Zu Platon: das Schöne und das Gute und seine Bedeutung für den Menschen


Hausarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Antikes Denken: die Ideenlehre Platons

3. Das menschliche Streben nach Unsterblichkeit: die Liebe zum Guten im Symposion
3.1 Diotimas Belehrung über den Eros
3.1.1 Das Wesen des Eros
3.1.2 Streben nach Unsterblichkeit durch Zeugen im Schönen
3.2 Das Lebensziel des Menschen: die Erkenntnis des Schönen

4. Das bestmögliche menschliche Leben: das richtige Maß von Wissen und Lust im Philebos
4.1 Eine Bestimmung des Guten
4.2 Eine gute Mischung

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur

1. Einleitung

Die Frage nach der Stellung des Menschen in der göttlichen Ordnung und seinem Platz in der Welt beschäftigte die Menschheit schon immer. Dabei finden sie verschiedene Erklärungen für die besondere Bedeutung des Menschen im Kosmos und des Aufbaus des Weltganzen. Auch wenn in den fast 2500 Jahren seit Platons Wirkzeit einiges geschehen ist, die existentiellen Grundfragen nach einem Sinn des Ganzen und einer Erklärung des menschlichen Seins sind doch die selben geblieben. Daraus weiter entwickeln sich dann die konkreten Fragen nach einem sinnvoll gelebtem, also gutem menschlichen Leben.

Da der Besuch des Seminars „Klassische Theorien der Liebe“ Teil meines ethisch-philosophischen Grundlagenstudiums ist, werden in der vorliegenden Arbeit v.a. die ethischen Aspekte der im Seminar besprochenen Themen berücksichtigt. Als Grundlage meiner Ausführungen dient daher nicht nur Platons „Symposion“ über das Wesen der Liebe, sondern ebenfalls sein „Philebos“, der zum Ziel hat, die Bedingungen für das beste menschliche Leben zu klären und damit in den ethischen Bereich hineinreicht.

Platons Lehre von den Ideen bildet die Grundlage für das Verständnis seiner Philosophie, nicht nur in Hinblick auf seine politische Philosophie und seine Metaphysik, sondern letztendlich auch für die Ethik, und soll daher im Folgenden erläutert werden. Auch wenn eine genaue Darstellung der Ideenlehre für das Verständnis des Symposion nicht zwingend notwendig ist, erleichtert dies doch das weitere Vorgehen. Daher wird Platons Darstellung des Schönen und Guten im Symposion erst im Anschluss näher untersucht und verständlich dargestellt werden. Im Hinblick auf mein ethisch-philosophisches Grundlagenstudium folgt eine Darstellung des guten Lebens wie sie im Philebos versucht wird, da der Dialog auch der „empirischen Lebenswirklichkeit gerecht zu werden versucht“[1] und damit in den ethischen Bereich verweist. Platon verbindet hier die „allgemein-ontologischen Frage nach dem Seienden ... mit der ethischen Frage nach dem Guten“.[2]

Meine Arbeit gliedert sich demnach in drei Teile, wobei ich mit der Darstellung der Ideenlehre vom großen Ganzen ausgehe, so dass sie quasi der Rahmen für das weitere Verständnis bildet. Denn Hauptteil der Arbeit bildet eine detaillierte Erläuterung der Liebe, des Eros als das Streben des Menschen nach Unsterblichkeit, und der daraus resultierenden Bestimmung des Guten. Abschließend werden die Bedingungen für das bestmögliche menschliche Leben, das ein Leben in Eudaimonia ermöglicht, dargestellt.

Da eine Ethik immer „abhängig (ist) von einem Entwurf des Wesens des Menschen, der sowohl das Ziel des Lebens als auch den Weg zu diesem Ziel weitgehend bestimmt, und damit letztlich von der zugrunde liegenden Ontologie“[3], scheint mir diese Gliederung sinnvoll. Bei den Griechen war die höchste Tugend und somit der erstrebenswerteste Zustand die Kalokagathia, also das Schön- und Gutsein und dieses Lebensziel soll im Folgenden näher untersucht werden.

2. Antikes Denken: die Ideenlehre Platons

Die Frage, wieso jeder Mensch eine gewisse Vorstellung von einem Tisch oder einem Hund hat, und auch durchaus sehr unterschiedliche Arten von Hunden oder Tischen als solche zu erkennen vermag, führte Platon zu der Überlegung, es müsse ein von allen Menschen mehr oder weniger erahntes Urbild dieser Dinge geben, welches außerhalb unserer räumlichen und zeitlichen Welt liegt. Platon versucht mittels der Ideen diese „Allgemeinbegriffe (Universalien)“[4] zu erklären, die für uns empirisch nicht greifbar sind, da sie sinnlich nicht wahrnehmbar sind. Für unser heutiges Denken schwer nachzuvollziehen, denkt Platon sich die Ideen nicht als „Begriffe, die den Dingen immanent sind, oder um Konzepte, die wir uns selbst bilden, sondern um real existierende Objekte, denen sich menschliche Erkenntnis nur mit Mühe und auch dann nur punktuell, aber doch letztlich mit Erfolg annähern kann.“[5]

Platon teilt also die sinnlich wahrnehmbare Welt, die durch Zeit und Raum strukturierte Welt, in der ständiges Werden und Vergehen dazugehört, von einer unveränderlichen Seinspsphäre, in der er die Ideen ansiedelt. Sinnlich wahrnehmbare Gegenstände sind durch ihre Vergänglichkeit und Veränderlichkeit defizitär, während die Ideen ewig und unveränderlich und somit ontologisch höherrangig sind. Sie alleine machen es möglich, dass wir jeden Tisch als Tisch erkennen, denn „was zählt, ist nicht die Vielfalt der Erscheinungsformen, sondern das Urbild, das dieser Vielfalt zugrunde liegt und mit dessen Hilfe die Einzeldinge bestimmt werden können.“[6]

Aber nicht nur sinnlich wahrnehmbare Gegenstände, auch abstrakte Begriffe wie Gerechtigkeit, Schönheit etc werden als bloße in sich ruhende Urbilder in dieser transzendenten Sphäre abgebildet . Platon geht also auch im ethischen Bereich von unveränderlichen geistigen Strukturen aus, die eine Orientierung für eine gute Lebensführung geben sollen. Die Ideen sind demnach auch „objektiv existierende Wertstandards“[7] so dass auf der Suche nach einer Ethik diese Ideen möglichst genau erkannt werden müssen. Im Gegensatz zu heute, wo man versucht, eine Ethik zu entwickeln, die dann unserer Vorstellung von Gerechtigkeit etc entspricht, wird die platonische Ethik wiedererinnert, da sie schon in einer andere Sphäre vollkommen gut existiert. Das Problem besteht folglich darin, möglichst genau diese bereits existierende Ethik zu erkennen und sich an sie zu halten, anstatt eine neue Ethik zu entwickeln.

Wie sich Platon den Aufbau dieser außerweltlichen Sphäre vorstellt, beschreibt er im Timaios, Ich gebe im folgenden jedoch nur eine kurze Zusammenfassung der Vorlesung(antike gottesverstädnis,ws ...fußnote), da mir dies für mein Thema auszureichen scheint.

Diese zeitlose göttliche Sphäre, in der u.a. die Ideen angesiedelt sind, ist nochmals in drei Erscheinungsformen des Göttlichen unterteilt. Platon geht von einem normativen Gottesbegriff aus, wenn er das Göttliche als das schlechthin Unübertreffliche und Einfache beschreibt. So soll als oberstes und erstes metaphysisches Prinzip das Gute stehen, das Eine, das alles andere hervorbringt, ohne selbst denkend, erkennend oder seiend zu sein. Dieses steht als grundlegende Einheit im Gegensatz zur Vielzahl der Ideen und Erscheinungen. Das absolut Gute bringt alles andere aus sich selbst hervor, ist selber jedoch vollkommen einfach und widerspruchslos , da es ohne jede Differenz oder Relation gedacht werden muss. Denn wenn es zu seiner Existenz ein Gegenüber benötigen würde, wäre es nicht das oberste und vollkommenste Prinzip, es muss also zwangsläufig vollkommen einfach und relationslos sein. Das Eine ist das Maß aller Dinge und natürlich auch das vollkommen beste Maß. Das Schöne wiederum ist das in Erscheinung tretende Gute, es ist in höchstem Maße geordnet und somit harmonisch, wodurch es seine extreme Anziehungskraft für den Menschen gewinnt. Das Eine/ das Gute selber aber ist nicht schön, sondern über-schön. Denn nur Wohlgeordnetes, was wiederum mehrere Elemente voraussetzt, die geordnet werden können, ist schön. Da das Eine nun aber vollkommen einfach ist und nicht aus mehreren Elementen besteht, kann es selber nicht schön sein, bringt aber die Schönheit wie alles andere auch aus sich hervor.

Die Stufe unter dem Einen besteht aus dem Ideenkosmos, der aus den Ideen zusammengesetzt ist und somit die höchste Form von Vielheit darstellt. Der Ideenkosmos als Ganzes allerdings ist gleichzeitig eine Einheit im absoluten Geist. Platon stellt sich die Ideen als rein intelligible Wesen und als vollkommenes Sein vor. Sie erkennen sich selbst und sind selbstreflexiv. Auch das Wesen der anderen Ideen kennen sie aus ihrer je eigenen Perspektive. Da das Ganze im Einzelnen enthalten ist, aber in seiner je eigenen Weise, sind die Ideen mittelbar miteinander verbunden.

Auf der nächst niederen Stufe befindet sich der Demiurg, die Weltseele, eine unsterblichen Geistseele. Er ist als Schöpfergott die Wirkursache der Weltentstehung und stellt die Verwirklichungsform des Ideenkosmos auf nächst niedrigerer Stufe dar. Er schafft aber nicht ex nihilo, aus dem Nichts, sondern gestaltet ihm vorgegebene, ungeordnete Materie nach einer Formursache, den Ideen. Weltschöpfung ist demnach ein Ordnungsprozess. Der Demiurg ist Wirkungs- und Exemplarursache der Weltordnung. Der Demirg ordnet nach sich selbst, er hat die Ideen in sich. Er ordnet die bestmögliche, nicht die bestdenkbare Welt, so dass die Theodizee-Frage nach einer vollkommenen Welt ohne Leid und Tod aus unserer Perspektive nicht beantwortbar ist.

Wie der Demiurg eine Einheit darstellt, gibt es auf dieser Stufe auch die Vielheit in Form der Gestirnseelen, der Astralgötter, welche unsichtbare Geistseelen der sichtbaren Gestirne sind. Das Weltall ist somit sichtbar gewordener Gott.

Erst jetzt folgt die Stufe der sichtbaren Welt, deren Ursache aber außer ihr liegt. Der Mensch ist dennoch ein durch seine Vernunft freies und eben nicht vollkommen determiniertes Wesen. Er muss aber seine Vernunft gebrauchen, seinem Bedürfnis zu Streben folgen und so durch die Ideenschau auch Teil am Göttlichen zu haben. Dass dies der Weg des Philosophen ist, zeigt Platon im Symposion mit der Diotima-Rede und ihrer Charakteristik des Eros.

[...]


[1] Erler, Michael:Platon, S.204

[2] Schmidt-Wiborg, Petra: Dialektik in Platons Philebos, S.326

[3] Müller, Max und Halder, Alois: kleines philosophisches Wörterbuch, S.79

[4] Erler, ebd, S.144

[5] Ebd, S.146

[6] Ebd, S.144

[7] Ebd, S.145

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zu Platon: das Schöne und das Gute und seine Bedeutung für den Menschen
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Theologische Fakultät: Christliche Religionsphilosophie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Klassische Theorien der Liebe
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V115477
ISBN (eBook)
9783640169924
ISBN (Buch)
9783640172436
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Schöne, Gute, Bedeutung, Menschen, Hauptseminar, Klassische, Theorien, Liebe, Symposion, Eros, Ideenlehre, Höhlengleichnis, Streben nach dem Guten und Schönen, Sokrates, Philebos, Kalokagathia
Arbeit zitieren
Lydia Kanngießer (Autor), 2008, Zu Platon: das Schöne und das Gute und seine Bedeutung für den Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115477

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