Lösungen für die "letzte Meile" beim E-Commerce


Hausarbeit, 2003

39 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung der Ausgangssituation
2.1. Die KEP-Dienstleister
2.2. Kostenbetrachtung

3. Auswahl der Methodik

4. Analysedurchfhrung
4.1. Vorstellung der mglichen Lsungen
4.2. Nutzwertanalyse

5. Diskussion
5.1. Fallbeispiel TNT Holdings Deutschland GmbH
5.2. Fallbeispiel leos (BI-LOG AG)
5.3. Fazit

6. Ausblick

7. Zusammenfassung

Abkrzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Gewichtung der Zielkriterien

Abbildung 2: Ergebnisse der Nutzwertanalyse

Abbildung 3: Rangfolge der Lsungen

Abbildung 4: Screenshot der Unternehmens-Homepage der

TNT Holdings Deutschland GmbH (www.tnt.de)

Abbildung 5: Screenshot www.tnt.de Internet Service

Abbildung 6: Screenshot www.leichtereinkaufen.de

1. Einleitung

Am 08.11.2002 erschien in der FAZ eine Unternehmensmeldung der Deutschen Post AG, in dem der Verkauf des Internet Shopping-Portals Evita an Lycos Europe angekndigt wurde. Es hie, dass [d]er Verkauf ein weiterer Schritt der Marktbereinigung im Internet-Markt [sei]. Nach dem Handelsunternehmen Met- ro und dem Medienunternehmen Bertelsmann ist die Post bereits der dritte Grokonzern, der in diesem Jahr aus dem Internet-Geschft mit privaten Kun- den aussteigt. Dagegen steigern die Marktfhrer wie Amazon, der Otto-Versand oder Karstadt-Quelle ihre Online-Umstze stetig mit zweistelligen Zuwachsra- ten. (FAZ 08.11.02)

Nun stellt sich die Frage, ob nicht auch die Logistik einen groen Teil zu dieser Entwicklung beitrgt. Gerade das jhrliche Weihnachtsgeschft stellt die Lo- gistikdienstleister, wie auch die Betreiber des Internet-Versandhandels, vor im- mer schwierigere Aufgaben.

Der E-Commerce-Anbieter Amazon verzeichnet z.B. jedes Jahr zur Weih- nachtszeit rund 100.000 tgliche Sendungen, die abgewickelt werden mssen. Dies entspricht fast der Hlfte der Gesamtsendungen eines ganzen Jahres des Unternehmens aus Bad Hersfeld. Ein weiteres herausforderndes Projekt fr die

Amazonier war im August 2002 die Erfassung und Auslieferung von 50.000 vorbestellten Exemplaren der DVD Herr der Ringe - Die Gefhrten. Mittlerwei- le reagiert das Unternehmen auf diesen saisonalen Boom mit der Einstellung zustzlicher Arbeitskrfte. (Calik 2002)

Insgesamt kann man sagen, dass die zunehmende Atomisierung von Sendun- gen, der Anstieg der Sendungszahlen bei kleinen Sendungsgren und die ge- stiegenen Anforderungen an eine rechtzeitige Zustellung nur einige wenige Vernderungen sind, die sich auf die Angebotsstruktur einer ganzen Branche auswirken.

Das Internet ist als Grundlage des E-Business der Auslser fr diese ernorme Entwicklung, die Chancen wie auch Risiken birgt.

Unter E-Business verstehen wir in der Regel konomisch basierte Interaktionen und Transaktionen, die ber Informations- und Kommunikationstechnologie- Netze vollzogen werden. Man unterscheidet dabei den Bereich B2B (Business- to-Business), der sich mit dem Zwischenhandel zwischen verschiedenen Ge- schftszweigen beschftigt und den Bereich B2C (Business-to-Consumer), der den Direktverkauf von Konsumgtern an den Endkunden darstellt. In den folgenden Ausfhrungen wird sich auf das Segment des B2C beschrnkt.

Nun sollen spezielle Logistiklsungen aufgezeigt und entwickelt werden, die eine Zustellung zum Endkunden im Rahmen des E-Commerce wesentlich ver- einfachen und dabei serviceorientiert, nachhaltig und zukunftsweisend sind. Sie sollen sowohl logistisch wie auch informationstechnisch eine Verbesserung der Belieferung der Endkunden im Hinblick auf die letzte Meile darstellen. Dies geschieht unter Anwendung verschiedener Fallbeispiele aus der Praxis.

Die letzte Meile ist dabei die Zustellung der bestellten Waren vom letzten re- gionalen Verteildepot zum Kunden (Wannenwetsch 2002) und wird auch als Endkundendistribution verstanden. Sie gilt als entscheidende Hrde fr den E- Commerce im Segment B2C. Des Weiteren wird eine geeignete Methodik ge- whlt, um die verschiedenen Lsungen miteinander zu vergleichen und die mglichst beste Lsung zu ermitteln.

Nach der Durchfhrung einer Analyse wird die beste Lsung diskutiert und ein Ausblick in die Zukunft gegeben.

Zum Schluss wird nochmals eine kompakte Zusammenfassung der Projektar- beit aufgefhrt.

2. Beschreibung der Ausgangssituation

Nachfolgend wird ein Einblick in den derzeitigen Logistikmarkt, speziell dem der KEP-Dienstleister, gegeben und heutige Gegebenheiten und Kennzeichen be- schrieben und erlutert. Am Ende werden konkrete Lsungen herausgearbeitet, die sich zur Anwendung im E-Commerce in Zukunft eignen wrden.

Bietet man Produkte ber das Internet an, ist zunchst zu prfen, ob diese Pro- dukte berhaupt internettauglich sind, denn in der nchsten Instanz ist dies hauptschlich eine Frage der Logistik. Diese Frage wird hufig durch das Zu- schnappen der Logistikfalle gerade im Bereich der Zustellkosten (Mo- cker/Mocker/Ahlrepp 2000) beantwortet.

Schaut man sich folgende Statistik an, beschrnkt sich der Internethandel z.Zt. hauptschlich auf folgende Produkte:

- Bcher
- Kleidung / Schuhe
- CDs / DVDs
- Computer / Software
- Sportartikel
- Unterhaltungselektronik
- Tickets, Wertpapiere
- Geschenkartikel
- u.a.

Weitere Produkte werden ebenfalls angeboten, sind jedoch noch nicht die Re- gel und bestimmen sich hauptschlich durch die Nachfrage der Kunden, die in einigen Bereichen noch nicht ausgeprgt genug ist.

Werden Produkte ber das Internet angeboten, sollte ebenfalls in Erwgung gezogen werden, dass Wettbewerbsbeziehungen zu bestehenden Absatzkanlen zu beachten sind. (Albers/Clement/Peters/Skiera 2001)

Eine Kannibalisierung unter den verschiedenen Absatzkanlen sollte deshalb unbedingt vermieden werden.

Der E-Commerce, dessen Schwachstelle immer noch die krperliche Ausliefe- rung der Ware ist, stellt seit einiger Zeit andere Anforderungen an Logistiksys- teme, insbesondere an die jeweilige Verkehrslogistik.

Dies hat zum Einen soziodemographische Ursachen, wenn man sich die stei- gende Zahl der Single-Haushalte anschaut, des Weiteren ist ein gewandeltes

Konsumentenverhalten festzustellen. Ein Beispiel dafr ist die steigende Anzahl der Retouren, durch das Fernabsatzgesetz aus dem Jahre 2000, das den Kun- den bei allen bestellten Artikeln aus dem Internet ein zweiwchiges Widerrufs- recht einrumt. Die Kosten der Retouren machen mittlerweile fast 40 % der Kosten eines Logistikdienstleisters bei der Auslieferung aus.

Der Kunde ist durch das Internetangebot sehr bequem geworden und akzeptiert mittlerweile nur noch Wartezeiten von maximal 48 Stunden bei der Zustellung. Dieser Anforderung kann mit einer preisdifferenzierten Angebotsstruktur in Form von Express-Dienstleistungen (Eilsendung, normale Sendung, etc.) auch heute schon genge getan werden.

Weitere Anforderungen sind z.B. gestiegene Qualittsanforderungen, verschie- dene Anlieferzeiten, moderate Versandkosten, im Falle von Lebensmitteln eine unterbrechungsfreie Khlkette, eine teilweise hohe Empfindlichkeit mancher Produkte, das breitgefcherte Angebot an verschiedenartigen Produkten und somit auch der daraus resultierende Preisvergleich ber das Internet.

Durch die Analyse dieser gestiegenen Anforderungen lsst sich eine erhhte Affinitt zu den Verkehrstrgern Strae und Luft, durch hohe Geschwindigkei- ten und eine hohe Netzabdeckung, feststellen.

Aufgrund dieser genderten Kundenbedrfnisse und Marktstrukturen entstand mit den sog. KEP-Dienstleistern ein Geschftszweig der Logistikbranche, der sich speziell auf diese Problematik konzentriert.

2.1. Die KEP-Dienstleister

Unter KEP(Kurier-Express-Paket)-Diensten versteht man die zeitkritische Aus- lieferung der Ware zum Kunden (Heiserich 2000) bzw. eine komplexe Dienst- leistung mit Abhol-, Beschaffungs-, Entsorgungs- und Retourenlogistik (Heise- rich 2000).

Die derzeitige Situation der KEP-Branche, die hauptschlich aus privaten An- bietern besteht und vor allem servicesensible Bereiche (Heiserich 2000) ber- nimmt, lsst sich folgendermaen erlutern.

Der Markt unterteilt sich dabei in drei Bereiche:

1. Kurierdienste:

Hierbei handelt es sich um die Zustellung von Einzelfrachtstcken wie Doku- mente, Eilbriefe, Ersatzteile, etc. mit niedrigen Gewichten, die eine hohe Flexibi- litt erfordern.

2. Expressdienste / Kombifrachtdienste:

Hierunter fallen Unternehmen wie TNT, Trans-o-flex oder auch System Alliance, die insgesamt eine Marktabdeckung von 23% der KEP-Branche haben. Die Dienstleister haben es hier meist mit mehreren Paketen, greren Einzelfracht- stcken oder auch ganzen Paletten zu tun, die in einem bestimmten Zeitfenster (meist bernacht-Service) zugestellt werden mssen und dabei flexibel auf Kundenwnsche eingegangen werden muss.

3. (Standard-)Paketdienste:

Diese Dienstleister wie die Deutsche Post AG, DPD, UPS, Hermes und German Parcel nehmen ca. 66% des KEP-Marktes ein und konzentrieren sich auf Pa- ketsendungen bis maximal 31,5 kg. Die Versorgung erfolgt ber flchende- ckende Frachtnetze mit Sammel- und Verteildepots und Zentralumschlagstellen (sog. Hubs).

2.2. Kostenbetrachtung

Das Problem der KEP-Dienstleister ist, dass die Margen aufgrund erhhter Lo- gistikkosten durch steigende Kleinstsendungen immer geringer werden und zu- stzlich das Problem der mehrfachen Zustellung oder auch der hufigen Retou- ren als Kostenfalle weiterhin fortbesteht.

Die hohen Distributionskosten stehen teilweise in keinem Verhltnis mehr zu dem eigentlichen Warenwert. Die Erfahrung im Versandhandel zeigt, dass ein

Kunde maximal Versand- und Bestellkosten in Hhe von 5 akzeptiert und demnach auch mittrgt. Die Transaktionskosten gehen jedoch hufig darber hinaus (7,50 15 ).

Aus dieser kostenspezifischen Problematik resultiert im Endeffekt nur die Ver- besserung der Distributionsprozesse in Form von innovativen Dienstleistungen. Somit knnten die Distributionskosten besser anteilmig auf einen Kunden abgewlzt werden.

Der worst case besteht heutzutage meist darin, dass der Kunde ein einzelnes Produkt ber das Internet gegen eine geringe Versandgebhr bestellt. Die Lie- ferung trifft meistens im Laufe der Folgetage bei dem abwesenden Kunden ein. Dies wiederholt sich mehrfach, bis der Kunde unntig verrgert nach einigen Tagen erst seine eigentliche Bestellung erhlt.

Die Kosten, die dort beim Logistikdienstleister entstehen sind ebenfalls unntig und bedrfen einer grundlegenden Verbesserung der Distribution in Verbindung mit dem neuen Absatzkanal Internet.

Gesucht werden demzufolge Logistiklsungen, die eine kostengnstige Zustel- lung zum Endkunden darstellen, die aber auch einen gewissen Service fr den Kunden unter Bercksichtigung der heutigen Informations- und Kommunikati- onstechnologien darstellen.

Diese mglichen Lsungen, die sich in der Zwischenzeit herauskristallisiert ha- ben, werden im weiteren Verlauf mittels genauerer Analysen noch nher be- leuchtet.

3. Auswahl der Methodik

Um die Lsungen genauer zu betrachten, wird im Rahmen des Planungspro- zesses eine geeignete Methodik zur Auswahl der besten Lsung gesucht.

Es besteht die Mglichkeit, lediglich Vor- und Nachteile zu den einzelnen L- sungen aufzuzhlen. Dies liefert jedoch kein genaues Ergebnis, da manche Vor- bzw. Nachteile unterschiedlich zu gewichten wren.

Weitere mgliche Planungsinstrumente, vor allem in den Bereichen der Bewer- tung und Entscheidung, knnen sein (Jung/Kleine 1993):

- Kosten-Nutzen-Analyse
- Break-Even-Analyse
- Wirtschaftlichkeitsrechnungen
- Risikoanalyse

Als gnstigste und trivialste Methodik, unter der die Analyse fortgesetzt wird, bietet sich die Nutzwertanalyse in Form eines Scoring-Modells an, weil damit quantitative wie auch qualitative Faktoren in die Untersuchung mit einflieen und unter verschiedenen gewichteten Bewertungskriterien analysiert werden knnen.

Diese Methode ist besonders dann geeignet, wenn viele qualitative Kriterien oder allgemein ein sehr immaterieller Charakter im Bezug auf die zu bewerten- den Lsungen gegeben ist.

Um eine mglichst objektive Sichtweise abzugeben, wird versucht, eine gezielte und genaue Auswahl und Gewichtung der Bewertungskriterien zu erreichen.

4. Analysedurchfhrung

Es erfolgt nun eine Darstellung bzw. ein berblick ber die mglichen Logistik- lsungen fr die letzte Meile beim E-Commerce.

Anschlieend werden diese Lsungen in einer Nutzwertanalyse bewertet und die beste Lsung ermittelt.

4.1. Vorstellung der mglichen Lsungen

Im Rahmen der letzten Meile unterscheiden wir die geeigneten Lsungen in zwei Kategorien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Ware-zu-Kunden-Konzepte
- Kunden-zur-Ware-Konzepte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter Ware-zu-Kunden-Konzepten werden alle Lsungsmglichkeiten ver- standen, bei denen die Ware mglichst direkt in den Machtbereich des Kunden befrdert wird, und dieser keine groen Anstrengungen auf sich nehmen muss. Man kann derartige Konzepte auch als Bringsysteme fr die jeweiligen Dienstleister bezeichnen.

Die meisten Kunden-zur-Ware-Konzepte sind hingegen eine Hybridform zwischen einem Ware-zu-Kunden-Konzept und einem gewhnlichen Einkauf eines Kunden z.B. im Einzelhandel. Der entsprechende Dienstleister bringt die Ware an einen neutralen Ort, kontaktiert den jeweiligen Kunden, der sich dann die Ware dort abholen kann.

Es besteht somit ein Holsystem fr den Kunden und ein Bringsystem fr den Dienstleister.

Vorteil dieses Konzeptes ist eine Entlastung der Kostensituation, insbesondere im Bereich der laufenden Kosten, fr den jeweiligen Logistikdienstleister.

Vorraussetzung fr alle Konzeptarten ist der anfngliche Investitionsbedarf fr eine entsprechende Lsung. Die jeweilige Infrastruktur muss zuerst sicherge- stellt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Lösungen für die "letzte Meile" beim E-Commerce
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)  (RheinAhrCampus Remagen)
Veranstaltung
Themenspezifische Projektarbeit Logistik
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
39
Katalognummer
V11562
ISBN (eBook)
9783638176880
ISBN (Buch)
9783638641937
Dateigröße
830 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Internet stellt immer größere Anforderungen an die Logistik. In der folgenden Arbeit werden systematisch Logistiklösungen aufgezeigt, die logistisch und informationstechnisch zukunftsorientiert sind und zugleich die Logistikdienstleister entlasten sollen. Darüber hinaus wird ein hinreichender Überblick über die deutsche KEP-Branche unter Anwendung diverser Fallbeispiele gegeben. 656 KB
Schlagworte
Letzte Meile, Logistik, Distribution, Internet
Arbeit zitieren
Jan Keiman (Autor), 2003, Lösungen für die "letzte Meile" beim E-Commerce, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11562

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