Das Leben mit einer Behinderung, sei es die eigene Behinderung oder die Behinderung eines Angehörigen kann mit vielen Herausforderungen verbunden sein. In Deutschland leben im Jahr 2021 16,8 Millionen Menschen mit Behinderungen, davon 7,5 Millionen mit einer Schwerbehinderung (bmas.de 2018). Dieses Scientific Essay befasst sich mit der herausfordernden Situation der Eltern und weiteren Familienangehörigen von Menschen mit Behinderungen.
Bei Diagnostizierung einer Behinderung werden Familien und ihre Angehörigen vor große Belastungsproben gestellt. Bezüglich der Lebensplanung, des situativen Alltags, der Beziehungsgestaltung sowie der Rollenerwartung warten einige Hindernisse auf die Familienangehörigen sowie auf die Person selbst. Der ursprünglich entworfene Lebensplan wird durch das Ereignis der Diagnosestellung eines Kindes mit Behinderung durcheinandergebracht. Im Fokus steht der gesundheitliche Aspekt, da die Eltern ihr Kind je nach Förderungsbedarf unterstützen müssen. Zahlreiche Termine mit geschultem Fachpersonal und die Auswahl der passenden Therapiemöglichkeiten stehen im Vordergrund. Später sind eine gelingende Integration in der Schule, die Suche nach einem Beruf sowie der mögliche Auszug aus dem Elternhaus von besonderer Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich dieses Scientific Essay mit folgender zentraler Fragestellung: Welche Herausforderungen müssen die Familien von Menschen mit Behinderung bewältigen und welche Möglichkeit hat die Soziale Arbeit diesen Herausforderungen zu begegnen?
Das vorliegende Essay befasst sich zunächst mit der Begriffserklärung in dem theoretischen Teil (Kapitel 2) und führt im Kapitel 3 die Herausforderungen in Bezug auf die biografischen Stationen eines jeden Individuums auf. Die prägnanten Lebenszyklen von der Geburt bis hin zur Verselbstständigung werden gekürzt dargestellt. Kapitel 4 beinhaltet die besondere Rolle der Geschwister eines Menschen mit Behinderung. Anschließend beschreibt Kapitel 5 das Empowerment-Konzept als Handlungsempfehlung bezogen auf die Soziale Arbeit. In dem Fazit (Kapitel 6) werden die einzelnen Schlussfolgerungen zusammengefasst reflektiert und die eigene Meinung der Verfasserin dieses Scientific Essays dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFSERKLÄRUNG
2.1 BEHINDERUNG
3 LEBENSLAUFTYPISCHE STATIONEN UND IHRE HERAUSFORDERUNGEN
3.1 GEBURT, KINDERGARTEN, SCHULE
3.2 ÜBERGANG IN DIE VERSELBSTSTÄNDIGUNG
4 DIE ROLLE DER GESCHWISTER UND DEREN FAMILIÄRE SITUATION
5 HANDLUNGSEMPFEHLUNG IM HINBLICK AUF DAS BERUFSFELD DER SOZIALEN ARBEIT
5.1 EMPOWERMENT
5.1.1 BEGRIFFSERKLÄRUNG
5.1.2 HANDLUNGSMODELL
6 FAZIT UND EIGENE MEINUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Herausforderungen, denen Familienangehörige von Menschen mit Behinderungen in verschiedenen Lebensphasen gegenüberstehen, und analysiert, wie Ansätze der Sozialen Arbeit, insbesondere das Empowerment-Konzept, diese Familien unterstützen können.
- Biografische Herausforderungen von Familien mit behinderten Kindern
- Die besondere Rolle und Situation von Geschwisterkindern
- Empowerment als handlungsleitendes Konzept in der Sozialen Arbeit
- Spannungsfelder zwischen Selbstbestimmung und institutioneller Unterstützung
- Notwendigkeit integrativer und inklusiver gesellschaftlicher Konzepte
Auszug aus dem Buch
3.1 Geburt, Kindergarten, Schule
Jedes Elternteil freut sich in der Regel auf die Geburt des eigenen Kindes. Besonders nach Diagnosestellung stellt die Geburt eines Kindes mit Behinderung einen Wendepunkt im Leben der werdenden Eltern dar. Eine stressige und hochemotionale Phase beginnt für die Eltern, die zugleich in einem lebenslangen Prozess der Bewältigung münden kann (vgl. Seidel 2014: 88).
Die Anforderungen hinsichtlich des Kindes intensivieren sich in vielerlei Bereichen, da sie von heute auf morgen neue Regeln, Barrieren, Entscheidungen kennenlernen und mitunter eine neue Sprache erlernen müssen. Der Alltag verläuft diffiziler, da der Tagesablauf sich organisatorisch dem Kind anpasst. Regelmäßige Arzt- und Krankenhaustermine und -aufenthalte werden bei einigen Eltern zum festen Bestandteil des Alltags (vgl. Schmieder 2015: 2).
Besonders physische und psychische Herausforderungen entwickeln sich mit der Zeit- und ressourcenintensiven Verantwortung für die Betreuung des Kindes. Hinzu kommt, dass die Eltern je nach Art der Behinderung als Sprachrohr und Übersetzer in der sozialen Kommunikation dienen und die Funktionen des Anwalts und Therapeuten übernehmen (vgl. ebd.: 11).
Mit dem entsprechenden Alter wird dann die Entscheidung getroffen das Kind in einem Kindergarten unterzubringen. Kinder mit geistigen, psychischen, physischen Behinderungen oder besonderem Förderbedarf werden in integrativ arbeitenden Kita-Gruppen gefördert. Allerdings bedeutet es auch, dass die Sorgeberechtigten im ständigen Austausch mit Behörden und Institutionen sind, um Anträge zu stellen, damit ihr Kind die bestmöglichen Chancen auf ein Leben in der Gemeinschaft erhält (Kindergartenpaedagogik.de 2021).
Integrative Kindergartenkonzepte sind in Deutschland vorhanden, jedoch werden nicht ausreichend Plätze zur Verfügung gestellt. Eine flächendeckende Versorgung von Kindern mit Behinderungen in integrativen Kindertageeinrichtungen ist in Deutschland nicht erreicht. Daher wird das inklusive frühpädagogische System im Sinne der UN-Behindertenrechtskommission nicht repräsentiert (Lingenauber 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung legt den Fokus auf die Belastungssituation von Familien von Menschen mit Behinderungen und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach den Bewältigungsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit.
2 BEGRIFFSERKLÄRUNG: Dieses Kapitel definiert den Begriff "Behinderung" unter Rückgriff auf das Bundesteilhabegesetz und das bio-psycho-soziale Modell der Weltgesundheitsorganisation.
3 LEBENSLAUFTYPISCHE STATIONEN UND IHRE HERAUSFORDERUNGEN: Hier werden die biografischen Phasen von der Geburt über den Kindergarten bis zum Auszug aus dem Elternhaus beleuchtet und die damit verbundenen organisatorischen und psychischen Anforderungen für Familien dargestellt.
4 DIE ROLLE DER GESCHWISTER UND DEREN FAMILIÄRE SITUATION: Das Kapitel thematisiert die psychischen Belastungen und Verantwortungszuwächse von Geschwisterkindern in Familien mit einem behinderten Familienmitglied.
5 HANDLUNGSEMPFEHLUNG IM HINBLICK AUF DAS BERUFSFELD DER SOZIALEN ARBEIT: Hier wird das Empowerment-Konzept als zentrales Handlungsmodell eingeführt, um Familien durch Ressourcenstärkung und professionelle Unterstützung bei der Selbstorganisation zu begleiten.
6 FAZIT UND EIGENE MEINUNG: Das Fazit fasst die Herausforderungen zusammen und betont die Notwendigkeit von verbesserter inklusiver Infrastruktur sowie die Bedeutung der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Familien.
Schlüsselwörter
Behinderung, Familienangehörige, Soziale Arbeit, Empowerment, Inklusion, Integrationskonzepte, Selbstbestimmung, Geschwisterkinder, Lebenslauf, Beratung, Ressourcenorientierung, Teilhabe, Biografie, Unterstützungssysteme, Elternbelastung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der herausfordernden Lebenssituation von Eltern und Familienangehörigen von Menschen mit Behinderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die Herausforderungen in verschiedenen Lebensphasen des Menschen mit Behinderung, die Rolle der Geschwister und die Anwendung des Empowerment-Konzepts durch die Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach den spezifischen Herausforderungen, die Familien bewältigen müssen, und wie die Soziale Arbeit diese Prozesse unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in diesem Essay verwendet?
Es handelt sich um einen Scientific Essay, der theoretische Grundlagen und Konzepte aus der Fachliteratur zusammenführt und reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die Darstellung biografischer Stationen, die Analyse der Geschwisterrolle sowie die Vorstellung von Empowerment-Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Behinderung, Empowerment, Inklusion, Familienangehörige und Soziale Arbeit.
Warum spielt die Geschwisterrolle eine so wichtige Rolle für das Familiensystem?
Geschwisterkinder erleben oft eine geringere Aufmerksamkeit durch die Eltern und entwickeln teils überhöhte Verantwortungsgefühle, was ihre psychische Stabilität beeinflussen kann.
Inwiefern stellt der "Auszug in die Verselbstständigung" ein Spannungsfeld dar?
Es entstehen oft Konflikte zwischen dem Wunsch des Menschen mit Behinderung nach Autonomie und den Ängsten der Eltern, ihr Kind in eine institutionelle Betreuung zu übergeben.
Warum fordert die Verfasserin eine bessere staatliche Unterstützung für Selbsthilfegruppen?
Da Selbsthilfegruppen für Familien essenziell sind, um Bewältigungsstrategien auszutauschen, sollten sie durch qualifiziertes Personal gestützt werden, was jedoch hohe Kosten verursacht.
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- Anonym (Autor), 2021, Herausforderungen für Familienangehörige von Menschen mit Behinderungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1156385