In dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, welche Probleme eine globale Sichtweise auf soziale Ungleichheiten mit sich bringt. In dieser Hausarbeit möchte ich mich auf zwei Fragestellungen konzentrieren: (1.) Können globale Ungleichheiten durch die Weltgesellschaft ausreichend abgedeckt werden und (2.) welche weiteren Betrachtungsmöglichkeiten existieren? Beginnen möchte ich mit den Schwierigkeiten der Weltgesellschaft im Hinblick auf globale Ungleichheiten. Im zweiten Teil wende ich mich weiterer Möglichkeiten zu, globale Ungleichheiten zu klassifizieren. Dabei sollen die Weltleistungsgesellschaft und die Weltklassen im Mittelpunkt stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Überblick
2. Die Weltgesellschaft als Grundlage für globale Ungleichheiten?
2.1. Die Weltsystemtheorie nach Immanuel Wallerstein
2.2. Die Weltgesellschaft nach John Meyer
2.3. Die Weltgesellschaft nach Niklas Luhmann
2.4. Die Rolle des Nationalstaates in der Weltgesellschaft
3. Die Weltleistungsgesellschaft und Weltklassen als Möglichkeit zur Betrachtung von globalen Ungleichheiten
3.1. Die Weltleistungsgesellschaft
3.2. Die Bedeutung von Klassen im globalen Kontext
4. Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Herausforderungen und Probleme einer globalen Perspektive auf soziale Ungleichheiten. Dabei wird analysiert, inwieweit bestehende Weltgesellschaftstheorien globale Ungleichheitsverhältnisse erfassen können und welche weiteren soziologischen Ansätze, wie die Weltleistungsgesellschaft und das Konzept globaler Klassen, zur Analyse herangezogen werden können.
- Kritische Analyse von Weltgesellschaftstheorien (Wallerstein, Meyer, Luhmann) hinsichtlich ihrer Eignung zur Ungleichheitsforschung.
- Untersuchung des Bedeutungsverlusts und der neuen Rolle des Nationalstaates im globalen Kontext.
- Diskussion der Konzepte von Weltleistungsgesellschaft und globalen Klassenstrukturen.
- Herausarbeitung der methodischen Schwierigkeiten bei der Erfassung globaler, nicht nur nationalstaatlich geprägter Ungleichheitsverhältnisse.
- Plädoyer für eine soziologische Neuorientierung der Ungleichheitsforschung jenseits reiner wirtschaftswissenschaftlicher Betrachtungsweisen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Weltleistungsgesellschaft
Max Weber identifizierte drei Machtquellen über die sich Ungleichheitsverhältnisse herausbilden: Klassen, Stände und Parteien. Inwieweit können sich diese Ressourcen auf die Weltleistungsgesellschaft und auf die Verteilung von Lebenschancen auswirken? Die Verteilung von kulturellen Kompetenzen (Standzuweisungen) findet durch das Bildungssystem statt. Die Bildung gehört zu den Indikatoren für soziale Ungleichheiten. Der Bologna-Prozess stellt einen ersten Schritt in der weltweiten Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen da. Ziel ist dabei eine standardisierte Leistungseinstufung zu erzielen damit eine nationenübergreifende Bildungsklassifikation der Weltbevölkerung möglich ist. Auch die umstrittenen PISA-Studien werden die Ressource Bildung als weiteren vertikalen Klassifizierungsmaßstab der Weltbevölkerung weiter fördern (vgl. Schwinn 2008 S. 18f.; Kreckel 2004 S. 325).
Das durch die Bildung erworbene Kapital muss in ökonomisches Kapital umgewandelt werden. Durch die fortschreitende Globalisierung des Arbeitsmarktes werden immer neuere berufliche Möglichkeiten freigesetzt welche unabhängig von nationalen Rahmen fungieren können. Es entwickeln sich damit Karrieren über die Staatsgrenzen hinweg. Die soziale Lage wird durch den Weltmarkt bestimmt, welcher sich nach den Angebots-Nachfrage-Verhältnissen richtet. Dabei kommt es zu einer Entwicklung von positiven und negativen Erwerbsklassen. Positive Erwerbsklassen zeichnen sich durch wählbare Optionen im Arbeitsmarkt aus, während negativen Erwerbsklassen sich anpassen müssen. Sie verfügen über leicht ersetzbare Qualifikationen und sie müssen mit der ständigen Konkurrenz aus den Billiglohnländern rechnen. Ihnen vermag es nicht nach gleichem Lohn zu verlangen, da ihre Beschäftigungsgruppe nicht nachgefragt ist und ihr Ersatz in anderen Ländern schon bereit steht. Es ist allerdings fraglich inwieweit die globale Konkurrenz immer als Rechtfertigung für den Personalabbau und die Senkung der Personalkosten verantwortlich ist (vgl. Schwinn 2008 S. 20). Allerdings wird laut Kreckel eine Vielzahl der Bevölkerungsgruppen in diese Betrachtung nicht mit einbezogen, da positionelle Unterschiede auf lokaler und regionaler Ebene eher relevant sind als auf transnationaler Ebene.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Überblick: Einführung in die Thematik der globalen Ungleichheit vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Kritik am nationalstaatlichen Container-Modell der Soziologie.
2. Die Weltgesellschaft als Grundlage für globale Ungleichheiten?: Darstellung und kritische Würdigung der systemtheoretischen Ansätze von Wallerstein, Meyer und Luhmann sowie die Analyse der veränderten Rolle des Nationalstaates.
3. Die Weltleistungsgesellschaft und Weltklassen als Möglichkeit zur Betrachtung von globalen Ungleichheiten: Untersuchung alternativer Analyseansätze abseits der Weltgesellschaftstheorien, fokussiert auf Bildung, Erwerbsklassen und den globalen Klassenbegriff.
4. Zusammenfassung und Diskussion: Synthese der Ergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass die Soziologie eine eigenständige Theorie zur globalen Ungleichheit entwickeln muss, die über rein ökonomische Messgrößen hinausgeht.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Soziale Ungleichheit, Weltgesellschaft, Weltsystemtheorie, Nationalstaat, Weltleistungsgesellschaft, Klassenbewusstsein, Globale Arbeitsteilung, Exklusion, Soziologie, Wirtschaftsstruktur, Globaler Kapitalismus, Lebenschancen, Sozialstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Erforschung globaler sozialer Ungleichheiten und der Frage, wie diese in einer zunehmend globalisierten Welt theoretisch angemessen erfasst werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Kritik am bisherigen nationalstaatlich begrenzten Forschungsrahmen, die Diskussion von Weltgesellschaftstheorien und die Analyse von Weltklassen- sowie Weltleistungsgesellschaftsmodellen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Autorin geht der Frage nach, welche Probleme eine globale Sichtweise auf soziale Ungleichheiten mit sich bringt, ob Weltgesellschaftstheorien diese ausreichend abdecken und welche weiteren Möglichkeiten zur Klassifizierung bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die einschlägige soziologische Theorien und Fachliteratur auswertet, vergleicht und kritisch auf ihre Anwendbarkeit im globalen Kontext prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Auseinandersetzung mit systemtheoretischen Ansätzen (Wallerstein, Meyer, Luhmann), eine Analyse der Rolle des Nationalstaates sowie die Prüfung der Konzepte von Weltleistungsgesellschaften und Weltklassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Globalisierung, soziale Ungleichheit, Weltgesellschaft, Weltsystemtheorie und Klassenbildung charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst der Bologna-Prozess laut der Autorin globale Ungleichheiten?
Die Autorin sieht im Bologna-Prozess einen ersten Schritt zur weltweiten Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen, der die Ressource Bildung als vertikalen Klassifizierungsmaßstab für die Weltbevölkerung weiter etabliert.
Warum hält die Autorin den Fokus auf rein wirtschaftswissenschaftliche Daten für problematisch?
Sie kritisiert, dass ökonomische Daten (wie Geld als Messkriterium) kulturelle, historische und soziale Gegebenheiten ausblenden und somit die tatsächliche Komplexität globaler Ungleichheit nicht erfassen können.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Rolle der Soziologie?
Sie fordert die Soziologie dazu auf, sich dem Problem der globalen Ungleichheit explizit zuzuwenden und das theoretisch gut ausgebaute Feld der sozialen Ungleichheitsforschung methodisch auf die globale Ebene zu übertragen.
Wie bewertet die Autorin die Solidarität zwischen Arbeitern in verschiedenen Ländern?
Sie stellt fest, dass eine transnationale Solidarität aufgrund nationaler Interessen, unterschiedlicher kultureller Bedingungen und ständiger Konkurrenzsituationen auf dem Arbeitsmarkt derzeit kaum zu beobachten ist.
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- Ellen Ziegler (Author), 2008, Wie global sind soziale Ungleichheiten - Die Probleme der globalen Ungleichheitsforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115451