Im Zuge der gesellschaftspolitischen Debatte der letzten Jahre im europäischen Kontext der Errichtung
des Binnenmarktes Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts und den ersten Vorbereitungen
zur Errichtung einer Europäischen Währungsunion hat sich der Begriff des europäischen Sozialmodells
(ES) eingebürgert. Sowohl in den Verträgen der EU als auch in den Verlautbarungen des Europäischen
Rates wird das Europäische Sozialmodell seitdem als ein wichtiges Element des europäischen
Integrationsprozesses anerkannt1 und findet sich Mitte der 90er Jahre als fester Bestandteil
der Selbstbeschreibung der Europäischen Union darüber hinaus auch im Weißbuch Sozialpolitik der
Kommission von 1994 wieder2.
Die Vorstellung eines einheitlichen Sozialmodells innerhalb Europas ist und war verstärkt der Ausgangspunkt
und das Leitideal zur weiteren Integration der europäischen Völker im Rahmen der gesamteuropäischen
Integration in der Nachkriegszeit. Anfangs noch als Alternative und Abgrenzung
zu marktradikaleren Wirtschafts- und Sozialsystemen wie dem angelsächsischen Marktkapitalismus
gesehen, ist der Terminus in sehr verschiedenen Kontexten und Definitionskategorien gebraucht
und interpretiert wurden, die sein Verständnis und eigentliches Ziel eher verdunkelt als geklärt haben
und sein Konzept allgemein diffus erschienen ließen3.
[...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung; Das Europäische Sozialmodell – Definition & Abgrenzung
- Hauptteil
- Definition und Abgrenzung
- Entstehung und historische Traditionslinien
- Das/Die Europäische(n) Sozialmodell(e) gegenüber anderen, westlichen Sozialmodellen - Unterscheidungen, Divergenzen und Konvergenzen
- Das Europäische Sozialmodell und das Dilemma Globalisierung – direkte und indirekte Problemstellungen sowie Auswege
- Die Sozialpolitik der EU - strukturelle und funktionale Rahmenbedingungen; Beispiel Arbeitsmarktregulierung & gemeinsame Beschäftigungspolitik als potenziell integrative Bestandteile des Sozialmodells
- Mythos Europäisches Sozialmodell? - Fehlendes institutionelles Gesamtkonzept durch uneinheitliche soziale Standards und Teilhaberechte
- Schlussfolgerung/Fazit
- Quellenangaben
- Anhang
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit dem Europäischen Sozialmodell und untersucht dessen Definition, Entstehung, historische Entwicklung und aktuelle Herausforderungen. Sie analysiert die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Europäischen Sozialmodells im Vergleich zu anderen westlichen Sozialmodellen und beleuchtet die Auswirkungen der Globalisierung auf das Europäische Sozialmodell. Darüber hinaus werden die strukturellen und funktionalen Rahmenbedingungen der Sozialpolitik der EU, insbesondere im Bereich der Arbeitsmarktregulierung und der gemeinsamen Beschäftigungspolitik, untersucht.
- Definition und Abgrenzung des Europäischen Sozialmodells
- Historische Entwicklung und Traditionslinien des Europäischen Sozialmodells
- Vergleich des Europäischen Sozialmodells mit anderen westlichen Sozialmodellen
- Auswirkungen der Globalisierung auf das Europäische Sozialmodell
- Die Rolle der EU-Sozialpolitik im Kontext des Europäischen Sozialmodells
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema des Europäischen Sozialmodells ein und definiert den Begriff. Sie beleuchtet die Entstehung des Begriffs im Kontext der europäischen Integration und die unterschiedlichen Interpretationen und Zielsetzungen, die mit dem Begriff verbunden sind. Die Einleitung betont die Bedeutung des Europäischen Sozialmodells für die soziale und politische Stabilität in Europa und die Notwendigkeit einer klaren Definition und Identifikation der gemeinsamen Grundziele der Europäischen Union.
Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit der Definition und Abgrenzung des Europäischen Sozialmodells, seiner Entstehung und historischen Traditionslinien. Er analysiert die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Europäischen Sozialmodells im Vergleich zu anderen westlichen Sozialmodellen und beleuchtet die Auswirkungen der Globalisierung auf das Europäische Sozialmodell. Der Hauptteil untersucht auch die strukturellen und funktionalen Rahmenbedingungen der Sozialpolitik der EU, insbesondere im Bereich der Arbeitsmarktregulierung und der gemeinsamen Beschäftigungspolitik.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen das Europäische Sozialmodell, die europäische Integration, die Sozialpolitik der EU, die Globalisierung, die Arbeitsmarktregulierung, die gemeinsame Beschäftigungspolitik, die Wohlfahrtsstaatlichkeit, die soziale und politische Stabilität in Europa, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Europäischen Sozialmodells im Vergleich zu anderen westlichen Sozialmodellen.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter dem Europäischen Sozialmodell (ES)?
Das ES ist ein Konzept, das gemeinsame soziale Standards und Werte in Europa beschreibt, um den Binnenmarkt sozial abzufedern und politische Stabilität zu sichern.
Wann wurde der Begriff des Europäischen Sozialmodells geprägt?
Der Begriff bürgerte sich Ende der 80er Jahre im Zuge der Errichtung des Binnenmarktes und der Vorbereitungen zur Währungsunion ein.
Wie grenzt sich das ES vom angelsächsischen Modell ab?
Das ES gilt als Alternative zum marktradikaleren angelsächsischen Kapitalismus, indem es stärker auf sozialen Ausgleich, Mitbestimmung und staatliche Absicherung setzt.
Welche Rolle spielt die Globalisierung für das Sozialmodell?
Die Globalisierung setzt das ES unter Druck, da nationale Sozialstandards im internationalen Wettbewerb stehen, was nach europäischen Lösungen verlangt.
Ist das Europäische Sozialmodell ein Mythos?
Kritiker argumentieren, dass ein einheitliches institutionelles Gesamtkonzept fehlt, da die sozialen Standards und Teilhaberechte innerhalb der EU-Mitgliedstaaten stark variieren.
Was sind die Kernbereiche der EU-Sozialpolitik?
Wichtige Bestandteile sind die Arbeitsmarktregulierung, die gemeinsame Beschäftigungspolitik sowie die Förderung von Mindeststandards für Arbeitnehmerrechte.
- Arbeit zitieren
- Matthias Schollmeyer (Autor:in), 2006, Das Europäische Sozialmodell – politische Zielvorstellung oder rein normatives, ideelles Konzept?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115510