Doppeldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom und Sucht in der Suchtberatung


Diplomarbeit, 2007

96 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Sucht

1.1 Wortbedeutung und eine erste Definition von Sucht
1.2 Definition von Sucht nach der ICD-
1.3 Begriffsklarung: Unterschiede zwischen Abhangigkeit und Sucht
1.4 Epidemiologie der Sucht
1.5 Ursachen und Hintergriinde von Suchterkrankungen
1.5.1 Ursache Droge
1.5.2 Ursache Umwelt
1.5.3 Ursache Personlichkeit
1.6 Resiimee

2 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitatsstorung bei Erwachsenen
2.1 Nomenklatur von ADHS
2.2 Pravalenz von ADHS
2.3 Neurochemische und neuroanatomische Grundlagen
2.4 Risikofaktoren, bzw. Ursachen von ADHS
2.5 Diagnostik und Symptomatik der ADHS im Erwachsenenalter
2.5.1 Diagnose
2.5.2 Symptomatik
2.6 Therapie
2.6.1 Psychotherapeutische Behandlung
2.6.2 Medikamentose Behandlung
2.7 Resiimee

3 Differenzialdiagnose ADHS: Komorbiditat von ADHS und Sucht
3.1 Pravalenz von ADHS-Sucht-Komorbiditat
3.2 ADHS als Risikofaktor fur die Entwicklung von Suchterkrankungen
3.3 Neurobiologische Gemeinsamkeiten von ADHS nnd Sucht
3.4 Diagnose ADHS-Sucht-Komorbiditat
3.5 Methylphenidat und Abhangigkeit
3.6 Therapeutische MaBnahmen bei ADHS-Sucht-Komorbiditat
3.7 Resiimee

4 Komorbiditat von ADHS und Sucht in der Suchtberatung
4.1 Suchtberatung
4.2 Interview mit Axel Hansen
4.3 Resiimee

5 AbschlieBende Diskussion und Fazit

Literaturverzeichnis

Schriftliche Erklarung

Einleitung

Wahrend meines Studiums an der Hochschule fiir Angewandte Wissenschaften in Hamburg habe ich ein studienbegleitendes Praktikum in einer Suchtberatungstelle absolviert. Die Einrichtung gehort zum Leistungstrager »therapiehilfe e.V.« und ist als »Beratungs- und Therapiezentrum Seehaus« seit iiber 25 Jahren in der Suchthilfe tatig. Das bestandene Praktikum erstreckt sich iiber drei Semester und konnte mir einen intensiven Einblick in die Arbeit einer Suchtberatung geben. Eine wichtige Aufgabe der Beratungsstelle ist die umfassende und bedarfsgerechte Vorbereitung der Klienten auf eine Suchttherapie.

Bei vielen der Klienten ist der Drogenkonsum eng verkniipft mit personlichen Problemen, wie etwa psychischen Belastungen oder auch komorbiden Storungen. In diesem Zusammen- hang habe ich auch das erste mal die Komorbiditat von ADHS und Sucht wahrgenommen. Bis dato war mir das Storungsbild ADHS nur als eine Kinderkrankheit bekannt. Die Komorbiditat von Sucht und ADHS kann als Ausdruck des Versuchs der Betroffenen verstanden werden, die Symptome der Stoning durch den Konsum von Drogen zu regulieren und zu reduzieren. Diese Selbstmedikation bedarf keiner Diagnose. Haufig konsumieren die Betroffen vollig unbewusst, ohne von ihrer Verhaltensstorung zu wissen. Sie nehmen dann nur wahr, dass ihnen der Drogenkonsum hilft besser mit sich und ihrer Umwelt zu recht zu kommen. Die Wirksamkeit der Drogen auf die Symptomatik der Storung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Bei der Behandlung von Kindem mit ADHS wird heutzutage oft auf eine ganze Reihe von Stimulanzien zurfickgegriffen, die in ihrer Wirkung der von Drogen sehr ahnlich sein konnen.

Eine mangelnde Kenntnis iiber das Krankheitsbild der ADHS ist unter anderem auf ihre noch recht junge Geschichte zurfickzufiihren. Eine Diagnose fiir ADHS besteht noch nicht lange. Fiir Erwachsene besteht ein diagnostiziertes Krankheitsbild erst seit ca. zehn Jahren. Die Erkenntnis, dass ein Zusammenhang zwischen ADHS und Sucht besteht ist demnach nicht nur fiir die Betroffenen neu, sondem auch fiir die Suchthilfe.

Wahrend meines Praktikums durfte ich viele Klienten betreuen. Eine sorgfaltige Beschaftigung mit den Krankheitsbildem und der intensive Kontakt durch personliche Schilderungen entwickelte bei mir den Verdacht einer ADHS-Komorbiditat. Ihre Bewalti- gungsstrategien, sozialen und psychischen Defizite, Beziehungs- und Verhaltensmuster sind typisch fiir die Symptomatik von ADHS. Meine Kollegen in der Suchtberatung gehen davon aus, dass fiber 50% ihrer Klienten Symptome einer ADHS aufweisen.

Aufgrund der scheinbar groBen Zahl an Betroffenen und der noch sehr neuen Diagnose bei Erwachsenen habe ich angefangen mich fiir dieses Thema zu interessieren.

Vor allem die Verbindung von ADHS mit Suchterkranknngen ist fiir mich von besonderem Interesse. Diese Form der unbewussten Selbstmedikation, mit teilweise fur die Betroffenen auBerst negativen Folgen, ist wissenschaftlich noch relativ unerforscht. Nur wenige Spezialisten beschaftigen sich ausfiihrlich mit dieser Thematik. Dabei wirft gerade diese Problematik eine ganze Reihe von interessanten Fragen auf. Im Laufe der Arbeit werde ich versuchen einige der vielen Fragen zu beantworten.

Mein Fokus liegt dabei auf den Veranderungen, welche die Doppeldiagnose mit sich bringt, bzw. mit sich bringen konnte. Daher mochte ich nicht nur klaren wie viele Menschen von dieser Stoning tatsachlich betroffen sind, sondem welchen Einfluss die ADHS-Sucht- Komorbiditat iiberhaupt auf die Suchthilfe hat. Als nachstes hat sich mir die Frage nach den Zusammenhangen gestellt. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben die Ursachen von ADHS und Sucht? Und welche gemeinsamen und unterschiedlichen Folgen haben sie? Ist Sucht eine mogliche Folge von ADHS? In diesem Zusammenhang ist fiir mich besonders interessant, ob sich die Arbeit der Suchthilfe andem muss. Denn ein erweitertes Suchtver- standnis iiber psychodynamische Ursachen hinaus, konnte auch die HilfemaBnahmen fiir die Betroffenen verandem.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Behandlung der Betroffenen. Wenn Sucht eine mogliche Folge von ADHS ist, hat dies auch Auswirkungen auf die Behandlung? Die bereits erwahnte gute medikamentose Therapierbarkeit von ADHS konnte auch Folgen fiir die Behandlung von Suchtkranken haben. Ist es moglich Suchtkranke mit ADHS-Komorbiditat mittels medikamentoser Behandlung zu therapieren oder bedarf es vollig neuer und integrativer Methoden?

Die Suchtberatungsstelle ist fiir viele Betroffene der erste Kontakt den sie in ihrer Suche nach Hilfe mit ihren Drogenproblemen herstellen. Daher ist dieser Bereich der Suchthilfe fiir mich besonders interessant. Hat die ADHS-Sucht-Komorbiditat auch Auswirkungen auf die Suchtberatung? Und wenn ja, welche Auswirkungen sind das?

Um diese Fragen klaren zu konnen bedarf es einer grundlegenden Ubersicht der verschiedenen Themen. Daher geht es im ersten Kapitel zunachst um die Drogensucht. Die Definition von Sucht und Abhangigkeit sowie die Hintergriinde fiir eine Suchterkrankung sollen dabei erklart werden. Dariiber hinaus ist es mir wichtig, die Ursachen und gesellschaftlichen Beziige zu erlautem.

Im zweiten Kapitel geht es um die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitatsstorung. Hier war es mir wichtig ein genaues Verstandnis dafiir zu geben, was sich hinter dem Begriff dieser Stoning verbirgt und wie groB die Zahl der Betroffenen ist. Aber auch hier mochte ich Ursachen, Hintergriinde und Therapiemoglichkeiten analysieren.

Im dritten Kapitel geht es mir um den Zusammenhang von ADHS und Sucht. Was sind die Ursachen fur diese Verbindung und wie viele Betroffene gibt es? In alien Kapiteln liegt der Fokus nicht nur auf den Ursachen, sondem auch auf den protektiven Faktoren, welche vor den jeweiligen Verhaltensstorungen schiitzen konnen.

Im vierten Kapitel erlautere ich, wie in der Suchtberatung mit dem Thema der ADHS-Sucht- Komorbiditat umgegangen wird. Zur besseren Veranschaulichung habe ich ein Interview mit meinem ehemaligen Kollegen Axel Hansen aus dem »Seehaus« geluhrt. Er erlautert, was die Doppeldiagnose fLir die Beratungsstelle bedeutet und welche Auswirkungen sie auch auf die Suchtbehandlung hat.

Im funften und letzten Abschnitt werden darn noch einmal die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und ausgewertet.

1. Sucht

Der Konsum von Drogen ist keine Erscheinung des 20. oder 21. Jahrhunderts. Schon immer haben Menschen Drogen konsumiert, die ihre Stimmung, ihre Wahmehmung und ihr Erleben, also ihr Bewusstsein veranderten. Die Entdecknng und der Konsum dieser meist psychoaktiven Substanzen ist zunachst sicher unabsichtlich geschehen.1 Der weitere Konsum hat jedoch mit dem Vorsatz, eine Bewusstseinsveranderung zu erlangen, stattgefunden. Daher sind Rausch und Ekstase lang bekannte und allgemein verbreitete Phanomene der Menschheitsgeschichte. Sucht, so scheint es, konnte genauso haufig auftreten. Dies ist aber nicht der Fall.

“Die Menschheit hat nahezu wahrend fast ihrer gesamten Geschichte in einer Welt ohne Sucht gelebt - in einem Zustand und einer Selbstwahmehmung, die sich erst im Zeitalter der Aufklarung und Industrialisierung radikal anderten und zur Entdeckung, wenn nicht sogar, wie viele Wissenschaftler sagen, Erfmdung der Sucht fiihrten.”(Scheerer, 1995: S.9) Die Einnahme von Drogen ist immer in feste gesellschaftliche Rituale eingebunden gewesen, welche haufig vollig unbewusst die Entstehung von siichtigen Verhaltensweisen verhindert haben.2 Erst mit der Herauslosung des Drogenkonsums aus diesem rituellen Kontext, die viele soziale und individuelle Ursachen haben kann, ist siichtiges Verhalten moglich geworden.

1. 1 Wortbedeutung und eine erste Definition von Sucht

Der Begriff Sucht wird von Drogenkonsumenten gem von dem Wort »suchen« abgeleitet (vgl. Vogelgesang, 2006: S. 21). Damit wird angedeutet, dass der Konsument sich auf eine Suche begibt. Eine Reise, welche ihm neue Erfahrungen und neues Wissen vermitteln soil. Der dadurch hervorgehobene bewusstseinserweitemde Aspekt der Drogen impliziert fiir Nichtkonsumenten einen beneidenswerten Erfahrungsschatz, der nur durch die Einnahme von Drogen erworben werden kann. Dieses Lebensgefiihl wurde besonders durch die »Sehn- Sucht« der Dichter und Kiinstler der Romantik mitgepragt und wird bis heute in verschiedenen subkulturellen Bewegungen aufgegriffen (vgl. von Wolffersdorff, 2001: S.324).

Nun begreifen sich aber die wenigsten Drogenkonsumente als Siichtige. Sie begeben sich zwar auf die Suche nach Bewusstseinserweiterung, haben aber nach eigener Definition nichts mit dem Begriff Sucht zu tun. Hier zeigt sich, dass die Definition von Sucht im Sinne einer Suche nicht der Wirklichkeit entsprechen kann, sondem eher ein Wortspiel ist.

Die etymologischen Wurzeln des Wortes »Sucht« leitet Christian von Wolffersdorff aus dem Begriff Siechtum her, dass seiner Meinung nach aus dem germanischen »siech« und dem gotischen »siukan« stammt (vgl. von Wolffersdorff, 2001: S.324).

Wahrend Sucht bis in das Mittelalter eine generelle Bezeichnung fir Krankheit gewesen ist, beschreibt der heutige Suchtbegriff ein spezifisches Krankheitsbild. Im Mittelalter hingegen waren es weniger medizinisch erklarbare Vorgange, als abnorme, damonische Verhaltens- muster, die als Sucht gedeutet worden sind. Der Bose Geist, der in den Korper des Siichtigen eingedrungen ist, muss mit Hilfe ritueller Beschworungstechniken gebannt und ausgetrieben werden.3 Im 16. Jahrhundert zeichnet sich eine engere, auf einzelne Krankheitsphanomene bezogene Auffassung von Sucht ab. Die damals entstehenden Begriffe wie Tobsucht, Fallsucht, Fett- und Magersucht haben bis heute ihren allgemein gultigen Gebrauch. Anders als im Mittelalter bezieht sich der Suchtbegriff nun immer starker auf das Verhalten von Individuen und die Beurteilung ihres Charakters.

Bei der Entwicklung eines modemen Verstandnisses von Sucht spielt der Alkoholismus eine entscheidende Rolle. Denn das in Europa weit verbreitete Phanomen der Trunksucht ist jahrhundertelang als eines unter vielen Lastem angesehen worden. Deren Bewertung in der Offentlichkeit anderte sich erst im 19. Jahrhundert: “Aus dem Laster wurde eine Krankheit, die von Medizinem beschrieben, erforscht und behandelt wurde. Sprachgeschichtlich betrachtet wurde die Trunksucht damit zur Briicke fLir einen weiteren generellen Bedeutungswandel des Wortes Sucht. Denn in dem MaBe, in dem sich zur Trunksucht andere Formen extremen Drogenkonsums gesellten, wurde Sucht zu einem medizinischen Fach- begriff fiir alle Arten der Horigkeit gegeniiber korperlich und/oder seelisch abhangig machenden Substanzen.”(Scheerer, 1995: S.12)

Hier werden erstmals zwei Konzepte miteinander verbunden. Zum einen wird der Begriff Krankheit auf siichtiges Verhalten bezogen. Dadurch konnen die Betroffenen weniger an- hand ihrer Defizite beurteilt werden und der Gedanke, dass keiner vor Sucht gefeit ist, wird angedeutet. Zum anderen wird Sucht als eine Abhangigkeit von Drogen defmiert, die keinen Platz fur Damonen noch fur andere Phanomene hat.

“Im Kontext der heutigen Drogendiskussion wird miter Sucht vor allem der zwanghafte Ge- brauch bzw. Missbrauch von Substanzen (Suchtgiften), das Bedurfhis nach Steigerung der Dosis und das Moment des Nicht-mehr-Aufhorenkonnens verstanden”(von Wolffersdorff, 2001: S.324). Daraus resultiert, dass sich siichtiges Verhalten dadurch auszeichnet, dass den Betroffenen die Kontrolle iiber Willen und Verantwortung fur das eigene Tun entgleitet. Es entsteht der Wunsch, dass durch die Droge erlangte Hochgefuhl immer wieder erleben zu wollen sowie dass durch die Droge ausgeloste euphorische Empfinden zu steigem. Dieser Wunsch wird zu einem umfassenden, bestimmenden korperlichen Verlangen, welchem sich die Konsumenten nur schwer entziehen konnen und wollen.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass Sucht ein psychologischer Prozess ist, mit dem der Korper auf eine bestimmte Substanz reagiert. Gerade bei physisch und psychisch sehr inten- siv wirkenden Drogen konnte der Gedanke nahe liegen, dass die Abhangigkeit von der Wir- kung der jeweiligen Substanz auf den Korper, also physische Prozesse, hervorgerufen wird. Die Entstehung einer psychischen Abhangigkeit kann jedoch nicht nur durch Drogen selbst oder ihren wiederholten Gebrauch erklart werden. Wenn dem so ware, warden alle Menschen in ahnlicher Weise auf Drogen reagieren. Dies ist allerdings nicht der Fall. Wahrend die einen auf eine bestimmte Droge mit einem sehr intensiven Suchtverhalten reagieren, ist dies bei anderen Menschen nicht der Fall. So konnen manche Menschen sehr schnell von Opiaten abhangig werden, wahrend andere fur die Wirkung dieser Droge weniger empfanglich sind. Die Droge selbst als alleinige Erklarung fur Sucht zu nutzen, scheint daher nicht besonders realistisch und wird im Folgenden von mir noch naher erlautert (Kapitel 1.3). Dennoch defmiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Sucht hauptsachlich anhand der Eigen- schaften von Drogen. Diese pharmakozentrische Sichtweise der Sucht (vgl. Scheerer, 1995: S.13) fuhrt zu zahlreichen Missverstandnissen in der Drogendiskussion und im Sucht- verstandnis (vgl. von Wolffersdorff 2001: S. 326).

Letztlich neigt die WHO ebenso wie verschiedene Fachkreise dazu, den Begriff Sucht nicht mehr zu verwenden. Es wird von Abhangigkeit oder schadlichem Gebrauch gesprochen. Eine Stigmatisierung der Betroffenen soli dadurch vermieden werden. Da der Begriff Sucht jedoch weder aus dem umgangssprachlichen Alltag der Menschen, den Medien oder dem Drogenmilieu selbst verschwunden ist, mochte ich auch in dieser Arbeit nicht auf dessen Verwendung verzichten. Eine genauere Erlauterung und auch Abgrenzung dieser Begrifflichkeiten ist daher von groBem Nutzen fur das Verstandnis dieses Themas und soil im nachsten Kapitel genauer veranschaulicht werden.

Um Suchtverhalten zu verstehen muss neben der Wirkungsintensitat und dem erwiinschten Euphorisierungspotential, auch die Momente der Gewohnung und der Toleranzbildung mit einbezogen werden.

Gewohnung ist der Wunsch nach Fortsetzung des Substanzkonsums, ohne das dabei eine Dosissteigerung oder Abhangigkeit vorliegen muss. Bei der Toleranzbildung handelt es sich um eine Erklarung fiir die korperliche Abhangigkeit. Denn durch die fortgesetzte Einnahme der betreffenden Substanzen entwickelt der Korper die Fahigkeit, immer groBere Mengen der Stoffe zu bewaltigen, welche zu Beginn des Konsums zum Zusammenbruch des Organismus gefuhrt hatten. “Indem der Korper die Zufuhrung dieser Substanz in immer groBeren Mengen toleriert, um ihre gleichbleibende Wirkung sicherzustellen, wird ihr plotzlicher Entzug zu einem kritischen Ereignis, dessen Eintreten nach Kraften vermieden wird. Die Droge wird nicht mehr konsumiert, um sich gut zu fiihlen, sondem um ungute Gefuhle zu vermeiden” (von Wolffersdorff, 2001: S. 325).

Ob ein Mensch siichtig wird, ist demnach nicht allein in der Droge begriindet. Denn jede Substanz besitzt ein unterschiedliches Rauschpotential. Die Intensitat des Rausches mit der Gefahr zur Suchtentwicklung gleichzusetzen ware in der Realitat jedoch nicht angemessen.4

1. 2 Definition von Abhangigkeit nach der ICD-10

Abhangigkeit ist das unabweisbare Verlangen nach bestimmten Stoffen oder Verhaltens- formen5, durch welche kurzfristig befriedigende Erlebniszustande erreicht werden konnen. Innerhalb der WHO gilt Abhangigkeit als eine Krankheit, der die psychischen Krafte des Verstandes untergeordnet werden. Dieses Verlangen beeinflusst die freie Entfaltung der eigenen Personlichkeit und beeintrachtigt oder zerstort die sozialen Bindungen und sozialen Chancen eines Individuums.

Fiir eine gesicherte Diagnose der Abhangigkeit als Suchterkrankung, kann die ICD-106 herangezogen werden.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass nicht zwingend alle Symptome vorhanden sein miissen, um eine Abhangigkeit diagnostizieren zu konnen. Eine Suchterkrankung ist bei einem GroBteil der Betroffenen ein langwieriger Prozess, der durch viele kleine schrittweise Veranderungen in den Lebensgewohnheiten und der Personlichkeit geschieht. Haufig geht dieser Veran- derungsprozess in so kleinen Schritten vor sich, dass er lange unbemerkt von den Suchtkranken selbst oder deren sozialen Umfeld bleibt.

Bei der Erklarung der Sucht stehen nicht die korperlichen Prozesse sondem die mentalen Vorgange im Vordergrund. Dies wird durch die Einordnung von Sucht- bzw. Abhangigkeits- erkrankungen der ICD - 10 im Kapitel V, unter die psychischen und Verhaltensstorungen verdeutlicht. Kapitel V der ICD-10 defmiert Abhangigkeit mit folgenden Symptomen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 (Dillinger/Freyberger, 2000: S. 83)

Mindestens drei der genannten Kriterien miissen iiber einen Zeitraum von mindestens einem Monat bestehen oder in den letzten zwolf Monaten wiederholt aufgetreten sein, urn eine Suchterkrankung diagnostizieren zu konnen.

Viele dieser Merkmale sind so oder in ahnlicher Weise in die Suchtdefinition der WHO eingeflossen. Im folgenden Abschnitt werde ich auf diese Problematik genauer eingehen.

1. 3 Begriffsklarung: Unterschiede zwischen Abhangigkeit und Sucht

Obwohl zwischen Sucht und Abhangigkeit Unterschiede bestehen, werden diese Bezeich- nungen haufig synonym verwendet. Fiir ein grundlegendes Verstandnis von Suchter- krankungen, bedarf es demnach einer genauen Begriffsklarung.

Die Begriffe Sucht und Abhangigkeit werden umgangssprachlich nicht differenziert und sie gelten meist als austauschbar. Die synonyme Verwendung der Begrifflichkeiten unterliegt dann nur noch wertenden Aspekten, da “siichtig eher moralistisch und altmodisch klingt, abhangig eher niichtem und wissenschaftlich. Ob man von Suchtpravention oder von Vermeidung von Abhangigkeit spricht, macht dann in der Sache keinen Unterschied. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Gleichung nicht aufgeht”(Scheerer, 1995: S. 25). Denn bestimmte Abhangigkeiten gehoren zum menschlichen Dasein. So bedeutet Ab­hangigkeit, ein Objekt, eine Beziehung oder eine Gewohnheit zu brauchen, um die eigene Existenz oder auch das eigene Wohlergehen nicht direkt oder indirekt zu gefahrden. Bestes Beispiel dafiir ist die menschliche Abhangigkeit vom Essen, Trinken und Schlafen. Ein anderes Beispiel ist die Abhangigkeit eines Kindes von den zwischenmenschlichen Bezie- hungen zu einem Erwachsenen. Daraus resultiert, dass Abhangigkeit, anders als Sucht, nicht ausschlieBlich etwas Negatives ist.

Die Abhangigkeit von Rauschmitteln hingegen bedeutet, dass die Aufgabe des Drogenkonsums entweder gar nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen fiir die Betreffenden moglich ist.

Hierbei kann zwischen korperlicher und psychischer Abhangigkeit unterschieden werden. Eine korperliche Abhangigkeit von einer Substanz ist dann gegeben, wenn sich bei plotzlichem Entzug der Droge bestimmte korperliche Symptome - so genannte Entzugs- erscheinungen - feststellen lassen. Im Gegensatz zur psychischen Abhangigkeit lasst sich die korperliche Abhangigkeit beispielsweise durch ein EEG oder EKG medizinisch belegen. “Sie entwickelt sich als Anpassungsleistung des Organismus an die Zuluhr einer fremden Substanz, die den normalen Ablauf der Korperfunktionen stort. Indem er korpereigene Gegenkrafte mobilisiert, die das vorher herrschende Gleichgewicht nunmehr auch nnter dem Einfluss der fremden Substanz wiederherstellen, kann der Organismus auch dann einigermaBen normal funktionieren, wenn die Droge im Korper anwesend ist. Der Preis dahir ist, dass der Organismus die Droge nun fiir sein Funktionieren benotigt. Bekommt er sie nicht, zeigt er ein unterschiedlich stark ausgepragtes Unbehagen. Dieses Unbehagen beruht schlicht darauf, dass die korpereigene Gegensteuerung (Homoostase) auch dann noch eine Weile weiterlauft, wenn der Drogennachschub ausbleibt”(Scheerer, 1995: S.26).

Demzufolge resultieren korperliche Abhangigkeit und Entzugssymptome iiberwiegend aus der Reaktion, bzw. der Bewaltigungsstrategie des Korpers bei einem regelmaBigen Konsum der Drogen. Der Organismus reagiert mit Gewohnung auf den Konsum der Substanzen und passt die Korperhinktionen der entsprechenden Drogenzufuhr an. Diese Anpassungsleistung des Korpers wird den Konsumenten allerdings beim Absetzen der Droge zum Verhangnis. Je nach Dauer des vorherigen regelmaBigen Konsums braucht der Korper einige Zeit um sich auf die veranderten Bedingungen einzustellen. Bis diese Umstellung gelingt, arbeitet der Organismus aber weiter unter dem Modus der Drogenzufuhr, worauf die Betroffenen mit Entzugssymptomen reagieren. Die Starke der Entzugssymptome ist neben der Dauer des Konsums auch von der Art bzw. Intensitat sowie der Menge der konsumierten Droge abhangig.

Eine Definition der psychischen Abhangigkeit ist dagegen schwieriger. Denn eine psychische Abhangigkeit kann nicht anhand medizinischer Befunde nachgewiesen werden. Auch individuelle Aspekte bestimmen die jeweiligen Defmitionen von psychischer Abhangigkeit mit. So konnte argumentiert werden, dass die Liebe zu einem anderen Menschen eine Form der psychischen Abhangigkeit darstellt (vgl. Scheerer 1995: S.29). Die Bewertung, wann Verliebtheit zur Abhangigkeit wird, unterliegt allerdings eher einem personlichen Empfinden.

Die Definition psychischer Abhangigkeit wird weiter dadurch erschwert, dass Menschen in gewisser Weise von alien Dingen, die sie geme tun, psychisch abhangig sind. Wenn sie diese Dinge freiwillig tun, ist die Frage nach der psychischen Abhangigkeit nicht mit einem klaren »Ja« oder »Nein«, sondem vielleicht eher mit einem »Mehr« oder »Weniger« zu beantworten (vgl. Vogt/Scheerer, 1989: S.76). Bei der Beurteilung von psychischer Abhangigkeit ist demnach das MaB entscheidend. Ahnlich der korperlichen Abhangigkeit ist auch psychische Abhangigkeit nicht zwangslaufig etwas Negatives. Von etwas abhangig zu sein, heiBt etwas zu brauchen. Einen anderen Menschen, Kultur oder ein Hobby zu brauchen, ist daher nicht zwingend negativ, kann aber als psychische Abhangigkeit bezeichnet werden. Diese Abhangigkeit wird erst dann negativ, wenn das MaB verloren geht, sich die positiven Effekte reduzieren nnd Probleme entstehen. Verliebt zu sein nnd auch psychisch abhangig von der geliebten Person zu sein, kann daher durchaus positiv sein.

Ein weiterer Aspekt kommt bei der Betrachtung von physischer und psychischer Abhangigkeit hinzu. Die psychische Abhangigkeit kann das Verhalten eines Menschen mindestens genauso stark beeinflussen wie die physische Abhangigkeit. Besonders deutlich wird dies anhand von Konsummustem Drogenabhangiger. Oft erweist es sich auch fur die Betroffenen als schwieriger, von einer Droge mit geringerem Rauschpotential loszukom- men, als von einer Droge mit hohem Rauschpotential und starker physischer Wirkung. So haben mir viele Patienten wahrend meines Praktikums in der Suchtberatung erzahlt, dass es ihnen leichter gefallen ist, mit dem Fixen bzw. Trinken aufzuhoren, als mit dem Zigaretten rauchen.

“Die Unterscheidung zwischen psychischer und physischer Abhangigkeit verliert in dem MaB an Plausibilitat, in dem man in Betracht zieht, dass jede psychische Abhangigkeit letztlich durch physische Vorgange vermittelt wird und dass andererseits auch die physische Abhangigkeit zum groBen Teil von psychisch wirkenden Faktoren beeinflusst werden kann. Je mehr man iiber die biochemischen Ablaufe im Belohnungssystem des Gehims weiB, desto starker relativieren sich nicht nur die Unterschiede zwischen Siichten »mit« und »ohne« Drogen, sondem auch diejenigen zwischen korperlicher und psychischer Abhangigkeit” (Scheerer, 1995: S.29).

Im Alltag werden psychische und physische Abhangigkeit oft mit Sucht gleichgesetzt, ohne zu beachten, dass weder korperlich noch psychisch abhangig gleich siichtig ist.

Denn der Mensch besitzt korperliche und psychische Grundbedurftiisse. Dazu gehoren Essen, Schlafen oder Kommunikation die er zum Uberleben benotigt und somit auch von ihnen abhangig ist. Diese Abhangigkeiten gehoren zur menschlichen Existenz. Folglich ist es nicht zwangsweise negativ, wenn ein Mensch beispielsweise psychisch abhangig von einer anderen Person ist. Der Mensch ist somit von vielen Dingen abhangig, aber dadurch nicht gleich siichtig.

Eine psychische Abhangigkeit, wie zum Beispiel in einer Paarbeziehung, kann durchaus auch positiv sein. Negativ wird sie erst wenn diese Beziehung unausgeglichen, einseitig oder problematisch wird und somit suchttypische Formen annimmt. Daraus folgt, dass eine Abhangigkeit durchaus positiv bewertet werden kann, eine Sucht ist hingegen schon aus ihrer Definition heraus negativ.

Die Vielschichtigkeit von Abhangigkeit darf dabei ebenfalls nicht auBer Acht gelassen werden. Sie reicht von seichten Themen wie zwanghaftem Verfolgen bestimmter Femseh- sendungen iiber konkrete Abhangigkeiten wie der des Kindes zu den Erwachsenen oder dem Arbeitnehmer zum Arbeitgeber bis hin zu risikobehafteten Bereichen wie etwa der Abhangigkeit von psychoaktiven Substanzen. Eine Sucht ist dagegen immer mit einem Extrem verbunden. Es gibt keine leichte oder unproblematische Sucht. Schwacht sich eine Sucht ab, verliert sie ihren Suchtcharakter und wird zu einer von vielen Abhangigkeiten. Es ist demnach nicht moglich nur ein bisschen siichtig zu sein.

“Unter Sucht ist also [...] ein bis zur Existenzgefahrdung iibersteigertes, verstandesmaBig unbeherrschtes und immer wiederkehrendes Verlangen nach einer (sinnlichen, gefiihls- maBigen) Erfahrung zu verstehen, das alle anderen Werte und Aktivitaten des Individuums in den Hintergrund drangt”( Scheerer, 1995: S. 36 ).

1. 4 Epidemiologie der Sucht

Sucht ist “ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natiirlichen oder synthetischen Droge und gekennzeichnet durch vier Kriterien:

- Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels,
- eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhohung),
- die psychische und meist auch physische Abhangigkeit von der Wirkung der Droge,
- die Schadlichkeit fur den einzelnen und/oder die Gesellschaft.”

(Vogt/Scheerer, 1989: S.12)

So wurde 1957 durch die WHO der Begriff Sucht definiert. Dabei gilt jede Substanz welche die Fahigkeit besitzt, eine Veranderung in einem Organismus hervorzurufen, als Droge (vgl. Vogt/Scheerer, 1989: S. 5).

Dies stellt eine Erweiterung des bisher verwendeten Drogenbegriffs dar. Denn dies wiirde bedeuten, dass nicht nur Substanzen wie Cannabis, Kokain, Opiate oder Alkohol unter diese Definition fallen wiirden, sondem auch Alltagsdrogen wie Tabak, Kaffee oder Tee. Ein geschichtlicher Bezug lasst diese Sichtweise durchaus als nachvollziehbar erscheinen, denn diese Alltagsdrogen galten nicht immer als Genussmittel.7 Allerdings ist es fraglich, welchen Nutzen diese erweiterten Substanzkategorien noch fiir den Drogendiskurs haben. SchlieBlich besitzen nicht alle Substanzen, welche nach dieser Definition als Drogen deklariert sind, dass Potential Schaden beim betreffenden Konsumenten und/oder der Gesellschaft hervorzurufen. Auch ein Rauschpotential ist nicht bei jeder dieser vermeintlichen Drogen gegeben.

Diese Drogendefinition ist vor allem kulturellen, normativen und politischen Standpunkten unterworfen. So werden in nnserer Gesellschaft iiberwiegend illegale Substanzen wie Cannabis, Kokain oder Opiate als Drogen verstanden und deren Konsum dementsprechend moralisch geachtet und juristisch geahndet. Am Rande erwahnt sei, dass der Konsum von alkoholischen Getranken eine Sonderstellung in unserem Kulturkreis einnimmt Insbesondere in den westlichen Industrienationen wird nach wie vor der schadliche Alkoholkonsum eher als Randerscheinung wahrgenommen und das Gefahrdungspotential, welches in diesem liberalen Umgang mit der Alltagsdroge Alkohol steckt, unterschatzt bzw. bagatellisiert. Der im Vergleich zu anderen Drogen gelassene Umgang mit Alkohol zeigt sehr deutlich die kulturelle, normative und politische Perspektive der Drogendiskussion.

Wenn ich im weiteren Verlauf von Drogen spreche, beziehe ich mich hauptsachlich auf Substanzen, die im Sinne der Suchtdefmition beim konsumierenden Individuum zu physischen und psychischen Abhangigkeiten fiihren konnen und Schaden bei den Betreffenden verursachen. Dazu zahlen dementsprechend Amphetamine, Morphine, Cannabis, Kokain, Alkohol und Barbiturate.

Wie ausgepragt die Formen unterschiedlichen Suchtverhaltens sind, geht nur aus Pravalenzzahlen verschiedener Reprasentativerhebungen vor. Das eigentliche AusmaB ist eine Dunkelziffer. Durch die Illegalitat der Substanzen ist es nicht moglich genaue Daten zu erheben. Die verfiigbaren offiziellen Zahlen beruhen haufig auf Statistiken von polizeilichen Rauschgiftsicherstellungen. Diese spiegeln jedoch nicht die Realitat wider, denn es fmdet nur eine einseitige Betrachtung durch polizeiliche Kriminalstatistiken statt. So wurden in Deutschland im Jahr 1992 weniger als 20.000 Ecstasy-Konsumeinheiten sichergestellt, wahrend es im Jahr 2005 iiber 1,5 Millionen gewesen sind. (vgl. Hullinghorst, 2006: S. 24ff). 6600 kg Cannabis wurden im selben Jahr beschlagnahmt und 1000 kg Kokain (vgl. Hullinghorst, 2006: S. 28ff). Anzunehmen ist, dass trotz dieser enormen Menge beschlagnahmter Drogen noch geniigend vorhanden gewesen sind um den bestehenden des Marktes abzudecken. Das eigentliche AusmaB lasst sich daher nur erahnen. Diesen alarmierenden Zahlen steht der steigende Alkoholkonsum in nnserer Gesellschaft in nichts nach.

Ein direkter Vergleich zeigt, dass im Jahr 20 008 ca. 435.000 Menschen als abhangig von illegalen Drogen galten bzw. diese Drogen missbrauchlich konsumiert haben. Das sind ca. 0,9 Prozent der deutschen Wohnbevdlkerung.9 Dabei ist Cannabis die dominierende Droge unter den illegalen Substanzen. Weitere Schatzungen sagen, dass ca. 3 Millionen Menschen in den letzten 12 Monaten Konsumerfahrungen mit Cannabis gemacht haben. Fiir den gesellschaftlich integrierten Alkohol machen Zahlen iiber Konsumerfahrungen wenig Sinn, denn nur weniger als sechs Prozent der deutschen Bevolkerung lebt alkoholabstinent (vgl. Hiillinghorst, 2006: S. 43ff.). 2,3 Millionen Menschen gelten in Deutschland als alkohol- abhangig im Sinne einer akuten Behandlungsbediirftigkeit. Laut der Deutschen Hauptstelle fiir Suchtfragen - der DHS - sind weitere 5,6 Millionen Personen gefahrdet durch einen problematischen Konsum. Es sterben jahrlich ca. 42.000 Menschen direkt oder indirekt an ihrem Alkoholkonsum, z.B. durch Krankheiten oder Autounfalle. Der deutsche Staat nimmt in Punkto Alkohol eine Doppelrolle ein, da er gleichzeitig als Bekampfer und NutznieBer fungiert.10 Die staatlichen Einnahmen durch die verschiedenen Alkoholsteuem beliefen sich im Jahr 2005 auf ca. 3,4 Mrd. Euro (vgl. Bundesministerium der Finanzen, 2007). Die eingenommenen Gelder werden aber nur zu einem geringen Teil wieder in Drogenpravention, Aufklarung und Therapie zuriick investiert.

Ein weiterer Punkt innerhalb der Suchtdiskussion ist der Geschlechterunterschied beim Drogenkonsum. Dies zeigt sich in besonderen MaBen innerhalb des Konsums von Cannabis bei Jugendlichen in Deutschland deutlich. Wahrend ca. 26 % der Jungen im Alter von 15 Jahren bereits Cannabis konsumiert haben, ist dies im selben Alter nur bei etwa vierzehn Prozent der Madchen (vgl. TensiETossman, 2004: S. 4) der Fall.

“Die unterschiedliche Suchtauspragung bei Frauen und Mannem lasst schlieBlich auch die Frage nach geschlechtsspezifischen Bewertungsformen und Moralvorstellungen in bezug auf Sucht zu einem wichtigen Thema in der Drogendiskussion werden. Wahrend es etwa traditionell als Beweis von Mannlichkeit gilt, wenn ein Mann »viel vertragt«, fuhrt dasselbe Phanomen bei Frauen zur moralischen Abwertung mit sexueller Konnotation: Eine Frau, die viel trinkt und viel vertragt, gilt als charakterlich auffallig. Sie hat keinen Anstand, ist vermutlich »leicht zu haben« und lasst auch in anderer Hinsicht abweichendes Verhalten erwarten”(Meulenbelt/Wevers/Ven, 1998: S. 9).

1. 5 Ursachen und Hintergrunde von Suchterkrankungen

Trotz zahlloser Theorien iiber Suchterkrankungen, fehlt bislang eine einheitliche, allgemein anerkannte Erklarung der Sucht.

Entsprechend der jeweiligen wissenschaftlichen Fachrichtung liegt der Fokus der verschiedenen Suchttheorien. Gerade im psychologischen Fachbereich gibt es eine Vielzahl verschiedener Erklarungsansatze fur die Ursachen von Sucht. Unabhangig davon, ob es sich um psychoanalytische, psychosoziale, lemtheoretische oder soziologische Theorien handelt, wird ein komplexes Ursachenbiindel fiir die Entstehung von Sucht verantwortlich gemacht. Vor allem aber eine Ursachentrias von Droge, Personlichkeit und Umwelt steht hierbei im Vordergrund (vgl.Vogelgesang, 2006: S.26). Eine einzelne Betrachtung der drei Ursachen ist daher wichtig um die Hintergrunde der Sucht verstehen zu konnen.

1. 5.1 Ursache Droge

Als zentrale Merkmale der Ursache Droge sind die Art und Verfiigbarkeit des jeweiligen Stoffes, die Dosis selbst sowie die Art und Dauer der Zufuhr zu unterscheiden.

Dass die Beschaffenheit der Droge nicht als Erklarung fiir siichtiges Verhalten herangezogen werden kann, wurde ja bereits in den vorangegangenen Abschnitten erlautert. Auch bei der ursachlichen Analyse der Drogen sind die Eigenschaften der jeweiligen Substanzen nur ein Baustein im Gesamtbild, welches stark gepragt ist vom individuellen und sozialen Umgang mit den betreffenden Stoffen.

Ein weiterer Blick auf die Ursachen Umwelt und Personlichkeit ist daher notig.

1. 5. 2 Ursache Umwelt

Es ist eine wissenschaftliche Tatsache, dass bei der Entwicklung einer Personlichkeit immer die Faktoren Anlage und Umwelt pragend wirken (vgl. Hurrelmann 2002: S.48f.). Die Anlage ist das, was das jeweilige Individuum an Ressourcen aber auch an Defiziten mit sich bringt. Die Umwelt beschreibt sowohl den sozialen Nahraum als auch die Gesellschaft im Ganzen. Beide pragen die Entwicklung mit. Inwieweit die Anlage oder die Umwelt den Menschen beeinflussen spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Defizite auf der einen Seite konnen durch Ressourcen auf der anderen Seite ausgeglichen werden. Das Entscheidende dabei ist, dass beide Faktoren an der Entwicklung beteiligt sind und nicht zu welchen prozentualen Anteilen.

Zahlreiche Studien haben mehrere Ursachen gefunden, um suchttypisches Verhalten zu erklaren (vgl. von Wolffersdorff 2001: S.328). Gesellschaftsorientierte Griinde konnen gefahrdende Leistungs- und Konkurrenzsituationen, Mangel an Zukunftsperspektiven und Altemativen, eine sich verstarkende Konsumorientierung und damit einhergehende fehlende Wertorientierung sein (vgl. von Wolffersdorf 2001: S.327).

Im sozialen Umfeld werden vor allem gefahrdende Familiensituationen, iiberfordemde Kon- flikte, fehlende Beziehungen und soziale Ressourcen sowie Partnerschaftsprobleme als Ur­sachen ausgemacht. Aber auch Belastungen in Schule, Ausbildung, Beruf und Freizeit konnen Griinde fur die Entwicklung einer Suchterkrankung sein (vgl. Scheerer, 1995: S.47). Die Verwendung derartiger Ursachenmodelle lasst jedoch indirekt wirksame Ursachen- komplexe auBen vor und fiihrt unweigerlich zu einer Oberflachlichkeit. Dazu gehort beispielsweise die ambivalente gesellschaftliche Unterscheidung zwischen »legalen« und »illegalen« Drogen. “Die Doppelmoral, der zufolge stets zwischen sozial integrierten und mit gesellschaftlichem Ausschluss bedrohten Formen des Drogengebrauchs unterschieden wird, gehort zweifellos zu den stabilsten Gedankengefangnissen, in denen sich die bislang dominierende Form von Drogenpolitik bewegte. Auch die verzweigten okonomischen Interessen, die den Umgang mit Drogen steuem und fiir die Widerspriiche staatlicher Drogenpolitik mitverantwortlich sind, miissen bei einer mehrdimensionalen Betrachtung des Drogenproblems als indirekte Ursache fiir Drogenabhangigkeit in Betracht gezogen werden”(von Wolffersdorff, 2001: S.328).

Von Wolffersdorff beschreibt hier richtig, dass die Gesellschaft in der wir leben eine groBe Rolle spielt, wenn es darum geht die Ursachen fiir eine Suchterkrankung zu defmieren. Nicht nur personliche Gegebenheiten, wie etwa die Familie, die schulische Laufbahn oder die eigenen Beziehungen sind von Bedeutung, sondem auch wie das gesellschaftliche Umfeld mit dem Konsum von Drogen umgeht.

Durch die bereits angedeutete Ambivalenz in Bezug auf Alkohol nnd die Illegalisierung und Kriminalisierung von Konsumenten anderer Drogen wird gerade bei Jugendlichen ein widerspriichliches Bild von Drogen aufgebaut. Dazu tragt auch der zwiespaltige gesellschaftliche und mediale Diskurs bei. Auch anhand der geringen Ausgaben fur Suchtpravention und Therapie trotz hoher steuerlicher Einnahmen wird dieser Konflikt offensichtlich. Ein reflektierter Umgang sowohl mit dem Thema Sucht aber auch mit dem Thema Rausch ist notwendig um Suchterkrankungen erfolgreicher bekampfen zu konnen.

1. 5. 3 Ursache Personlichkeit

Neben der Umwelt liegen die Griinde fur eine Suchtentwicklung in der Anlage, d.h. der individuellen Personlichkeit eines Menschen. Diese Personlichkeit wird durch verschiedene biographische Faktoren beeinflusst, die Suchtverhalten fordem oder abwenden konnen. Fruhkindliche Lebenssituationen oder aber erfullbare bzw. nicht erfullbare Erwartungs- haltungen sind pragend fiir die Biographie. Nicht bewaltigte Entwicklungsaufgaben oder misslungene Coping-Prozesse spielen gerade bei einer biographischen Genese der Suchterkrankung eine wichtige Rolle und sind zwischen Anlage und Umwelt anzusiedeln (vgl. Scheerer, 1995: S.44f.). Fehlende Struktur und Verbindlichkeit, sowie nur ungeniigend Orientierung bietende Vorbilder in der Kindheit und Jugend sind Hauptursachen fur Suchterkrankungen (vgl. Thomasius, 2005: S.25). Dieser Entwicklungsprozess, d.h. die Sozialisation, ist von der sozialen Umwelt initiiert sowie gepragt und durch interaktive Prozesse verinnerlicht. “Sozialisation ist der Prozess der Personlichkeitsentwicklung in wechselseitiger Abhangigkeit von den korperlichen und psychischen Grundstrukturen und den sozialen und physikalischen Umweltbedingungen. Die korperlichen und psychischen Grundstrukturen bilden die innere, die sozialen und physikalischen Umweltbedingungen die auBere Realitat”(Flurrelmann, 2002:S.26).

Psychische Erkrankungen und Dispositionen wie Depressivitat, Personlichkeitsstorungen, Neurotizismus, Labilitat oder eine geringe Frustrationstoleranz steigem das Risiko fiir eine Suchterkrankung (vgl. von Wolffersdorff, S.327).

Auch die Vererbung bestimmter genetischer Pradispositionen kann zu iibermaBigem Substanzkonsum und schlieBlich siichtigem Verhalten fiihren (vgl. Scheerer, 1995: S: 47).

Dieses Argument ist allerdings nicht unumstritten (v.a. in sozialarbeiterischen Kreisen). Was wohl damit zu erklaren ist, dass die Klienten allzu leicht einer daraus folgenden Stigmatisierung zum Opfer fallen konnten und die Befiirchtung erweckt wird, es konnte der Eindruck entstehen sowieso nichts gegen die Suchterkrankung tun zu konnen. Deshalb mochte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass nicht eine einzelne Ursache zur Erklarung bestimmter Verhaltensmuster ausschlaggebend ist. Erst die Betrachtung vieler einzelner Faktoren in ihrer Wechselwirkung gibt Aufschluss iiber das Krankheitsbild Sucht. Der Begriff Vererbung wird umgangssprachlich haufig fehl interpretiert und weckt die Vorstellung Verhaltensauffalligkeiten konnen vererbt werden. Verhaltensmuster werden aber nicht vererbt, sondem durch Pragung, Gewohnung und Lemprozesse wahrend der Sozialisation eines Individuums weitergegeben. Daher beeinflussen die Eltern als primare Bezugspersonen ihrer Kinder deren Bewaltigungsstrategien, Verhaltensmuster und Ent- wicklung erheblich. Wird Drogenkonsum und Suchtverhalten von den Eltern vorgelebt, flieBt dies auch in den Sozialisationsprozess der Kinder mit ein.

Bei einer Erklarung der personlichen Ursachen fiir einen Drogenabusus spielen auch die korperlichen Voraussetzungen eine entscheidende Rolle. Gerade auf diesem Gebiet ist in den letzten Jahren viel geforscht worden. Besonders der Fachbereich Neurologie hat viel zur Erkenntnisgewinnung innerhalb der Drogenproblematik beigesteuert. Im Zentrum der Forschung steht ein Teil des zentralen Nervensystems, der als Belohnungssystem bezeichnet wird und durch eine Vielzahl von korpereigenen Drogen gesteuert wird. Die Entdeckung dieser korpereigenen Drogen hat vollig neue DenkanstoBe bei der Drogendiskussion aufwerfen konnen. Denn ein drogeninduzierter Rausch entsteht durch die Zufuhr von Stoffen, die den korpereigenen Drogen sehr ahnlich sind. Entweder setzt durch die Stoffe selbst oder die Reaktion im zentralen Nervensystem, d.h. die Ausschiittung anderer rauschver- ursachender Substanzen die gewiinschte Wirkung ein (vgl. Scheerer 1995: S.38f). Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass diese Drogen keinerlei Wirkung im Korper verursachen wiirden, waren sie nicht den korpereigenen Drogen so ahnlich, dass der Korper diese nicht voneinander unterscheiden kann. Einige der wichtigsten korpereigenen Drogen sind dem Hauptwirkstoff von Opium, dem Morphin, sehr ahnlich. Sie werden als Endorphine, bzw. als endogene Morphine bezeichnet.

Im weiteren Verlauf soil das korpereigene Belohnungssystem genauer dargestellt werden, da es bei den Betroffenen unmittelbar mit dem Drogenkonsum verkniipft ist:

“Als Belohnungssystem bezeichnen Gehimforscher eine Menge von Nervenbahnen, die verschiedene Teile des zentralen Nervensystems nntereinander verbinden. Heute geht man davon aus, dass (mindestens) drei Zentren oder Ebenen in diesem Belohnungssystem existieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 (Scheerer, 1995:S.40)

Es sei hier noch einmal betont, dass die haufig proklamierte Drogenfreiheit nicht vorhanden zu sein scheint, sondem der Konsument von Drogen ein UbermaB an im Korper bereits vorhandenen Stoffen (oder zumindest in sehr ahnlicher Form) herbeifiihrt.

Der Konsum geschieht demnach um eine bestimmte Wirkung hervorzurufen. Um die Menge an korpereigenen Drogen im Korper zu erhohen und damit diesen rauschartigen Zustand zu erlangen bedarf es aber nicht zwangslaufig des Konsums von Drogen. Denn durch Sport, Fallschirmspringen oder andere Extremsportarten, sexuelle Aktivitaten oder Befriedigung von Interessen konnen ahnliche physische Vorgange in Gang gesetzt werden (Wildermuth, 2006: S.2). Bei dieser Betrachtung des Konsums von Drogen verschwinden scheinbar die Unterschiede zwischen den Drogenkonsumenten und Menschen welche vieUeicht nur ihrem Hobby nachgehen. Die Frage die sich hieraus stellt, ob jeder Mensch das Bediirfnis hat rauschartige Zustande zu erleben, ist allerdings eher philosophischer Natur und wiirde hier zu weit fiihren. Allerdings nicht die Frage, ob jeder Mensch aufgrund korpereigener Drogen gleich drogenabhangig ist.

Um dies zu beantworten ist es hilfreich, die Kriterien der Suchtdefmition anzulegen (Kapitel 1.1.1). Dadurch werden Differenzen sichtbar. Im Gegensatz zu Suchtkranken werden Menschen die Sport treiben oder ihrem Hobby nachgehen, sich oder ihrer Umwelt keinen Schaden zufiigen. Sportier steigem zwar im Laufe des Trainings ihre Leistungsfahigkeit, sie miissen aber nicht aufgrund einer Toleranzbildung die Dosis oder Intensitat ihres Hobbys steigem um daran SpaB zu haben. Im Gegensatz zu Drogenabhangigen verhalten sie sich nicht zwanghaft oder siichtig und leiden nicht an korperlichen Entzugssymptomen. Natiirlich konnen Menschen auch Sport so exzessiv betreiben, dass suchttypische Verhaltensweisen erkennbar werden. Aber wie eingangs erwahnt (Kapitel: 1.1.1 Definition von Sucht), kann nicht nur durch natiirliche oder synthetische Substanzen Abhangigkeit entstehen, sondem eben auch durch bestimmte Verhaltensmuster oder Aktivitaten.

Der Mensch kann unabhangig davon siichtig werden, ob der Rausch durch korpereigene oder korperfremde Stoffe verursacht wird. Der Rausch ist daher prinzipiell eine natiirliche Reaktion des Korpers. Die Wirkung der Substanzen, d.h der Rausch ist die Reaktion des Belohnungssystems im Gehim. Dieses Belohnungssystem steuert maBgeblich unser Verhalten, unsere Triebe, Sehnsiichte und Aktivitaten. Ist in diesem Belohnungssystem beispielsweise ein Defizit vorhanden, ist der Antrieb es zu beseitigen machtig. Ob dieses Defizit durch Drogenkonsum oder beispielsweise Verhaltensanderungen ausgeglichen wird, entscheiden individuelle Bewaltigungsstrategien. “Wenn die Einnahme psychoaktiver Substanzen entweder auf direktem oder auf indirektem Wege so positive Wirkung im Belohnungssystem verursacht, dann beantwortet sich die Frage, wamm Menschen Drogen probieren bzw. gelegentlich konsumieren, eigentlich von selbst. Sie tun es in der Erwartung angenehmer Gefuhlserfahrungen, und wenn diese Erwartungen nicht enttauscht werden, sind sie meist grundsatzlich bereit, den Konsum zu wiederholen”(Scheerer, 1995: S.42).

Das Belohnungssystem und die Auswirkung von Stimulanzien darauf, spielt bei der Erklarung des Zusammenhangs von Sucht und ADHS eine entscheidende Rolle.

[...]


1 Bereits vor liber 6000 Jahren haben die Menschen den euphorisierenden Effekt der Mohn- blume gekannt, der berauschende Effekt von Alkohol aus vergorenen Friichten diirfte der Menschheit noch langer bekannt sein (von Cranach, 1982: S. 482)

2 Z.B. der Konsum von Drogen nur durch Erwachsene; die Friedenspfeife, d.h. der Konsum nur zu bestimmten, festgelegten, gesellschaftlich integrierten Anlassen.

3 Im Mittelalter verbreitete Praktiken des Suchtenbrechens (Vogt/Scheerer, 1989: S.12)

4 Das Rauschpotential nicht gleich Suchtpotential ist wird anhand eines Vergleiches zwischen Tabak und Canabis deutlich: wahrend ca. 85% der deutschen Raucher regelmaBig Tabak konsumie- ren, d.h. eine Abhangigkeit zu einer Droge mit niedrigem Rauschpotential entwickelt haben, sind von den deutschen Canabiskonsumenten nur ca. 0,6% als abhangig eingestuft, obwohl Canabis ein hoheres Rauschpotential besitzt (vgl. Hiillinghorst, 2006: S. 12).

5 z.B. Spiel- oder Sexsucht, standiger Nervenkitzel bei Extremsportarten aber auch extreme Formen der Abhangigkeit in Beziehungen

6 ICD = International Classification of Diseases and Relatet Health Problems, internationale statistische Klassifikation von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. ICD - 10 ist die aktuelle Auflage dieser Klassifikation.

7 So wurde beispielsweise im 16./17. Jahrhundert versucht, Tabak in verschiedenen europaischen Landern zu verbieten oder im 17. Jahrhundert in Preussen den KaffeegenuB zu unterbinden (Wiegrefe, 2007: S. 35).

8 Aufgrund der schwierigen Datenlage hinsichtlich des Themas, sind aktuelle Daten nicht zu- ganglich, die hier aufgezeigten Zahlen stammen aus Reprasentativerhebungen (vgl. Hiillinghorst, 2006: S. 28).

9 Wohnbevolkerung = 47,9 Mio. 18 - 59 - Jahrige, Statistisches Bundesamt, Stand 31.12.1998 (vgl. Hiillinghorst 2006: S.2)

10 Die aktuelle politische Diskussion um ein offentliches Rauchverbot ist ein Beleg dafiir, dass der Staat zwischen den steuerlichen Einnahmen auf der einen Seite und gesundheitlicher Fiir-sorge auf der anderen Seite steht. nEntdeckung korpereigener Opiate und weitere Forschung zum Neurotransmittersystem durch Solomon H. Snyder 1975.

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten

Details

Titel
Doppeldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom und Sucht in der Suchtberatung
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
96
Katalognummer
V115575
ISBN (eBook)
9783640170432
ISBN (Buch)
9783640172665
Dateigröße
5133 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Umfassender Einblick in die Thematik des Zusammenhangs zwischen ADHS und Sucht. Klinische Grundlagen, psychische und psychosomatische Verbindungen. Beschreibung des momentanen Umgangs in der Praxis, Experteninterview und Beschreibung möglicher zukünftiger Handlungsschritte.
Schlagworte
Doppeldiagnose, Aufmerksamkeitsdefizit-/, Hyperaktivitätssyndrom, Sucht, Suchtberatung
Arbeit zitieren
Diplom Sozialpädagoge Reyk Arend Sonnenschein (Autor), 2007, Doppeldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom und Sucht in der Suchtberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115575

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