„Was das Komische an Hitler betrifft, möchte ich nur sagen, dass es, wenn
wir nicht ab und zu über Hitler lachen können, noch viel schlechter um uns
bestellt ist als wir glauben. Es ist gesund zu lachen, auch über die
dunkelsten Dinge des Lebens, sogar über den Tod. (...) Lachen ist ein
Stärkungsmittel, Lachen erleichtert; Lachen ist eine Atempause, die es
ermöglicht, den Schmerz auszuhalten.“
Charlie Chaplin; New York Times, 1941
Um genau dieses eher außergewöhnliche, groteske Lachen dreht sich im
weiteren Sinne meine Arbeit. Wenn Chaplin von dem Lachen über Hitler,
Lachen als Stärkung, zur Erleichterung und dem Lachen, dass einem die
Atempause gibt, die es möglich macht den Schmerz auszuhalten ,spricht,
denke ich an die Holocaust – Komödien Das Leben ist schön und Zug des
Lebens, die dieses von Chaplin beschriebene Lachen zum Ausdruck
bringen. So schreibt die TV – Today im Juli 2000 über den Film Zug des
Lebens: „So witzig wie bewegend. Eine märchenhafte […] Groteske über
den Humor als Waffe gegen das Grauen.“2
Bedeutet das Komische im Film für den einen die Überlegenheit und
Hoffnung der Opfer, können Holocaust – Komödien bei anderen
Rezipienten den Eindruck erwecken es sei nur „eine lustige Geschichte“.
Diese gefährliche, verharmlosende, Auffassung über den Holocaust
resultiert aus dem fehlenden Wissen über die Grausamkeit der
Judenvernichtung.
Gerade junge Menschen lassen sich von dem Medium Film stark
beeinflussen. Geschichten über Liebe und Leid, Glück und Unglück, Krieg
und Frieden prägen ihre Gedanken und Einstellungen.3 Bezieht man jetzt
noch das Merkmal der Trivialität von Spielfilmen4 in die Überlegungen mit
ein, muss man sich fragen, in wie weit die Filminhalte bewusst
aufgenommen werden oder unreflektiert im Raum stehen bleiben.
In Bezug auf Holocaust – Komödien möchte ich folgende These
aufstellen: Jugendliche sind potentielle „Mitglieder“ der Gruppe „Es war
eine lustige Geschichte“.
Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, sehe ich es als wichtig, ja sogar
notwendig an, dass die Institution Schule die Jugendlichen beim Umgang
mit Holocaust – Komödien unterstützt, ihnen die Möglichkeit gibt zu
hinterfragen und die Spielfilme kritisch zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Theorieteil
2. Der Holocaust
2.1. Begrifflichkeit
2.2. Der Holocaust als geschichtliches Ereignis
3. Holocaust – Spielfilme
3.1. Was sind Holocaust – Spielfilme?
3.2. Die Entwicklung von Holocaust – Spielfilmen
3.3. Tragisch – komische Spielfilme als alternative Auseinandersetzungsform mit dem Holocaust
4. Ethisch – moralische Betrachtung von Holocaust – Komödien
5. Filmographie
5.1. Holocaust – Spielfilme
5.1.1. Der 9. Tag
5.1.2. Aimée und Jaguar
5.1.3. Der Pianist
5.1.4. Comedian Harmonists
5.1.5. Der große Diktator
5.1.6. Ghetto
5.1.7. Schindlers Liste
5.2. Holocaust – Komödien
5.2.1. Enemies. A love story
5.2.2. Das Leben ist schön
5.2.3. Zug des Lebens
Praxisteil
6. Mein Forschungsthema: Der Umgang von Schülern mit Holocaust - Komödien
6.1. Das Leben ist schön im Geschichtsunterricht der Klasse 10 des TM- Gymnasium
6.1.1 Organisation und technische Voraussetzungen
6.1.2. Stundenverlauf zum Film das Leben ist schön
Datenerfassung
6.1.3. Der Fragebogen zum Film Das Leben ist schön
6.1.3.1. Konzipierung des Fragebogens mit Hilfe von GrafStat
6.1.3.2. Der Fragebogen
6.1.3.3. Schülerantworten/ Ergebnisse der Fragebögen
6.1.4. Gruppeninterviews zum Film Das Leben ist schön
6.1.4.1. Leitfragen für die Gruppeninterviews
6.1.4.2. Ausgewählte Antworten aus den Gruppeninterviews
6.2. Zug des Lebens im Geschichtsunterricht des Kurs 11 des TM – Gymnasiums
6.2.1. Stundenverlauf zum Film Zug des Lebens
Datenerfassung
6.2.2. Der Fragebogen zum Film Zug des Lebens
6.2.2.1. Schülerantworten/ Ergebnisse der Fragebögen
6.2.3. Gruppeninterviews zum Film Zug des Lebens
6.2.3.1. Leitfragen für die Gruppeninterviews
6.2.3.2. Ausgewählte Antworten aus den Gruppeninterviews
Auswertung
7. Der Umgang der SchülerInnen mit den Holocaust – Komödien Das Leben ist schön und Zug des Lebens
7.1. Auswertung der Fragebögen und Gruppeninterviews
7.2. Auswertung der Fragebögen und Gruppeninterviews über die Holocaust – Komödie Das Leben ist schön und Schlussfolgerungen
7.3. Auswertung der Fragebögen und Gruppeninterviews über die Holocaust – Komödie Zug des Lebens und Schlussfolgerungen
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Wirkung und den Umgang von Schülerinnen und Schülern mit dem Genre der "Holocaust-Komödie" im schulischen Geschichtsunterricht zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Jugendliche in der Lage sind, zwischen der historischen Realität und der fiktionalen Darstellung mittels Komik zu differenzieren, und ob der Einsatz von Humor ein moralisches Problem im Umgang mit dem Holocaust darstellt.
- Analyse von Holocaust-Spielfilmen und dem spezifischen Genre der Holocaust-Komödie
- Ethisch-moralische Betrachtung der Darstellung von Leid und Humor
- Empirische Untersuchung in 10. und 11. Klassen mittels Fragebögen und Gruppeninterviews
- Vergleich der Rezeption von "Das Leben ist schön" und "Zug des Lebens"
- Reflexion über die didaktische Vermittlung jüdischer Kultur und Geschichte
Auszug aus dem Buch
3.1. Was sind Holocaust – Spielfilme?
Als Holocaust – Spielfilme werden solche Filme bezeichnet, die den Holocaust, d.h. die Diskriminierung, Entrechtung und Vernichtung der europäischen Juden und anderer Minderheiten durch die Nationalsozialisten, zum Thema haben. Des Weiteren zählt man auch die Filme dazu, die nicht explizit den Holocaust zeigen, sondern die Auseinandersetzung mit und die Verarbeitung des Holocausts durch die Überlebenden, Täter, Sieger und Besiegte und natürlich auch der Generation, die nach der Zeit des Nationalsozialismus kam. Das heißt also, alle Filme, die nach 1945 entstanden, gehören zu dieser Kategorie und vermitteln dem Zuschauer eine bestimmte Erinnerung über die Zeit des Nationalsozialismus. Deshalb können solche Filme als mentalitätsgeschichtliche Quelle genutzt werden. Es kommt aber auch oft vor, dass Spielfilme, in denen der Holocaust im Mittelpunkt steht, Scheindokumentationen sind. Doch die Verwendung von fiktiven Handlungen bedeutet nicht zwangsläufig, dass dem Zuschauer ein falsches Bild von Geschichte vermittelt wird. In dem tatsächlich historische Ereignisse auf die Leinwand gebracht werden, versucht man dem Zuschauer möglichst unverfälscht die historische Wahrheit aufzuzeigen. Dabei nimmt die Authentizität einen großen Stellenwert ein. Um dies zu erfüllen, muss darauf geachtet werden, dass die Darsteller der historischen Wahrheit entsprechende Kleidung tragen oder die Requisiten stimmen. Und wenn dann noch in der Filmhandlung historische Filmdokumente verwendet werden, ist es für den Zuschauer schwer zwischen einem Holocaust – Dokumentar – und einem Holocaust – Spielfilm zu unterschieden. Tilo Werner nennt als grundlegendes Unterscheidungskriterium die frei erfundenen Szenen bei Holocaust – Spielfilmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Forschungsarbeit in den Kontext der Holocaust-Komödien gestellt, die These formuliert, dass Jugendliche den Humor missverstehen könnten, und die Zielsetzung für den Geschichtsunterricht dargelegt.
2. Der Holocaust: Dieser Teil definiert die Begrifflichkeiten und ordnet den Holocaust als geschichtliches Ereignis, insbesondere im Hinblick auf die nationalsozialistische Entrechtungs- und Vernichtungspolitik, ein.
3. Holocaust – Spielfilme: Es erfolgt eine Definition des Holocaust-Spielfilms und eine historische Einordnung, wie Filme sich dem Thema genähert haben, unterteilt in Tragödien und die alternative Form der Komödie.
4. Ethisch – moralische Betrachtung von Holocaust – Komödien: Die ethische Problematik der Darstellung von Völkermord durch komische Mittel wird diskutiert, wobei die Frage nach der moralischen Legitimität und der Funktion von Humor im Mittelpunkt steht.
5. Filmographie: In diesem Kapitel werden diverse Holocaust-Spielfilme und spezifische Holocaust-Komödien inhaltlich vorgestellt und analysiert.
6. Mein Forschungsthema: Der Umgang von Schülern mit Holocaust - Komödien: Dieser Teil beschreibt den Praxiseinsatz im Unterricht, die Methodik der Datenerfassung durch Fragebögen und Interviews in verschiedenen Klassenstufen.
7. Der Umgang der SchülerInnen mit den Holocaust – Komödien Das Leben ist schön und Zug des Lebens: Hier werden die Ergebnisse der Befragungen detailliert ausgewertet und die Schülerreaktionen interpretiert.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse, wobei betont wird, dass eine kritische Nachbereitung notwendig ist, um die Gefahr der Verharmlosung zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Holocaust, Holocaust-Komödie, Spielfilme, Geschichtsunterricht, Nationalsozialismus, Humor, Filmanalyse, Zeitzeugen, Jugendliche, Didaktik, Fiktion, Realität, "Das Leben ist schön", "Zug des Lebens", Filmerziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Schülerinnen und Schüler auf Holocaust-Komödien im Geschichtsunterricht reagieren und ob diese Filme zur historischen Bildung beitragen können oder eher verharmlosend wirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die ethische Bewertung von Humor bei der Darstellung des Holocaust, die Differenzierung zwischen Fiktion und Realität im Film und die didaktische Begleitung solcher Filme in der Schule.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Jugendliche zwischen der "lustigen" filmischen Aufbereitung und dem historischen Ernst unterscheiden können und welche Rolle das Vorwissen dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Filmanalyse und einer praktischen empirischen Untersuchung mittels Fragebögen und Gruppeninterviews in einem Gymnasium.
Welche Filme dienen als praktische Beispiele?
Die Analyse konzentriert sich primär auf die beiden Holocaust-Komödien "Das Leben ist schön" und "Zug des Lebens".
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch die Verknüpfung von medienwissenschaftlichen Aspekten mit praktischer Schulpädagogik und einer starken ethischen Reflexion.
Warum ist das Thema Holocaust-Komödie so umstritten?
Die Kontroverse beruht auf der Sorge, dass komische Elemente das unermessliche Grauen des Holocausts verharmlosen, verfälschen oder für unreflektierte Zuschauer als "lustige Geschichte" erscheinen könnten.
Was kam bei der Untersuchung in den Schülergruppen heraus?
Die Mehrheit der Schüler konnte den ernsten Hintergrund trotz des Humors erkennen, jedoch gab es Schwierigkeiten bei der Deutung des jüdischen Humors und der Unterscheidung zwischen der Fiktion des Films und der historischen Realität.
- Quote paper
- Josefine Just (Author), 2007, Holocaustkomödien im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115789