Reittherapie mit autistischen Kindern


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Autismus
2.1. Wie äußert sich Autismus?
2.2. Ressourcen
2.3. Ursachen und Komorbidität

3. Reittherapie
3.1. Heiltherapeutisches Reiten
3.2 Heiltherapeutisches Voltigieren
3.3. Reittherapie für autistische Kinder
3.4. Auswirkungen und Wirksamkeit
3.5. Ähnlichkeit zwischen autistischen Menschen und Tieren

4. Schluss

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Durch meine langjährige Tätigkeit bei der Lebenshilfe Emmendingen e.V. kam ich eines Tages in Kontakt mit der angegliederten Selbsthilfegruppe für autistische Menschen und deren Angehörige, die sich zwei Mal im Jahr trifft.

Während die Eltern sich Vorträge zum Thema anhören und ihre Erfahrungen austauschen konnten, sollte ich gemeinsam mit anderen Mitarbeitern deren autistische Kinder betreuen. Gleich zu Beginn fiel mir ein kleiner Junge auf, der in seltsam monotonem Singsang, Seite um Seite aus dem Märchen Dornröschen rezitierte. Ein anderer saß, seinen Körper hin und her wiegend, in einer Ecke und reagierte überhaupt nicht auf Ansprache. Dagegen konnte man mit einem älteren Mädchen ein relativ normales Gespräch führen; auffallend war lediglich, dass sie Augenkontakt mied. Zu diesem Zeitpunkt war ich zum ersten Mal fasziniert von der Vielfalt und den unterschiedlichen Auftretensformen des Autismus. Als ich später die Stellwände und Informationstafeln betrachtete, die unter anderem von unglaublichen Leistungen autistischer Menschen berichteten und auch Gedichte und Gemälde darstellten, die von Autisten stammten, war ich fest entschlossen mehr über das faszinierende Phänomen Autismus herauszufinden. Wie kann es sein, dass jemand, der nur schaukelnd in der Ecke sitzt und völlig apathisch wirkt, im Stande ist, ein ganzes Telefonbuch auswendig zu lernen?

Ergänzend kam zur Idee dieser Hausarbeit noch meine langjährige Reiterfahrung und Mithilfe sowohl bei der Hippotherapie als auch bei einer heiltherapeutischen Reitgruppe für geistig Behinderte und verhaltensauffällige Kinder. Dabei hatte ich sehr gute Erfahrungen mit dieser Therapieform gemacht. Leider ist sie noch sehr wenig anerkannt und akzeptiert und wird in Deutschland von den gängigen Kostenträgern nicht bezahlt, da ihre Effektivität nicht wissenschaftlich belegt ist. Handelt es sich also tatsächlich um eine sinnvolle Therapieform oder verdient sie ihren Ruf als „Außenseitertherapie“? Und warum sollte sie nicht auch bei autistischen Kindern Erfolge erzielen? Kann nicht vielleicht das Pferd durch seinen auffordernden Charakter und sein einnehmendes Wesen, autistischen Kindern helfen sich aus ihrer Isolation zu befreien?

In meiner Hausarbeit möchte ich mich zunächst näher mit dem Phänomen Autismus befassen, um dann auf die Reittherapie und ihre Möglichkeiten einzugehen. Im letzten Kapitel möchte ich die Wirksamkeit der Reittherapie speziell für autistische Kinder hinterfragen um schließlich im Schlussteil noch ein kurzes Resümee zu ziehen. Zuvor möchte ich noch erwähnen, dass es sehr schwer war, Literatur zu diesem Thema zu finden, woraus ich schließe, dass Reittherapie für autistische Kinder noch keine verbreitete Therapieform darstellt. Selbst im Internet findet man so gut wie keine Erfahrungsberichte.

2. Autismus

Aus dem Jahre 1943 stammt die erste explizite Veröffentlichung zum Thema Autismus. Der Kinderpsychologe Leo Kanner beschrieb darin elf Kinder, die ihm durch ihre extreme soziale Isolation, ihre Neigung zu repetitiven Verhaltensweisen, sowie ihr zwanghaftes Ordnungsbedürfnis aufgefallen waren. Ein Jahr später veröffentlichte der deutsche Kinderarzt Hans Asperger einen Aufsatz über Patienten, die im Groben die gleichen Symptome aufwiesen. Im Unterschied zu dem von Kanner charakterisierten Frühkindlichen Autismus wiesen die Patienten mit Asperger- Syndrom keine nennenswerten Verzögerungen in der sprachlichen und kognitiven Entwicklung auf (vgl. Sigman und Capps, 2000, 9ff). Heute wird bei der Diagnose zwischen frühkindlichem Autismus, Asperger- Syndrom und Atypischem Autismus unterschieden, auf deren Unterscheidungskriterien ich jedoch nicht näher eingehen werde. Vielmehr möchte ich in diesem Kapitel darauf eingehen, welche spezifischen Züge vorliegen müssen um zu der Diagnose „Autismus“ zu gelangen und damit einhergehend welche typischen Verhaltensweisen autistische Kinder zeigen. Dabei muss immer bedacht werden, dass es „den“ Autismus nicht gibt, da sehr unterschiedliche Schweregrade und Kombinationen von Verhaltens-auffälligkeiten möglich sind.

2.1. Wie äußert sich Autismus?

Alle Kinder mit der Diagnose Autismus weisen ein grundlegendes Defizit im Bereich des sozialen Miteinanders und der gegenseitigen Verständigung auf. Sie verfügen nur über eine begrenzte Fähigkeit zur Empathie: können sich nicht in andere Menschen hineinversetzen, verstehen nicht deren Gefühle, Gedanken, Vorstelllungen und Wünsche. Sie zeigen kaum Interesse am Gegenüber und bauen keine Freundschaften auf. Auch an Gruppenaktivitäten zeigen sie kaum Interesse. Meist gelingt es autistischen Kindern nicht soziale Bezüge herzustellen, das heißt zum Beispiel Blickkontakt zu anderen Menschen aufzubauen. Des Weiteren fällt es ihnen sehr schwer Emotionen zu erkennen und selbst auszudrücken. Dies gilt vor allem für komplexe Emotionen wie Scham, Stolz und Verlegenheit. Dagegen können autistische Kinder durchaus Freude oder Schmerz empfinden und diese auf ihre Art zum Ausdruck bringen. Sie werden diese Emotionen jedoch in den seltensten Fällen mit anderen teilen. So lassen sich autistische Kinder meist nicht einmal von ihren Müttern trösten, wenn sie sich verletzt haben und werden auch nicht freudestrahlend in die Arme ihrer Mutter laufen, wenn sie diese eine Zeit lang nicht gesehen haben. Generell lehnen sie Körperkontakt- auch von engen Bezugspersonen- eher ab.

Auch im Bereich der Kommunikation zeigen autistische Kinder eine ganze Reihe von Beeinträchtigungen. Viele autistische Kinder sprechen nur sehr wenige Worte oder bleiben ganz stumm. Beim Asperger- Syndrom erwerben die Betroffenen die Sprache, drücken sich jedoch oft recht eigentümlich aus und verwenden bestimmte Wörter und Phrasen ohne erkennbaren Zusammenhang und wiederholen diese ständig. Sie haben meist keine Probleme mit Grammatik und Syntax, sprechen jedoch auf eine ungewöhnlich manierierte, altkluge Weise, die aufgesetzt wirkt. Die Aussprache wirkt mechanisch und erinnert nicht selten an einen Roboter. Ein Gespräch ist meist schwierig, da sie trotz ausreichender sprachlicher Kompetenzen keinen Dialog eingehen oder kein Gespräch entwickeln können. Dies liegt an ihrem begrenzten Verständnis dafür, wie andere Menschen mit Hilfe von Sprache Ziele erreichen und eigene Erfahrungen in erzählerischer Form wiedergeben. Hinzu kommen die Probleme autistischer Kinder, gesellschaftliche Regeln, Normen und Erwartungen zu verstehen und sich entsprechend zu verhalten.

Eine weitere Auffälligkeit, die autistische Kinder zeigen, sind stereotype und repetitive Verhaltensweisen: so können sie unter anderem bizarre Bewegungen mit ihrem Körper zeigen, Menschen oder Objekte können wiederholt angefasst oder gar beschnuppert werden. Oft sind autistische Kinder von einem Gegenstand so gefesselt, dass er ihre gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Das können Ampeln, ein Kugelschreiber, eine Murmel, usw. sein. Autistische Kinder können zum Beispiel Stunden damit verbringen, Murmeln zu zählen und immer wieder neu anzuordnen. Dagegen fehlt autistischen Kindern die Fähigkeit zum Symbolspiel, insbesondere dem spontanen Rollenspiel, bei dem zwischenmenschliche Beziehungen nachgestellt werden (vgl. Sigman und Capps, 2000, 121 ff).

Auffallend sind außerdem das starke Bedürfnis autistischer Kinder nach Gleichförmigkeit und einem strukturierten Tagesablauf, sowie der Widerstand gegenüber Veränderungen. Autistische Kinder legen großen Wert auf Rituale, die ihren Tagesablauf und ihr gesamtes Leben strukturieren. Dieses Bedürfnis kann zwanghaftem Verhalten ähneln. So können sie darauf bestehen, Dinge in einer bestimmten Weise anzuordnen, auf immer die gleiche Art auszuführen und zu sagen, ohne dass dies für uns einen Sinn ergibt. Alle autistischen Kinder entwickeln außerdem Selbststimulationen, die von Kind zu Kind variieren: diese reichen vom Hin und Her Wiegen des Körpers und Händeklatschen, bis hin zu autoaggressiven Verhaltensweisen wie Schlagen des Kopfes gegen die Wand, Ausreißen der Haare, und vieles mehr (Poustka, F. u.a., 2004).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Reittherapie mit autistischen Kindern
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V115776
ISBN (eBook)
9783640171194
ISBN (Buch)
9783640172979
Dateigröße
936 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reittherapie, Kindern
Arbeit zitieren
Fabian Blüsch (Autor), 2007, Reittherapie mit autistischen Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115776

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