Ist heute von interkulturellem Lernen in der Schule die Rede, dann sind damit zumeist Aspekte des bilingualen Spracherwerbs, der Kenntnisnahme kultureller Vielfalt im Rahmen von Globalisierung und interkulturelle Kompetenz gemeint. „Dass kulturelles Lernen sich auch auf das regionale Kulturerbe eines Landes beziehen kann und Regionalsprachen zu diesem differenzierten kulturellen Erbe in Deutschland gehören, wird dabei häufig vergessen.“ Die Folge ist, dass das Bewusstsein für die Qualität des Regionalen mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird – dies gilt insbesondere auch für die Einbeziehung der Regionalsprache Plattdeutsch in den Unterricht.
Obwohl Niederdeutsch seit 1993 in Niedersachsen schulrechtlich verankert ist, spielt Platt im Lehrplan der meisten (Grund-)
Schulen keine Rolle. Es herrscht in diesem Bereich ein krasser Gegensatz zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Thema und Fragestellung:
Gerade weil sich die Situation der niederdeutschen Sprache in der schulischen Erziehung nicht positiv darstellt, möchte ich in dieser Examensarbeit eine Möglichkeit aufzeigen, wie mit Kindern einer zweiten Klasse, die allesamt über keine aktiven Plattdeutsch-Kenntnisse verfügen, ein handlungs- und produktionsorientierter Deutschunterricht mit Integration des Niederdeutschen aussehen kann. Es handelt sich hierbei um einen Unterrichtsversuch über einen Zeitraum von drei Wochen. Im Rahmen von elf Unterrichtsstunden wollte ich der Frage nachgehen, inwieweit es überhaupt praktisch umsetzbar ist, einen Unterricht, der auf plattdeutschen Geschichten basiert, methodisch und didaktisch so aufzubereiten, dass den acht- bis neunjährigen Kindern eine sinnvolle Begegnung mit der niederdeutschen Sprache ermöglicht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (Thema, Problemstellung, Fragestellung)
2. Historische und aktuelle Situation des Niederdeutschen
2.1 Definition Plattdeutsch/Niederdeutsch
2.2 Die Geschichte des Niederdeutschen
2.3 Die Sprachensituation in Oldenburg
2.4 Berücksichtigung des Niederdeutschen im Unterricht in Oldenburger Schulen
2.5 Die Niederdeutschkenntnisse in der Klasse 2
3. Didaktisch-Methodische Aspekte des handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts unter Einbeziehung des Niederdeutschen in der Klasse 2a
3.1 Handlungs- und Produktionsorientierung
3.2 Storytelling in der Grundschule
3.3 Die Ziele des Deutschunterrichts mit Integration des Niederdeutschen in der 2. Klasse
4. Rechtliche Grundlagen für die Legitimation des Niederdeutschen in der Schule
5. Beschreibung und Dokumentation des Unterrichtsversuches
Verlauf der gesamten Unterrichtseinheit
Ausführliche Beschreibung der zweiten Stunde aus der Einheit
Bemerkungen zur Lerngruppe
Überlegungen zur Sache
Didaktische Überlegungen
Kompetenzen
Methodische Überlegungen
Geplanter Unterrichtsverlauf
Reflexion
Ausführliche Beschreibung der neunten Stunde aus der Einheit
Überlegungen zur Sache
Didaktische Überlegungen
Kompetenzen
Methodische Überlegungen
Geplanter Unterrichtsverlauf
Reflexion
6. Zusammenfassungen
6.1 Reflexion der Einheit
6.2 Konsequenzen für meine zukünftige Unterrichtsarbeit
7. Schlusswort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Examensarbeit untersucht die praktische Umsetzbarkeit eines handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts, der plattdeutsche Geschichten in einer zweiten Grundschulklasse integriert, in der die Schüler über keine aktiven Niederdeutschkenntnisse verfügen.
- Methodische Aufbereitung von Storytelling zur Vermittlung niederdeutscher Inhalte.
- Integration der Regionalsprache in den Deutschunterricht der Grundschule.
- Entwicklung einer positiven Einstellung zur Regionalsprache bei jungen Schülern.
- Analyse des Hörverstehens und der aktiven Schülerbeteiligung im Unterrichtsversuch.
- Ableitung von Konsequenzen für die zukünftige Gestaltung von Fremdsprachenerfahrungen in der Grundschule.
Auszug aus dem Buch
3.2 Storytelling in der Grundschule
Storytelling – auf Deutsch „Geschichten erzählen“ – ist ein wichtiges Verfahren des frühbeginnenden Englischsprachunterrichts. Den Schülern wird dabei eine Geschichte, die sowohl authentisch als auch frei erfunden sein kann oder auch als Vorlage aus einem Buch stammt, von der Lehrkraft in der Zielsprache (in dieser Unterrichtseinheit auf Plattdeutsch) erzählt. Das Hören und Erleben von Geschichten ermöglicht den Schülern das Eintauchen in eine Fremdsprache in Sinnzusammenhängen. 37 Es ist laut KLIPPEL somit nicht erforderlich, dass die Schüler jedes Wort oder jede sprachliche Struktur verstehen müssen, um die Geschichte nachvollziehen zu können. 38 Das Verstehen der Erzählspur und die Freude an Geschichten und den handelnden Umgang mit ihnen ist das Ziel des Storytelling.39
Durch die Erzählmethode Storytelling wird das Hörverstehen der Schüler intensiv geschult, 40 wobei Hören als ein „höchst aktiver mentaler Prozess“ verstanden wird. 41 Das Hörverstehen wird vom Erzähler durch Hilfen wie Gestik, Mimik, Bildmaterial sowie Wiederholungen jeglicher Art unterstützt.42 SCHMIDT-SCHÖNBEIN bezeichnet das Erzählen von Geschichten als ein soziales Ereignis der Kommunikation in einer Gruppe, mit Konzentration zwischen „Erzählendem und Zuhörern, mit Augenkontakt, mit der menschlichen Stimme in all ihren Variationsmöglichkeiten und mit Gestik, Mimik und Körpersprache sowie Realien als unterstützendem Element. Dies hat schon immer nicht nur für Erwachsene, sondern besonders auch für Kinder gegolten.“ 43 PIEPHO spricht beim Storytelling vom „multisensorischen Erzählen“. Die Schüler erschließen aus mehreren Faktoren den Sinn.44
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung (Thema, Problemstellung, Fragestellung): Diese Einleitung führt in die Relevanz der Einbeziehung des Niederdeutschen im Deutschunterricht ein und formuliert die zentrale Fragestellung des Unterrichtsversuchs.
2. Historische und aktuelle Situation des Niederdeutschen: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund, die sprachliche Definition und die aktuelle Verbreitung des Niederdeutschen, insbesondere in Oldenburg.
3. Didaktisch-Methodische Aspekte des handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts unter Einbeziehung des Niederdeutschen in der Klasse 2a: Hier werden die Konzepte der Handlungs- und Produktionsorientierung sowie Storytelling theoretisch fundiert und auf den konkreten Unterrichtsversuch angewendet.
4. Rechtliche Grundlagen für die Legitimation des Niederdeutschen in der Schule: Dieses Kapitel ordnet die Einbeziehung der Regionalsprache in den schulischen Bildungsauftrag und die rechtlichen Rahmenbedingungen ein.
5. Beschreibung und Dokumentation des Unterrichtsversuchs: Dieses zentrale Kapitel dokumentiert den Verlauf der Unterrichtseinheit und analysiert detailliert zwei exemplarische Unterrichtsstunden hinsichtlich Planung, Durchführung und Reflexion.
6. Zusammenfassungen: Das Kapitel bietet eine abschließende Reflexion der gesamten Einheit und diskutiert die Konsequenzen für die zukünftige Unterrichtspraxis.
7. Schlusswort: Das Fazit rundet die Arbeit ab, indem es den Bogen zur Einleitung spannt und die Bedeutung des Niederdeutschen als Teil der norddeutschen Kultur unterstreicht.
Schlüsselwörter
Niederdeutsch, Plattdeutsch, Grundschule, Storytelling, Handlungs- und Produktionsorientierung, Deutschunterricht, Fremdsprachenerfahrung, Hörverstehen, Oldenburg, regionale Identität, Unterrichtsversuch, Literaturdidaktik, sprachliche Bildung, Interkulturelles Lernen, Mehrsprachigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht einen Unterrichtsversuch, bei dem die Regionalsprache Niederdeutsch (Plattdeutsch) in einer zweiten Klasse der Grundschule im Rahmen eines handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts eingeführt und thematisiert wurde.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler ohne Vorkenntnisse in einer Regionalsprache durch methodische Ansätze wie Storytelling dennoch eine motivierende und sinnvolle Begegnung mit dieser Sprache erleben können.
Welche zentralen wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Neben der theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse wird ein qualitativer Ansatz im Sinne eines Unterrichtsversuchs gewählt, der durch detaillierte Planungsdokumentationen und anschließende Reflexionen ausgewertet wird.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil dokumentiert die elfstündige Unterrichtseinheit, geht auf die rechtlichen Grundlagen ein und analysiert insbesondere zwei exemplarische Stunden ("Dat lüttje rote Huus mit keen Dör" und "Willt du mien Fründ wesen?") hinsichtlich ihrer didaktisch-methodischen Umsetzung.
Welche zentralen Themenfelder prägen den theoretischen Rahmen?
Die Arbeit verknüpft Konzepte der Literaturdidaktik (Handlungs- und Produktionsorientierung) mit der Methode des Storytellings sowie sprachenpolitischen Vorgaben zur Förderung der Regionalsprache.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Niederdeutsch/Plattdeutsch, Storytelling, Handlungs- und Produktionsorientierung sowie die Förderung von Neugier und Offenheit gegenüber regionalen Sprachen.
Wie haben die Schüler auf die plattdeutschen Stunden reagiert?
Die Reflexion zeigt eine überwiegend positive Resonanz: Die Kinder waren motiviert, empfanden die Geschichten als spannend und konnten trotz der fehlenden Vorkenntnisse den Handlungsverlauf ganzheitlich verstehen.
Welche Rolle spielt die gewählte Sitzordnung bei diesem Unterrichtsversuch?
Die U-förmige Sitzordnung im Sitzkreis war entscheidend, um den Schülern einen guten Blick auf das Bildmaterial zu ermöglichen und der Lehrkraft die Steuerung der multisensorischen Vermittlung sowie die Beobachtung der Schülerreaktionen zu erleichtern.
Warum ist laut Autor die Kombination von Plattdeutsch mit Storytelling so effektiv?
Durch die Verbindung der Fremdsprache mit szenischen und produktiven Aktivitäten wird die kognitive Überforderung vermieden und die Sprache in einen motivierenden, realitätsnahen Kontext eingebettet, der den Schülern das Verständnis erleichtert.
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- Stefan Janssen (Author), 2008, Warum nicht mal auf Platt? Versuch eines handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts mit Integration des Niederdeutschen in einer zweiten Klasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115744