Als Folge des 30-jährigen Krieges etablierten sich drei Leitmotive, die erheblichen Einfluss auf die Menschen nahmen. Zum einen das "Vanitas-Motiv" mit der Bedeutung der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Daraus entwickelte sich das zweite Motiv des "Carpe Diem", welches aussagt, dass der Tag genutzt werden soll und als Gegensatz folgte das letzte Motiv unter der Bezeichnung „Memento Mori“. Dieses Motiv erinnert die Menschen daran, dass sie sterbliche Wesen sind und verweist somit auf den Appell des zweiten Motivs zurück. Das Barockzeitalter war demnach reich an Gegensätzen wie beispielsweise das Diesseits und Jenseits, dem Lebensgenuss und Todesbewusstsein und Krieg und Ordnung. Zudem hatten sich die Autoren und Dichter an eine strenge Regelpoetik zu halten und verfolgten innerhalb dieser Regeln das Ziel, ihr Gedankengut so kunstvoll wie möglich zu verpacken, wodurch die Texte oft von einer großen Metaphorik bestimmt waren
In dieser Seminararbeit geht es um das Gedicht "Abend-Lied", auch bekannt unter dem Namen "Nun ruhen alle Wälder“ von Paul Gerhardt, welcher einer der berühmtesten Kirchenlieddichter des 17. Jahrhunderts war. Zunächst wird ein Einblick in das Leben von Paul Gerhardt gegeben. Anschließend folgt eine Interpretation bezüglich seines oben genannten
Gedichts.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Paul Gerhardt
3. „Abend-Lied“
3.1 Form
3.2 Inhalt
3.3 Sprache
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, das bekannte Kirchenlied „Abend-Lied“ (bekannt als „Nun ruhen alle Wälder“) von Paul Gerhardt aus dem 17. Jahrhundert einer detaillierten literaturwissenschaftlichen Interpretation zu unterziehen und dabei insbesondere die Einflüsse der Barock-Epoche auf das Werk zu beleuchten.
- Biografischer Hintergrund von Paul Gerhardt
- Formale Analyse des Gedichts (Metrik, Reimschema, Kadenzen)
- Inhaltliche Interpretation der Strophen vor dem Hintergrund barocker Leitmotive
- Sprachliche Analyse und rhetorische Mittel
- Die Rolle von Kriegserfahrungen und religiösem Trost im 17. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
3.1 Form
Das „Abend-Lied“ von Paul Gerhardt setzt sich aus neun Strophen zusammen, welche alle einem gleichen Aufbau folgen. Das Gedicht besteht aus insgesamt vierundfünfzig Verszeilen. Demnach setzt sich jede der neun Strophen aus sechs Versen zusammen, wobei die ersten beiden Verse einen Paarreim bilden. Der Paarreim wird gefolgt von einem umarmenden Reim, welcher aus vier Versen besteht. Dementsprechend lässt sich, bezogen auf das Reimschema, sagen, dass es sich in dem Gedicht um einen durchgängigen Schweifreim (a a b c c b) handelt. Die Verse der Strophen sind durch Endreime verbunden und es lassen sich sowohl reine Reime (vgl. Meid 2014 S. 189. Str. 1 V. 4 - 5) als auch unreine Reime, welche auch unter dem Namen „Halbreime“ bekannt sind, (vgl. Ebd. Str. 1, V. 1 - 2, V. 3 - 6) finden.
Das Gedicht weist eine jambische Struktur auf. Hinsichtlich der ersten fünf Verse aller Strophen handelt es sich um einen dreihebigen Jambus. Jedoch ist eine Abweichung im zweiten Vers der ersten Strophe festzustellen. Das Wort „Vieh“ wird am Versanfang betont und direkt im Anschluss folgt eine weitere Betonung der ersten Silbe des Wortes „Menschen“. Demnach folgen zwei Betonungen direkt nacheinander und es vollzieht sich ein sogenannter „Hebungsprall“. Dieser „Hebungsprall“ wird nochmals an einer anderen Stelle des Gedichts deutlich (vgl. Ebd. S. 190 Str. 6, V. 2). Bei jedem sechsten und zugleich letzten Vers kommt stattdessen ein vierhebiger Jambus zum Einsatz. Durch den vierhebigen Jambus soll ein akustisches Endsignal zum Ausdruck gebracht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Werk in der Epoche des Barock, skizziert die historischen Hintergründe wie den Dreißigjährigen Krieg und führt in die zentralen Motive sowie das Ziel der Arbeit ein.
2. Paul Gerhardt: Die Biografie des Autors wird von seiner Kindheit in Gräfenhainichen über seine Ausbildung und den schwierigen beruflichen Werdegang als Pfarrer bis hin zu seinen Lebensjahren in Lübben nachgezeichnet.
3. „Abend-Lied“: Dieser Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse des Schweifreims und der Metrik, eine inhaltliche Exegese der neun Strophen mit Fokus auf die Thematisierung von Tod und Glaube sowie eine sprachliche Untersuchung rhetorischer Mittel.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Gerhardt persönliche Kriegserfahrungen und das barocke Weltbild in seinem „Abend-Lied“ verarbeitet, um den Lesern in einer Zeit des Chaos religiösen Trost zu spenden.
Schlüsselwörter
Paul Gerhardt, Abend-Lied, Barock, Barockliteratur, Kirchenlied, Memento Mori, Vanitas-Motiv, Dreißigjähriger Krieg, Lyrikinterpretation, Schweifreim, religiöse Sprache, Gottesglaube, Hoffnung, Seelsorge, Metrik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung des Gedichts „Abend-Lied“ von Paul Gerhardt aus dem 17. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen der historische Kontext des Barock, das Leben des Lieddichters, formale Gedichtstrukturen sowie die zentrale Thematik von Tod, Vergänglichkeit und christlichem Trost.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Interpretation des Gedichts, um aufzuzeigen, wie Gerhardt Hoffnung und Halt in einer von Krieg und Angst geprägten Epoche vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine klassische literaturwissenschaftliche Analyse angewendet, die formale, inhaltliche und sprachliche Aspekte des Textes systematisch untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den formalen Aufbau des „Abend-Lieds“, bietet eine strophenweise Interpretation mit Bezug auf barocke Leitmotive und untersucht den Einsatz rhetorischer Mittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Barock, Paul Gerhardt, Memento Mori, Vanitas-Motiv, Dreißigjähriger Krieg, Schweifreim und christlicher Glaube.
Wie beeinflusste der Dreißigjährige Krieg das Gedicht?
Der Krieg prägte das Zeitalter durch Angst und Leid; diese Erfahrungen führten dazu, dass das lyrische Ich im Gedicht Trost im Jenseits und im Schutz Gottes sucht.
Welche Rolle spielt die Sonne in der Interpretation?
Die Sonne wird als ein zentrales Symbol verwendet: Die äußere Sonne weicht der Nacht, während Jesus als „innere Sonne“ im Herzen des lyrischen Ichs bleibt.
Warum wird Jesus mit einer Henne verglichen?
In der achten Strophe dient dieser Vergleich als Metapher für Schutz und Geborgenheit, wobei Jesus seine Flügel schützend über das lyrische Ich als „Küken“ ausbreitet.
Welche Bedeutung hat das „Jammertal“ für den Autor?
Das „Jammertal“ symbolisiert die gegenwärtige, leidvolle irdische Existenz, der die Hoffnung auf den „blauen Himmels-Saal“ als jenseitiger Ort der Erlösung gegenübersteht.
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- Franziska Aeilts (Author), 2020, Das "Abend-Lied" von Paul Gerhardt. Interpretation des Gedichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1154055