Eine historisch-kritische Exegese der Bibelstelle Gen 9, 1-7 auf Basis der Elberfelder Bibel.
Die folgende Hausarbeit fokussiert sich auf die Bibelstelle Gen 9,1-17, die den Bund Gottes mit Noah und seiner gesamten Schöpfung nach der Sintflut beinhaltet. Die Strukturierung der Arbeit verfolgt das Schema der im Seminar besprochenen Abfolge der exegetischen Arbeitsschritte und versucht dadurch, dem oben genannten Text in seiner Tradition, seinem Ursprung sowie seiner Bedeutung näher zu kommen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Texten der Bibel ist auch heutzutage noch eine äußerst relevante Maßnahme, um sowohl sein persönliches Bibelverständnis als auch das einer größeren (kirchlichen) Gemeinschaft zu erweitern und zu vertiefen. Es geht dabei vor allem um die Herstellung einer Verbindung der Bibeltexte zur heutigen Sprache sowie aktuellen Kontexten, auf einer Basis von methodischen Schritten, die für die Allgemeinheit erfassbar ist.
Der Text über den Bundesschluss Gottes reiht sich an das Ende der Sintfluterzählung (Gen 6-9) und bildet dementsprechend das Schlussbild der gesamten Erzählung, welches in einem ewigen Frieden zwischen Gott und seiner Schöpfung mündet (Gen 9,17). Die Rede Gottes beinhaltet nicht nur neue Vorschriften für die Nachkommen Noahs sowie der gesamten, darauffolgenden Erdbevölkerung auf; er weist in seinem weiten Verständnis die existenzielle Bedeutung eines Lebewesens auf und zeigt allem voran die unabdingliche Güte und Liebe Gottes, die er hier explizit seiner Schöpfung zukommen lässt. Die Bibelstelle beinhaltet eine weite Ausstrahlung in den gesamten Verlauf der Bibel sowie der Geschichte Israels, da sie sich als einen Teil der Urgeschichte der Menschheit manifestiert. „Urgeschichten“ aus dem ersten Buch Mose sind nicht wie die anderen Geschichten aus der Bibel, sondern wollen durch ihren Inhalt und ihre Erzählungen erklären, weshalb bestimmte Gegebenheit auf der Erde so vorzufinden sind und auf welcher Basis sie beruhen. Die Entwicklung der gesamten Welt sowie der Menschheit steht hier mehr im Vordergrund als die Beschreibung der anfänglichen Welt. Aus diesem Grund besitzen die Erzählungen und Texte der Genesis die Eigenschaft, zu den Menschen zu sprechen bzw. den Menschen direkt anzusprechen. Besonders in Gen 9,1-17 rückt der Mensch und vor allem die Erde, auf der er lebt, in den Fokus, was sich auch in der Verbindung mit dem traditionellen Ursprung des Textes zeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Textvergleich: Elberfelder Bibel, Gute Nachricht Bibel, Einheitsübersetzung
3. Textanalyse
3.1 Wortarten/Wortfelder
3.2 Syntax
3.3 Kohäsion
3.4 Ko-Text(analyse)
3.5 Schematische Darstellung/Struktur des Textes
4. Formanalyse
5. Gattungsanalyse
6. Literarkritik/Redaktionskritik
7. Realienfrage
8. Traditionsgeschichte
9. Hermeneutik/Hermeneutische Schlussreflexion
10. Literaturverzeichnis
11. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht historisch-kritisch die Bibelstelle Genesis 9,1-17, die den Bund Gottes mit Noah nach der Sintflut thematisiert. Das primäre Ziel ist es, durch eine exegetische Analyse der Elberfelder Bibel 2017 ein tieferes Verständnis für die theologischen Aspekte von Segen, Bundesschluss und den ethischen Geboten im Kontext der Urgeschichte zu gewinnen.
- Historisch-kritische Exegese von Gen 9,1-17
- Vergleichende Analyse verschiedener Bibelübersetzungen (Elberfelder, GNB, Einheitsübersetzung)
- Untersuchung der priesterschriftlichen Theologie und ihrer Intentionalität
- Analyse der sprachlichen Struktur, Motive und Traditionsgeschichte
- Hermeneutische Reflexion der Bedeutung für die heutige Lebenswelt
Auszug aus dem Buch
3.1 Wortarten/Wortfelder
Auffallend ist, dass der Text sehr viele Nomen sowie Verben, jedoch sehr wenige Adjektive aufweist, im direkten Vergleich sind es aber an der Anzahl 26 Nomen mehr als Verben, auch wenn diese sehr häufig wiederholt werden, wie im späteren Verlauf noch aufgezeigt wird. Aufgrund der Vielzahl an Nomen kann auf ein Nominalstil verwiesen werden. Häufig verwendete Verben sind „vermehrt“ in Vers 1 und 7, sowie „einfordern“, welches insgesamt vier Mal in dem Vers 4 auftaucht. Das am meisten auftauchende Nomen ist „Erde“ in den Versen 2, 7, 10, 11, 13, 14 und 16, dies ist auch zu erklären mit dem Aspekt, dass Gott sich in seiner Rede explizit auf die Erde und all ihren Lebewesen bezieht, womit die Verbindung Gottes zur Erde verdeutlicht wird. Darauf folgt das „Fleisch“ in Vers 4, 11, 15, 16 und 17 sowie „Menschen“ und „Blut“, die beide mehrmals in den Versen 4 und 6 auftauchen. Insgesamt findet man eine sehr gleichmäßige Verteilung der Wortarten in den Texten vor, da alle Sätze einheitlich mit Nomen und Verben gefüllt sind. Diese Tatsache ist auch an den Verszahlen, in denen die am häufigsten verwendeten Nomen zu finden sind, erkennbar, da sie sich über die gesamten Verse von 1 bis 17 erstrecken.
Bei der näheren Betrachtung der Verben im Hinblick auf Tempora und Modi fällt auf, dass man im gesamten Verlauf der Bibelstelle einige Zeitformen vorfindet, die sich aber dem Zweck des Gesagten anpassen. Vergangene Geschehnisse, wie die Schaffung des Menschen (9,6), die Arche (9,10) sowie der am Ende des Textes abgeschlossene Bund (9,17) werden im Perfekt formuliert. Zukünftige Ereignisse wie die Strafen bei Brechen der noahitischen Gebote (9,4-5) sowie das Versprechen an die Menschen, die Erde nicht mehr zu zerstören (9,11; 9,14; 9,15) findet man in der Futur-Form vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die exegetische Arbeit zu Gen 9,1-17 ein und erläutert die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise innerhalb der priesterschriftlichen Urgeschichte.
2. Textvergleich: Elberfelder Bibel, Gute Nachricht Bibel, Einheitsübersetzung: Dieses Kapitel vergleicht drei verschiedene Bibelübersetzungen und stellt fest, dass die GNB primär die Verständlichkeit fördert, während die Elberfelder Bibel eine hohe Urtexttreue wahrt.
3. Textanalyse: Eine detaillierte Untersuchung der sprachlichen Merkmale, darunter Wortarten, Syntax, Kohäsion und Kontext, die den Aufbau und die inhaltliche Struktur des Textes beleuchtet.
4. Formanalyse: Dieses Kapitel gliedert die Rede Gottes inhaltlich in die Bereiche Segen und Bund und analysiert die theologische Absicht des priesterschriftlichen Erzählers.
5. Gattungsanalyse: Es wird erörtert, dass der Text verschiedene Gattungen wie hochtheologische Gottesrede und rechtliche Bestimmungen vereint, um die bleibende Bedeutung der göttlichen Anweisungen zu unterstreichen.
6. Literarkritik/Redaktionskritik: Hier werden Kontroversen über die Einheitlichkeit des Textes behandelt, insbesondere die Frage, ob bestimmte Verse als nachträgliche Einschübe oder redaktionelle Ergänzungen zu werten sind.
7. Realienfrage: Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Gen 9,1-17 weniger als historischer Bericht, sondern primär als theologischer Text kaum detaillierte Angaben zu zeitgenössischen realen Lebensverhältnissen bietet.
8. Traditionsgeschichte: Das Kapitel untersucht die Entwicklung der Traditionen um den Bundesschluss und das Blutverbot und wie diese in den biblischen Kontext eingebettet sind.
9. Hermeneutik/Hermeneutische Schlussreflexion: Zusammenfassende Auswertung der Erkenntnisse hinsichtlich Gottes Liebe zu seiner Schöpfung und deren Relevanz für das Verständnis menschlicher Verantwortung in der Gegenwart.
10. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
11. Anhang: Enthält eine synoptische Gegenüberstellung der verwendeten Übersetzungen der Bibelstelle Gen 9,1-17.
Schlüsselwörter
Genesis 9, Noahbund, Sintflut, Priesterschrift, Exegese, Gottesrede, Bundesschluss, Schöpfung, Blutverbot, Lebensschutz, Hermeneutik, Urgeschichte, Segen, Recht, Friedensbund.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer historisch-kritischen Exegese der Bibelstelle Genesis 9,1-17, die den Bund Gottes mit Noah nach der Sintflut beschreibt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Bundesschluss zwischen Gott und seiner Schöpfung, das Tötungs- und Blutverbot sowie die Rolle Gottes als Bewahrer des Lebens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die theologische Bedeutung und Intention der priesterschriftlichen Rede Gottes methodisch fundiert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt dem exegetischen Schema, das Arbeitsschritte wie Textvergleich, sprachliche Analyse, Formanalyse, Literarkritik und Traditionsgeschichte umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte sprachliche Textanalyse, eine formale Gliederung der Gottesrede, eine gattungskritische Einordnung sowie eine literarkritische Untersuchung möglicher Einschübe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Genesis, Noahbund, Schöpfungstheologie, Priesterschrift, Lebensschutz und Hermeneutik.
Wie unterscheidet sich die Elberfelder Bibel von anderen Übersetzungen in der Analyse?
Die Analyse zeigt, dass die Elberfelder Bibel eine hohe Treue zum Urtext aufweist, was sie für die methodische Exegese besonders relevant macht, trotz komplexerer Satzkonstruktionen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Gegenwart?
Die Autorin projiziert die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung auf die aktuelle Klimakrise und mahnt eine ethische Umkehr des Menschen an.
- Quote paper
- Valentina Fischenko (Author), 2020, Historisch-kritische Exegese der Bibelstelle Genesis 9,1-17 "Gottes Bund mit Noah". Orientiert an der Übersetzung der Elberfelder Bibel 2017, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1157706