Textilien wurden nicht immer mit Kunst in Verbindung gesetzt. Oft wird Kunst bis heute im engeren Sinne mit Malerei, Architektur, Bildhauerei oder Ähnlichem verbunden. Der Begriff "Textilkunst" ist vielfach unbekannt und kann daher nicht immer gleich zugeordnet werden.
Die vorliegende Hausarbeit ist wie folgt aufgebaut: Zu Beginn werden die Begriffe "Textilien" und "Textilkunst" definiert. Dabei wird parallel auch deren geschichtliche Entwicklung mit einbezogen. Wie kam es zum Begriff "Textilkunst"? Was waren die Anfänge? Welche Motive beinhaltet Textilkunst und welche Funktionen werden ihr zugewiesen? Durch die Benennung bestimmter Strömungen und einzelner Künstlerinnen und Künstler, die Einfluss auf die Textilgeschichte hatten, wird deren Sichtweise des textilen Materials näher erläutert. Ein weiterer Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit dem didaktischen Aspekt von Textilkunst. Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Textilkunst: Einführung und Definition
3. Funktionen von Textilien
4. Strömungen und Künstler im kulturhistorischen Rückblick
4.1 Soft-Art Bewegung
4.2 Reformbewegung
4.3 Sonia Delaunay
5. Ästhetische Erfahrung im Kunstunterricht
6. Mehrperspektivität als textildidaktisches Prinzip
7. Ideenkontexte
7.1 Materialität
7.2 Methodische Bausteine
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und kunstgeschichtliche Einordnung der Textilkunst im 20. Jahrhundert und leitet daraus didaktische Konzepte für den Kunstunterricht in der Grundschule ab, wobei insbesondere die funktionale und emotionale Bedeutung textiler Materialien für Kinder im Fokus steht.
- Historische Entwicklung der Textilkunst und Begriffsklärung
- Kulturhistorischer Rückblick auf die Soft-Art-Bewegung und Reformbewegung
- Analyse der Funktionen von Kleidung und Textilien für den Menschen
- Didaktische Bedeutung der ästhetischen Erfahrung durch Textilien
- Implementierung von Mehrperspektivität im Textilunterricht
Auszug aus dem Buch
4.1 Soft Art-Bewegung
In den 1960er und 1970er Jahren entwickelte sich eine gesellschaftlich bedingte Erweiterung des Kunstbegriffs. Wie in der Einführung bereits erwähnt, gewannen Materialien, die vorher im künstlerischen Kontext keine große Bedeutung hatten und kaum Beachtung fanden, ihren Platz. Verschiedene Kunstwerke aus weichen Materialien wurden 1980 in einer von Erika Billeter organisierten Ausstellung erstmalig in Europa unter dem Begriff „Soft Art“ präsentiert. Ein wichtiger Teil dieser Ausstellung war die Darstellung der kulturellen Verbindung zwischen kultischen Objekten Schwarzafrikas, der Indianer Südamerikas oder der Aborigines Australiens und zeitgenössischen Kunstobjekten (vgl. von Pape 2008, 26).
Die spezielle Prägung der Kunst durch weiche Materialien wurde durch die Soft Art-Bewegung besonders intensiviert. Claes Oldenburg kreierte bereits 1963 mit seiner Arbeit Soft Typewriter den Begriff der „Soft Sculpture“. Darunter werden nicht nur Skulpturen aus Textilien verstanden, sondern auch aus anderen weichen Materialien wie Federn, Fell, Filz, Gummi oder ähnliches. Er bildete Objekte, die wir als harte Form mit einer Funktion kennen, in einem weichen Material nach (vgl. Persson 1993/94, 16). Somit wurde der Begriff „Skulptur“ auf weiche Materialien übertragbar gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Thema, definiert die Begriffe Textilien und Textilkunst und erläutert die Relevanz für den Grundschulunterricht.
2. Textilkunst: Einführung und Definition: Dieses Kapitel skizziert die historische Aufwertung der Textilkunst im 20. Jahrhundert und die Entwicklung von der Tapisserie hin zu freien, experimentellen Ausdrucksformen.
3. Funktionen von Textilien: Hier werden die vielfältigen Funktionen von Kleidung untersucht, von der rein physischen Schutzfunktion bis hin zur sozialen, identitätsstiftenden und erinnerungsbezogenen Bedeutung.
4. Strömungen und Künstler im kulturhistorischen Rückblick: Das Kapitel analysiert die Soft-Art-Bewegung, die Reformbewegung und das Werk von Sonia Delaunay als Wegbereiter für textile Materialien in der Kunst.
5. Ästhetische Erfahrung im Kunstunterricht: Es wird erörtert, wie ästhetische Erfahrungen durch Produktion und Rezeption im Fach Kunst gefördert werden können.
6. Mehrperspektivität als textildidaktisches Prinzip: Dieses Kapitel führt das Prinzip der Mehrperspektivität als didaktische Notwendigkeit für einen vielschichtigen Textilunterricht ein.
7. Ideenkontexte: Hier wird anhand von "biografischem Lernen" und konkreten "methodischen Bausteinen" aufgezeigt, wie Kinder eine persönliche Bindung zu Textilien entwickeln.
8. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Textilien als flexible Materialien die Kunstgeschichte bereichert haben und im Unterricht als medium für ästhetische Entwicklung dienen.
Schlüsselwörter
Textilkunst, Soft Art, Reformbewegung, Sonia Delaunay, Ästhetische Erfahrung, Mehrperspektivität, Textilunterricht, Grundschule, Materialität, Biografisches Lernen, Kleidung, Objektbindung, Kunstgeschichte, Didaktik, Kreativität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Textilkunst im 20. Jahrhundert und untersucht deren didaktische Einsatzmöglichkeiten im Kunstunterricht der Grundschule.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die kunsthistorische Definition von Textilkunst, die soziologische und psychologische Funktion von Kleidung sowie didaktische Prinzipien für den Textilunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie textile Materialien von einem vormals als geringwertig betrachteten Bereich zu einem anerkannten künstlerischen Medium wurden und wie diese Erkenntnisse für eine ästhetische Erziehung in der Grundschule genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse zur kunsthistorischen Aufarbeitung und kombiniert diese mit fachdidaktischen Überlegungen für den schulischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse wichtiger Strömungen (Soft Art, Reformbewegung) und einen didaktischen Teil, der das Prinzip der Mehrperspektivität und das Konzept des biografischen Lernens bei der Arbeit mit Textilien im Unterricht erläutert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Textilkunst, Ästhetische Erfahrung, Mehrperspektivität, Biografisches Lernen und Didaktik geprägt.
Wie definiert die Autorin "Soft Art" im Kontext der Arbeit?
Soft Art bezeichnet eine Strömung der 1960er/70er Jahre, in der weiche Materialien wie Textilien, Filz oder Fell als künstlerisches Ausdrucksmittel genutzt wurden, oft um "harte" Objekte durch weiche Formen neu zu interpretieren.
Was bedeutet "biografisches Lernen" bei der Arbeit mit Textilien?
Es bezeichnet einen Ansatz, bei dem das Kind nicht nur ein Objekt gestaltet, sondern die persönliche, emotionale Bindung zu einer "Lieblingstextilie" und die damit verbundenen Erinnerungen als Ausgangspunkt für den Lernprozess nutzt.
- Arbeit zitieren
- Tansu Körbasan (Autor:in), 2021, Textilien in der Kunst, in der Kunstgeschichte und im Kunstunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1157881