Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Die Suche nach einem Sündenbock. Makro- und mikrohistorische Motive der Hexenverfolgungen

Titel: Die Suche nach einem Sündenbock. Makro- und mikrohistorische Motive der Hexenverfolgungen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2021 , 31 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Leonie Schneider (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit soll dem Sündenbock-Phänomen und dem damit zusammenhängenden Verschwörungsglauben während der Hochphase der Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit im Raum des heutigen „Ruhrgebiets“ nachgegangen werden. Zum einen soll der dynamische Charakter der Hexenverschwörung aufgezeigt werden, zum anderen sollen mögliche sozio-ökonomische Faktoren als Auslöser von Hexenprozessen auf makro- und mikrohistorischer Ebene untersucht werden. Dabei wird zwischen politischen und gesellschaftlichen Kräften differenziert. Ziel ist es, einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Konstrukt der Hexe als Sündenbock von Krisensituationen und dem Verfolgen persönlicher Interessen mit Hilde der Hexenprozesse mit den jeweils lokalhistorischen Motiven zu untersuchen.

Nach einer Einführung in die Thematik, in der knapp auf die Relevanz des Themas, die Quellenlage und den aktuellen Forschungsstand eingegangen wird, soll zunächst ein Blick auf den Gesamtkontext der Hexenprozesse im Heiligen Reich geworfen werden. In diesem Zusammenhang wird in einem ersten Schritt die Ideologie vorgestellt, die hinter der Hexenlehre im Sinne eines tief verankerten Volksglaubens an ‚weiße‘ und ‚schwarze‘ Magie steckte. Im nächsten Schritt wird der Ablauf eines Hexenprozesses mit Blick auf die rechtlichen Grundlagen umrissen. Im Anschluss daran wird auf die lokalen Besonderheiten im Raum des heutigen Ruhrgebiets eingegangen. Im Hauptteil soll der Fragestellung nachgegangen werden, inwiefern sich der Glaube an eine Hexenverschwörung aus sozioökonomischen Faktoren herausbildete. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die strukturellen Entstehungsbedingungen der Hexenprozesse gelegt. Es soll herausgearbeitet werden inwiefern von einer außergewöhnlichen Krisensituation während der Hochphasen der Verfolgungen gesprochen werden kann und wie das als Erklärungsansatz für die Prozesse dienen könnte. Dabei wird die These vertreten, dass eine existenzbedrohende Situation zu der Entstehung eines Verschwörungsglaubens führte, der wiederum Sündenböcke brauchte, die für das Unheil verantwortlich gemacht werden konnten. Abschließend soll noch kurz auf das soziale Profil von Opfern und Tätern eingegangen werden, um aufzuzeigen, ob dort bestimmte Tendenzen zu erkennen sind unter der Hypothese, dass meist marginalisierte Gruppen zu Sündenböcken erklärt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chronologischer Abriss der Hexenverfolgung

2.1 Die Ideologie hinter der Hexenlehre

2.2 Der Ablauf eines Hexenprozesses

2.3 Lokalspezifische Besonderheiten

3. Die Suche nach einem Sündenbock

3.1 Makrohistorische Motive

3.2 Mikrohistorische Motive

3.2.1 Politische Interessen

3.2.2 Gesellschaftliche Interessen

3.3 Das soziale Profil der Opfer und Täter

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Sündenbock-Phänomen und den damit verbundenen Verschwörungsglauben während der Hochphase der Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit im Raum des heutigen Ruhrgebiets, mit dem Ziel, den dynamischen Charakter dieser Prozesse sowie sozioökonomische Auslöser auf makro- und mikrohistorischer Ebene zu analysieren.

  • Untersuchung der strukturellen Entstehungsbedingungen von Hexenprozessen in Krisenzeiten.
  • Analyse der Rolle politischer und gesellschaftlicher Interessen bei der Instrumentalisierung von Hexenverfolgungen.
  • Betrachtung der Bedeutung von Sündenbock-Konstruktionen als Ventil für kollektive Ängste.
  • Erforschung des sozialen Profils von Opfern und Tätern sowie ihrer Interaktionen im dörflichen Umfeld.

Auszug aus dem Buch

3.2 Mikrohistorische Motive

All diese makrohistorischen Faktoren weisen zeitliche Parallelen zu den Hochphasen der Hexenverfolgungen auf, was die Schlussfolgerung nahelegt, dass es einen indirekten Zusammenhang zwischen klimabedingten Krisenerfahrung und einer gesteigerten Verfolgungsintensität gab. Allerdings ist diese Ursachenerklärung nicht ausreichend, denn die beschriebenen Krisen betrafen das gesamte Reich, während die Hexenprozesswellen nur in bestimmten Regionen auftraten, was bedeutet, dass es ebenso mikrohistorische Faktoren gegeben haben muss.

Bei tragischen Einzelschicksale, die sich im Mikrokosmos der Gemeinden abspielten, wie z. B. plötzlicher Kindstod, schwere Krankheiten oder Viehsterben, konnten hingegen konkrete Schadenzauber als Ursachenerklärung dienen. Hier war die ideologische Motivation Hexen als Sündenböcke für die persönlichen Krisen zu erklären trotzdem ähnlich wie die auf makrohistorischer Ebene: Ein Schaden war entstanden und die Menschen suchten einen Schuldigen. In solchen Fällen kam es zu Schadenszaubervorwürfen in der Nachbarschaft und die Untertanen drängten ihre Obrigkeit zum Handeln. Gegebenenfalls hofften die Geschädigten auch darauf, dass wenn sie die schuldige Person ergriffen, damit eine wirksame Gegenmaßnahme erzielt zu haben, die vielleicht sogar zu einer wundersamen Besserung verhelfen würde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Verschwörungstheorien und des Hexenwahns ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Hexenverfolgungen im Raum des heutigen Ruhrgebiets hinsichtlich ihrer sozioökonomischen und politisch-gesellschaftlichen Motive zu untersuchen.

2. Chronologischer Abriss der Hexenverfolgung: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über den Zeitrahmen und die ideologischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen der Hexenverfolgungen im Alten Reich.

2.1 Die Ideologie hinter der Hexenlehre: Hier werden die Wurzeln des Hexenglaubens, die Rolle des "Hexenhammers" und die Entwicklung eines feindseligen Frauenbildes erläutert.

2.2 Der Ablauf eines Hexenprozesses: Das Kapitel beschreibt die juristischen Grundlagen, insbesondere die Constitutio Criminalis Carolina, und die Bedeutung der Folter als "Mittel der Wahrheitsfindung".

2.3 Lokalspezifische Besonderheiten: Es wird die regionale Situation im Raum des heutigen Ruhrgebiets sowie die Bedeutung von Territorien mit unterschiedlicher Rechtspraxis analysiert.

3. Die Suche nach einem Sündenbock: Dieses Kapitel verknüpft die Konstruktion von Hexen als Sündenböcke mit krisenhaften Grundstimmungen und dualistischen Weltbildern.

3.1 Makrohistorische Motive: Es werden exogene Faktoren wie die "Kleine Eiszeit", Missernten, Hunger und Seuchen als indirekte Auslöser für Verfolgungswellen untersucht.

3.2 Mikrohistorische Motive: Der Fokus liegt hier auf lokalen Konflikten und der Nutzung von Hexereianklagen zur Lösung persönlicher oder nachbarschaftlicher Krisen.

3.2.1 Politische Interessen: Hier wird die Instrumentalisierung von Prozessen durch Adelsfamilien und lokale Obrigkeiten zur Machtdemonstration und Durchsetzung eigener Interessen beleuchtet.

3.2.2 Gesellschaftliche Interessen: Dieses Unterkapitel behandelt Nachbarschaftsstreitigkeiten, Habgier und soziale Vorteile als Motive für Anklagen, illustriert am Beispiel der Wasserprobenpraxis.

3.3 Das soziale Profil der Opfer und Täter: Es wird analysiert, welche Bevölkerungsgruppen überdurchschnittlich oft betroffen waren und warum der Glaube an die "weise Frau" als primäres Opfer als Irrglaube gilt.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Verstrickung multipler Faktoren sowie die Kontinuität von Sündenbock-Konstruktionen über die Zeit der Hexenverfolgungen hinaus.

Schlüsselwörter

Hexenverfolgung, Sündenbock, Frühe Neuzeit, Ruhrgebiet, Verschwörungstheorie, Hexenprozess, Constitutio Criminalis Carolina, Schadenzauber, Krisenbewältigung, Mikrogeschichte, Makrogeschichte, Instrumentalisierung, Wasserprobe, Hexenhammer, soziale Konflikte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den Hintergründen der Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit im heutigen Ruhrgebiet und analysiert, warum Menschen damals zu Sündenböcken für Krisen erklärt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die makro- und mikrohistorischen Motive der Verfolgung, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Prozesse, die Rolle von Interessenkonflikten (politisch/gesellschaftlich) und die Konstruktion des Feindbildes "Hexe".

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Krisensituationen, dem Verschwörungsglauben und der Suche nach Sündenböcken aufzuzeigen sowie die Dynamik der Verfolgung auf verschiedenen Ebenen zu untersuchen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf Auswertungen von Rechtsgutachten, Prozessakten sowie einschlägiger historischer Fachliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung klimabedingter makrohistorischer Faktoren, lokaler mikrohistorischer Konflikte sowie spezifischer politischer und gesellschaftlicher Interessen, die zur Instrumentalisierung der Hexenverfolgung führten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Hexenverfolgung, Sündenbock-Phänomen, Frühe Neuzeit, sozioökonomische Krisen, Machtpolitik und soziale Konfliktlösung.

Welche Bedeutung hatten die Wasserproben in dieser Untersuchung?

Die Wasserproben werden als Beispiel für eine praktizierte, aber umstrittene Methode zur vermeintlichen Wahrheitsfindung angeführt, die oft von der Bevölkerung selbst zur sozialen Entlastung genutzt wurde.

Inwieweit spielten politische Interessen eine Rolle bei den Hexenprozessen?

Politische Akteure nutzten Prozesse teilweise, um Macht zu demonstrieren, sich unliebsamer Konkurrenten zu entledigen oder ihre Gerichtskompetenz in unsicheren Zeiten zu festigen.

Gibt es ein typisches Profil der Opfer?

Obwohl Frauen überdurchschnittlich oft betroffen waren, zeigt die Untersuchung, dass prinzipiell Mitglieder aller sozialen Schichten und jeden Alters, insbesondere Außenseiter, zu Opfern werden konnten.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Suche nach einem Sündenbock. Makro- und mikrohistorische Motive der Hexenverfolgungen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Leonie Schneider (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
31
Katalognummer
V1156535
ISBN (eBook)
9783346551726
ISBN (Buch)
9783346551733
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexenverfolgung Motive Auslöser
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Leonie Schneider (Autor:in), 2021, Die Suche nach einem Sündenbock. Makro- und mikrohistorische Motive der Hexenverfolgungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1156535
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  31  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum