, Modell der Beobachtungspunkte, Videoanalyse, Interventionsplanung, Nähe, emotionale Bindung, Exploration, Kategorisierung, pädagogische Praxis, Inklusion, taktile Wahrnehmung, Entwicklungsförderung, Ko-Regulation, Rituale.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der pädagogischen Unterstützung und der Analyse der Kommunikationsprozesse von taubblinden Menschen unter Anwendung eines spezifischen Beobachtungsmodells.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Förderung von Nähe und emotionaler Bindung sowie die Unterstützung der Exploration und Kategorisierung von Welt durch taktile Erfahrungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch eine detaillierte Videoanalyse den Entwicklungsstand eines taubblinden Kindes zu bestimmen und eine darauf abgestimmte pädagogische Intervention zu entwerfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der systematischen Videoanalyse, um Interaktionsmuster auf Basis des Modells der Beobachtungspunkte auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung des Modells, die Vorstellung des Fallbeispiels (Jonas) und die konkrete Anwendung der Beobachtungskriterien auf das Videomaterial.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Taubblindheit, Kommunikation, Modell der Beobachtungspunkte und Interventionsplanung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Ebene der körperlichen Bindung von der Exploration?
Die Ebene der Bindung fokussiert auf die Schaffung einer sicheren Basis und emotionale Verfügbarkeit, während die Exploration die kognitive Auseinandersetzung mit Gegenständen und deren Kategorisierung beschreibt.
Warum ist die Reflexion des eigenen Erkenntniszuwachses für den Autor wichtig?
Die Reflexion ermöglicht es dem Autor, die eigene Subjektivität bei der Videoanalyse zu hinterfragen und die Wirksamkeit sowie die Herausforderungen der geplanten pädagogischen Maßnahmen kritisch zu bewerten.
- Quote paper
- Miro Fischer (Author), 2019, Anwendung des Modells der Beobachtungspunkte auf eine Videosequenz. Kommunikation mit taubblinden Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153961