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Zeit und Zeitgestaltung in erzählenden Texten am Beispiel von Erich Kästners - Sechsundvierzig Heiligabende -

Title: Zeit und Zeitgestaltung in erzählenden Texten am Beispiel von Erich Kästners - Sechsundvierzig Heiligabende -

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 25 Pages , Grade: 1

Autor:in: Sarai Jung (Author)

German Studies - Linguistics
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Zeit – Was ist das eigentlich? Nur sehr schwer lässt sich eine Antwort auf eine solch einfache Frage finden, obwohl es sich um ein ganz alltägliches Phänomen handelt, das aus unserem Leben nicht weg zu denken ist. Unser ganzer Alltag ist im Wesentlichen durch Zeit strukturiert und bestimmt. Zeit ist unbestritten objektiv messbar. Wenn man den einzelnen aber danach fragt, wie lange denn ein Augenblick dauert, oder eine Stunde, oder auch eine Ewigkeit, dann wird klar, dass die Zeitwahrnehmung alles andere als objektiv ist. Denn Zeit ist zweitens und vor allem subjektives Erleben. Drittens aber ist Zeit Geschichte, denn sie ist „das was geschieht, und damit auch das, was wir über das Geschehene berichten, wie wir es sehen und verstehen“. Wenn wir sprechen, dann ordnen wir alles auf der Zeitachse in unser Koordinatensystem ein. Wir legen je nach unserem Empfinden und unseren Bedürfnissen fest, ob etwas zuvor, danach oder gleichzeitig geschehen ist; ob etwas vergangen, gegenwärtig oder zukünftig ist; wie lange etwas ungefähr oder genau gedauert hat.
In einer Erzählung dürfen wir an der ganz persönlichen Zeiterfahrung eines Erzählers oder der Figuren seiner Geschichte teilhaben. Der Erzähler nimmt den Leser bei der Hand und führt ihn durch seine Geschichte, indem er die Zeitstrukturen bewusst gestaltet. Er greift stets strukturierend und ordnend in das Geschehen ein, reguliert das Erzähltempo und / oder unterbricht die lineare Abfolge der Geschehnisse durch Anachronien. Der Autor setzt bewusst eine Sprecher-Origo ein, von der aus die Ereignisse in die jeweilige Vor-Zeit (Vergangenheit), in die Gegenwart und Gleichzeitigkeit des Sprechaktes und in die Nach- Zeit (Zukunft) eingeordnet werden müssen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Erzählung "Sechsundvierzig Heiligabende" von Erich Kästner, die eine sehr komplexe und elaborierte Zeitgestaltung aufweist. Der Autor lässt die zeitlichen Ebenen ganz bewusst verschwimmen, so dass zwischen Gegenwart und Zukunft keine klaren Grenzen gezogen werden können, genauso wenig wie zwischen den unterschiedlichen Perspektiven der Hauptpersonen (Ich-Erzähler, Mutter). Es gelingt ihm, anhand der Zeitstruktur die Aussageintention seiner Erzählung zu unterstreichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die Zeit

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Sprachliche Mittel der Zeitgestaltung

2.2. Erzähltempo

2.3. Zeitdualität

2.4. Chronologie und Anachronie

3. Zeitgestaltung in Erich Kästners Erzählung Sechsundvierzig Heiligabende

3.1. Struktur der Zeitgestaltung

3.1.1. Grobstruktur der zeitlichen Ebenen

3.1.2. Konkrete Zeitreferenz der Erzählung

3.1.3. Einleitung der Erzählung

3.1.4. Geschichtenzeit

3.1.5. Zeitdualität

3.2. Thematischer Bezug

3.2.1. Emotionale Bindung zwischen Mutter und Sohn

3.2.2. Verschwimmen von Gegenwart und Zukunft

3.2.3. Gegenwart des Erzählers

3.2.4. Vergangenheit des Erzählers und seiner Mutter

3.3. Zusammenfassende Bermerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexe und unkonventionelle Zeitgestaltung in Erich Kästners Erzählung "Sechsundvierzig Heiligabende". Ziel ist es zu analysieren, wie der Erzähler durch die gezielte Vermischung zeitlicher Ebenen und die bewusste Nutzung von Tempusformen seine Aussageintention unterstreicht, um Trost und Verbundenheit über räumliche und zeitliche Distanzen hinweg zu vermitteln.

  • Analyse der narrativen Zeitstruktur und Zeitordnung (Zeitmodi nach Genette)
  • Untersuchung der Tempusverwendung (Präsens, Futur, Präteritum) zur Konstruktion von Zeitreferenzen
  • Beleuchtung der Bedeutung von Erinnerungen als Bindeglied zwischen Mutter und Sohn
  • Dekonstruktion des Verschwimmens von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft im Text

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung der Erinnerung für das Verschwimmen der Zeitebenen

Gleichzeitig sind Erinnerungen allgemein in einer ganz bestimmten Funktion Thema der Erzählung. Erinnerungen sind für den Erzähler nicht nur Gedanken an eine bessere Zeit, sondern darüber hinaus ein Bindeglied zwischen den Menschen. Sie schlagen eine Brücke zwischen der Mutter und dem Sohn und können so scheinbar Zeit und Raum überwinden. Wie wir bereits oben festgestellt haben, finden wir einen durchgehenden Wechsel von Futur und Präsens, der zeigt, dass der Erzähler trotz der räumlichen Distanz mit seinem ganzen Herzen bei seiner Familie ist und auch an dem sechsundvierzigsten Heiligabend bei ihnen sein wird. Das Präsens holt das Geschehen in die unmittelbare Gegenwart herein und lässt den Weihnachtsabend tatsächlich vor dem inneren Auge des Erzählers entstehen. So wird eine fast telepathische Verbindung zwischen Mutter und Sohn möglich, die beinahe zu einer Verschmelzung der Origines der beiden Figuren führt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Zeit: Einführung in das Phänomen der Zeit als alltägliches Geheimnis und ihre fundamentale Rolle in der Strukturierung des menschlichen Lebens und Erzählens.

2. Theoretische Grundlagen: Klärung narratologischer Fachbegriffe wie Erzähltempo, Zeitdualität sowie Formen der Anachronie (Prolepse, Analepse) als Basis für die folgende Analyse.

3. Zeitgestaltung in Erich Kästners Erzählung Sechsundvierzig Heiligabende: Detaillierte Untersuchung der zeitlichen Grobstruktur, des thematischen Bezugs und der unkonventionellen Verzahnung von Schreibgegenwart, erinnerter Vergangenheit und vorgestellter Zukunft im gewählten Werk.

Schlüsselwörter

Zeitgestaltung, Erzählzeit, Geschichtenzeit, Zeitdualität, Anachronie, Analepse, Prolepse, Erich Kästner, Sechsundvierzig Heiligabende, Erinnerung, Textlinguistik, Erzähltheorie, Tempus, Schreibgegenwart, Verbundenheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die spezifische Zeitgestaltung in Erich Kästners Erzählung "Sechsundvierzig Heiligabende", insbesondere wie der Autor Zeitstrukturen nutzt, um eine emotionale Wirkung beim Leser zu erzielen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der narrativen Zeitgestaltung, das Verhältnis zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit sowie die Rolle der Erinnerung als Bindeglied zwischen Menschen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kästner durch ein unkonventionelles Spiel mit Zeitebenen – insbesondere das Verschwimmen von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft – die Aussageintention seiner Erzählung verstärkt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf narratologischen Theorien, wie denen von Gérard Genette und Jochen Vogt, basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die zeitliche Struktur der Erzählung, die Funktion der Tempuswahl, die Rolle der Anachronien sowie die Bedeutung der Erinnerung für die Charakterkonstellation von Mutter und Sohn.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Zeitgestaltung, Erzählzeit, Geschichtenzeit, Zeitdualität, Anachronie, Analepse, Prolepse und Erinnerung.

Wie unterscheidet sich die Erzählung von einer "typischen" Erzählung?

Im Gegensatz zu typischen Erzählungen liegt der Schwerpunkt nicht auf einer chronologischen Abfolge in der Vergangenheit, sondern auf der Darstellung einer in der Vorstellung des Erzählers liegenden Zukunft und der damit einhergehenden Simultaneität der Zeitebenen.

Warum ist die Wahl des Tempus in der Erzählung so bedeutend?

Die Mischung aus Futur und Präsens, bei weitgehendem Verzicht auf das für Erzählungen typische Präteritum, ermöglicht es, eine unmittelbare "Allgegenwärtigkeit" des Geschehens zu erzeugen und die Gewissheit der Handlungen gezielt zu relativieren.

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Details

Title
Zeit und Zeitgestaltung in erzählenden Texten am Beispiel von Erich Kästners - Sechsundvierzig Heiligabende -
College
University of Würzburg  (Philosophisches Institut II)
Course
Hauptseminar: Textlinguistik
Grade
1
Author
Sarai Jung (Author)
Publication Year
2003
Pages
25
Catalog Number
V11544
ISBN (eBook)
9783638176767
ISBN (Book)
9783638641913
Language
German
Tags
Zeit Zeitgestaltung Texten Beispiel Erich Kästners Sechsundvierzig Heiligabende Hauptseminar Textlinguistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarai Jung (Author), 2003, Zeit und Zeitgestaltung in erzählenden Texten am Beispiel von Erich Kästners - Sechsundvierzig Heiligabende -, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11544
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