Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Die Motivik und Stilistik der Nelly Sachs. Die Darstellung jüdischen Leidens und Sterbens im Gedichtzyklus "In den Wohnungen des Todes"

Titel: Die Motivik und Stilistik der Nelly Sachs. Die Darstellung jüdischen Leidens und Sterbens im Gedichtzyklus "In den Wohnungen des Todes"

Hausarbeit , 2021 , 19 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Fiona Karl (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Folgenden soll ein kurzer Blick auf das sogenannte "Adorno-Diktum" geworfen werden, welches seit der unmittelbaren Nachkriegszeit die Diskussion darüber, ob und wie Gedichte über die Verbrechen der Nationalsozialist:innen in der Shoah verfasst werden können, mit getragen hat.

Darauf aufbauend ist die Frage danach zu beantworten, wie die Dichterin Nelly Sachs mittels ihrer Lyrik versucht hat, der korrekten Darstellung der Shoah so gerecht wie möglich zu werden. Hier soll vor allem untersucht werden, welcher Motivik und Stilistik sie sich bediente, um ihre Gedichte noch eindrucksvoller und kräftiger zu gestalten. Zu diesem Zweck sollen zwei Gedichte analysiert werden, zu denen bislang keine Einzelinterpretationen in der Forschung vorliegen. Diese beiden Gedichte entstammen dem Gedichtband In den Wohnungen des Todes von 1947 und tragen die Titel Auch der Greise und Ihr Zuschauenden. Auch dem Gedichtband In den Wohnungen des Todes ist ein Kapitel gewidmet, welches diesen Gedicht-Raum näher spezifizieren soll.

Da diese beiden Gedichte sich nicht ausschließlich mit der Darstellung der Shoah befassen, sondern mittels der verwendeten Motivik auch aufzeigen, welche Vorstellungen vom Tod und von Gott Nelly Sachs‘ innewohnten, und wie es ihre größte Sehnsucht gewesen zu sein schien, die Opfer der Shoah in den Händen Gottes zu wissen, muss auch dieser Aspekt in der Arbeit beleuchtet werden. Aus diesem Grund trägt die Arbeit den Titel: Die Darstellung des jüdischen Leidens und Sterbens, da Nelly Sachs dies in ihren Gedichten stets miteinander verknüpfte und ihre Auffassungen davon über den Tod hinaus führten. All dies lässt sich anhand der beiden Gedichte untersuchen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Unbeschreibliche beschreiben, das Unsagbare sagen

2.1 Sensible Sprache

2.2 Der Diskurs: Was muss ein Gedicht nach Auschwitz leisten?

3. Nelly Sachs: In den Wohnungen des Todes

3.1 Auch der Greise

3.2 Ihr Zuschauenden

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, wie die Dichterin Nelly Sachs in ihrem Gedichtzyklus „In den Wohnungen des Todes“ (1947) das jüdische Leiden und Sterben während der Shoah lyrisch verarbeitet. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern Sachs durch den gezielten Einsatz von Elementar- und Astralmotive versucht, das „Unbeschreibliche“ und „Unsagbare“ darzustellen, ohne dabei in eine ästhetisierende Beschönigung zu verfallen.

  • Analyse der lyrischen Darstellung der Shoah bei Nelly Sachs
  • Untersuchung der Motivik und Stilistik in den Gedichten „Auch der Greise“ und „Ihr Zuschauenden“
  • Diskussion der poetologischen Herausforderung, „nach Auschwitz“ zu dichten
  • Einfluss der jüdischen Mystik und transzendenter Konzepte auf das Todesverständnis
  • Reflexion über die Rolle des Zuschauers und die ethische Dimension des Zeugenschaftsgedichts

Auszug aus dem Buch

3.1 Auch der Greise

Das Gedicht besteht aus vier unterschiedlichen langen Strophen. Die erste Strophe umfasst sieben Verse, die zweite Strophe acht Verse, die dritte Strophe drei Verse und die vierte Strophe sechs Verse. Es liegen somit weder ein erkennbares Gedichtmaß noch eine wahrnehmbare Strophenform vor, weshalb auf den ersten Blick nicht von einem einheitlichen Aufbau gesprochen werden kann. Auch das Metrum weist keine Einheit auf. In den zwei ersten und der letzten Strophe sind sowohl jambische, daktylische und trochäische Tendenzen zu erkennen, die jedoch in sich selbst nicht in allen Fällen im ganzen Vers durchgängig sind. In der dritten Strophe ist kein Jambus erkenntlich und auch hier ist von einer Einheit in den Versen selbst nicht zu sprechen. Für das Gedicht bedeutet diese Erkenntnis, dass das Metrum, sowie die Strophenform nicht den Fokus vom Inhalt lenken können. Dies ist auch an der Reimlosigkeit des Gedichts zu erkennen. Nelly Sachs arbeitet also nicht mit dem klassischen, formalen Aufbau eines Gedichts, um Aufmerksamkeit zu erregen. Um das Gedicht zu entschlüsseln, muss hier tiefer angesetzt werden und der Blick vom Offensichtlichen weg gelenkt werden.

Doch bevor dies getan wird, folgt hier eine kurze Inhaltsangabe: Das Gedicht handelt von Greisen, die eines echten Todes beraubt werden. Mithilfe der Kontextualisierung, die im vorherigen Kapitel erfolgt ist, ist es eindeutig, dass es sich bei den „Räuber[n]“ (V. 16) zwangsläufig um Wärter:innen eines Arbeits- oder Konzentrationslagers handeln muss, beziehungsweise um all jene, die aktiv an der Vernichtung der Jüdinnen und Juden beteiligt waren. Die ersten zwei Strophen klagen die Täter:innen der Verantwortung für das Leiden und Sterben der Alten an, denen die Chance auf einen angenehmen und ungezwungenen Tod verwehrt blieb, während sich die letzten beiden Strophen wie eine Art Drohung an die „Räuber von echten Todesstunden“ (V. 16) richten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Darstellung der Shoah in der Nachkriegslyrik ein und legt den Fokus auf die Analyse der beiden spezifischen Gedichte von Nelly Sachs.

2. Das Unbeschreibliche beschreiben, das Unsagbare sagen: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Wahl („Shoah“) und diskutiert das Adorno-Diktum sowie die Grenzen der dichterischen Sprache im Kontext des Genozids.

2.1 Sensible Sprache: Es wird erörtert, warum bestimmte Begriffe wie „Shoah“ anderen Bezeichnungen vorzuziehen sind, um dem jüdischen Leid gerecht zu werden.

2.2 Der Diskurs: Was muss ein Gedicht nach Auschwitz leisten?: Der Diskurs beleuchtet das Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit des Erinnerns und der Unmöglichkeit, den industriellen Massenmord angemessen in eine ästhetische Form zu bringen.

3. Nelly Sachs: In den Wohnungen des Todes: Dieses Kapitel bereitet die Analyse des Gedichtbandes vor und erläutert die Bedeutung des Raumes „Dein Leib im Rauch durch die Luft“.

3.1 Auch der Greise: Die Interpretation dieses Gedichts zeigt auf, wie Sachs den Raub eines „natürlichen Todes“ an den Opfern durch die Täter thematisiert.

3.2 Ihr Zuschauenden: Die Analyse verdeutlicht, wie das Gedicht die passive Schuld der Zivilbevölkerung thematisiert und die Opfer in die Position der Beobachtenden rückt.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Sachs durch ihre mystische Bildsprache zwar keine 1:1-Abbildung der Shoah leistet, aber erfolgreich Beklemmung erzeugt und zur Reflexion über Tod und Transzendenz anregt.

Schlüsselwörter

Nelly Sachs, In den Wohnungen des Todes, Shoah, Nachkriegslyrik, Auschwitz-Diktum, Jüdisches Leiden, Totenklage, Metaphorik, Astralmotive, Mystik, Schuld, Zeugenschaft, Sprachgrenzen, Transzendenz, Erinnerungskultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die Motivik in ausgewählten Gedichten von Nelly Sachs aus dem Band „In den Wohnungen des Todes“, um aufzuzeigen, wie sie das Leid und Sterben während der Shoah lyrisch verarbeitet.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Sprache und Gewalt, die ethische Verantwortung des Schreibens nach dem Holocaust sowie die christlich-jüdische Mystik als Deutungsrahmen für den Tod.

Was ist die Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Arbeit fragt danach, welche stilistischen Mittel und Motive Nelly Sachs nutzt, um dem „Unsagbaren“ der Shoah lyrisch zu begegnen, und ob ihr dies unter den Bedingungen der künstlerischen Darstellung gelingt.

Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die die Gedichte „Auch der Greise“ und „Ihr Zuschauenden“ durch Kontextualisierung mit der Forschungsliteratur und den mystischen Konzepten der Autorin interpretiert.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil analysiert formal und inhaltlich zwei Gedichte, untersucht die Verwendung von Elementar- und Astralmotiven und diskutiert die moralische Positionierung von Tätern und Zuschauern.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind hierbei die „Grenzen der Darstellung“, die „Sprache der Sehnsucht“, das „Adorno-Diktum“ sowie die Konzeption der „Todes-Metaphorik“.

Wie unterscheidet sich die Adressierung in den beiden analysierten Gedichten?

Während „Auch der Greise“ die aktiven Täter (Wärter der Lager) direkt adressiert, richtet sich „Ihr Zuschauenden“ an die passive Zivilbevölkerung, deren Mitschuld durch das Zuschauen thematisiert wird.

Welche Rolle spielt die mystische Komponente bei Nelly Sachs?

Die Mystik dient Sachs dazu, das Leid nicht nur als physische Vernichtung zu zeigen, sondern den Übergang ins Jenseits als Transzendenz und Heimkehr zu Gott zu deuten, um den Opfern eine Würde über den Tod hinaus zu geben.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Motivik und Stilistik der Nelly Sachs. Die Darstellung jüdischen Leidens und Sterbens im Gedichtzyklus "In den Wohnungen des Todes"
Hochschule
Universität Trier  (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Fiona Karl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1154011
ISBN (eBook)
9783346546319
ISBN (Buch)
9783346546326
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nelly Sachs Nachkriegslyrik Exillyrik Shoah Mystik Wohnungen des Todes
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fiona Karl (Autor:in), 2021, Die Motivik und Stilistik der Nelly Sachs. Die Darstellung jüdischen Leidens und Sterbens im Gedichtzyklus "In den Wohnungen des Todes", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1154011
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  19  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum