Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen. Risiko- und Schutzfaktoren und psychotherapeutische Intervention


Einsendeaufgabe, 2020

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Psychische Störungen
1.1 Allgemeine Beschreibung
1.2 Risiko- und Schutzfaktoren
1.2.1 Risikofaktoren
1.2.2 Schutzfaktoren
1.3 Das bio-psycho-soziale Modell

2. Soziale Unterstützung
2.1 Allgemeine Beschreibung
2.1.1 Begriffserklärung und Bedeutung
2.1.2 Erklärungsmodelle
2.2 Dysfunktionale Kognition

3. Methodisches Handeln
3.1 Psychologische Diagnostik
3.2 Psychotherapeutische Intervention
3.3 Verhaltenstherapeutischer Prozess bei Angststörungen
3.3.1 Allgemeine Beschreibung
3.3.2 Fallbeispiel

Literaturverzeichnis

Die teilweise Verwendung des generischen Maskulinums dient lediglich eines vereinfachten Leseverständnisses und übernimmt eine stellvertretende Funktion für jegliche Geschlechter des Menschen. Hierbei findet demnach keine Wertung statt und hat Bestand, bis eine offizielle, neutrale und gendergerechte Bezeichnung eingeführt wird.

Abkürzungsverzeichnis

u.a. unter anderem

ICD-10 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (engl.)

DSM-5 Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (engl.)

k.A. keine Angaben (fehlender Verweis auf Erscheinungsdatum)

BPSM Bio-psycho-soziales-Modell

1. Psychische Störungen

Das erste Kapitel befasst sich mit der Sicherung von einigen Grundlagen. Hierfür erfolgt in Unterkapitel 1.1 zunächst eine generelle Beschreibung von psychischen Störungen. Anschließend wird in Unterkapitel 1.2 die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren erläutert. Im Anschluss wird in Unterkapitel 1.3 das bio-psycho-soziale Modell als Bindeglied zwischen den Unterkapiteln 1.1 und 1.2 beschrieben, welches mit einer kurzen Zusammenfassung abschließt.

1.1 Allgemeine Beschreibung

Die Entwicklung eines Individuums ist durch unterschiedliche Einflussfaktoren geprägt. Veränderungen während der einzelnen Entwicklungsphasen äußern sich u.a. in Abweichungen im Erleben und Verhalten, der Wahrnehmung, des Sozialverhaltens sowie des Denkens und Fühlens, verglichen mit Personen der gleichen Altersgruppe und Ethnie. Eine allgemeingültige Definition für den Begriff der psychischen Störung gibt es bislang nicht. Sie beruht lediglich auf dem aktuellen Forschungsstand, welcher aus der Praxis eine zeitlich begrenze Beschreibung der untersuchten Konstrukte darstellt. Demnach ist die Definition einer psychischen Störung an den Erkenntnisstand gebunden (Wittchen & Hoyer, 2011, S. 8-9). Als allgemeine Grundkriterien gelten: der Leidensdruck, die Fremd- und Eigengefährdung sowie die Ich-Dystonie bzw. Ich-Syntonie.1 (Casper, Pjanic & Westermann, 2018, S. 6-7). Deutliche Veränderungen im Verhaltenszustand und Verhaltensmuster können sich schon in frühen Stadien äußern, im Verlauf erworbener Erfahrungen herausbilden, durch ein dramatisches Erlebnis entstehen oder sich erst im späteren Leben entwickeln (Lüdke & Lüdke, 2020, S. 200). Unter dem Begriff der Phänomenologie wird die Beschreibung der psychischen Störung durch ihre Symptomatik verstanden. Hierbei gilt es sich häufenden oder in gleichen Situationen auftretende Symptome zu erfassen und zuzuordnen. Es findet zu diesem Zeitpunkt noch keine Bewertung der Merkmale oder eine finale Diagnostik des Patienten statt (Casper, Pjanic & Westermann, 2018, S.7).

Insbesondre Diagnosen, welche bereits im Kindesalter ermittelt wurden, können auf ihre kontinuierliche Entwicklung hin überprüft und Prognosen über einen weiteren Verlauf erstellt werden. Dies ermöglicht eine Vereinfachung des Diagnoseprozesses im Erwachsenenalter, da komorbide Störungen leichter ausgeschlossen werden können. (Lohaus, 2018, S. 258-259). Eine Diagnose findet über die Zuordnung von Symptomen durch eines der Klassifikationssysteme (ICD-10 oder DSM-V) statt. Hierbei gilt der Kriterienkatalog als Orientierungshilfe, um die zugrunde liegenden Symptomen einer psychischen Störung einzuordnen (Von der Assen, 2019, S. 40). Die hierdurch entstehenden Gruppen fassen Merkmale einer Störung zusammen, welche sich ähneln können, jedoch nie identisch sind (Margraf & Schneider, 2018, S. 145). Die Epidemiologie untersucht Krankheiten und ihre Einflussfaktoren in Raum und Zeit, sodass Prävalenzen angegeben werden können (Schöney, 2018, S.72). Aus epidemiologischer Sicht ist insbesondere durch die Corona-Pandemie eine Zunahme an psychischen Störungen aufgrund der Folgen des Lockdowns zu verzeichnen und ein fortlaufender Anstieg an z.B. Depressionen zu erwarten (Welt & Lanzke, 2020). Der Bereich der Ätiologie befasst sich mit der Ursachenforschung. In vielen Fällen kann es den „Heilungsprozess“ (abhängig von der Störung) positiv beeinflussen, wenn die Gründe und Einflussfaktoren für die Störung ermittelt werden können (Casper, Pjanic & Westermann, 2018, S. 9).

1.2 Risiko- und Schutzfaktoren

1.2.1 Risikofaktoren

Allgemein werden unter den Risikofaktoren diejenigen Faktoren zusammengefasst, welche die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer psychischen Störung bzw. das Auftreten einer Auffälligkeit erhöhen. Sie können die natürliche Symbiose zwischen der Entwicklung und dem Austausch sowie dem inneren und äußeren Erleben negativ beeinflussen. Nicht alle Entwicklungsphasen sind gleichermaßen störanfällig. Insbesondere die Adoleszenz wurde als ein sensibles Übergangsstadium erkannt (Lohse, 2021, S. 23). Als Risikofaktoren fungieren in erster Linie interne (personenbezogene/Vulnerabilitätsfaktoren) und externe (umweltbezogene/Stressoren) Faktoren. Demnach können sowohl biologische Dispositionen als auch das soziale Umfeld in gleichem Maße die Wirkung eines Risikofaktors für ein Individuum darstellen. Zudem beeinflussen die psychischen Komponenten wie z.B. das Temperament und die Persönlichkeitsmerkmale den individuellen Umgang mit stressauslösenden Situationen (Wittchen & Hoyer, 2011, S. 651). Dabei entscheiden die Dauer und die Intensität des Faktors darüber, ob eine psychische Störung auftritt bzw. ausgelöst wird oder nicht (Lohaus & Vierhaus, 2019, S. 303).

Die internen Faktoren bzw. genetischen Dispositionen können u.a. sowohl durch pränatale als auch perinatalen Komplikationen aufgrund des Geschlechtes oder einer physischen oder geistigen Behinderung begründet werden. Das soziale und familiäre Umfeld wirkt hierbei als externer Faktor, welcher sich von einer möglicherweise unsicheren Bindung zu den Eltern in der frühen Kindheit bis über die Lebensbedingungen in Peer-Beziehungen2 und konfliktreichen Partnerschaften erstrecken kann (Lohaus & Vierhaus, 2019, S. 304-310). Obwohl die Auswirkungen der Risikofaktoren zumeist als Belastung erlebt werden, entwickeln sich Menschen individuell, weshalb nicht vorausgesagt werden kann, wie viele der Betroffenen als Folge dessen an einer psychischen Störung leiden werden. Aus diesem Grund müssen Risiko- und Schutzfaktoren immer unter Beachtung ihrer reziproken Beziehung betrachtet werden (Kaiser, 2020, S. 15).

1.2.2 Schutzfaktoren

Durch das Wechselverhältnis der Schutz- und Risikofaktoren, wirken in der Regel beide Faktoren auf die Entwicklung eines Individuums ein. Die sogenannten Schutzfaktoren können die Wahrscheinlichkeit für das Ausbilden einer psychischen Störung minimieren. In erster Linie entscheiden dabei die persönlichen und umweltbedingten Ressourcen und Bewältigungsstrategien, ob eine psychische Störung ausgebildet wird oder nicht. Zu den Schutzfaktoren zählen, ähnlich wie dies bei den Risikofaktoren bereits erwähnt wurde, die Bereiche des Persönlichen und der Umwelt. Als persönliche Faktoren wurden z.B. die Autonomität, eine ausgeprägte Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle sowie ein hohes Maß an sozialen Kompetenzen ermittelt (Rolfe, 2019, S.106). Schützende Faktoren durch die Umwelt sind bspw. eine sichere Eltern-Kind-Beziehung für Kinder und Jugendliche bzw. eine stabile Partnerschaft, ein strukturierter Lebensalltag sowie die soziale Unterstützung ab dem Jugendalter (Lohaus & Vierhaus, 2019, S. 309). Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass Schutzfaktoren zumeist nur dann Einsatz finden, wenn hierdurch die Folgen einer Gefahrensituation abgemindert werden können. Sie treten demnach nur dann in Erscheinung, wenn bereits Risiken auf den Entwicklungsverlauf eines Individuums einwirken. Sie verhindern keine Belastung, sondern wandeln das Ergebnis der erlebten Situation um. Des Weiteren können sich Schutzfaktoren in Risikofaktoren wandeln, wenn sie ein unnatürlich ausgeprägtes Maß erreichen (Kaiser, 2020, S. 22-23). Im Zusammenhang mit den Schutzfaktoren wird häufig auch die Bedeutung der Resilienz erläutert. Der Begriff Resilienz beschreibt in diesem Zusammenhang das Vorhandensein psychischer Widerstandfähigkeit gegenüber Belastungen und negativen äußeren Einflüssen.

Demnach ist die Resilienz eine tatsächliche Barriere vor Risiken und nicht ausschließlich ein Faktor zur Abmilderung von vorhandenen Konsequenzen. Menschen mit einem hohen Vorkommen an psychischer Widerstandsfähigkeit leiden deutlich seltener an einer psychischen Störung und erleben eine schnellere Genesung, bei etwaiger Erkrankung der Psyche. Die Fähigkeit der Resilienz gilt als erlernbar und steigerungsfähig, sodass insbesondere die Forschung gezielt diese Ressourcen des Menschen zu bestärken versucht (Lohse, 2021, S. 17-18).

1.3 Das bio-psycho-soziale Modell

Die Wissenschaft und Forschung strebt an, bereits in frühen Phasen einwirkende Risiko- und Schutzfaktoren isoliert und in ihrer Wechselwirkung betrachten zu können. Hieraus sollen sich Schlussfolgerungen über Prävalenzen und die Entstehung sowie Entwicklung von psychischen Störungen ableiten lassen. Zielführend wäre demnach die Bereitstellung geeigneter Interventions- und Rehabilitationsmaßnahmen (Spektrum, k.A.). Eine in der Psychologie weitläufig bekannte Untersuchungsmethode ist das „Bio-psycho-soziale-Modell (BPSM)“ nach George Libman Engel (1913-1999). Im Jahr 1977 formulierte er erstmals seine Gedanken über die Bedeutung der ganzheitlichen Sicht auf den Menschen (Rummel & Gaßmann, 2019, S. 14). In den neunziger Jahren etablierte sich das BPSM in der psychologischen/psychiatrischen Anwendung. Mithilfe des Modells kann sowohl die Korrelation als auch Interferenz zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren beschrieben werden (Psychiatrienetz, 2017). Das BPSM gilt deshalb als besonders umfassend, da keine isolierte Ursache für eine Störung untersucht wird, sondern die Verflechtung der einzelnen Bedingungen, welche an der Entstehung beteiligt sind bzw. waren. Das bedeutet, dass sowohl biologische Voraussetzungen (z.B. pränatale Schäden durch bspw. Drogenabusus der Mutter), mögliche psychische Instabilitäten (z.B. ausgelöst durch Misshandlungen und Missbrauch) als auch das soziale Umfeld in differenzierter Ausprägung auf die Entwicklung eines Individuums einwirken (Rank, 2020, S. 19). Potenziell häufig bilden sich bei Kindern, welche diesen Faktoren ausgesetzt sind oder waren, das sogenannte Urmisstrauen oder Störungen der Geschlechtsidentität sowie der Sexualpräferenz heraus. Ebenso werden Konflikte bei der Aufrechterhaltung von zwischenmenschlichen und partnerschaftlichen Beziehungen verzeichnet (Köhler, 2019, S. 265).

Zusammenfassung

Die Entwicklung des Menschen ist ein Prozess, welcher u.a. durch Erfolge und Niederlagen sowie Fort- und Rückschritten geprägt ist. Unterschiedliche Einflüsse, unabhängig ob sie eigenbestimmt oder fremdbestimmt ein Individuum formen, können zu irreversiblen Veränderungen beitragen. In Bezug auf die Risiko- und Schutzfaktoren lässt sich demnach sagen, dass mithilfe des BPSM alle Bereiche, Faktoren und Aspekte der persönlichen und umweltbedingten Einflüsse berücksichtigt werden können. Das bedeutet, dass bei frühzeitiger Beobachtung, Feststellung und Intervention bei vorhandenen Risiko- und Schutzfaktoren (bspw. durch das BPSM) eine Entstehung bzw. Ausbildung einer psychischen Störung beeinflusst werden kann. Die Wirkung der einzelnen Faktoren kann individuelle Verläufe und Folgen für die Entwicklung eines Betroffenen annehmen. Aus diesem Grund sind kaum Vorhersagen ohne begleitende Untersuchungen durch examiniertes Fachpersonal möglich. Aufgrund dessen, dass jedes Individuum im Verlauf seiner Lebenszeit mit Risikofaktoren in Kontakt treten kann (persönlicher oder umweltbedingter Hintergrund), sollten diesen stets die nötige Aufmerksamkeit entgegnet werden, um zeitnah zu intervenieren. Ebenso gilt es Schutz- und Resilienzfaktoren zu fördern, da sie, unter Beachtung möglicher Umstände, als erlern- und steigerbar gelten.

2. Soziale Unterstützung [engl. social support]

Im zweiten Kapitel werden spezifische Einflussfaktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen behandelt. In Unterkapitel 2.1 wird zunächst der Begriff der sozialen Unterstützung beschrieben. Anschließend werden drei Modelle aus diesem Bereich vorgestellt. Im Unterkapitel 2.2 erfolgt eine Erklärung der dysfunktionalen Kognition. Ausgehend davon wird anhand eines Fallbeispiels ein praktischer Bezug hergeleitet. Das Kapitel wird mit einer kurzen Zusammenfassung abgeschlossen.

2.1 Allgemeine Beschreibung

2.1.1 Begriffserklärung und Bedeutung

Im vorrausgegangenen Kapitel wurde bereits erläutert, dass Schutz- oder Resilienzfaktoren einen positiven (abschwächenden) Effekt auf vorhandene oder zukünftige psychische Störungen ausüben können. Die soziale Unterstützung, als ein Faktor der Umwelt, erfolgt im Allgemeinen durch die Hilfe eines/der Mitmenschen im Umfeld in emotionaler, instrumenteller oder informationeller Weise. Hierdurch soll die Bewältigung einer belastenden Situation mit der Hilfe externer Personen (familiär, freundschaftlich oder fachwissenschaftlich) erleichtert werden. Das bedeutet, dass sie u.a. durch das Entgegnen von Aufmerksamkeit und Beistand, sachdienlicher Leistung wie z.B. dem Helfen durch finanzielle Mittel als auch durch fachkompetente Beratung ausgeführt bzw. empfangen werden kann. Demnach stellt diese Form der Unterstützung ein mögliches Medium des umweltbedingten Faktors dar, welches häufig erst dann in Anspruch genommen wird, wenn die eigenen Ressourcen des Betroffenen aufgebraucht oder unzureichend sind. Vorhandene Konsequenzen werden als Stress oder Belastung erlebt, welche im Idealzustand (vorhandene Unterstützung und bereitwillige in Empfangnahme des Betroffenen) mithilfe der sozialen Unterstützung aus dem Umfeld bewältigt werden kann (Asendorpf, 2019, S. 167). Die Kompetenz der sozialen Unterstützung dient dabei sowohl der Gesunderhaltung von Kindern, Erwachsenen sowie älteren Menschen und begleitet ein Individuum demnach über die komplette Lebensspanne hinweg. Dabei können sich die Art und Weise der Hilfeleistung und des Hilfebedürfnisses aufgrund des bisherigen Lebensalters und den erworbenen Erfahrungen unterscheiden. In empirischen Studien gelang es ihren hohen Stellenwert im Umgang mit Belastungssituationen und Lebenskrisen nachzuweisen. Bereits in den 70er-Jahren wurde die Rolle der sozialen Unterstützung bei der Stressbewältigung untersucht.

Die verschiedenen Möglichkeiten und Varianten der Hilfeleistung beinhalten eine unterschiedliche Effektivität, so dass in erster Linie ihre Angemessenheit und Nützlichkeit in der vorherrschenden Situation entscheidend sind. Wird demnach die Unterstützung als ungeeignet empfunden, so fördert sie die Zunahme der Belastung (Braasch, 2018, S. 101).

2.1.2 Erklärungsmodelle

Insgesamt gibt es im Bereich der Forschung zu dem Konstrukt der sozialen Unterstützung verschiedene Modelle als Erklärungsstützen. Im Folgenden soll deshalb auf drei Modelle näher eingegangen werden. Das gemeinsame Ziel (und gleichermaßen die Wirkung) stellt die Rückführung zu einem Zustand des Wohlbefindens sowie die Aufrechterhaltung oder Aufbesserung der Gesundheit dar.

1. Moderatormodell (Puffereffekt):

In diesem Modell wird die soziale Unterstützung als „Puffer“ angesehen, welcher bei der Bewältigung der belastenden Situation zur Minimierung der Folgen beiträgt. Das unterstützende Verhalten wirkt hierbei als Moderatorvariable von Stresseffekten. Dieses Modell geht davon aus, dass die soziale Unterstützung erst dann zum Tragen kommt, wenn bereits eine Belastungssituation vorherrscht. Hinzuzufügen ist demnach, dass vorab keine Hilfe beansprucht werden musste aber auch gleichermaßen nicht die Möglichkeit zum Empfang geeigneter Hilfe bestanden haben kann. In den häufigsten Fällen reicht es dem Betroffenen zu Beginn aus, ein Sicherheitsgefühl durch das Umfeld bei einem Hilfebedürfnis zu haben (Niemann, 2019, S. 67-68). Die Intensität der Belastung bzw. der Stresssituation korreliert mit der Effektstärke der Befindlichkeitsveränderung. Das bedeutet, dass erst ab einer gewissen Belastungsstärke die soziale Unterstützung zu einer Verbesserung des Zustandes führen kann (Hogrefe & Klauer, 2016).

2. Haupteffektmodell (Direkteffekt):

Im Gegensatz zum ersten Modell wird die soziale Unterstützung schon vor dem Auftreten einer Belastungssituation als positiver Wirkfaktor angesehen (Borrmann, Fedke & Thiessen, 2019, S. 143). Die Ansicht der Vertreter des Hauptfaktorenmodells besagt, dass unmittelbar eine Verbesserung des Zustandes stattfinden kann, wenn das Individuum über eine gute Einbindung in ein soziales Gefüge verfügt. Der hierdurch entstehende Rückhalt trage dabei nachhaltig zur Gesunderhaltung bei. Zwischenmenschliche Interaktionen und Beziehungsaufbauten entstehen aus den menschlichen Grundbedürfnissen nach Zugehörigkeit und Nähe. Die hieraus resultierende Sicherheit hat in empirischen Studien nachweislich einen positiven Einfluss auf die psychosoziale Gesundheit ausgeübt.

Des Weiteren konnten Effekte auf die Systeme des Heiz-Kreislaufs, der Hormone und des Immunsystems verzeichnet werden. Die Ergebnisse der Metastudien gelten bis heute als umstritten, obgleich diese Phänomene als erklärbar eingestuft wurden (Niemann, 2019, S. 68-69).

[...]


1 Ich-Dystonie: Person erlebt Symptome und Zustände als nicht zu ihrem Ich gehörend (d.h. störend, befremdlich); Ich-Syntonie: Person erlebt Symptome und Zustände zu ihrem Ich gehörend (hierbei geht zumeist kein Leidensdruck einher.) Patienten weisen jedoch u.a. wahnhafte Züge auf. Eine Behandlung dieser Wesensveränderung ist häufig durch fehlende Einsicht seitens des Betroffenen erschwert.

2 Peer-Beziehungen sind Kontakte zu Gleichaltrigen; wichtiger Einflussfaktor insbesondere während der Adoleszenz

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen. Risiko- und Schutzfaktoren und psychotherapeutische Intervention
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
21
Katalognummer
V1154698
ISBN (eBook)
9783346547934
ISBN (Buch)
9783346547941
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Klinische Psychologie, Psychische Störungen, Risiko- und Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, psychotherapeutische Intervention
Arbeit zitieren
Lena Haas (Autor:in), 2020, Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen. Risiko- und Schutzfaktoren und psychotherapeutische Intervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1154698

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