Auswirkungen von sportlichen Großveranstaltungen im Sinne der Nachhaltigkeit

Mögliche Indikatoren zum Messen der Nachhaltigkeit von Events anhand der Nachhaltigkeitsstrategie für die Weltmeisterschaft in Katar 2022


Bachelorarbeit, 2021

68 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Anlass und Ziel der Arbeit
1.2 Untersuchungsgegenstand
1.3 Vorgehensweise und Methode

2 Definitionen
2.1 Sportgroßveranstaltungen
2.2 Fußballweltmeisterschaften
2.3 Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung

3 Nachhaltigkeit bei Sportveranstaltungen
3.1 Nachhaltigkeit beim Eventmanagement
3.2 Nachhaltigkeit durch Events
3.3 Mögliche Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen

4 Erfassung und Bewertung der Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen

5 Die Fußballweltmeisterschaft in Katar 2022
5.1 Ausgangslage
5.1.1 Einführung Katar
5.1.2 Die Bewerbung und Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar
5.1.3 Potenzielle Herausforderungen und Probleme
5.2 Die Nachhaltigkeitsstrategie für die Weltmeisterschaft 2022: Die fünf Säulen und ihre Ziele
5.2.1 Entwicklung von Humankapital und Schutz der Arbeitsrechte
5.2.2 Veranstaltung eines integrativen Turniers
5.2.3 Förderung der Wirtschaftsentwicklung
5.2.4 Umsetzung innovativer ökologischer Konzepte
5.2.5 Vorbildfunktion hinsichtlich der Unternehmensführung und Geschäftspraktiken
5.2.6 Fortschritt durch die Nachhaltigkeitsstrategie
5.3 Bewertung und Handlungsempfehlungen zur Nachhaltigkeitsstrategie und der WM 2022

6 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Abbildung 2: Stufenkonzept einer naturverträglichen Standortwahl für Sportgroßveranstal­ tungen

Abbildung 3: Klassifizierung der Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen nach Art und Akteuren

Abbildung 4: Geographische Einordnung Katar

Abbildung 5: Stimmenvergabe für die WM 2022

Abbildung 6: Verteilung der WM-Stadien um Doha, verändert

[Anm. d. Red.: Die Abbildungen 4+6 wurden aus urheberrechtlichen Gründen entfernt]

1 Einführung

1.1 Anlass und Ziel der Arbeit

Die Fußballweltmeisterschaft (im Folgenden „WM“ genannt) in Katar 2022 steht seit der Vergabe im Jahr 2010 stark in der Kritik. Der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) und dem Gastgeberland werden durch die Medien unter anderem Korruption (vgl. DER SPIEGEL 2011: online, SZ 2020: online) und die Verletzung der Menschenrechte von Arbeits- migrant*innen (vgl. DER SPIEGEL 2013: online, AMNESTY INTERNATIONAL 2020: 8 f., PAT- TISSON et al. 2021: online) unterstellt. Vor diesem Hintergrund forderten bereits diverse Fuß­ball-Vereine aus Norwegen einen Boykott der WM in Katar, um sich gegen ebenjene Miss­stände zu positionieren (vgl. FAZ 2021: online). Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ordnete sich dieser Bewegung zu und machte zu Beginn des Auftaktspiels der WM-Qualifika- tion mit symbolträchtigen Protesten auf den Umgang mit den Menschenrechten der Gastarbei- ter*innen in Katar aufmerksam, was in verschiedenen Medien für Aufsehen sorgte (vgl. SZ 2021: online).

Ein Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen von derartigen Sportgroßveranstaltungen im Sinne der Nachhaltigkeit zu untersuchen. Ereignisse wie die WM in Katar 2022 haben einen großen Einfluss auf den Veranstaltungsort, Anwohner*innen, Besucher*innen, Teilnehmer*in- nen und die veranstaltende Institution. Dieser Einfluss kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken (vgl. GANS et al. 2003: 85). Die WM in Katar 2022 wurde mit der dazugehörigen Nachhaltigkeitsstrategie als Untersuchungsgegenstand für diese Bachelorarbeit gewählt, da es sich hierbei um eine sehr aktuelle als auch umstrittene Thematik handelt. Nachhaltigkeit und aktuelle Nachhaltigkeitsprobleme, beispielsweise in Bezug auf die Weltbevölkerung, Ernäh­rung, Umwelt, Menschenrechte, Rohstoffe oder Gesundheit gewinnen zunehmend an Relevanz (vgl. PUFÉ 2012: 10). Daher lautet die Forschungsfrage: Inwiefern können Sportgroßveranstal­tungen den Nachhaltigkeitsgedanken negativ beeinflussen oder ggf. positive Auswirkungen im Sinne der Nachhaltigkeit haben?

Hierfür ist das elementare Ziel dieser Bachelorarbeit, eine Matrix zu erarbeiten, welche es er­möglicht, die Nachhaltigkeit von Events1 wie einer WM zu messen. Dafür sollen angemessene Indikatoren und Parameter, unter Anbetracht von relevanten Aspekten der Nachhaltigkeit in Bezug auf Events, erstellt werden. Die Methode zur Erarbeitung der Matrix ist eine umfassende Literaturanalyse, da sich die gewählten Werke dafür eignen, passende Parameter zu entwickeln und als Grundlage für die Matrix dienen. Anlässlich der bald anstehenden WM in Katar soll die entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie für die Veranstaltung unter Berücksichtigung der Aspekte der erstellten Matrix bewertet werden. Dabei soll herausgestellt werden, inwiefern die gewähl­ten Parameter verlässlich prüfen können, ob die vorgelegte Nachhaltigkeitsstrategie einen po­sitiven Einfluss auf die Nachhaltigkeit haben kann.

1.2 Untersuchungsgegenstand

Der Untersuchungsgegenstand dieser Bachelorarbeit ist die WM in Katar 2022 sowie die dazu­gehörige Nachhaltigkeitsstrategie für das Event. Die erarbeitete Matrix zur Erfassung und Be­wertung der Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen wird auf die Nachhaltigkeitsstrategie für die WM in Katar 2022 übertragen, welche von der FIFA, dem FIFA WORLD CUP QATAR 2022 LLC (Q22) und dem SUPREME COMMITTEE FOR DELIVERY & LEGACY (SC) seit dem Jahr 2015 geplant und im Jahr 2019 veröffentlicht wurde (vgl. FIFA et al. 2019: 9 ff.). Um weit über das Turnier hinaus Positives zu bewirken, wurden fünf Nachhaltigkeitszusagen aus verschiede­nen Bereichen der Säulen der Nachhaltigkeit definiert, welche in Kapitel 5.2 näher erläutert werden. Um das Einhalten dieser Zusagen zu gewährleisten, wurden 70 konkrete Programme und Initiativen vorgestellt. Das Dokument der Nachhaltigkeitsstrategie berücksichtigt darüber hinaus die 17 Ziele der United Nations (UN) für eine nachhaltige Entwicklung, für welche sich die FIFA mit der WM in Katar engagieren möchte (vgl. FIFA 2019: online, FIFA et al. 2019: 22 f.). Laut Hassan al-Thawadi, Generalsekretär des Obersten Rats und Q-22 Präsident, habe sich Katar mit der Absicht beworben, die WM „[...] als Motor für einen nachhaltigen, langfris­tigen Wandel in Katar und der arabischen Welt zu nutzen“ (FIFA 2019: online). Dieses Ziel soll durch die Nachhaltigkeitsstrategie erreicht werden und somit Erfolg garantieren. Die Initi­ativen und Anliegen, auf denen die Strategie beruht, wurden in Zusammenarbeit mit Fachex­perten sowie lokalen und internationalen Interessengruppen durch Sitzungen, Seminare und Entwürfe definiert. Es wurde hervorgehoben, dass erstmals eine umfassende Beurteilung für den Umgang mit Menschenrechten und möglichen Risiken durchgeführt wurde (vgl. FIFA 2019: online, FIFA et al. 2019: 12 ff.).

Ein erster Fortschrittsbericht der Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Jahr 2020 fasst die Erfolge und erreichten Ziele seit Beginn der Vorbereitung auf die WM zusammen. Insbesondere die Durchführung einer nachhaltigen und barrierefreien Bauweise für Stadien wie das al-Janoub Stadium oder das Einführen einer Anti-Tabakpolitik wurden als positive Erfolge verzeichnet (vgl. FIFA et al. 2020: 6 f.). Parallel zu diesem positiven Bericht der Veranstalter machten verschiedene Tageszeitungen und Nachrichtensender Schlagzeilen, indem sie auf Missstände in Bezug auf die Menschenrechtsverletzung in Zusammenhang mit der WM in Katar aufmerksam machten (vgl. DER SPIEGEL 2013, online, PATTISSON et al. 2021, online). Die Planung der WM mittels der Nachhaltigkeitsstrategie und der bereits erzielte Fortschritt werden unter Berücksichtigung der erarbeiteten Matrix bewertet. Gleichzeitig wird herausgestellt, wel­che Ziele keine positiven Entwicklungen verzeichnen. Hierbei werden die bereits genannten Kritikpunkte an der WM in Katar berücksichtigt.

1.3 Vorgehensweise und Methode

Hinsichtlich der Vorgehensweise dieser Arbeit werden zunächst grundlegende Definitionen er­läutert, um ein Verständnis für die hier vorliegende Thematik zu schaffen. Dafür wird der Be­griff der Sportgroßveranstaltungen definiert und im nächsten Schritt explizit auf Fußballwelt­meisterschaften eingegangen, da der Untersuchungsgegenstand der Arbeit ebendieser Katego­rie angehört. Hierfür werden aktuelle Definitionen vom BUNDESMINISTERIUM DES INNEREN, FÜR BAU UND HEIMAT (BMI) und dem DEUTSCHEN OLYMPISCHEN SPORTBUND (DOSB) (2021) sowie GANS et al. (2003) und der FIFA (2021) berücksichtigt. Im Anschluss wird auf die Be­griffe Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung eingegangen. Hierbei wird sich an dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit orientiert und somit die Kategorien Ökonomie, Ökolo­gie und Soziales vorgestellt. Dafür werden unter anderem Definitionen von PUFÉ (2012), CORSTEN & ROTH (2012), AUGSBACH (2020) und KROPP (2019) herangezogen.

Im Folgenden werden die geklärten Begriffe der Nachhaltigkeit und Sportevents in Zusammen­hang gebracht. Hierzu wird erläutert, inwiefern der Nachhaltigkeitsgedanke beim Planen eines Events berücksichtigt werden kann, bzw. muss, und ob Events im Sinne der Nachhaltigkeit Positives bewirken können. Die möglichen Auswirkungen von Sportevents, welche sowohl po­sitiv als auch negativ sein können, werden in Kapitel 3.3 zusammengefasst. Dabei werden unter anderem aktuelle Werke vom BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ, BAU UND REAKTORSICHERHEIT (BMUB) & UBA (2015), HOLZBAUR (2016), HOLZBAUR (2020) und PRÖBSTL-HAIDER et al. (2021) behandelt.

Das vierte Kapitel liefert das fundamentale Ziel dieser Arbeit, welches die Matrix zum Erfassen und Bewerten der Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen ist. Die Matrix wird durch die Methodik der Literaturanalyse erstellt. In diesem Kapitel wird vorgestellt, auf Grundlage wel­cher Werke und Inhalte die Parameter und Indikatoren gewählt und die Matrix schließlich zu­sammengestellt wurde. Dies findet unter Berücksichtigung des Werkes von WALL & BEHR (2010) statt.

Die Inhalte der erstellten Matrix werden im fünften Kapitel auf die WM in Katar 2022 übertra­gen. Nach einer Einführung in die Situation in Bezug auf die Geographie sowie die Vergabe der Austragung der WM an Katar und die daraus resultierenden Herausforderungen und Prob­leme, wird die Nachhaltigkeitsstrategie der FIFA et al. (2019) präsentiert. Dabei wird zunächst auf die jeweiligen Säulen und im Anschluss den Fortschrittsbericht der Nachhaltigkeitsstrategie durch die FIFA et al. (2020) eingegangen. Es wird deutlich werden, welche Erfolge bereits durch die Strategie erzielt wurden. Im Folgenden werden die Nachhaltigkeitsstrategie und die WM 2022 ausblickend bewertet. Dabei wird herausgestellt, welchen Beitrag die Strategie zur Umsetzung einer nachhaltigen WM leisten kann und inwiefern die Grundvoraussetzungen von Katar dies überhaupt zulassen. Darüber hinaus wird aufgezeigt, inwiefern die WM in Katar bereits jetzt, vor der Austragung, auf gewisse Aspekte der Nachhaltigkeit überprüft werden kann. Ein abschließendes Fazit gibt einen Ausblick auf die WM 2022 und zukünftige Sport­großveranstaltungen. Dabei wird hervorgehoben, inwiefern es relevant ist, den Aspekt der Nachhaltigkeit beim Planen und Durchführen derartiger Events zu berücksichtigen. Die erar­beitete Matrix dient an dieser Stelle zur Bewertung von Veranstaltungen wie der kommenden WM und lässt sich auch zur Einschätzung von weiteren Events anwenden.

2 Definitionen

In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen erläutert, um ein Bewusstsein für das zu behandelnde Thema zu schaffen. Dabei wird zunächst der Begriff der Sportgroßveranstaltungen erörtert, da auf die Auswirkungen ebenjener Veranstaltungen eingegangen werden soll. Dann folgt eine nähere Beschreibung der Fußballweltmeisterschaft, weil der Untersuchungsgegen­stand dieser Kategorie angehört. Die letzte Definition behandelt die Begriffe Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung, welche relevant für die Erarbeitung der späteren Indikatoren sind.

2.1 Sportgroßveranstaltungen

Eine klare Definition der sportlichen Großveranstaltungen, kurz betitelt als Sportgroßveranstal­tungen, ist relevant, um sie von ähnlichen (Sport-) Veranstaltungen abzuheben und zu unter­scheiden. Das BMI und der DOSB (2021: 67 f.) fassen verschiedene Kriterien zusammen, nach welchen eine Sportgroßveranstaltung von einer regulären (Sport-) Veranstaltung abgegrenzt wird. Eine Sportveranstaltung differenziert sich zunächst von einer regulären Veranstaltung, wenn der Fokus der Veranstaltung auf einer vom DOSB anerkannten Sportart liegt. Sportgroß­veranstaltungen beinhalten somit als spezielle Form der Großveranstaltungen einen oder meh­rere sportliche Wettkämpfe (vgl. BMI & DOSB: 12, THÖNI & BARTH 2012: 182).

Eine Sportgroßveranstaltung zeichnet sich zum einen durch eine hohe Medienwirksamkeit aus, welche darauf zurückzuführen ist, dass eine oder mehrere Sportart*en, welche von allgemeinem großen Interesse sind, im Zentrum der Veranstaltung stehen (vgl. BMI & DOSB 2021: 68). Zum anderen muss die Sportgroßveranstaltung zeitlich begrenzt sein und darf somit beispiels­weise nicht wöchentlich wiederkehren (vgl. ebd.: 12, GANS et al. 2003: 81, THÖNI & BARTH 2012: 182). Sie hat demnach einen klar definierten Anfangs- und Endtermin. An dieser Stelle wird zwischen Sportgroßveranstaltungen, die einmalig durchgeführt werden und jenen, die in einem festgelegten Turnus stattfinden (z. B. WM, Olympia), unterschieden (vgl. GANS et al. 2003: 81, THÖNI & BARTH 2012: 182). Sportgroßveranstaltungen dauern länger als reguläre Sportveranstaltungen und finden in einem größeren Zyklus statt (vgl. BMI & DOSB 2021: 67). Sportgroßveranstaltungen zeichnen sich primär durch ihre Größe aus, wofür verschiedene In­dikatoren gemeinsam gewertet werden können. Ein beispielhaftes Merkmal ist die hohe Zahl der Zuschauer*innen und Athlet*innen vor Ort (vgl. BMI & DOSB 2021: 67 f., GANS et al. 2003: 81, THÖNI & BARTH 2012: 182). Des Weiteren benötigt eine Sportgroßveranstaltung deutlich mehr Sportstätten als eine übliche Sportveranstaltung. Das Leistungsniveau der teil­nehmenden Athlet*innen ist ebenfalls höher, da es sich bei Sportgroßveranstaltungen in der Regel um Spitzensportveranstaltungen handelt (vgl. BMI & DOSB 2021: 68). Entsprechend ihrer Größe lassen sich Sportgroßveranstaltungen in verschiedene Klassen einordnen. Die für diese Arbeit gewählte Veranstaltung gehört der sogenannten Kategorie „SGV-Mega“ (ebd.: 13) an. Zu dieser Klasse gehören die größten Sportgroßveranstaltungen der Welt, wie beispiels­weise Olympische und Paralympische Spiele oder die Fußball-EM bzw. -WM (vgl. ebd.).

Eine Sportgroßveranstaltung hat letztlich eine größere nationale und internationale Strahlkraft als eine übliche Sportveranstaltung. Diese lässt sich anhand der medialen Resonanz, welche traditionelle als auch moderne Medien umschließt, definieren. Relevant ist an dieser Stelle nicht das Übertragungsformat, sondern die erzielte Reichweite in den Medien. Die internationale Strahlkraft wird darüber hinaus durch eine größere Anzahl verschiedener vertretener Nationen bei der Veranstaltung verstärkt (vgl. ebd.: 67 f.).

2.2 Fußballweltmeisterschaften

Der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist eine Fußball-WM und gehört somit der Kate­gorie SGV-Mega an (vgl. Kap. 2.1). Die WM wird von der FIFA unter dem offiziellen Namen FIFA World Cup veranstaltet und ist ein Fußballturnier, an dem die weltbesten Fußballnatio­nalmannschaften teilnehmen. Das Turnier findet alle vier Jahre in einem anderen Land statt und dauert in der Regel vier Wochen. Neben den Olympischen Spielen wird die Fußball-WM als die bedeutendste Sportgroßveranstaltung der Welt beschrieben (vgl. RINKE & SCHILLER 2014: 9 ff.).

Die Ausrichtung der WM wird durch den Exekutiv-Ausschuss der FIFA vergeben. Relevant ist, dass von der Vergabe jeweils die Kontinentalverbände ausgeschlossen werden, in welchen bereits die zwei vorherigen Meisterschaften stattfanden. Vor der Ausrichtung der eigentlichen Endrunde der WM durchlaufen die teilnehmenden Mannschaften eine Qualifikationsrunde, welche innerhalb der Kontinentalverbände stattfindet. Die besten Mannschaften der Qualifika­tion nehmen gemeinsam mit der austragenden Nation an der WM teil. Die Endrunde der WM beginnt mit der Gruppenphase, in welcher je vier Mannschaften nach dem Zufallsprinzip ge­geneinander antreten. Am Schluss dieser Phase ziehen aus jeder Gruppe die beiden Mannschaf­ten mit den meisten Punkten, bzw. der besten Tordifferenz, in die finalen Runden ein, welche im K.-O.-System ausgetragen werden. Nachdem das Achtel-, Viertel- und Halbfinale ausgetra­gen wurden, bestreiten die Gewinnermannschaften der Halbfinals das Finale der WM, welches als eines der beliebtesten und prestigeträchtigsten Ereignisse im internationalen Sport gilt (vgl. RINKE & SCHILLER 2014: 9 ff., UEFA 2021: online). Amtierender Weltmeister und somit Sieger des WM-Finales im Jahr 2018 ist die Fußballnationalmannschaft aus Frankreich. 2010 wurde abgestimmt, dass die kommende WM im Jahr 2022 erstmalig in Katar stattfinden wird. Bis dahin behält Frankreich den Siegerpokal und Titel als Weltmeister. Die meisten Siege einer Fußball-WM kann die Nationalmannschaft aus Brasilien, gefolgt von Italien und Deutschland, für sich verzeichnen (vgl. DFB 2021: online).

2.3 Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung

„Nachhaltigkeit ist ein grundlegendes, allgemeines Leitbild und Prinzip, das für alle gilt“ (PUFÉ 2012: 19). Hieraus wird deutlich, dass Nachhaltigkeit eine zentral relevante Thematik für die weltweite Bevölkerung ist. Nachhaltigkeit ist ein Prinzip, welches normativ ausgerichtet ist und somit an Wertschätzungen anknüpft (vgl. CORSTEN & ROTH 2012: 1). Zentrales Element des Konzepts der Nachhaltigkeit ist die Gerechtigkeit sowohl zwischen Generationen als auch ver­schiedenen Ländern. Sie zielt darauf ab, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, ohne zu Lasten von Menschen zukünftiger Generationen oder jenen mit einem Wohnsitz in einer ande­ren Region der Erde zu leben oder sie einzuschränken. Hierfür soll eine langfristige Balance zwischen den Ebenen der Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft hergestellt werden (vgl. KROPP 2019: 5).

Der Begriff der Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Hans Carl von Car- lowitz sprach bereits im Jahr 1713 davon, die Wälder nachhaltig zu nutzen. Damit war gemeint, dass nur so viel Holz geschlagen werden soll, wie es nachwachsen kann, um so die Biodiversität zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt basierte die Vorstellung der Nachhaltigkeit auf einer ökolo­gischen Dimension (vgl. HOLZBAUR 2016: 2 f., KROPP 2019: 7, PUFÉ 2012: 11 f.). Seitdem gewann die Umweltbewegung stark an Bedeutung. Die Gesellschaft und Politik erkannten, dass gewisse Lebensweisen unerwünschte Folgen hinterlassen hatten. Verschiedene Umweltkonfe­renzen brachten Dokumente wie den Bundtland-Bericht, die Agenda 21, das Kyoto-Protokoll und schließlich die Agenda 2030 hervor. All diese Leitbilder sprechen Handlungsempfehlungen aus, welche sich an einer nachhaltigen Entwicklung orientieren (vgl. KROPP 2019: 7 ff., PUFÉ 2012: 11 ff.). An dieser Stelle müssen die Begriffe der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Entwicklung voneinander abgegrenzt werden, da sie häufig synonym verwendet werden. Nach­haltige Entwicklung beschreibt einen Prozess der gesellschaftlichen Veränderung, während die Nachhaltigkeit selbst den angestrebten Zustand oder das Ziel dieses Prozesses meint (vgl. KROPP 2019: 5).

Die Agenda 2030 wurde 2015 beim Nachhaltigkeitsgipfel der UN verabschiedet und hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Diese Agenda soll „[...] ein für alle Länder geltendes globales und universell anwendbares Zielsystem für Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsaspekte bilden“ (KROPP 2019: 9). Dazu wurden 17 Ziele und 169 Unterziele entwickelt, welche werteorientiert sind und Angelegenheiten wie die Bekämpfung von Armut und Hunger, Sicherung einer hoch­wertigen Bildung, Chancengleichheit, saubere Energien und nachhaltiges Konsumieren und Produzieren angehen (vgl. AUGSBACH 2020: 15, KROPP 2019: 9, UN 2015, 3 ff.). Die Agenda 2030 bildet die Grundlage für die Nachhaltigkeitsstrategie für die WM in Katar, sodass die einzelnen Ziele im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher betrachtet werden (vgl. Kap. 5.2).

Nachhaltigkeit gliedert sich in die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Es gibt verschiedene Nachhaltigkeitsmodelle, welche diese wiederspiegeln. Dazu gehören das Drei- Säulen-Modell, das Schnittmengenmodell oder das Nachhaltigkeitsdreieck. In dieser Bachelo­rarbeit wird sich am Drei-Säulen-Modell orientiert (vgl. Abb. 1), da es am weitesten verbreitet ist und eine gleichrangige Berücksichtigung der drei Dimensionen widerspiegelt. Dies bedeutet, dass eine nachhaltige Entwicklung nur bei gleichzeitigem Umsetzen von wirtschaftlichen, um­weltbezogenen und sozialen Zielen stattfindet (vgl. PUFÉ 2012: 33 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, nach PUFÉ (2012: 34), eigene Darstellung

Die Dimension der ökonomischen Nachhaltigkeit beschreibt eine ständige Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, die Erhaltung und Steigerung der Leistungsfähigkeit sowie des Gemein­wohls auf der Basis von ausgeglichenen individuellen Präferenzen. Zudem zielt sie darauf ab, dass die Teilnahme am Erwerbsleben für jeden ermöglicht werden soll und dass das Eigeninte­resse stets dem Gemeinwohl dient. Auch jene Personen, die nicht aktiv am Erwerbsleben teil­nehmen, sollen über einen gesicherten Lebensunterhalt verfügen (vgl. CORSTEN & ROTH 2012: 4). Ökonomische Nachhaltigkeit orientiert sich an einem humanistischen Selbstverständnis und lehnt unter anderem Geldwäsche, Korruption, Ausbeutung, unfaire Werbung, versteckte Preis­bestandteile und unerlaubten Wettbewerb ab. Dies soll bewirken, dass die Gesellschaft nicht über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse lebt, sodass Wirtschaftssysteme langfristig bestehen können und Einbußen und irreparable Schäden für nachfolgende Generationen verhindert wer­den. Dabei sollen unter Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Faktoren die Bedürf­nisse aller Menschen gestillt werden (vgl. AUGSBACH 2020: 17 f., KROPP 2019: 11 f., PUFÉ 2012: 29 f.).

Ökologische Nachhaltigkeit strebt eine maßvolle Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen an, um diesen eine Regeneration zu ermöglichen und sie somit dauerhaft für zukünftige Gene­rationen zu sichern. Zentrale Elemente dieser Dimension sind die Ressourcenschonung, der Umweltschutz und die Erhaltung der Artenvielfalt (vgl. KROPP 2019: 11, PUFÉ 2012: 29). Vor dem Hintergrund, dass der Klimawandel zunehmend zu ökologischen Diskontinuitäten wie Dürreperioden oder Überschwemmungen führt, ist es unumgänglich, dass sich die Akteure im sozio-ökonomischen System mit diesen Einwirkungen auseinandersetzen und entsprechende Maßnahmen umsetzen. Ökologische Nachhaltigkeit strebt an, dass auf umweltschädliche An­gebote und Ressourcenausbeutung verzichtet wird. Sinnvolle Handlungsadaptionen in diesem Sinne sind beispielsweise die Reduzierung des CO2-Ausstoßes oder der Umstieg auf erneuer­bare Energien (vgl. AUGSBACH 2020: 17, KIRCHGEORG 2012: 114).

Die Dimension der sozialen Nachhaltigkeit orientiert sich am Begriff der Sozialverträglichkeit und befasst sich damit, wie sich die Menschen untereinander in ihrem Denken und Handeln wertschätzen. Sie umfasst die Werthaltungen von Lebens- und Konsumstilen, die Arbeits- und Lebenswelt sowie die gesellschaftliche und politische Situation (vgl. AUGSBACH 2020: 18, CORSTEN & ROTH 2012: 5). Grundsätzlich sollen Spannungen auf sozialer Ebene in Grenzen gehalten und eskalierende Konflikte vermieden werden. Jegliche Unstimmigkeiten sollen folg­lich auf zivilem und friedlichem Wege ausgetragen werden (vgl. PUFÉ 2012: 30). Darüber hin­aus befasst sich die soziale Nachhaltigkeit mit Angelegenheiten wie der Armuts- und Unterdrü­ckungsbekämpfung, der Ausübung eines fairen Konsumverhaltens und einer selbstbestimmten Lebensführung auf Grundlage eigener Arbeit, der Verbesserung des Humankapitals in Bezug auf, unter anderem, Bildung, Gesundheitsförderung und Arbeitsplatzsicherheit sowie der sozi­alen Unterstützung und Meinungsfreiheit (vgl. AUGSBACH 2020: 18, BALDERJAHN & PEYER 2012: 97, CORSTEN & ROTH 2012: 5, KROPP 2019: 11).

3 Nachhaltigkeit bei Sportveranstaltungen

Nachdem im vorherigen Kapitel näher auf Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung einge­gangen wurde, werden diese Begriffe im Folgenden in Zusammenhang zu Sportveranstaltungen gestellt. Zunächst soll untersucht werden, inwiefern eine austragende Institution den Aspekt der Nachhaltigkeit beim Planen eines Events berücksichtigen sollte. Darüber hinaus wird heraus­gestellt, inwiefern diese Veranstaltungen profitabel im Sinne der Nachhaltigkeit sein können. Abschließend werden mögliche Auswirkungen von Sportveranstaltungen auf den Veranstalter, den Veranstaltungsort, die Bevölkerung und Besucher*innen sowie sonstige Unternehmen her­ausgearbeitet. Diese werden entsprechend der drei Säulen der Nachhaltigkeit in die Dimensio­nen der ökonomischen, ökologischen und sozialen Wirkungen gegliedert.

3.1 Nachhaltigkeit beim Eventmanagement

Kern des Eventmanagements ist es, für einen langanhaltenden positiven Eindruck durch die Veranstaltung zu sorgen. Einen wichtigen Beitrag für einen bleibenden Eindruck leistet die Be­rücksichtigung der Zukunftsorientierung und im Allgemeinen der gesellschaftlichen Verant­wortung (vgl. HOLZBAUR 2016: 1 f.). Folglich wird nachhaltige Entwicklung „[...] für die Ver­anstaltungsbranche zu einem immer wichtiger werdenden Qualitätsmerkmal und Kriterium [.]“ (BMUB & UBA 2015: 4).

Das Eventmanagement umfasst die gesamten Aufgaben zur Planung und Durchführung indivi­dueller Veranstaltungen sowie der Verankerung von Events in die Rahmenbedingungen und Strategie der Organisation. Der Veranstalter trägt hierfür die gesamte Verantwortung und kann diese nicht abgeben, sodass ihm jegliche positiven und negativen Ereignisse zugerechnet wer­den (vgl. HOLZBAUR 2016: 18, HOLZBAUR 2020: 4 f.).

Um ein Event erfolgreich umzusetzen, wird vom Veranstalter eine umfassende strategische Planung erwartet. Es ist wichtig, dass das Ziel des Events klar durch ein Leitbild herausgear­beitet und hinsichtlich des Imagegewinns und Ertrags definiert wird. Der Veranstalter sollte seine Zielgruppen stets miteinbeziehen, glaubwürdig kommunizieren, gesellschaftliche Verant­wortung demonstrieren und einen Bildungscharakter im Sinne der Bildung für nachhaltige Ent­wicklung (BNE) (vgl. Kap. 3.2) repräsentieren (vgl. HOLZBAUR 2016: 227 f., HOLZBAUR 2020: 22 f.). Für den Veranstalter gibt es verschiedene Gründe, ein nachhaltiges Eventmanagement umzusetzen. Zunächst beteiligt er sich auf einer ethischen und moralischen Ebene an der Zu­kunftsfähigkeit der Gesellschaft, was dem weltweiten Interesse einer nachhaltigen Entwicklung entspricht (vgl. Kap. 2.3). Politisch gesehen kann der Veranstalter somit als gutes Beispiel vo­rangehen und andere Unternehmen, Ausrichter und Firmen davon überzeugen, ein nachhaltiges Eventmanagement nachzuahmen. Als positives Exempel erhöht der Veranstalter seine Glaub­würdigkeit und verbessert sein Image. Aus finanzieller Perspektive gibt es zudem Aspekte, welche durch eine nachhaltige Umsetzung (z. B. Suffizienzstrategie) effizienter gestaltet und kostengünstiger werden (vgl. HOLZBAUR 2016: 226 f.). Um den Aspekt der Nachhaltigkeit in diese Strategie miteinzubeziehen, müssen die möglichen Auswirkungen der Veranstaltung (vgl. Kap. 3.3) ganzheitlich betrachtet werden. In einer gut ausgearbeiteten Strategie gibt es verschie­dene Schwerpunkte, welche sich auf die Nachhaltigkeit bei Events beziehen (vgl. PUFÉ 2012: 39 ff.).

Zunächst sollte es im Interesse des Veranstalters sein, den Energieverbrauch vor und während des Events gering zu halten, mit der Veranstaltung verbundene Treibhausgasemissionen zu kompensieren und jegliche Ressourcen zu schonen. Zusätzlich soll die natürliche Umwelt des Veranstaltungsortes geschützt und die Biodiversität erhalten werden (vgl. BMUB & UBA 2015: 11, HOLZBAUR 2020: 5, PRÖBSTL-HAIDER et al. 2021: 58). Denkbare Maßnahmen für diesen Schwerpunkt sind beispielsweise die Auswahl von Gebäuden, Hotels oder Arenen unter Berücksichtigung der Energieversorgung und des Energieverbrauchs. Wünschenswert ist in diesem Kontext, dass Ökostrom und erneuerbare Energien genutzt werden. Als Orientierung hierfür dient unter anderem das Europäische Umweltzeichen (vgl. BMUB & UBA 2015: 11 f., PRÖBSTL-HAIDER et al. 2021: 184). Zusätzlich benötigen Veranstaltungen, insbesondere jene im großen Rahmen, sehr viele Materialien, Mitarbeiter*innen, Lebensmittel und andere Res­sourcen. Um die Transportwege möglichst gering zu halten, sollte der Veranstalter in Kontakt mit regionalen Unternehmen und Anbietern treten und, wenn möglich, auf dort vorhandene Angebote zurückgreifen. Die lokalen Organisationen würden gleichzeitig von dem Event pro­fitieren, da ihre Partizipation daran gesteigert und ihr Bekanntheitsgrad verbessert wird (vgl. HOLZBAUR 2020: 7). Neben einem geringen Energieverbrauch sollte sich der Veranstalter an einem verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser orientieren. Der Umgang mit Wasser sollte sparsam sein und die Abwasserbelastung möglichst gering gehalten werden. Hier­für bieten sich beispielsweise biologisch abbaubare Reinigungsmittel an. Auch das Abfallma­nagement sollte vom Veranstalter gut durchdacht und bereits vor dem Event umfassend geplant werden. Allgemein ist es wünschenswert, Abfall zu vermeiden und recycelbare Materialien zu nutzen. Maßnahmen hierfür sind das Errichten von mehreren Abfallinseln zur getrennten Abfallsammlung sowie das Verwenden von Mehrwegverpackungen (vgl. BMUB & UBA 2015: 15, PRÖBSTL-HAIDER et al. 2021: 184).

Die aufzubauende Infrastruktur ist insbesondere bei Großveranstaltungen wie einer WM von Relevanz und stellt einen weiteren wichtigen Umweltfaktor dar. Auch hier hat der Veranstalter die Aufgabe, durch geeignete Planung negative Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden (vgl. HOLZBAUR 2016: 22). Die verkehrsinduzierten Umweltbelastungen sollten gering gehal­ten werden, was durch eine bedachte Wahl der Veranstaltungsorte möglich gemacht werden kann. Generell ist es wünschenswert, bereits vorhandene Gebäude zu nutzen, um den Ort nicht durch weitere Baumaßnahmen zusätzlich zu belasten. Diese sollten möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, sodass keine außerplanmäßigen Busse oder Autos eingesetzt werden müssen. Durch das Anbieten von Park&Ride-Plätzen oder Kombitickets würde der Veranstalter beispielsweise einen Anreiz für die Nutzung dieser öffentlichen Verkehrsmittel schaffen (vgl. BMUD & UBA 2015: 6 f., NEUERBURG & WILKEN 2010: 6, PRÖBSTL-HAIDER et al. 2021: 183 ff.). Wenn dennoch neue Arenen, Spielstätten oder sonstige Gebäude für die Großveranstaltung errichtet werden müssen, hat der Veranstalter die Aufgabe, die Standorte hierfür bedacht zu wählen (vgl. Abb. 2). Die Fläche sollte grundsätzlich über eine sportfachli­che und bewerbungsbezogene Grundeignung verfügen und Eingriffe in Biotopflächen und Na­turschutzgebiete minimiert oder wenn möglich ganz vermieden werden. Wurde sich für eine Fläche entschieden, sollten die errichteten Gebäude keine unnötig großen Ausmaße annehmen, um somit die Flächeninanspruchnahme und Eingriffsintensität zu minimieren. Bereits bei der Wahl des Standortes sollte berücksichtigt werden, dass sich das Gelände mit den neuen Arenen und Gebäuden auch langfristig gesehen nutzen lässt (vgl. Schmied 2010: 13 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Stufenkonzept einer naturverträglichen Standortwahl für Sportgroßveranstaltungen nach: SCHMIED (2010: 13 f.), eigene Darstellung

Eine weitere Ebene, bei welcher die Nachhaltigkeit im Eventmanagement berücksichtigt wer­den sollte, umfasst wirtschaftliche und soziale Aspekte in Bezug auf die Mitarbeiter*innen und Teilnehmer*innen. Der Veranstalter sollte es ihnen ermöglichen, durch Teilhabe bei der Pla­nung und Durchführung des Events zu partizipieren. Es ist sinnvoll, die Stakeholder bereits in einer frühen Phase der Planung in den Prozess miteinzubeziehen, um ihre Bedürfnisse mög­lichst erfolgreich umzusetzen und zu berücksichtigen (vgl. HOLZBAUR 2016: 249, HOLZBAUR 2020: 5). Als Stakeholder definieren sich hier alle Gruppen, Organisationen oder Individuen, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf das Event und dessen Erfolg haben. Dazu zählen beispielsweise Besucher*innen, Mitarbeiter*innen, die Presse, Auftraggeber*innen oder Anlie- ger*innen der Veranstaltung (vgl. CORSTEN & ROTH 2012: 3, HOLZBAUR 2020: 3).

Neben der Partizipation bei der Gestaltung des Events sollte der Veranstalter bedenken, dass die Veranstaltung an sich für jede*n zugänglich gemacht werden sollte. Das heißt, dass Mobi­litätseinschränkungen und andere dauerhafte oder zeitweilige Einschränkungen berücksichtigt werden müssen. Des Weiteren sollte ein Veranstalter stets davon ausgehen, dass Personen ver­schiedenen Geschlechts und Alters sowie mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen am Event teilnehmen möchten (vgl. HOLZBAUR 2016: 177 f.). Um alle Gesellschaftsgruppen ein­zubinden ist es also wünschenswert, dass der Austragungsort des Events barrierefrei gestaltet wird und Maßnahmen für Personen jeglichen Handicaps umgesetzt werden. Dazu gehören bei­spielsweise ebene Veranstaltungsflächen oder vereinfachte Informationsschilder, die auch für Nichtmuttersprachler*innen verständlich sind (vgl. BMUB & UBA 2015: 18, HOLZBAUR 2016: 178). Neben diesen Aspekten hat der Veranstalter die Aufgabe, eine maximale Sicherheit bei der Vor- und Nachbereitung als auch während des Events zu garantieren. Eine verantwortungs­bewusste Planung legt einen hohen Wert auf die Risikovorsorge, was sich am Konzept der Zu­kunftsorientierung orientiert. Potentielle Gefahrenquellen sollten ausreichend abgesichert und Gefahrenstoffe reduziert oder vermieden werden. Mitarbeiter*innen, die vor, während oder nach dem Event aktiv daran beteiligt sind, sollten mit ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet und beispielsweise auf Baustellen keinen Gefahren ausgesetzt werden. Zudem sollte das Veranstaltungsgelände über Notausgänge, Ersthelfer*innen, Absperrungen und Zu­gangskontrollsysteme verfügen. Hierfür sollte der Veranstalter, je nach Größe des Events, in Kontakt zur Feuerwehr, Polizei, Sicherheitsdiensten und Sanitäter*innen treten, um Unterstüt­zung einzuholen und Gefahren präventiv entgegenzuwirken (vgl. HOLZBAUR 2016: 234 f.).

Diese Schwerpunkte der Nachhaltigkeit bei Events sollten vom Veranstalter gleichermaßen be­rücksichtigt werden. Für die genannten Ebenen gibt es teilweise spezielle Normen, welche bei der Umsetzung von Qualität in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung von Nutzen sein können. Die Definition und Umsetzung der beschriebenen Nachhaltigkeitsaspekte im Leitbild, die Einbeziehung der Stakeholder in die Planung und die öffentliche und glaubwürdige Kom­munikation der Maßnahmen und Interessen gehören schließlich zu den wichtigsten Erfolgsfak­toren nachhaltiger Events (vgl. HOLZBAUR 2020: 33 ff., PUFÉ 2012: 33 ff.).

3.2 Nachhaltigkeit durch Events

Bei einer angemessenen und durchdachten Planung (vgl. Kap. 3.1.) können Events positive Nachhaltigkeitswirkungen entfalten. In jegliche Veranstaltungen können lokale Nachhaltig­keitsaspekte oder Interessen von BNE integriert werden.

Wenn der Veranstalter mit lokalen Organisationen und Anbietern kooperiert und regional seine Waren und Dienstleistungen erwirbt, wird eine positive Nachhaltigkeitswirkung für die Region erzielt. Die lokalen Unternehmen können durch eine Partizipation am Event ihr Image oder ihren Bekanntheitsgrad verbessern. Darüber hinaus können sie durch die Eventbeteiligung eine finanzielle Förderung erhalten und neue Kund*innen anwerben. Wird beispielsweise ein regi­onaler Bauernhof für die Verpflegung auf dem Event miteinbezogen, bietet es sich für ihn an, Schnupperangebote in Form von Werbe- oder Häppchenständen anzubieten. Dadurch wird es ihm ermöglicht, neue Zielgruppen anzusprechen und für sich zu gewinnen. Die bestmögliche Wirkung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung resultiert darin, dass die Besucher*innen und Anwohner*innen in Zukunft Produkte wie Eier oder Milch von diesem regionalen Bauern­hof erwerben. Dadurch, dass der Veranstalter Unternehmen aus dem näheren Umkreis einbe­zieht, fördert er dessen Bekanntheitsgrad und Profit und mindert gleichzeitig negative Emissi­onsauswirkungen, welche durch eine Kooperation mit beispielsweise großen Firmen, welche einen weiten Transportweg auf sich nehmen müssen, entstehen würden (vgl. HOLZBAUR 2016: 7).

Neben den lokalen Nachhaltigkeitsaspekten kann ein Event Aspekte von BNE integrieren. Ein grundlegendes Ziel von BNE ist es, „[.] dem Einzelnen Fähigkeiten mit auf den Weg zu ge­ben, die es ihm ermöglichen, aktiv und eigenverantwortlich die Zukunft mit zu gestalten.“ (HOLZBAUR 2020: 7). Diese Fähigkeiten werden als Gestaltungskompetenz zusammengefasst und umfassen Komponenten wie Selbstkompetenz, Planung, Kooperation, Wissenserwerb und Motivation. Zudem zeichnet sich BNE durch den Bestandteil der Erlebnisorientierung aus, wel­cher aus der Erkenntnis entstand, dass das Erleben eine relevante Erfolgskomponente des Ler­nens darstellt und dass hierfür eine positive Grundhaltung förderlich ist (HOLZBAUR 2016: 193, KROPP 2017: 27 f., MEYER 2020: 180 ff., REINFRIED 2020: 78 f.). „Bildung ist eine der wich­tigsten Maßnahmen um [n]achhaltige Entwicklung umzusetzen“ (HOLZBAUR 2016: 211). Zukünftige Generationen sollen dementsprechend erlebnisorientiert zu einem nachhaltigen Handeln angeregt und über die Relevanz dessen aufgeklärt werden. Events können Mittel und Methoden bereitstellen, um BNE umzusetzen. Darüber hinaus können sie Wissen und Informa­tionen vermitteln, die Motivation und Sozialkompetenzen fördern oder als Vorbildfunktion zum nachhaltigkeitsbewussten Handeln anregen. Demnach fördern jene Events, die einen lehrrei­chen Charakter haben und (insbesondere junge) Menschen dazu auffordern, sich mit den As­pekten der nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen, die Ziele von BNE. Der Veranstalter könnte beispielsweise durch Informationsschilder auf die Vorteile von regionalen Produkten aufmerksam machen oder, wenn möglich, kleine Workshops, Projekte oder Planspiele zu The­men wie dem nachhaltigen Konsumverhalten oder erneuerbaren Energien anbieten (vgl. HOLZ- BAUR 2016: 194 ff., SCHWARTZ 2010: 58). Handelt es sich bei dem Event um eine Großveran­staltung wie die Olympischen Spiele oder eine WM, welche über mehrere Jahre geplant wird, könnte der Veranstalter mit den Schulen, Universitäten und Kindergärten in der Region koope­rieren, um dort beispielsweise Themen wie die Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen in den Lehrplan zu integrieren. Des Weiteren können diese Institutionen die Arenen und Anla­gen des Events als außerschulische Lernorte nutzen, um den Schüler*innen ganzheitliche und realitätsbezogene Erfahrungen zu ermöglichen (vgl. SCHWARTZ 2010: 61).

3.3 Mögliche Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen

Die möglichen Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen lassen sich zunächst in positive Effekte (Nutzen) und negative Effekte (Kosten) einteilen. Zudem wird zwischen direkten, in­neren und indirekten, externen Effekten unterschieden. Als direkte Effekte beschreiben sich alle Nutzen und Kosten, welche beim Veranstalter selbst anfallen. Dazu gehören beispielsweise Eintrittsgelder und Personalkosten. Die indirekten Effekte beziehen sich auf Kosten und Nutzen die bei Dritten anfallen wie die Ausgaben der Besucher*innen am Veranstaltungsort oder Ein­nahmen des Beherbergungswesens. Die Wirkungen von Sportgroßveranstaltungen werden in ökonomische, ökologische und soziale klassifiziert und orientieren sich somit an den in Kapitel 2.3 beschriebenen Säulen der Nachhaltigkeit (vgl. GANS et al. 2003: 83 f., HELMENSTEIN 2005: 8, PUFÉ 2012: 29 f.). Nach GANS et al. (2003: 86) können Sportgroßveranstaltungen auf ökono­mischer Ebene Auswirkungen auf den Veranstalter, die ansässige Bevölkerung, die Besu- cher*innen, die öffentliche Verwaltung sowie das Gastgewerbe, den Einzelhandel und sonstige Unternehmen haben. Die ökologischen Wirkungen betreffen dem gegenüber nur den Bevölke­rungsort und dessen Anwohner*innen. Bei den sozialen Wirkungen wird zwischen jenen auf die Besucher*innen und auf die ansässige Bevölkerung unterschieden (vgl. Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Klassifizierung der Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen nach Art und Akteuren nach GANS et al. (2003: 86), eigene Darstellung

[...]


1 1 Die Begriffe „Event“ und „Veranstaltung“ werden synonym verwendet, da hier von jeglichen Veranstaltungen ausgegangen wird, welche den Ereignischarakter (z.B. Erinnerungswert, Einmaligkeit) eines Events besitzen (vgl. HOLZBAUR 2020: 9 f.).

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen von sportlichen Großveranstaltungen im Sinne der Nachhaltigkeit
Untertitel
Mögliche Indikatoren zum Messen der Nachhaltigkeit von Events anhand der Nachhaltigkeitsstrategie für die Weltmeisterschaft in Katar 2022
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Geographisches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
68
Katalognummer
V1156925
ISBN (Buch)
9783346552792
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Katar, Fußballweltmeisterschaft
Arbeit zitieren
Bauke Janssen (Autor:in), 2021, Auswirkungen von sportlichen Großveranstaltungen im Sinne der Nachhaltigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1156925

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