Seit 1984 wird im Rahmen der Upper-Echelons-Perspektive bzw. -Theorie untersucht, wie und inwiefern strategische Entscheidungsträger die Strategieauswahl und die Rentabilität der Unternehmung beeinflussen. Während in den Anfangsjahren noch von einer Perspektive die Rede war, sprechen die Hauptvertreter dieser Forschungsrichtung mittlerweile von einer Theorie. Gegenstand dieser Arbeit ist es zu beurteilen, ob dies gerechtfertigt ist und wenn ja, inwieweit diese Theorie als „wertvoll“ bezeichnet werden kann. Im ersten Abschnitt wird versucht, die Elemente einer Theorie in der Upper-Echelons-Perspektive zu identifizieren, um zu entscheiden, ob es sich im Wesen überhaupt um eine Theorie handelt. Im zweiten Abschnitt werden Kriterien zur Beurteilung der Theorie herangezogen, die aufzeigen, ob man hierbei von einer eher starken oder eher schwachen Theorie sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Upper Echelons: Starke, schwache oder gar keine Theorie?
2. Ist Upper-Echelons eine Theorie?
3. Ist die Upper-Echelons-Theorie eine starke oder schwache Theorie?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Fundierung der „Upper-Echelons-Perspektive“. Das primäre Ziel ist es, den Status dieser Forschungsrichtung zu analysieren: Kann sie als vollwertige Theorie betrachtet werden und weist sie eine starke oder schwache theoretische Basis auf? Dazu wird die Perspektive anhand etablierter Kriterien für wissenschaftliche Theorien kritisch geprüft.
- Elemente der Theoriebildung nach Bacharach
- Konstrukt- und Variablenvalidität in der Upper-Echelons-Forschung
- Einfluss von Top-Management-Charakteristika auf die Unternehmensperformance
- Kritische Reflexion der theoretischen Stärke und Generalisierbarkeit
Auszug aus dem Buch
Ist Upper-Echelons eine Theorie?
Die Kernidee der Upper-Echelons-Perspektive bzw. -Theorie besteht darin, dass die Top-Manager einer Unternehmung auf der Basis ihrer persönlichen Charakteristika Situationen interpretieren, was dann Konsequenzen für die Auswahl strategischer Optionen und damit auch auf die Unternehmungsperformance hat. Die Unternehmung wird dann zur „Reflektion ihres Top-Managements bzw. ihrer Top-Manager“. Nach 1984 wurden viele empirische Studien durchgeführt und diese zentrale Idee erweitert. Die Frage hierbei ist, inwieweit diese Forschungsrichtung als Theorie bezeichnet werden kann. Um eine – allerdings ziemlich einfache – Antwort zu finden kann man überprüfen, ob die Upper-Echelons-Perspektive bzw. -Theorie die Elemente einer Theorie überhaupt aufweist. Nach Bacharach (1989) ist eine Theorie „a statement of relationships between units observed or approximated in the empirical world“. Laut Bacharach (1989) und Whetten (1989) besteht eine vollständige Theorie danach aus folgenden Komponenten: Konstrukten, Variablen, Propositionen, Hypothesen und Grenzbedingungen. Diese und deren Beziehungen sind in Abb. 1 grafisch dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Upper Echelons: Starke, schwache oder gar keine Theorie?: Einführung in die Fragestellung und den Kontext der Upper-Echelons-Perspektive als Forschungsgegenstand.
2. Ist Upper-Echelons eine Theorie?: Analyse, ob die Perspektive die grundlegenden wissenschaftlichen Anforderungen an eine Theorie nach Bacharach erfüllt.
3. Ist die Upper-Echelons-Theorie eine starke oder schwache Theorie?: Kritische Bewertung der Stärke der Theorie anhand von Kriterien wie Falsifizierbarkeit, Validität und Nützlichkeit.
Schlüsselwörter
Upper Echelons, Strategisches Management, Top-Management-Team, Theoriebildung, Unternehmensperformance, Variablenvalidität, Konstruktvalidität, Strategic-Choice-Ansatz, Managerial Discretion, Falsifizierbarkeit, Bacharach, Unternehmensführung, Strategiewahl, Empirische Forschung, Organisationstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die in der Managementforschung bekannte „Upper-Echelons-Perspektive“ die wissenschaftlichen Kriterien einer vollwertigen Theorie erfüllt und wie deren theoretische Qualität zu bewerten ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Das Werk behandelt die theoretischen Grundlagen der Strategieforschung, die Operationalisierung von Management-Charakteristika sowie die kritische Reflexion von Modellen in der empirischen Betriebswirtschaftslehre.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob die Upper-Echelons-Perspektive als starke Theorie bezeichnet werden kann oder ob sie aufgrund methodischer Defizite eher als schwache Theorie einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, indem er die Upper-Echelons-Perspektive an den wissenschaftstheoretischen Bewertungskriterien von Bacharach und Popper misst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die strukturellen Komponenten einer Theorie (Konstrukte, Variablen, Hypothesen) auf das Modell angewendet, gefolgt von einer kritischen Untersuchung von Validitätsproblemen und dem Einfluss des kulturellen Kontexts.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Upper Echelons, strategische Unternehmensführung, Variablenvalidität und die theoretische Fundierung von Managemententscheidungen.
Warum ist das "TMT" (Top-Management-Team) ein problematisches Konstrukt?
Laut dem Autor fehlt es an einer hinreichenden Spezifizierung, wer genau zum Team gehört (z.B. formale vs. informale Gruppen), was die Vergleichbarkeit der Forschungsergebnisse erschwert.
Welche Rolle spielen die "Informationsfilterprozesse" der Manager?
Sie erklären, wie Manager aufgrund rationaler Begrenztheit Informationen subjektiv interpretieren und warum dies eine zentrale logische Komponente innerhalb der Theorie darstellt.
Warum schlägt der Autor vor, Theorie als "Prozess" zu betrachten?
In Anlehnung an Weick argumentiert der Autor, dass junge Forschungsfelder Zeit brauchen, sich zu entwickeln, weshalb eine zu frühe Einstufung als „schwache Theorie“ der notwendigen wissenschaftlichen Kreativität schaden könnte.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Gerlach (Autor:in), 2007, Upper Echelons: Starke, schwache oder gar keine Theorie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115718