Bis dato war mir das Störungsbild ADHS nur als eine Kinderkrankheit bekannt. Die Komorbidität von Sucht und ADHS kann als Ausdruck des Versuchs der Betroffenen verstanden werden, die Symptome der Störung durch den Konsum von Drogen zu regulieren und zu reduzieren. Diese Selbstmedikation bedarf keiner Diagnose. [...] Die Suchtberatungsstelle ist für viele Betroffene der erste Kontakt den sie in ihrer Suche nach Hilfe mit ihren Drogenproblemen herstellen. Daher ist dieser Bereich der Suchthilfe für mich besonders interessant. Hat die ADHS-Sucht-Komorbidität auch Auswirkungen auf die Suchtberatung? Und wenn ja, welche Auswirkungen sind das? Um diese Fragen klären zu können bedarf es einer grundlegenden Übersicht der verschiedenen Themen. Daher geht es im ersten Kapitel zunächst um die Drogensucht. Die Definition von Sucht und Abhängigkeit sowie die Hintergründe für eine Suchterkrankung sollen dabei erklärt werden. Darüber hinaus ist es mir wichtig, die Ursachen und gesellschaftlichen Bezüge zu erläutern. Im zweiten Kapitel geht es um die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung. Hier war es mir wichtig ein genaues Verständnis dafür zu geben, was sich hinter dem Begriff dieser Störung verbirgt und wie groß die Zahl der Betroffenen ist. Aber auch hier möchte ich Ursachen, Hintergründe und Therapiemöglichkeiten analysieren. Im dritten Kapitel geht es mir um den Zusammenhang von ADHS und Sucht. Was sind die Ursachen für diese Verbindung und wie viele Betroffene gibt es? In allen Kapiteln liegt der Fokus nicht nur auf den Ursachen, sondern auch auf den protektiven Faktoren, welche vor den jeweiligen Verhaltensstörungen schützen können. Im vierten Kapitel erläutere ich, wie in der Suchtberatung mit dem Thema der ADHS-Sucht-Komorbidität umgegangen wird. Zur besseren Veranschaulichung habe ich ein Interview mit meinem ehemaligen Kollegen Axel Hansen aus dem »Seehaus« geführt. Er erläutert, was die Doppeldiagnose für die Beratungsstelle bedeutet und welche Auswirkungen sie auch auf die Suchtbehandlung hat. Im fünften und letzten Abschnitt werden dann noch einmal die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Sucht
1.1 Wortbedeutung und eine erste Definition von Sucht
1.2 Definition von Sucht nach der ICD-10
1.3 Begriffsklärung: Unterschiede zwischen Abhängigkeit und Sucht
1.4 Epidemiologie der Sucht
1.5 Ursachen und Hintergründe von Suchterkrankungen
1.5.1 Ursache Droge
1.5.2 Ursache Umwelt
1.5.3 Ursache Persönlichkeit
1.6 Resümee
2. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen
2.1 Nomenklatur von ADHS
2.2 Prävalenz von ADHS
2.3 Neurochemische und neuroanatomische Grundlagen
2.4 Risikofaktoren, bzw. Ursachen von ADHS
2.5 Diagnostik und Symptomatik der ADHS im Erwachsenenalter
2.5.1 Diagnose
2.5.2 Symptomatik
2.6 Therapie
2.6.1 Psychotherapeutische Behandlung
2.6.2 Medikamentöse Behandlung
2.7 Resümee
3. Differenzialdiagnose ADHS: Komorbidität von ADHS und Sucht
3.1 Prävalenz von ADHS-Sucht-Komorbidität
3.2 ADHS als Risikofaktor für die Entwicklung von Suchterkrankungen
3.3 Neurobiologische Gemeinsamkeiten von ADHS und Sucht
3.4 Diagnose ADHS-Sucht-Komorbidität
3.5 Methylphenidat und Abhängigkeit
3.6 Therapeutische Maßnahmen bei ADHS-Sucht-Komorbidität
3.7 Resümee
4. Komorbidität von ADHS und Sucht in der Suchtberatung
4.1 Suchtberatung
4.2 Interview mit Axel Hansen
4.3 Resümee
5. Abschließende Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der Entstehung von Suchterkrankungen bei Erwachsenen. Das primäre Ziel ist es, die Doppeldiagnose ADHS und Sucht zu analysieren und deren Auswirkungen auf die Arbeit in der Suchtberatung sowie auf die therapeutische Versorgung zu beleuchten.
- Grundlagen der Suchtproblematik und diagnostische Kriterien der Abhängigkeit
- Neurobiologische und psychosoziale Hintergründe von ADHS bei Erwachsenen
- Die Komorbidität von ADHS und Suchterkrankungen als wechselseitiger Risikofaktor
- Praktische Implikationen der Doppeldiagnose für die Suchtberatung
- Integration von therapeutischen Ansätzen bei komorbiden Patienten
Auszug aus dem Buch
1. 5 Ursachen und Hintergründe von Suchterkrankungen
Trotz zahlloser Theorien über Suchterkrankungen, fehlt bislang eine einheitliche, allgemein anerkannte Erklärung der Sucht.
Entsprechend der jeweiligen wissenschaftlichen Fachrichtung liegt der Fokus der verschiedenen Suchttheorien. Gerade im psychologischen Fachbereich gibt es eine Vielzahl verschiedener Erklärungsansätze für die Ursachen von Sucht. Unabhängig davon, ob es sich um psychoanalytische, psychosoziale, lerntheoretische oder soziologische Theorien handelt, wird ein komplexes Ursachenbündel für die Entstehung von Sucht verantwortlich gemacht. Vor allem aber eine Ursachentrias von Droge, Persönlichkeit und Umwelt steht hierbei im Vordergrund (vgl.Vogelgesang, 2006: S.26). Eine einzelne Betrachtung der drei Ursachen ist daher wichtig um die Hintergründe der Sucht verstehen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation des Autors durch seine praktische Tätigkeit in der Suchtberatung und stellt die Forschungsfrage zur Komorbidität von ADHS und Sucht.
1. Sucht: Dieses Kapitel definiert Sucht, differenziert zwischen Sucht und Abhängigkeit gemäß ICD-10 und betrachtet die Ursachen von Suchterkrankungen.
2. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen: Hier werden das Störungsbild ADHS, seine Prävalenz, die neurobiologischen Grundlagen und die Diagnostik im Erwachsenenalter detailliert dargestellt.
3. Differenzialdiagnose ADHS: Komorbidität von ADHS und Sucht: Dieses Kapitel analysiert die Häufigkeit der Komorbidität, ADHS als Risikofaktor für Sucht und die neurobiologischen Gemeinsamkeiten beider Störungen.
4. Komorbidität von ADHS und Sucht in der Suchtberatung: Der praktische Teil beleuchtet die Herausforderungen in der Suchtberatung und umfasst ein Experteninterview zur Behandlungspraxis.
5. Abschließende Diskussion und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Konsequenzen der Doppeldiagnose für die Suchthilfe und zukünftige therapeutische Ansätze.
Schlüsselwörter
ADHS, Sucht, Komorbidität, Doppeldiagnose, Suchtberatung, Abhängigkeit, Methylphenidat, Belohnungssystem, Psychotherapie, Prävalenz, Diagnose, Verhaltensstörung, Impulsivität, Selbstmedikation, Suchtprävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Zusammenwirken von ADHS und Suchterkrankungen bei Erwachsenen und die damit verbundenen Herausforderungen für das Suchthilfesystem.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Themen umfassen die Definition von Sucht, das Krankheitsbild ADHS bei Erwachsenen, die Komorbidität beider Störungen und deren praktische Behandlung in der Suchtberatung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Es soll geklärt werden, wie eine ADHS-Sucht-Doppeldiagnose die Suchthilfe beeinflusst und welche therapeutischen Strategien für diese Klientengruppe sinnvoll sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse der theoretischen Grundlagen sowie einer qualitativen Erhebung in Form eines Experteninterviews mit einem Suchtberater.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Ursachen von Sucht, die Diagnostik von ADHS bei Erwachsenen und die spezifischen Zusammenhänge zwischen ADHS und Sucht als wechselseitige Verstärker analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind ADHS, Sucht, Komorbidität, Doppeldiagnose, Suchtberatung und Neurobiologie.
Warum wird ADHS oft als "Selbstmedikation" bei Suchtkranken diskutiert?
Viele Betroffene konsumieren Drogen, um die Symptome der ADHS, wie Konzentrationsschwäche oder Impulsivität, unbewusst zu lindern, da sie von der Störung oft noch nichts wissen.
Welche Rolle spielt die Suchtberatung bei der Diagnose?
Die Suchtberatung ist häufig die erste Anlaufstelle. Durch die Erfahrung der Mitarbeiter können Verdachtsmomente auf ADHS früh erkannt und die Klienten entsprechend weitervermittelt werden.
- Quote paper
- Diplom Sozialpädagoge Reyk Arend Sonnenschein (Author), 2007, Doppeldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom und Sucht in der Suchtberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115575