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Das Motiv der Einsamkeit in David Bergelsons "Blindheit" und "Wieder eine Nacht herum"

Title: Das Motiv der Einsamkeit in David Bergelsons "Blindheit" und "Wieder eine Nacht herum"

Term Paper , 2008 , 22 Pages , Grade: 2

Autor:in: Jarek Kracht (Author)

German Studies - Comparative Literature
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In Rahmen eines Hauptseminars unternehme ich hier einen Versuch, zwei Texte David Bergelsons „Blindheit“ und „Wieder eine Nacht vorbei“ einer Analyse zu unterziehen.
Die Analyse geht von der Hypothese aus, dass in den zwei Texten Bergelsons eine bestimmte Konstellation anzutreffen ist, die durch eine gemeinsame Linie miteinander verwebt ist. Durch eine Außenperspektive werden Bergelsons Protagonisten als Akteure in einer Welt geschildert, von der sie sich durch ein andersartiges Benehmen abheben.
Der Blick auf die Protagonisten, Ehefrau Sonja und Dichter Max Wenzel, erfolgt in dieser Arbeit aus einer distanzierten Perspektive. Die Andersartigkeit der Protagonisten gegenüber ihrem menschlichen Umfeld führt bei den Figuren Bergelsons teilweise zu einem Zustand der Isolation, des Alleinseins und der Einsamkeit.
Gleichzeitig richten sich die Protagonisten ihr eigenes System der Einsamkeit ein. Die vorliegende Arbeit untersucht die zwei Texte Bergelsons bezüglich der Einsamkeit und leistet eine theoretische Darstellung des Phänomens der Einsamkeit. In den ersten Schritten der Untersuchung wird die Schriftstellerfigur David Bergelson präsentiert, danach wird das Phänomen der Einsamkeit erläutert und schließlich wird ein Bezug auf Bergelsons Erzählungen genommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Zu David Bergelson

3. Phänomen der Einsamkeit

3.1 Psychologische Perspektive der Einsamkeit

3.2. Sigmund Freuds Perspektive

3.3 Kulturell-Literarische Perspektive

4. Blindheit

4.1 Unter den Emigranten

5. Wieder eine Nacht herum

5.1 Die Nacht als Ort der Zurückgezogenheit

5.2 Am Rande des Bürgersteigs am Rande der Existenz

5.3 Max Wenzels Umgebung

5.4 Ein Dichter für die Dichtung

5.5 Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

5.6 Einsamkeit der Dialoge

6. Schlussfolgerung

7. Literaturliste

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Motiv der Einsamkeit in David Bergelsons Erzählungen "Blindheit" und "Wieder eine Nacht herum". Ziel ist es, die spezifische Konstellation der Isolation der Protagonisten vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Lebensumstände und einer theoretischen Fundierung des Phänomens Einsamkeit aufzuzeigen.

  • Analyse der existentiellen und pathologischen Einsamkeit bei Bergelson.
  • Untersuchung der psychologischen und literarischen Dimensionen des Alleinseins.
  • Biographische Einordnung von David Bergelson und seinem Wirken.
  • Interpretation der städtischen Kulisse (Berlin) als Raum der Entfremdung.
  • Kontrastierung von Künstleridentität und gesellschaftlicher Isolation.

Auszug aus dem Buch

Blindheit

Die neundreißigjährige Sonja, die an einem Frühlingstag erwacht, verspürt dass ihre Jugend „dahin war“, jedoch eine Mischung aus frischer Kälte und warmer Frühlingluft, klarer blauer Himmel, frisch gebackenes Gebäck für das Fest der Pessach und eine Erinnerung daran wie man auf sie in den jungen Jahren genannt hat „Chane!“ hat, wecken in ihr Gefühle, sich wieder „ganz jung“ zu fühlen. Ganz bewusst gewöhnt sich Sonja an einen langen Schlaf, daran, dann aufzuwachen, wenn ihr „Mann sein Bett schon verlassen hatte.“ In diesem Moment scheint sie ihr Alleinsein zu genießen „Ich war jetzt auch gern allein in der Wohnung, sogar ohne Dienstmädchen“ und ohne den Ehemann. Sie geht alleine in unbekannten Straßen spazieren voller unklaren Erwartungen. Sie erinnert sich an einen jungen Verkäufer aus der Drogerie, sie hat sogar einmal von ihm geträumt. „Einmal nachts habe ich von ihm geträumt – ein gutgewachsener junger Mann in einem langen weißen Kittel, in dem er stundenlang geduldig an der Kasse steht.“(36) Laut Freud können Träume unbewusste Wünsche und verborgene Botschaften verstecken (37). Aber auch Sonjas Tagträume lassen von dem jungen Mann nicht los. “ Ich lag zu Hause auf der Chaiselongue, und in mir stieg der Gedanke auf, wie gut es wäre, mit diesem jungen Deutschen irgendwo in einem kleinen, halb bäuerlichen Haus zu wohnen, am Wald, nahe bei meinem Schtetl, nur zu zweit dort zu wohnen, und draußen sollte ein sommerlicher Tag sein, aber im Haus wären die Vorhänge herabgelassen, unbedingt herabgelassen, mitten am Tag…“(38) Nicht nur einen Wunsch nach einem jungen Liebhaber verbirgt Sonjas Seele, sondern auch einen Wunsch nach einer vertrauten Umgebung, die sie aus ihrer Jugend kennt. Bei einem anderen Besuch in der Drogerie entwickelt sich ein Dialog zwischen Sonja und dem Verkäufer, sie sagt: “Ich habe keine Kinder… Jedenfalls bis jetzt noch nicht.“(39) Durch ihre Kinderlosigkeit erinnert sich wieder Sonja an die Zeit ihrer Jugend “als wäre sie zu Hause im Schtetl, wo Mazze gebacken wird.“ Sonja hat „noch“ keine Kinder, durch eine besondere Betonung auf das „noch“ würde sie sich eine Jugend zuschreiben, andererseits eine Beziehungsoffenheit signalisieren. Ein anderes Mal, als Sonja sich spät in der Drogerie aufhielt, um den jungen Mann zu besuchen, tauchte hinter einem Vorhang ein junges, sehr hübsches Mädchen auf.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Darstellung von Einsamkeit in den Erzählungen "Blindheit" und "Wieder eine Nacht herum".

2. Zu David Bergelson: Biographische Skizze des Autors mit Fokus auf seine Schaffensphasen und die historische Kontextualisierung seines Exils.

3. Phänomen der Einsamkeit: Theoretische Auseinandersetzung mit den psychologischen und philosophischen Dimensionen der Einsamkeit.

3.1 Psychologische Perspektive der Einsamkeit: Erläuterung des Modells nach Elbing zur Strukturierung von Alleinsein und Einsamkeit.

3.2. Sigmund Freuds Perspektive: Analyse der existenziellen Ängste und Symbolik der Dunkelheit im Kontext der Psychoanalyse.

3.3 Kulturell-Literarische Perspektive: Betrachtung des Zusammenhangs von Schrift und Einsamkeit nach Aleida und Jan Assmann.

4. Blindheit: Literarische Analyse der Erzählung "Blindheit" und der Tagebuchperspektive von Sonja Grejer.

4.1 Unter den Emigranten: Untersuchung der sozialen Isolation und der Resignation einer jüdischen Emigrantin.

5. Wieder eine Nacht herum: Untersuchung der Erzählung "Wieder eine Nacht herum" und der nächtlichen Isolation in Berlin.

5.1 Die Nacht als Ort der Zurückgezogenheit: Deutung der Nacht als Rückzugsort für den Protagonisten Max Wenzel.

5.2 Am Rande des Bürgersteigs am Rande der Existenz: Analyse der sozialen und existenziellen Prekarität des Protagonisten.

5.3 Max Wenzels Umgebung: Beschreibung der kargen sozialen Beziehungen und der schöpferischen Einsamkeit.

5.4 Ein Dichter für die Dichtung: Reflexion über die Künstleridentität und das Fehlen äußerer Anerkennung.

5.5 Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.: Darstellung des städtischen Raumes als menschenleere, kalte Kulisse.

5.6 Einsamkeit der Dialoge: Betrachtung der Einsamkeit als strukturelles Element in den Monologen und Dialogen des Textes.

6. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse zur Einsamkeitsproblematik in Bergelsons Werk.

7. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Einsamkeit, David Bergelson, Jiddische Literatur, Isolation, Entfremdung, Exil, Moderne, Psychologie, Psychoanalyse, Berlin, Identität, Erzählung, Blindheit, Wieder eine Nacht herum, Künstlertum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das zentrale Motiv der Einsamkeit in zwei Erzählungen von David Bergelson, um die psychischen und sozialen Zustände seiner Protagonisten besser zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Alleinseins, der Entfremdung, die Situation von Emigranten sowie die Rolle der Kunst und des Künstlers in einer als fremd empfundenen Welt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bergelson durch die Außenperspektive auf seine Protagonisten einen Zustand der Isolation konstruiert und wie dieser als Diskurs durch seine Erzählungen verläuft.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es werden psychologische Modelle der Einsamkeitsforschung (nach Elbing und Gaev) sowie literaturwissenschaftliche Ansätze zur Textanalyse kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Einsamkeit und eine detaillierte textanalytische Untersuchung der Werke "Blindheit" und "Wieder eine Nacht herum".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Einsamkeit, Exil, Entfremdung, Isolation, Identität und die spezifische literarische Gestaltung des städtischen Lebens bei Bergelson.

Inwiefern beeinflusst das Exil die Einsamkeit der Figuren?

Das Exil fungiert als Verstärker der sozialen Isolation, da die Figuren in der Emigration Schwierigkeiten haben, einen Platz in der neuen Gesellschaft zu finden und ihre Identität zu wahren.

Wie deutet der Autor die Figur Max Wenzel?

Max Wenzel wird als ein in der Großstadt isolierter Dichter gezeichnet, für den das Dichten zum einzigen Lebensinhalt wird und der durch die nächtliche Stadt schleicht, um sich dem Lärm und der sozialen Einbindung zu entziehen.

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Details

Title
Das Motiv der Einsamkeit in David Bergelsons "Blindheit" und "Wieder eine Nacht herum"
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
2
Author
Jarek Kracht (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V115450
ISBN (eBook)
9783668006942
ISBN (Book)
9783668006959
Language
German
Tags
Motiv Einsamkeit David Bergelsons Erzählungen Blindheit Wieder Nacht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jarek Kracht (Author), 2008, Das Motiv der Einsamkeit in David Bergelsons "Blindheit" und "Wieder eine Nacht herum", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115450
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