Meine langjährige Reiterfahrung und Mithilfe sowohl bei der Hippotherapie als auch bei einer heiltherapeutischen Reitgruppe für geistig Behinderte und verhaltensauffällige Kinder war eine hervorragende Grundlage für diese Arbeit. Dabei hatte ich sehr gute Erfahrungen mit dieser Therapieform gemacht. Leider ist sie bislang kaum anerkannt und wird in Deutschland von den gängigen Kostenträgern nicht bezahlt, da ihre Effektivität nicht wissenschaftlich belegt ist.
Handelt es sich also tatsächlich um eine sinnvolle Therapieform oder verdient sie ihren Ruf als „Außenseitertherapie“? Und warum sollte sie nicht auch bei autistischen Kindern Erfolge erzielen? Kann nicht vielleicht das Pferd durch seinen auffordernden Charakter und sein einnehmendes Wesen autistischen Kindern helfen, sich aus ihrer Isolation zu befreien?
In meiner Hausarbeit möchte ich mich zunächst näher mit dem Phänomen Autismus befassen, um dann auf die Reittherapie und ihre Möglichkeiten einzugehen. Im letzten Kapitel möchte ich die Wirksamkeit der Reittherapie speziell für autistische Kinder hinterfragen, um schließlich im Schlussteil noch ein kurzes Resümee zu ziehen. Zuvor möchte ich noch erwähnen, dass es sehr schwer war, Literatur zu diesem Thema zu finden, woraus ich schließe, dass Reittherapie für autistische Kinder noch keine verbreitete Therapieform darstellt. Selbst im Internet findet man so gut wie keine Erfahrungsberichte.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. AUTISMUS
2.1. WIE ÄUßERT SICH AUTISMUS?
2.2. RESSOURCEN
2.3. URSACHEN UND KOMORBIDITÄT
3. REITTHERAPIE
3.1. HEILTHERAPEUTISCHES REITEN
3.2 HEILTHERAPEUTISCHES VOLTIGIEREN
3.3. REITTHERAPIE FÜR AUTISTISCHE KINDER
3.4. AUSWIRKUNGEN UND WIRKSAMKEIT
3.5. ÄHNLICHKEIT ZWISCHEN AUTISTISCHEN MENSCHEN UND TIEREN
4. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Wirksamkeit und therapeutischen Möglichkeiten der Reittherapie für Kinder mit Autismus, um zu ergründen, ob diese Form der Therapie eine sinnvolle Ergänzung oder Methode zur Förderung betroffener Kinder darstellt.
- Phänomenologie des Autismus und dessen Ausdrucksformen
- Ressourcen und Stärken autistischer Menschen
- Grundlagen und Definitionen des Heiltherapeutischen Reitens und Voltigierens
- Therapeutische Effekte der Interaktion mit Pferden auf soziale und motorische Fähigkeiten
- Vergleichende Analyse der Wahrnehmung bei Autisten und Tieren nach Temple Grandin
Auszug aus dem Buch
3.1. Heiltherapeutisches Reiten
Die Beziehung zum Pferd spielt im Heiltherapeutischen Reiten die tragende Rolle. Durch sein artspezifisches Verhalten unterstützt das Pferd die Psychomotorik, das Sozialverhalten und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Arbeit mit dem Medium Pferd und das Reiten an sich sprechen den Menschen ganzheitlich und über alle Sinne an. Die wohltuende Wärme, die beim Reiten vom Pferd ausgeht, spricht auf direktem Wege den Gefühlsbereich an. Der Körperrhythmus des Pferdes überträgt sich auf den Reiter, das Gleichgewichtsempfinden wird gefördert und Verkrampfungen seelischer und körperlicher Art lösen sich. Indem es die ganze Bandbreite seiner Ausdrucksformen zeigt, fordert das Pferd direkt zur verbalen und psychischen Kontaktaufnahme und Auseinandersetzung heraus (vgl. Gäng, 1990, 21ff). Durch den Bewegungsdialog mit und auf dem Pferd wird dem Reiter ein Beziehungsangebot vermittelt. Pferde sind von Natur aus neugierig und nehmen von sich aus Kontakt zum Menschen auf.
Um diesen Kontakt aufrecht zu erhalten, muss der Mensch initiativ werden. Andernfalls wendet das Tier sich wieder seinen Artgenossen zu. Reaktionen des Pferdes erfolgen immer unmittelbar, unverfälscht und ehrlich; sie sind körpersprachlich vermittelt und eindeutig. Der Reiter erfährt Beziehungsinhalte, wie zum Beispiel Nähe- Distanz, Wärme- Zuwendung, die alle nonverbal ablaufen und doch im direkten Bezug zu menschlichen Beziehungsgehalten stehen. Durch seinen breiten Rücken, das weiche Fell und seine gutmütige Art lädt das Pferd zum großflächigen Körperkontakt ein: der Reiter wird eingeladen sich auf den Pferderücken zu legen. Auf diese Weise kann er die Situation des Getragenwerdens in rhythmischer Bewegung, mit allen Sinnen erfahren. Dies erlaubt einerseits Regression und ein Anknüpfen an frühe Bewegungserfahrungen und bewirkt andererseits ein Aufbrechen verfestigter Bewegungs- und Haltungsmuster. So werden bei autistischen Kindern nur sehr selten stereotype Verhaltensweisen beobachtet wenn sie auf dem Pferd sitzen (vgl. Pickartz, A. u.a., 2000, 113 ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autorin beschreibt ihre persönliche Motivation und erste Berührungspunkte mit dem Thema Autismus sowie ihr Interesse an der Reittherapie.
2. AUTISMUS: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Erscheinungsformen des Autismus, die Ressourcen der Betroffenen sowie aktuelle Erkenntnisse zu Ursachen und Begleiterscheinungen.
3. REITTHERAPIE: Es werden verschiedene Formen der therapeutischen Arbeit mit Pferden vorgestellt und deren spezifische Anwendungsmöglichkeiten bei autistischen Kindern sowie deren Wirksamkeit analysiert.
4. SCHLUSS: Die Arbeit fasst zusammen, dass Reittherapie eine wertvolle, ergänzende Therapieform darstellen kann, sofern sie individuell auf das Kind abgestimmt wird.
Schlüsselwörter
Autismus, Reittherapie, Heiltherapeutisches Reiten, Heiltherapeutisches Voltigieren, Sozialverhalten, Kommunikation, Pferd, Sensorik, Temple Grandin, Entwicklungsförderung, Psychomotorik, Stereotype Verhaltensweisen, Inklusion, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Wirksamkeit von Reittherapie als unterstützende Maßnahme für Kinder mit Autismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das autistische Spektrum, die therapeutische Interaktion mit Pferden sowie die Auswirkungen dieser Therapie auf die soziale und motorische Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu hinterfragen, ob Reittherapie autistischen Kindern helfen kann, aus ihrer Isolation zu finden und ihre Lebensqualität durch gezielte Förderung zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis bestehender Fachpublikationen und Evaluationsstudien (wie der "Tapfer"-Studie) die Relevanz der Reittherapie begründet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Symptomatik des Autismus, die verschiedenen Methoden der Reittherapie sowie die Ähnlichkeiten in der Wahrnehmung zwischen Autisten und Tieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Autismus, Heiltherapeutisches Reiten, Psychomotorik, Förderung, Kommunikation und Tiergestützte Therapie.
Warum ist die Verbindung zu Tieren für Autisten oft einfacher als zu Menschen?
Laut der Arbeit handeln Tiere intuitiv, authentisch und ohne Vorbehalte, was autistischen Kindern eine nonverbale Kommunikation ohne sozialen Druck ermöglicht.
Welche Rolle spielt Temple Grandin in dieser Hausarbeit?
Temple Grandin liefert mit ihren theoretischen Ansätzen zur bildhaften Wahrnehmung und sensorischen Verarbeitung bei Autisten eine wissenschaftliche Erklärung für die intuitive Bindung zwischen Autisten und Tieren.
- Quote paper
- Fabian Blüsch (Author), 2007, Reittherapie mit autistischen Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115776