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Medialisierung von Armut am Beispiel der Fernsehsendung "Frauentausch"

Titel: Medialisierung von Armut am Beispiel der Fernsehsendung "Frauentausch"

Hausarbeit , 2016 , 35 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anna Brauer (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

"Die Doku Soap 'Frauentausch' ist ein Reality-Format, für das es keine Drehbücher und keine vorgegebenen Dialoge gibt. Hier agieren keine Darsteller oder Schauspieler, sondern reale Personen, die bei ihren Erlebnissen begleitet werden", so nahm nach der Online-Ausgabe des Focus der Fernsehsender RTL2 Stellung zu der Sendung "Frauentausch". Im Rahmen des Projekts "Prekäre Lebenswelten: Historische und aktuelle Zugänge zur Arbeit" soll in dieser Ausarbeitung untersucht werden, wie ein Bild von Armut in den Medien konstruiert und wie dieses durch die mediale Aufbereitung vermittelt wird. Hierzu wurde exemplarisch die Fernsehsendung "Frauentausch" ausgewählt, welche von der Constantin Entertainment GmbH für die RTL Group produziert wurde und auf dem Fernsehsender RTL2 ausgestrahlt wird. Es handelt sich hierbei um eine deutsche Adaption des britischen Originals "Wife Swap" und ist seit 2003 im deutschen Fernsehen zu sehen. Grundlage dieser Untersuchung bildet eine Medienanalyse, welche auf Ute Bechdolfs "Kulturwissenschaftliche Medienforschung: Film und Fernsehen" und ihre darin beschriebene methodische Vorgehensweise beruht.

Ziel dieses Projektes ist es, zu veranschaulichen, ob und inwieweit Klischees und Stereotypen bezüglich Armut erzeugt bzw. genutzt werden, um auf diese Weise die Wahrnehmung von Armut in Deutschland zu prägen. Außerdem soll auch näher beleuchtet werden, ob Armut eher direkt oder indirekt dargestellt wird und inwiefern andere Eigenschaften mit Armut assoziiert werden wie z.B. fehlende Bildung, Eigenverantwortung oder auch Selbstverschuldung. Schwerpunkt dieser Ausarbeitung ist es, darzustellen mit welchen Mitteln die Produzenten von "Frauentausch" negative Emotionen generieren, um Armut zu skandalisieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorgehensweise

3 Versuch einer Definition

4 Analyse

4.1 Die narrative Ebene

4.2 Die darstellerische Ebene

4.3 Die visuelle Ebene

4.4 Die auditive Ebene

4.5 Kategorisierung

4.5.1 Berufsbezeichnung

4.5.2 Familie und Familienstand

4.5.3 Wohnsituation

4.5.4 Finanzielle Situation

4.5.5 Sonstiges

4.5.5.1 Soziales und Kulturelles Leben

4.5.5.2 Ernährung und Esskultur

4.5.5.3 Aufgaben als Tauschmutter

4.5.5.4 Hygiene

4.6 Zusammenfassung

5 Die Ausstellung

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Phänomen Armut im Reality-Format „Frauentausch“ konstruiert und medial vermittelt wird. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, durch welche produktionstechnischen Mittel negative Emotionen erzeugt, Klischees bedient und Armut skandalisiert wird, um bei den Zuschauern ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber bestimmten sozialen Gruppen zu provozieren.

  • Konstruktion von Armutsbildern im Reality-TV
  • Einsatz von Klischees und Stereotypisierung als journalistisches Gestaltungsmittel
  • Rolle der medialen Aufbereitung bei der Skandalisierung von Armut
  • Funktion von Othering zur Erzeugung eines Überlegenheitsgefühls beim Publikum
  • Analyse von Narrativen, Darstellungen und auditiven Elementen in der Sendung

Auszug aus dem Buch

4.5.4 Finanzielle Situation

Auffällig ist, dass in keiner der analysierten Folgen das monatliche Einkommen der Protagonisten explizit genannt wird. Stattdessen wird durch bestimmte Schlüsselbegriffe eine Meinung erzeugt, so dass der Zuschauer bereits etablierte Klischees wiederfindet und die Protagonisten einordnen kann. Wie bereits in Kapitel „4.1.1 Berufsbezeichnung“ ausgeführt, ist die häufigste berufliche Tätigkeit die Nicht-Erwerbstätigkeit. Durch Schlüsselbegriffe wie „Arbeit suchend“, „Hartz IV“ und „Frührentner“ wird ein niedriges Einkommen suggeriert, ohne dass das tatsächlich zur Verfügung stehende Budget diskutiert oder näher erläutert wird.

Durch diese Verfahrensweise werden die Begriffe negativ aufgeladen und die damit in Verbindung gebrachten Assoziationen auch negativ konnotiert. Die persönlichen Gründe, die zu Arbeitslosigkeit geführt haben, werden ebenfalls nicht genannt. Es ist nicht im Interesse des Fernsehsenders aufzuzeigen, ob die Protagonisten sich gerade in einer Übergangsphase befinden, stattdessen wird das Klischee des Langzeitarbeitslosen bemüht. An Stelle von persönlichen Schicksalsschlägen, welche Empathie beim Zuschauer erzeugen könnten, wird zu diesem Zweck auf Allgemeinplätze zurückgegriffen. Der Zuschauer erfährt nicht, aus welchen Gründen eine Person keine eigene Wohnung zur Verfügung hat oder nicht mehr bei den Eltern lebt oder auch leben kann, stattdessen bezichtigt man ihn „auf Kosten seiner Freundin“ zu leben oder „seiner Schwester auf der Tasche zu liegen“. Mit Hilfe dieser Technik wird das persönliche Schicksal einer Person von dieser getrennt, so dass der Zuschauer kein Mitleid oder auch nur Verständnis empfinden kann. Durch dieses Nicht-Mitleiden fällt es den Produzenten leichter, den dargestellten Personen die Schuld für ihre eigene vermeintlich minderwertige finanzielle Situation zuzuschreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das Reality-Format und die medienwissenschaftliche Fragestellung bezüglich der Konstruktion von Armut.

2 Vorgehensweise: Darstellung der methodischen Vorgehensweise und Auswahl des Stichprobenumfangs bestehend aus neun Episoden.

3 Versuch einer Definition: Einordnung der Doku-Soap in theoretische Begrifflichkeiten wie Skripted-Reality-TV und Swap-Dokus.

4 Analyse: Detaillierte Untersuchung der narrativen, darstellerischen, visuellen und auditiven Ebenen sowie Kategorisierung spezifischer Themenfelder.

5 Die Ausstellung: Reflexion über die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung eines Ausstellungsbeitrags unter Berücksichtigung urheberrechtlicher Bestimmungen.

6 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das Format gezielt zur Abwertung und Stigmatisierung der Protagonisten beiträgt, um Unterhaltungszwecke zu erfüllen.

Schlüsselwörter

Frauentausch, Armut, Doku-Soap, Skripted-Reality, Stereotypisierung, Klischees, Medialisierung, soziale Ausgrenzung, Othering, Fernsehen, RTL2, Arbeitslosigkeit, Realitätskonstruktion, Stigmatisierung, Medienanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die mediale Konstruktion von Armut am Beispiel der Fernsehsendung „Frauentausch“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Themen sind unter anderem die Kategorisierung von Teilnehmern, die visuelle und auditive Inszenierung, Klischeebildung und die Darstellung prekärer Lebenswelten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, wie die Produzenten durch bewusste Mittel Klischees nutzen, um Armut zu skandalisieren und beim Zuschauer ein Überlegenheitsgefühl zu erzeugen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine Medienanalyse auf Basis der kulturwissenschaftlichen Medienforschung von Ute Bechdolf durchgeführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier Analyse-Ebenen (narrativ, darstellerisch, visuell, auditiv) und eine detaillierte Kategorisierung nach Lebensbereichen wie Wohnsituation, Beruf und Finanzen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Medialisierung, Othering, Skripted-Reality, soziale Ausgrenzung und Stereotypisierung.

Warum wird die „andere“ Familie in der Sendung oft abgewertet?

Die Abwertung dient als produktionstechnisches Mittel, um die „präferierte“ Familie als überlegen darzustellen und so das Interesse des Zuschauers durch ein erzeugtes Überlegenheitsgefühl zu steuern.

Wie spielt das Urheberrecht eine Rolle in der Arbeit?

Im Kapitel über die Ausstellung wird diskutiert, wie urheberrechtlich geschütztes Material rechtssicher für wissenschaftliche Zwecke oder Kunstdarstellungen verwendet werden kann.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Medialisierung von Armut am Beispiel der Fernsehsendung "Frauentausch"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde)
Veranstaltung
Prekäre Lebenswelten: historische und aktuelle Zugänge zu Armut
Note
1,7
Autor
Anna Brauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
35
Katalognummer
V1156542
ISBN (PDF)
9783346554901
ISBN (Buch)
9783346554918
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauentausch Doku Soap Skripted Reality
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna Brauer (Autor:in), 2016, Medialisierung von Armut am Beispiel der Fernsehsendung "Frauentausch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1156542
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  35  Seiten
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